Digitale Welten

 

 

Quoi de neuf 2020 - Lehrerfortbildung Digitale Welten

Quoi de neuf ? Nouvelles du bilingue 2020

„Les mondes numériques – Digitale Welten

Frabil Goethe Institut Frankreich Réseau Abibac

Bericht der diesjährigen deutsch-französischen Lehrerfortbildung von LIBINGUA, Goethe-Institut Paris und Réseau Abibac zum Thema „Les mondes numériques – Digitale Welten“ vom 09.03.–11.03.2020 in Münster (Westfalen)
Das Programm der deutsch-französischen Lehrerfortbildung 2020 finden Sie hier

Einstimmung in das Thema
Einstimmung in das Thema - Foto: Wulf Conrad

Nur mit viel Glück konnte die diesjährige deutsch-französische Lehrerfortbildung noch so eben als Präsenzveranstaltung über die Bühne gehen. Am Abreisetag selbst erreichte die Veranstalter gegen Mittag die Mail des nordrhein-westfälischen Schulministeriums, dass aufgrund der Corona-Pandemie alle Maßnahmen der Lehrerfortbildung zu beenden seien. Hätten wir nur einen Tag später begonnen, so wäre eine reibungslose Durchführung nicht mehr möglich gewesen. Trotz der widrigen äußeren Umstände haben aber immerhin noch über 60 Lehrkräfte aus Deutschland und Frankreich den Weg nach Münster gefunden, um sich zweieinhalb Tage lang zu dem spannenden Thema „Les mondes numériques“ auszutauschen und fortzubilden.

Dass die „Digitalen Welten“ im Laufe des Jahres 2020 ein noch nie geahntes Ausmaß erreichen sollten und in alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens eindringen sollten, konnte zum Zeitpunkt der Planung der diesjährigen deutsch-französischen Lehrerfortbildung zum gleichnamigen Thema noch niemand ahnen.

Schulschließungen in allen deutschen Bundesländern, in Frankreich und vielen anderen Ländern weltweit zogen über Monate die Verlagerung des kompletten Unterrichtsgeschehens in den virtuellen Raum nach sich. Umso nützlicher erwiesen sich die zahlreichen digitalen Werkzeuge und Tools, die die anwesenden Sprach- und Sachfachlehrkräfte in zahlreichen Ateliers auf der diesjährigen bilingual deutsch-französischen Lehrerfortbildung kennenlernen und erproben konnten.

Dazu zählten das Online-Computerspiel „Die Stadt im Mittelalter“ ebenso wie die „Biparcours“-App zur Erstellung von Stadtrallyes, die Nutzung der Inter@actions-TeleTandem-Lernmodule des DFJW zur exemplarischen Erstellung von Erklärvideos, die Reflexion des Einsatzes von „Youtube“-Lernvideos zur Förderung der Medienkompetenz oder auch die Nutzung der App „Stepmaps“ zur Anfertigung von Landkarten für virtuelle (Zeit)Reisen. Auch der reflektierte Umgang mit „Wikipedia“ oder die passgenaue Erstellung von schüleraktivierenden Bausteinen mittels „learningapps.org“ für den Fremdsprachenunterricht sowie der Einsatz von digitalen Geomedien wie „WebGIS“-Tools oder „Google Earth“ im bilingualen Geographieunterricht standen auf dem Programm (für Details vgl. das Tagungsprogramm).

Erklärvideo
Gemeinsames Erstellen eines Erklärvideos im Rahmen eines Ateliers - Foto: Wulf Conrad

Learning-Apps
Gemeinsames Intensives Erproben von Learning-Apps im Rahmen eines Ateliers - Foto: Wulf Conrad

Durch die Wahl des Oberthemas „Les mondes numériques – Digitale Welten“ sollte zudem zum Ausdruck gebracht werden, dass es nicht nur um die rein technisch-methodische Seite des Einsatzes von digitalen Tools im Sprach- und Sachfachunterricht geht, sondern ebenso um eine inhaltlich-didaktische Dimension, d.h. eine gemeinsame Reflexion, wie die Digitalisierung auf Gesellschaft, Alltagshandeln und Raum (ein)wirkt.

Neben unmittelbaren Angeboten für den Sprach- und Sachfachunterricht wurde darüber hinaus auch der Einsatz von virtuellen Plattformen als Ergänzung zu deutsch-französischen Schülerbegegnungen diskutiert.

Wie auch in den vergangenen Jahren haben sich erfreulicherweise viele Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Mitgliedsschulen mit bilingual deutsch-französischem Bildungsgang und Abibac-Zügen im Rahmen der Atelierleitungen eingebracht, so dass wiederum ein attraktives Angebot „aus der Praxis für die Praxis“ des bilingual deutsch-französischen Bildungsgangs zusammengestellt werden konnte.

