Quoi de neuf 2013-2


Quoi de neuf – Nouvelles du bilingue



Napoleon auf der Spur - ein Quellenblog zur napoleonischen Ära in den deutschen Landen

Deserteur

Abbildung: Richard Knötel, Uniformenkunde, Lose Blätter zur Geschichte der Entwicklung der militärischen Tracht, Berlin 1890. Band I, Tafel 43. (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kn%C3%B6tel_I,_43.jpg?uselang=de)

Das Quellenblog "Napoleon auf der Spur" ist eine neue Internetressource für Quellenmaterial zur napoleonischen Ära in den deutschen Landen, initiiert von zwei Historikern, die zum Königreich Westfalen promoviert haben.

Das wissenschaftliche Bloggen birgt für Historiker neue Möglichkeiten des wissenschaftlichen Austauschs, insbesondere seit de.hypotheses.org im März 2012 als deutschsprachiges Pendant zu der carnets de recherches-Plattform hypotheses.org aus dem Portal OpenEdition.org gestartet wurde. de.hypotheses.org bietet als Plattform für die deutschsprachigen Geisteswissenschaften Nachwuchswissenschaftlern, Doktoranden und Aktivisten der Digital Humanities neue Wege der Weitergabe, Vermittlung und Diskussion von Forschungsergebnissen und -projekten. Eines dieser Angebote stellt seit Mai 2013 das Quellenblog Napoleon auf der Spur - kurz naps - dar.

Die Artikel im Blog naps sind Quellentranskriptionen von politik-, kulturell-, sozial-, militär-, verwaltungs-, polizei- und/oder wirtschaftsgeschichtlicher Relevanz. Dokumente zu den sprachpolitischen Maßnahmen der westfälischen Regierung, aber auch zur Planung eines Verbindungskanals zwischen Elbe und Weser - der erst 1937 als Mittellandkanal realisiert wurde - oder über westfälische Deserteure in Holland stecken das breite Spektrum ab, das das Autorenkollektive des Blogs anstrebt. Jede Quellentranskription ist dabei begleitet von einem Abschnitt zur Kontextualisierung der wiedergegebenen Quelle. Dieser liefert Hinweise zur möglichen Quelleninterpretation. Weiterführende Literatur rundet den Quellenpost ab.

Naps wendet sich an Doktoranden, Forscher, aber auch Studierende, die seit Einführung der modualisierten Studiengänge häufig kaum noch die Zeit haben, Originalquellen im Archiv einzusehen. Nicht zuletzt hofft naps auch Schüler aus dem bilingual deutsch-französischen Zug in Deutschland und ihre Lehrer anzusprechen und mit Quellenauszügen aus der napoleonischen Zeit zu bedienen. Bei allen Posts gibt es die Möglichkeit, sich per Kommentar in die Quelleninterpretation einzuschalten. Ferner bieten die Beitragenden unter naps an, auch auf spezielle Anfragen und Bedürfnisse von Nutzern zu reagieren und gezielt weitere Quellen aus dem umfangreichen Fundus der von ihnen gesichteten Quellematerialien zu veröffentlichen, die z.B. konkret für den Aufbau einer Unterrichtseinheit benötigt werden.

Was die Initiatoren des Quellenblogs bewegt, haben sie unter Was uns bewegt! zusammengefasst. Es ist zum einen der Wunsch, nachkommende Generationen mit dem go�t de l'archive anzustecken, aber auch Wege für kollaboratives Forschen zu ebnen und nach dem Open-Access-Prinzip Exzerpte und Transkriptionen von Archivalien, die mithilfe von öffentlichen Geldern gesichtet werden konnten, nicht privat zu horten, sondern nach Möglichkeit zu teilen.

Nicola P. Todorov hat die Einführung des französischen Verwaltungssystems im Königreich Westfalen untersucht und dabei die Verzahnung und den Verwaltungsweg von der Regierungsebene bis zur Kommune im Elbdepartement eingehend analysiert (L'administration du royaume de Westphalie de 1807 à 1813. Le département de l'Elbe, Saarbrücken 2011). Claudie Paye hat sich auf die Sprachenfrage und Fragen der Kommunikation und der politischen Kultur in der westfälischen Gesellschaft konzentriert. Unter anderem untersuchte sie, wie sich der Sprachkontakt zwischen Französisch- und Deutschsprachigen gestaltete, wer in der westfälischen Gesellschaft "der französischen Sprache mächtig war" und wie die Bevölkerung mithilfe verschiedener Medien auf Überwachung und Zensur reagierte ("Der französischen Sprache mächtig". Kommunikation im Spannungsfeld von Sprachen und Kulturen im Königreich Westphalen 1807-1813, München 2013) - eine Arbeit, die 2008 den Dissertationspreis der Deutsch-Französischen Hochschule erhielt. Nicola Todorov ist derzeit Lehrer für Geschichte und Geographie am Lycée Gustave Flaubert in Rouen - Claudie Paye arbeitet im Bereich der Digital Humanities für das Deutsche Historische Institut in Paris in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

Ein geheimer Wunsch hinter naps ist sicherlich auch, junge Europäer entdecken zu lassen, wie vielsprachig die europäischen Gesellschaften um 1800 eigentlich waren: Mit einem starken Bewusstsein für die vergangene mehrsprachige Vielfalt Europas lässt sich vielleicht eher eine europäische Gemeinschaft bilden, die Abschied nimmt von ihren auf einheitssprachlichen Konzeptionen basierenden Nationalstaaten, um ihrer mehrsprachigen Zukunft mit Vertrauen entgegenzublicken.

Claudie Paye, (Claudie.Paye@bsb-muenchen.de), ist Historikerin und arbeitet über die napoleonische Zeit in den deutschen Territorien. Sie ist Lektorin der Redaktion Buchreihen online des Deutschen Historischen Instituts Paris.

 


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Hier finden Sie in Form einer kommentierten Bibliographie Hinweise auf unterrichtsgeeignete Lehr- und Lernmittel für den bilingualen Sachfachunterricht in der Zielsprache Französisch.