T.I.M.E.-Doppelmasterstudium in Paris

Quoi de neuf 2020 - T.I.M.E.-Doppelmasterstudium

Quoi de neuf ? Nouvelles du bilingue 2020

Erfahrungsbericht über das T.I.M.E.-Doppelmasterstudium an der École CentraleSupélec Paris

Als Sohn einer französischen Mutter und eines deutschen Vaters bin ich seit meiner Geburt deutsch-französisch geprägt worden. Die Tatsache, dass ich mich nach meinem Abitur für eine Universität in Deutschland entschied, änderte nichts an meinem Wunsch eines Tages eine Zeit lang in Frankreich zu studieren und zu arbeiten. So erkundigte ich mich direkt nach Beginn meines Studiums an der RWTH nach Möglichkeiten des Auslandsstudiums in Frankreich. Dabei stieß ich auf das T.I.M.E.-Doppelmasterprogramm mit der CentraleSupélec Paris, im Zuge dessen man nach den vier ersten Bachelorsemestern an der RWTH für zwei Jahre an der CentraleSupélec studiert, bevor man dann seinen Master an der RWTH absolviert. Im Anschluss an dieses sechsjährige Studium hat man dann sowohl den Master of Science der RWTH als auch das Diplôme d’ingénieur der CentraleSupélec. Die Vorstellung, zwei Jahre lang in Paris zu studieren, reizte mich ungemein und ich bewarb mich ohne zu Zögern auf das Programm.

Für französische Studenten ist die CentraleSupélec als Grande École eine höchst selektive Ingenieursschule, auf deren Aufnahmeprüfungen sie sich mindestens zwei Jahre lang intensiv vorbereiten. Pro Jahrgang werden etwa 800 Studenten über dieses Verfahren aufgenommen, etwas 80 weitere sind internationale Studenten, so wie ich selbst, die überwiegend aus China, Brasilien, Spanien, Chile und Deutschland kommen. Die Universität hat also lediglich um die 2500 Studenten, weshalb man in Frankreich bei dieser Art von Einrichtung von einer Hochschule spricht. Der Campus befindet sich außerhalb von Paris in Gif-sur-Yvette auf dem Plateau du Moulon. Man braucht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ca. eine Stunde bis in das Stadtzentrum von Paris, wodurch man Paris lediglich am Wochenende wirklich erkunden konnte.

Es gab allerdings viele Gründe auf dem Campus zu bleiben, da das Campusleben in so einer kleinen Hochschule unglaublich belebt und vielfältig ist. Das hat man vor allem der großen Zahl an Studenteninitiativen zu verdanken, die in jedem erdenklichen Bereich, beispielsweise Kultur, Sport und Reisen, Veranstaltungen anbieten. Ich habe mich in mehreren dieser Studenteninitiativen engagiert, weil ich einerseits meine Interessengebiete jenseits der Ingenieurswissenschaften ausleben wollte, und andererseits, weil diese Initiativen der beste Ort sind, um Freundschaften zu knüpfen und das persönliche Netzwerk auszubauen. Meine beiden wichtigsten Initiativen waren das Forum CentraleSupélec und die CommuS CentraleSupélec.

Master T.I.M.E. Master T.I.M.E.

Quelle: Pics CentraleSupélec

Das Forum ist die jährliche Jobmesse der Hochschule, an der mehr als 200 der wichtigsten französischen und viele internationale Unternehmen teilnehmen, um Studenten der Hochschule für Praktika und Festanstellungen anzuwerben. Diese Veranstaltung ist mit einem enormen Aufwand verbunden, der von knapp 30 Studenten über Monate hinweg gestemmt wird. Man lernt dabei, Unternehmen für die Jobmesse zu gewinnen, Zulieferer auszusuchen und die Studenten bestmöglich zu begleiten. Ich habe durch diese Arbeit viel über Organisation, Teamarbeit und Verhandeln gelernt.

Die CommuS ist das jährliche Musical, das über Monate hinweg vorbereitet wird und im Mai sieben Mal vor insgesamt etwa 1400 Leuten aufgeführt wird. Etwa 70 Studenten sind an diesem riesigen Projekt beteiligt, das das ganze Jahr über viel Arbeit und Zeit kostet, da wöchentlich mehrere Gesangs-, Tanz- und Schauspielproben und zusätzlich dazu mehrere Probenwochenenden nötig sind, damit die Aufführungen am Ende reibungslos und semi-professionell ablaufen. In meinem Jahr haben wir „FAME – The Musical“ aufgeführt (siehe Fotos).

Das Studium an der CentraleSupélec unterschied sich stark vom Studium an der RWTH. Da es sich dabei mehr um eine Schule handelt, fanden die meisten Veranstaltungen in Klassenräumen und nicht in großen Hörsälen statt. Außerdem waren viele Veranstaltungen verpflichtend, sodass man zu Beginn der Veranstaltung auf einer Namensliste unterschreiben musste.

Die beruflichen Möglichkeiten nach einem interdisziplinären Studium sind äußerst divers. Ich habe Freunde, die derzeit ihre sechsmonatigen Praktika in der Finanz-, Beratungs-, Luxus-, oder Luftfahrtbranche machen. Das hat seinen Ursprung im weitgefächerten Kursangebot. Ich habe beispielsweise unter anderem die Fächer Quantenphysik, Strategie & Marketing, Supply Chain Management, Informatik und Projektmanagement belegt. Alle Studenten sind also ausbildungstechnisch sehr breit aufgestellt und spezialisieren sich dann im letzten Studienjahr in einer bestimmten Fachrichtung.

Mein zweijähriger Aufenthalt an der CentraleSupélec war eine unglaublich intensive Zeit, wir haben viel gelernt und studiert, viel an Projekten gearbeitet, ebenso viel gefeiert und etliche Freundschaften geschlossen. Daran hat auch die Situation um Corona nichts geändert, denn ich hatte das Glück, die zweimonatige Ausgangssperre mit fünf meiner engsten Freunde von der CentraleSupélec in der Normandie zu verbringen. Die Veranstaltungen und Projekte wurden virtuell abgehalten, sodass wir auch während dieser beiden Monate gut beschäftigt waren und uns nie gelangweilt haben. Die Zeit in Frankreich war zweifelsohne eine der ereignisreichsten und besten Perioden meines Lebens und ich werde mein Leben lang glücklich auf diese Zeit zurückblicken.

Weitere Informationen: T.I.M.E. Doppel-Master-Programm an der RWTH-Aachen

 


 

Ludwig Ehrlinger, ludwig.ehrlinger@rwth-aachen.de, Student des T.I.M.E.-Doppelmasterstudium an der RWTH Aachen und der École CentraleSupélec Paris


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