Um den Blick über die unterrichtliche Praxis hinaus zu öffnen und das Thema in einem breiteren gesellschaftlichen Rahmen zu denken, kamen auch Experten aus Wissenschaft und Kultur zu Wort: Der Sprecher des Bundesarchivs der Bundesrepublik Deutschland, Herr Dr. Tobias Herrmann, gab in seinem Vortrag „Zugang für immer, Zugang für alle?“ Einblicke in Herausforderungen bei der Digitalisierung öffentlicher historischer Dokumente. Die Geographen Tobias Bödger und Prof. Dr. Samuel Mössner von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster beleuchteten am Beispiel des ländlichen Raumes „Regionalentwicklung und Raumbilder vor dem Hintergrund der Digitalisierung“.

Da den Veranstaltern auch immer am Herzen liegt, das Tagungsthema zeitgemäß wissenschaftsbasiert und lerntheoretisch zu verankern, kam als Keynote-Speakerin Frau Prof. Dr. Frauke Matz zu Wort, die als Inhaberin des Lehrstuhls für englische Fachdidaktik an der Universität Münster den anwesenden Lehrkräften durch ihren Vortrag „Fremdsprachen lehren und lernen in digitalen Welten“ einen Rahmen zur unterrichtlichen und didaktischen Verortung bot.

Wer schon einmal an den Lehrerfortbildungen der Veranstalter teilgenommen hat, weiß um den Stellenwert, der spannenden thematischen Exkursionen beigemessen wird. Denn schließlich sollte eine Lehrerfortbildung, zu der so viele Menschen aus den verschiedensten Regionen Frankreichs und Deutschlands teilweise von weither anreisen, nicht nur in der Tagungsstätte stattfinden, sondern auch den umgebenden Raum thematisch sinnstiftend einbinden. Alle Exkursionen versprachen eine inhaltliche Bereicherung und spannende Entdeckungen vor Ort: So hat eine Gruppe am Beispiel der Stadt Münster eine eigene Fotoausstellung mit Audioguides zum Thema „Städte im digitalen Wandel“ erstellt, eine weitere die Stadt mit der App Biparcours erkundet und eine interaktive Stadtrallye konzipiert. Die Geographie-Lehrkräfte begaben sich zusammen mit dem Chief Innovation Officer der Stadt, Dr. André Wolf, auf die Spuren der Digitalisierung im städtischen Raum der Smart City Münster – aufgrund des Regens leider nicht wie geplant mit dem Fahrrad, sondern zu Fuß. Die Kolleginnen und Kollegen des Faches Geschichte diskutierten schließlich in der NS-Gedenkstätte Villa-ten-Hompel die Frage „Geschichtsort oder mémorial? - Selbstverständnis und Vermittlungsstrategien in interkultureller Perspektive“ - auch unter Berücksichtigung der virtuellen Angebote des Hauses.

Geographie-Exkursionsgruppe
Austausch mit dem Chief Innovation Officer der Smart City Münster, Dr. André Wolf, im Digital Hub münsterLAND - Foto: Maik Böing

Geographie-Exkursionsgruppe
Die Geographie-Exkursionsgruppe am Hafen in Münster - Foto: Maik Böing

Geographie-Exkursionsgruppe
Teilnehmerinnen sichten die Ergebnisse der Audioguide-Fotoausstellung zum Thema „Städte im digitalen Wandel“ - Foto: Wulf Conrad

Ein Highlight der Veranstaltung stellte der intensive Austausch mit dem Präsidenten der Deutsch-französischen Hochschule (DFH), Herrn Prof. Dr. Olivier Mentz, dar. Dieser hatte sich ganze eineinhalb Tage Zeit genommen, um unserer Veranstaltung beizuwohnen. Bewusst wurde nicht auf das eher klassische Format „Vortrag plus Diskussion“ gesetzt, sondern die Begegnung mit den Lehrkräften als veritables „Strategiegespräch“ angelegt. So haben wir gemeinsam überlegt, mit welchen Strategien wir die Kooperation zwischen DFH und den Mitgliedsschulen in Deutschland und Frankreich stärken können. Auf der Basis einer vorab durchgeführten Online-Umfrage, an der sich über 50 Lehrkräfte aus Deutschland und Frankreich beteiligt hatten, konnten zahlreiche Ideen, Maßnahmen und Strategien diskutiert und sodann Schritte zu deren Umsetzung geplant werden – mit dem Ziel, noch mehr Schülerinnen und Schüler unserer deutsch-französischen Bildungsgänge für ein Studium an der DFH zu motivieren und ihnen somit attraktive internationale Karrierewege zu ermöglichen.

