Grundlegende Informationen zum „Aufbaukurs Informatik“

Warum wird überhaupt Informatik in der Schule unterrichtet?

Für alle in der Schule unterrichteten Fächer können folgende Kriterien als Anhaltspunkt für ihre Legitimation gelten:

  1. das Horizontalkriterium: Kommen die Sachverhalte in vielen verschiedenen Bereichen vor?
    Für die Informatik gilt, dass es sich bei ihren „grundlegenden Prinzipien, Denkweisen und Methoden“1 (im Original kursiv) gemäß den Überlegungen von Bruner und Schwill um fundamentale Ideen handelt. Nähere Hinweise findet man in dem in Anmerkung 1 genannten Dokument.
  2. das Vertikalkriterium: Können die Sachverhalte auf verschiedenen Niveaus unterrichtet werden?
    Nicht zuletzt die Bildungspläne machen deutlich, dass Informatik auf verschiedenen Niveaus unterrichtet werden kann:
    „Grundlegende Konzepte der Informatik stehen im Mittelpunkt des Unterrichts und viele Begriffe und Zusammenhänge werden zunächst propädeutisch behandelt. Aus diesem Grund unterscheiden sich die Ausformulierungen der Niveaustufen einiger Teilkompetenzen nur geringfügig, die Differenzierung erfolgt dann über entsprechende Komplexität der Beispiele und die schülergerechte Ausgestaltung des konkreten Unterrichts.“ (Kapitel 1.3 der Bildungspläne, jeweils S. 3 der PDF-Version)
    Auch die Unterrichts- und Lernvorschläge im Portal „Aufbaukurs Informatik“ geben an vielen Stellen Differenzierungshinweise.
  3. das Zeitkriterium: Haben sich Sachverhalte bzw. Inhalte schon lange bewährt? Sind die Sachverhalte noch länger relevant? Für beide Zeiträume werden in der Regel zehn Jahre genannt.
    Im Zuge der Digitalisierung – oder besser: der digitalen Transformation – aller Lebensbereiche lautet die Antwort klar „Ja“. Das Kapitel 1.1 der  Bildungspläne (jeweils S. 3 der PDF-Version) erläutert dies anschaulich.
  4. das Sinnkriterium: Welche Zusammenhänge gibt es zur Lebens- und Erfahrungswelt der Lernenden?
    Auch zu dieser Frage findet man in den Kapiteln 1.1 (jeweils S. 3 der PDF-Version) sowie 1.3 (jeweils S. 10 der PDF-Version) der  Bildungspläne Antworten.

 

Was hat der „Aufbaukurs Informatik“ mit dem „Basiskurs Medienbildung“ in der Jahrgangsstufe 5 zu tun?

Sowohl der „Aufbaukurs Informatik“ als auch der „Basiskurs Medienbildung“ (gemeinsamer Bildungsplan Sekundarstufe I, Bildungsplan Gymnasium) befähigen die Schülerinnen und Schüler insbesondere im Sinne der Leitperspektive „Medienbildung“.

Allerdings ist der „Aufbaukurs Informatik“ kein vertiefter „Basiskurs Medienbildung“ und somit auch keine Anwenderschulung für z. B. Standard-Officeprogramme wie Textverarbeitung, Präsentation und Tabellenkalkulation. Nicht zuletzt deshalb bietet es sich an, den „Aufbaukurs Informatik“ einfach nur „Informatik“ zu nennen (wie dies auch die Bildungsplanseiten tun).

 

Welche Kompetenzen werden im „Aufbaukurs Informatik“ aufgebaut?

Die prozessbezogenen und inhaltsbezogenen Kompetenzen bilden zusammen die zentralen Konzepte der Informatik ab.

Die prozessbezogenen Kompetenzen lauten:

  • Strukturieren und Vernetzen
  • Modellieren und Implementieren
  • Kommunizieren und Kooperieren
  • Analysieren und Bewerten.

Die inhaltsbezogenen Kompetenzen lauten:

  • Daten und Codierung
  • Algorithmen
  • Rechner und Netze
  • Informationsgesellschaft und Datensicherheit.

