Die Stadt im Mittelalter

Quoi de neuf 2020 - Die Stadt im Mittelalter

Quoi de neuf ? Nouvelles du bilingue 2020

Die Stadt im Mittelalter
Lernsoftware mit trilingualen Portfolio im Geschichtsunterricht

Planet Schule lädt zu einer abenteuerlichen Entdeckungsreise ein: Mit einem Klick geht es direkt ins Herz einer mittelalterlichen Stadt! Hier gilt es, sich einen Weg durch das Gewirr der alten Straßen und Plätze zu bahnen. Bei der Stadterkundung entsteht spielerisch ein lebendiges Bild der damaligen Gesellschaft. Interaktion und eigenes Erleben stehen im Vordergrund. Diese Mehrsprachigkeit der Lernsoftware bietet eine großartige Chance für ein trilinguales Modul im regulären Geschichtsunterricht bereits in der 7. Klasse, zumal die Schüler bei Verständnisproblemen mit einem Mausklick flexibel zwischen den Sprachen hin- und herwechseln können und so auch den Fachwortschatz in allen drei Sprachen lernen. Zudem hat die türkischsprachige Version noch einen zusätzlichen inklusiven Aspekt für Schüler mit entsprechendem Migrationshintergrund.

Die Lernsoftware „Die Stadt im späten Mittelalter“ steht komplett online zur Verfügung. Planet Schule bietet das mittelalterliche Abenteuer auf vier Sprachen an: Deutsch, Französisch, Englisch und Türkisch.
www.planet-schule.de/stadt-im-mittelalter

Stadt im Mittelalter

Folgende Themenbereiche werden in Form kleiner Lernspiele, Animationen, informativer Wissenstexte, Bilder und Filmausschnitte präsentiert:

Stationen im Portfolio

  • 1. Handel
  • 2+3. Handwerk
  • 4. Familie
  • 5+6. Minderheiten

weitere:

  • Kirche und Weltbild
  • Haus und Straße
  • Recht und Ordnung
  • Alltag und Festtag
  • Gesundheit und Krankheit
  • Bildung

Bereits im Jahr 2017 erschien ein Praxisbericht zum Lernspiel Die Stadt im späten Mittelalter in der Zeitschrift von Planet Schule sowie auf deren Homepage.

Einbettung in eine Rahmengeschichte

Rahmengeschichte (gerafft):

Der hörige Bauer Jonas arbeitet hart auf seinem Feld, um seine Familie zu ernähren. Plötzlich taucht Sigibert, der Vogt des Grundherrn, auf und trampelt mit seinem Pferd mutwillig das Getreide nieder. Da packt Jonas die Wut. Mit seiner Hacke greift er den Vogt an, doch die Knechte nehmen ihn fest und bringen ihn zum Grundherrn Graf Bodo, der ein Urteil fällen wird.

Quelle: Forum Geschichte 2, Cornelsen Verlag Berlin 2005: S. 68/M5.

Die Lernsoftware stellt das zentrale Herzstück einer Unterrichtssequenz zum Gegensatz zwischen Land und Stadt im Mittelalter dar und ist in eine kleine Geschichte um den fiktiven hörigen Bauern Jonas (siehe Kasten) eingebettet. Die Schüler lernen seine Lebensumstände innerhalb der Grundherrschaft mit all seinen Ängsten und Nöten kennen. Die Einbettung schafft Identifikation mit einer konkreten Person und verbindet als roter Faden die Einzelstunden.
In der Folgestunde begleitet Jonas einen fahrenden Händler auf dem Weg nach München und erblickt zum ersten Mal eine mittelalterliche Stadt. Die Schüler beschreiben aus Jonas Perspektive das äußere Erscheinungsbild der Stadt und lernen anhand der Gründungslegende um Heinrich den Löwen die rechtlichen Wesensmerkmale einer Stadt kennen: Markt-, Zoll- und Münzrechte und die verlockende Formel „Stadtluft macht frei“.
Jonas und hoffentlich auch die Schüler sind neugierig geworden und stürzen sich in das Stadtleben. Auf Basis ihrer Erfahrungen sollen sie sich im Anschluss eine gut begründete Entscheidung treffen, ob sie an Jonas Stelle gerne in die Stadt ziehen oder doch lieber auf dem Bauernhof bleiben wollen. Der Vergleich von Land- und Stadtleben ist auf diese Weise in eine konkrete Handlungssituation eingebunden.

Technische Bedingungen

Die Klasse arbeitet in einem Computerraum mit klassischen Rechnern und Bildschirmen. Die Breitbandverbindung ist durchschnittlich, die Schüler nehmen Ohrhörer mit. Eine aufwendige technische Einführung ist nicht erforderlich, die Schülern erhalten zu Stundebeginn lediglich eine knappe Übersicht (Menüpunkte: Stadt + Stadtplan) sowie eine Einführung in die wesentlichen Funktionen (Fortbewegung, Info-Symbol, Aktivität-Symbol).

