Nationalsozialismus - Verfolgung

Autor: Thomas Hagen (Arbeitskreis RP Karlsruhe)

 

3. Landesgeschichtliche Einordnung

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Nationalsozialistischer Terror und nationalsozialistische Verfolgung hatten europäische Dimensionen und globale Auswirkungen. Ihre Anfänge lagen in Deutschland, ihre extremsten Formen nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs mit der Massenvernichtung und den Vernichtungslagern in Osteuropa.

Die chronologische Entwicklung sowie die Dimensionen und Ebenen des Terrors im deutschen Südwesten entsprachen dem in Gesamtdeutschland: Nach der Machtübertragung stand für die Nationalsozialisten im Zuge der Machtsicherung und Gleichschaltung zunächst die Ausschaltung der anderen politischen Parteien und der politischen Opposition im Vordergrund, doch Terror und Propaganda richteten sich bald auch gegen die Juden, die aus dem gesellschaftlichen Leben zunehmend ausgegrenzt, unterdrückt sowie zum Teil zur Auswanderung veranlasst wurden.

Engelbergtunnel 1945 (KZ-Gedenkstätte Leonberg)
Engelbergtunnel 1945 (KZ-Gedenkstätte Leonberg)
© Landesarchiv BW (StAL EL 75 I Bü 274)

KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg Ulm
KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg Ulm © DZOK Ulm

Die Ausschaltung der innerparteilichen Konkurrenz und die Entmachtung der SA schufen die Grundlage für eine Institutionalisierung des Terrors im Verfolgungsapparat der SS und der ihr untergeordneten Gestapo. In diesem Zusammenhang gewinnt der Ausbau des Systems der Konzentrationslager eine besondere Bedeutung. Nach dem Vorbild des KZ Dachau entstanden im Reich bis 1939 weitere sechs Stammlager, die allerdings alle außerhalb des heutigen Baden-Württemberg lagen. Nach Kriegsbeginn wurden bis 1944 neben den sieben bestehenden Hauptlagern noch insgesamt 22 neue Lager mit einer Vielzahl von Außenlagern im gesamten besetzten Europa errichtet, darunter auch mehrere im deutschen Südwesten.

An zahlreiche dieser ehemaligen Konzentrationslager erinnern heute Gedenkstätten. Bei der Mehrzahl handelte es sich um Außenlager, vor allem des KZ Natzweiler, die zum größeren Teil erst in den letzten Kriegsjahren entstanden waren und als Arbeitslager dienten. Zu den Häftlingen zählten politisch/weltanschaulich Verfolgte, Juden, Kriegsgefangene und vor allem Zwangsarbeiter.

KZ Natzweiler-Struthof und seine Außenlager
KZ Natzweiler-Struthof und seine Außenlager
© Stadtarchiv Leonberg
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KZ-Gedenkstätte Neckarelz
KZ-Gedenkstätte Neckarelz
© LpB Baden-Württemberg

Ehemalige Landschulheime Herrlingen (Landschulheim Herrlingen 1926-33, jüdisches Landschulheim 1933-39, Zwangsaltersheim 1939-42)
Ehemalige Landschulheime Herrlingen (Landschulheim Herrlingen 1926-33, jüdisches Landschulheim 1933-39, Zwangsaltersheim 1939-42)
© LpB Baden-Württemberg

Weitere Gedenkstätten in Baden-Württemberg thematisieren andere Ebenen des nationalsozialistischen Terrors im Südwesten. Neben einer Vielzahl ehemaliger Synagogen sind z. B. das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg, das Lager Weinsberg, das 1940-1945 Kriegsgefangene beherbergte, und die Tötungsanstalt Grafeneck, in der im Rahmen der Maßnahmen der Euthanasie über 10.000 Menschen mit Behinderungen hingerichtet wurden, hervorzuheben.

Ehemalige Synagoge Rexingen
Ehemalige Synagoge Rexingen
© LpB Baden-Württemberg

Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma
© LpB Baden-Württemberg

Gedenkstätte Grafeneck - Gedenkstätte für die Opfer der NS-
Gedenkstätte Grafeneck - Gedenkstätte für die Opfer der NS-"Euthanasie" - Baden-Württemberg
© LpB Baden-Württemberg

Mahnmal für die ermordeten Juden Badens in Neckarzimmern
Mahnmal für die ermordeten Juden Badens in Neckarzimmern
© LpB Baden-Württemberg

An badische Juden, die in das Internierungslager Gurs am Fuß der Pyrenäen deportiert wurden, erinnert ein Mahnmal in Neckarzimmern, dessen Grundsteinlegung im Oktober 2004 erfolgt ist. Ein Mahnmalprojekt für Jugendliche und Schulklassen dient der Gestaltung und Errichtung von 137 Memorialsteinen für die 137 betroffenen jüdischen Gemeinden in Baden. Während in den Konzentrationslagern im deutschen Südwesten vielfach ausländische Gefangene, darunter viele polnische Juden untergebracht waren, waren auf der anderen Seite Juden aus Südwestdeutschland ins Ausland verschleppt worden. Hintergrund war eine Vereinbarung im Rahmen des Waffenstillstandsvertrags mit Frankreich von 1940, nach der Juden aus den deutschen Besatzungsgebieten, später auch aus dem Reichsgebiet in das Landesinnere von Frankreich verbracht werden sollten. In einer Nacht- und Nebelaktion wurden im Oktober 1940 über 6.000 Deutsche jüdischen Glaubens in 7 Eisenbahnzügen aus Baden und 2 Zügen aus der Pfalz nach Gurs deportiert, wo viele Häftlinge starben. Die meisten der Überlebenden wurden 1942 im Rahmen der "Endlösung" in das KZ Auschwitz-Birkenau weitertransportiert und dort getötet.

- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Karlsruhe -