Die folgende Grafik aus den Bildungsplänen (jeweils S. 6 der PDF-Version) veranschaulicht den Zusammenhang:

Die Grafik zeigt die zentralen Konzepte der Informatik in den prozessbezogenen und inhaltsbezogenen Kompetenzen der Bildungspläne 2016 für den Aufbaukurs Informatik. Die zentralen Konzepte der Informatik werden durch die prozessbezogenen und inhaltsbezogenen Kompetenzen erarbeitet. Es gibt folgende prozessbezogene Kompetenzen: strukturieren und vernetzen; modellieren und implementieren; kommunizieren und kooperieren; analysieren und bewerten. Es gibt folgende inhaltsbezogene Kompetenzen: Daten und Codierung; Algorithmen; Rechner und Netze; Informationsgesellschaft und Datensicherheit.
.

Wichtig ist der Hinweis aus beiden Bildungsplänen, dass manche Kompetenzen nur angebahnt werden können. So heißt es mit Bezug auf die prozessbezogenen Kompetenzen:

„… werden die meisten der genannten prozessbezogenen Kompetenzen in diesem Zeitraum nicht abschließend erworben, sondern können nur angebahnt werden“ (jeweils Seite 6 der PDF-Version).

In ähnlicher Weise wird bei den didaktischen Hinweisen formuliert:

„Die Bedeutungen formaler Definitionen werden oft hinter das Verständnis von Ideen treten, manche Konzepte können im Anfangsunterricht auch nur angebahnt und von Schülerinnen und Schülern erahnt werden. Begrifflichkeiten und theoretischer Unterbau sollten im Anfangsunterricht nur soweit vertieft werden, als sie zur Lösung von im Unterricht altersangemessen behandelbaren Problemstellungen nötig sind.“ (jeweils Seite 9 der PDF-Version)

 

 

Wo findet man die Bildungspläne für den „Aufbaukurs Informatik“?

Den gemeinsamen Bildungsplan für die Sekundarstufe I findet man unter www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/SEK1/INF7.

Den Bildungsplan für das Gymnasium findet man unter www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/GYM/INF7.

Über den Link „Download als PDF“ kann man sich den gesamten Bildungsplan als PDF generieren lassen und abspeichern.

 

Wie viele Stunden sind für den „Aufbaukurs Informatik“ vorgesehen? In welcher Klasse wird der „Aufbaukurs Informatik“ unterrichtet?

Der Aufbaukurs Informatik wird in der Klassenstufe 7 einstündig unterrichtet (vgl. die Verordnungen des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport, kurz: Kultusministeriums, zu den Stundentafeln).

Wenn ein Gymnasium im Rahmen des Schulversuchs einen G9-Zug anbietet, wird der Aufbaukurs Informatik in der Klassenstufe 8 unterrichtet.

Mit dem Schuljahr 2018-2019 ist der Aufbaukurs Informatik an allen allgemein bildenden weiterführenden Schulen eingeführt.

 

Welche Tipps kann man für die Stundenplangestaltung geben?

Grundsätzlich sind mindestens folgende Modelle denkbar:

  • Jede Woche eine Einzelstunde.
    Vorteil: Es gibt eine große Kontinuität – nicht zuletzt, wenn sich in Klasse 8 bzw. 9 (im Schulversuch G9) ein mit dem „Aufbaukurs Informatik“ verwandtes Wahl(pflicht)- bzw. Profilfach anschließt. Darüber hinaus ist der Ausfall einer Einzelstunde zwar selbstverständlich bedauerlich, im Vergleich zu den beiden folgenden Doppelstundenmodellen eventuell aber einigermaßen zu verschmerzen.
    Nachteil: Manches Lehr-Lern-Szenario lässt sich in Einzelstunden eventuell nur schwer oder überhaupt nicht umsetzen.
  • Alle zwei Wochen eine Doppelstunde.
    Vorteil: Manches Lehr-Lern-Szenario lässt sich in Doppelstunden eventuell besser oder überhaupt erst umsetzen. Die Kontinuität ist zwar geringer als beim Modell „Jede Woche eine Einzelstunde“, aber höher als beim Modell „Ein Halbjahr lang eine Doppelstunde pro Woche“ (zumindest mit Blick auf den möglichen Anschluss eines verwandten Faches).
    Nachteil: Der Lernprozess wird immer wieder für zwei Wochen unterbrochen. Wenn eine Doppelstunde ausfällt, kann die Unterbrechung sogar noch länger andauern.
  • Ein Halbjahr lang eine Doppelstunde pro Woche.
    Vorteile: Es gibt eine große Kontinuität. Darüber hinaus lässt sich manches Lehr-Lern-Szenario in Doppelstunden eventuell besser oder überhaupt erst umsetzen.
    Nachteile: In Hinblick auf den möglichen Anschluss eines mit dem „Aufbaukurs Informatik“ verwandten Wahl(pflicht)- bzw. Profilfaches in Klasse 8 bzw. 9 (im Schulversuch G9) ist die Kontinuität der Lernprozesse allerdings als geringer einzuschätzen, insbesondere wenn der Unterricht im ersten Halbjahr stattfindet.

