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Ausstellung über den Hass im Haus der Geschichte Stuttgart

„Hass. Was uns bewegt“ ist vom 17. Dezember 2021 bis zum 27. Juli 2022 zu sehen

Hass war und ist Alltag. Hass speist sich aus Angst, Neid und Verachtung. Hass richtet sich gegen das fremd Erscheinende und das Naheliegende, gegen Minderheiten und gegen „das System“. Um damals und heute, um Revolutionäre und Mörder, um Verblendete und Misshandelte, aber auch um Hoffnung und Hilfe geht es in einer außergewöhnlich inszenierten Ausstellung im Haus der Geschichte. „Hass. Was uns bewegt“ ist vom 17. Dezember 2021 bis zum 27. Juli 2022 zu sehen. Die Schau ist der zweite Teil der Emotionen-Trilogie in dem Stuttgarter Museum. Den Abschluss macht ab Oktober 2022 „Liebe“.

Viele Formen des Hasses begleiten uns durch die Geschichte. Als die Revolutionäre von 1848 mehr Rechte für die Bürger einforderten, entlud sich in der Zeit der Unruhe Hass: Jüdische Gemeinden erhielten Drohbriefe – es gab 180 judenfeindliche Angriffe. 2019 riss ein Mann einem gläubigen Juden in Freiburg die Kippa vom Kopf und warf sie in den Müll. Diese Kopfbedeckung ist ebenso ausgestellt wie die Drohbriefe aus dem Odenwald des 19. Jahrhunderts. Auch mit einem der schlimmsten Massenmörder der Geschichte, dem Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß, beschäftigt sich die Ausstellung.

Die Ausstellung stellt Fragen: Wie können wir mit bedrohlichem Hass umgehen? Darf Hass eine Antwort auf Hass sein? Und gibt es sogar einen guten Hass – etwa wenn er sich gegen Unterdrücker oder Kriegstreiber richtet? „Wir haben lange genug geliebt“, sagte Georg Herwegh, ein Wegbereiter der 1848er-Revolution, und dichtete „Das Lied vom Hasse“. Um einen Krieg zu verhindern schoss ein Vierteljahrhundert später ein Mannheimer mehrfach aus nächster Nähe auf Otto von Bismarck, verletzte ihn aber nicht ernsthaft. Die Kleidung Bismarcks hatte Löcher bis ins Unterhemd, das im Haus der Geschichte zu sehen ist.

Rund 200 Hass-Objekte aus 200 Jahren erzählen von Resignation und Hoffnung. Es zeugt von tiefer Verzweiflung, dass der wegen seiner Homosexualität ab 1938 mehrfach vorbestrafte Stuttgarter Franz Wolff an seine Mutter schrieb: „Soll ich mich meiner Veranlagung wegen erhängen?“ Doch die Schau lässt die Besucher*innen nicht mit der zerstörerischen Emotion alleine. Sie zeigt Wege aus dem Hass – wie den einer Aktivistin, die in 35 Jahren mehr als 90.000 Hass-Aufkleber und über 10.000 Hass-Graffitis an öffentlichen Plätzen entfernt hat.

Ein rund 30-minütiger Live-Stream aus dem Museum gewährt auf Youtube unter https://www.youtube.com/user/hausdergeschichtebw erste Einblicke in die neue Ausstellung.