Strategiegespräch
Strategiegespräch mit dem Präsidenten der Deutsch-Französischen Hochschule, Prof. Dr. Olivier Mentz - Foto: Wulf Conrad

Neben zahlreichen inhaltlichen Punkten galt es auf der Fortbildung auch, sich den organisatorischen Dingen der Selbstverwaltung zu widmen, organisiert sich die LIBINGUA-Arbeitsgemeinschaft schließlich in ihrer Arbeit durchweg ehrenamtlich. Wie alle drei Jahre stand turnusmäßig die Wahl des LIBINGUA-Vorstandes an. In diesem Jahr wurde diese Wahl durch einen Abschied markiert. Nach 18 Jahren an der Spitze der LIBINGUA-Arbeitsgemeinschaft trat der langjährige Vorsitzende, Herr LRSD a.D. Paul Palmen, aufgrund seiner Pensionierung im Hauptamt nicht mehr zur Wiederwahl an. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde wurde ihm für sein unermüdliches Engagement gedankt. In seine Amtszeit fiel u.a. die immens arbeitsaufwändige, ihm obliegende federführende Organisation mehrerer deutsch-französischer Schülertreffen mit den ausrichtenden Schulen (Frankfurt, Bochum, Düren). Es ist ihm zu verdanken, dass die Schülertreffen allesamt mit den höchsten Schirmherrschaften geadelt worden sind, die überhaupt möglich sind – die jeweils amtierenden Außenminister bzw. Präsidenten beider Länder haben diese übernommen! Wir sind sehr froh und dankbar, dass er der LIBINGUA-Arbeitsgemeinschaft weiterhin als Ehrenvorsitzender verbunden sein wird.

Der neu gewählte erweiterte Vorstand umfasst nunmehr insgesamt 10 Personen (vgl. Organigramm). Wir reagieren damit auf neue Herausforderungen und neue Aufgaben, die sich in den letzten Jahren u.a. durch die verstärkte Kooperation mit unserem französischen Partner Réseau Abibac ergeben haben, aber auch durch weitere gesellschaftliche Entwicklungen.

Als Vorsitzender der LIBINGUA-Arbeitsgemeinschaft wurde Maik Böing (Gymnasium Kreuzgasse, Köln) gewählt, als stellvertretende Vorsitzende Florian Niehaus (Sankt Leonhard-Gymnasium, Aachen) sowie Alexander Schröer (Otto-Schott-Gymnasium, Mainz). Hinzu kommen insgesamt 7 weitere Referentinnen und Referenten, die sich jeweils in Teams um die verschiedene Aufgabenbereiche kümmern:

  • Kollegiale Vernetzung: Michaela Bodensteiner (Werner-von-Siemens-Gymnasium, Regensburg) und Franz Fischer (Karl-Theodor von Dalberg-Gymnasium, Aschaffenburg),
  • Internationale Karrierewege (Zusammenarbeit Deutsch-französische Hochschule, Sciences Po, Forum École-Entreprises): Anja Lützler (Luisen-Gymnasium, Düsseldorf), Paula Theurich (Ziehenschule, Frankfurt am Main), Daniela Wingenfeld (Hildegardisschule, Bochum),
  • Sonderprojekte und Wettbewerbe: Ramona Hunzelmann (Gymnasium Alleestraße, Siegburg), Angela Voges (Pascal-Gymnasium, Münster).

Organigramm der LIBINGUA-­‐Arbeitsgemeinschaft (Stand: 09.03.2020)

Wie auch in den vergangenen Jahren wurde die Veranstaltung unterstützt durch das Deutsch-Französische Jugendwerk sowie die Französische Botschaft Berlin, bei denen wir uns sehr bedanken!

Dass auch nun, ein halbes Jahr später, die allgemeine Situation die Planung von Präsenz-Veranstaltungen weiterhin schwierig macht, hat uns innerhalb des Veranstalterteams dazu bewogen, die ursprünglich in Lille vom 17.03. bis 19.03.2021 geplante nächstjährige bilingual deutsch-französische Lehrerfortbildung in den digitalen Raum zu verlegen – unter Beibehaltung der Daten. Wir freuen uns auf die Herausforderung, gemeinsam eine zeitgemäße digitale internationale Lehrerfortbildung zu konzipieren und neue Formate zu erproben, bevor wir uns dann im Frühjahr 2022 schließlich – wie geplant – in Lille treffen können.

 


 

Maik Böing, boeing@libingua.de, Vorsitzender der LIBINGUA-Arbeitsgemeinschaft

 


 

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