Unterrichtsablauf

Die Lernenden erkunden alleine oder zu zweit die Lernsoftware. Dort finden sie vielfältige Informationen, die sie zur Bearbeitung des Portfolios benötigen. Das Portfolio dient als Leitfaden und sichert die Arbeitsergebnisse in handschriftlicher Form. Es greift sechs im Lehrplan hervorgehobene Aspekte heraus:

  • der Marktplatz, die Handwerker und Zünfte stellvertretend für die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt (Station 1+2+3),
  • die unterschiedlichen Wohnverhältnisse als Ausdruck der sozialen Ungleichheit (Station 4)
  • das Frauenhaus sowie die Judengasse als Beispiele für soziale Ausgrenzung (Station 5+6).

Die Stationen können in beliebiger Reihenfolge bearbeitet werden. Den Schülern stehen drei Unterrichtsstunden zur Verfügung, eine Station soll am heimischen PC bearbeitet werden. Die Schüler wissen von Anfang an, dass die Portfolios nach der Arbeitszeit eingesammelt und beurteilt werden.

Die Aufgaben sind mithilfe der gängigen Operatoren auf unterschiedlichen Anforderungsebenen (u.a. nennen – erklären – beurteilen) formuliert und erfordern eine intensive Auseinandersetzung mit den vielfältigen Informationsmaterialien (Darstellungstexte, Quellentexte, Videos, Audios), die durch Anklicken von Personen, Gegenständen oder Gebäuden aufgerufen werden können. Außerdem lernen die Kinder etwas über das städtische Leben, indem sie Bewohnern in kleinen Lernspielen (Aktivitäten: Hand-Symbol auf den Arbeitsblättern) helfen und ihre Erfahrungen auf dem Arbeitsblatt reflektieren.

Bei Fragen, in der Regel zur Aufgabenstellung, manchmal auch bei technischen Problemen, können sie sich jederzeit an die Lehrkraft wenden. In der Praxis fiel auf, dass viele Schüler Schwierigkeiten hatten, die recherchierten Informationen in eigenen Worten zusammenzufassen. Der auf den Arbeitsblättern vorgesehene Platz ist deshalb bewusst knappgehalten, um die Schüler zu einer genaueren Auswahl der wichtigsten Informationen zu zwingen. Zudem gingen manche Schüler davon aus, dass sie die Portfolio-Aufgaben 1:1 mit expliziten Informationen aus der Lernsoftware erfüllen könnten. Teils müssen jedoch die Informationen zueinander in Beziehung gesetzt werden (vgl. Station 1 Markt: Grund für Standort der Gebäude), bei Aufgaben mit Aktualitätsbezug (vgl. Station 5 Frauenhaus: moderne Bezeichnungen) muss auch Weltwissen mitherangezogen werden. Persönliche Beurteilungsaufgaben (vgl. Station 6 Judengasse: Perspektivübernahme) erfordern ebenfalls einen Vergleich mit der heutigen Lebenswelt.

Rückmeldungen der Schüler

Für die Schüler war die Arbeit mit der Lernsoftware, die einem PC-Spiel sehr ähnelt, eine neue Erfahrung und eine spannende Abwechslung im Unterrichtsalltag. Die Arbeitsatmosphäre war überaus konzentriert, zumal sich die Schüler mithilfe der Ohrhörer teils vollkommen abkapseln und umso tiefer in die mittelalterliche Welt eintauchen konnten.
Einzelne Schüler, darunter auch auffällig viele Mädchen, erzählten begeistert, dass sie in ihrer Freizeit über die vorgegebenen Stationen hinaus die Stadt erkundet haben. Auch Eltern ließen sich vereinzelt von der Begeisterung ihrer Kinder anstecken.

Fazit

Die Lernsoftware bietet ein sehr lebendiges, ganzheitliches Bild des komplexen Gebildes "Stadt" und ermöglicht den Schülern einen altersgerechten und aktivierenden Zugang zur mittelalterlichen Welt. Es handelt sich um eine echte Lernumgebung, die selbstentdeckendes Lernen ermöglicht und den Mehrwert von digitalen Medien im Geschichtsunterricht demonstriert: Interaktivität, Mehrkanalität und selbstständige Wissenskonstruktion.

 


 

Beispiel Nottingham in the late Middle Ages

Franz Fischer, franz.fischer@dalberg-gymnasium.de, Gymnasiallehrer für die Fächer Französisch, Geschichte und Politik & Gesellschaft und AbiBac-Koordinator am Karl-Theodor-von-Dalberg-Gymnasium Aschaffenburg
mit Unterstützung von Susanne Leeb, Gymnasiallehrerin für Englisch und Italienisch am Karl-Theodor-von-Dalberg-Gymnasium Aschaffenburg


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