Mit dem Stundenplan hängt auch die Zuweisung zu einem oder mehreren Räumen zusammen. Bezüglich der Raumfrage sind mindestens folgende Überlegungen wichtig:

Auf den ersten Blick bietet sich für Informatik ausschließlich der Computerraum an. Für den Erwerb einiger Kompetenzen (z. B. für die Implementierung von Algorithmen und das Testen von Programmen, 3.1.2) benötigt man mit Sicherheit Computer. Manch andere Kompetenzen können Lernende allerdings auch ohne Computer erwerben (z. B. viele Kompetenzen aus 3.1.1). Wenn die Schule über einen Notebookwagen oder einen Tabletkoffer mit einer ausreichenden Anzahl von Geräten verfügt (am besten in ein Pädagogisches Netz bzw. Mobile-Device-Management eingebunden), kann der Informatikunterricht auch ausschließlich in einem normalen Klassenzimmer stattfinden. Ein normales Klassenzimmer bietet nämlich in aller Regel größere Flexibilität in Hinblick auf Arbeits- (z. B. Vortrag oder Präsentation) und Sozialformen (z. B. Einzel-, Partner-, Gruppenarbeit oder think-pair-share) und eine entsprechende Sitzordnung. Bei der Nutzung von Tablets ist darüber hinaus zu bedenken, ob es insbesondere für die Implementierung von „Algorithmen in einer geeigneten (zum Beispiel visuellen) Programmierumgebung“ (Bildungspläne: 3.1.2.5) offline nutzbare Apps gibt – zum einen, weil es vielleicht keine ausreichende Internetverbindung an der Schule gibt; zum anderen weil Online-Web-Apps eventuell eine Anmeldung benötigen und man damit Datenschutzfragen berührt.

Wenn der Schule  kein Notebookwagen und/oder Tabletkoffer zur Verfügung steht, bieten sich mindestens drei Möglichkeiten an:

  • Der Stundenplan weist parallel sowohl den Computerraum als auch ein normales Klassenzimmer aus:
    Vorteil: Diese Lösung bietet die größtmögliche Flexibilität.
    Nachteil: Eventuell gibt die Raumsituation der Schule dies nicht her.
  • Als Variante des ersten Modells: Im Stundenplan wird ein normales Klassenzimmer ausgewiesen. Die Lehrkraft reserviert, wenn vorhanden, den Computerraum selbst.
    Vorteil: Diese Lösung bietet die zweitgrößte Flexibilität.
    Nachteil: Die Lehrkraft muss den Unterricht auf lange Sicht so vorbereiten, dass es keiner Änderungen bei den Räumen bedarf. Wenn aber nur eine Stunde ausfällt, bedarf es einer Umplanung.
  • Der Stundenplan weist nur den Computerraum aus. Ein normales Klassenzimmer als zweiter Raum steht nicht zur Verfügung.
    Vorteil: Die für den Erwerb mancher Kompetenzen notwendigen Computer stehen sicher zur Verfügung.
    Nachteil: In Hinblick auf Arbeits- (z. B. Vortrag oder Präsentation) und Sozialformen (z. B. Einzel-, Partner-, Gruppenarbeit oder think-pair-share) und eine entsprechende Sitzordnung besteht wahrscheinlich keine größere Flexibilität. Die wenigsten Computerräume dürften eine flexible Anordnung erlauben und/oder zusätzliche Tische und Stühle für die Arbeit ohne Computer haben.

Für alle o. g. Varianten muss gelten, dass die Raum- und/oder Gerätebuchung durch den Informatikunterricht Vorrang vor allen anderen Buchungswünschen hat (außer wohl Unterrichtsbesuchen, Lehrproben oder Ähnlichem). Wenn möglich, sollten die Räume bzw. Geräte schon bei der Stundenplanerstellung reserviert werden – und zwar für alle Stunden, um die unterrichtende Lehrkraft nicht von vorneherein einzuschränken.

 

Welche Fächer schließen sich an den „Aufbaukurs Informatik“ an?

Die folgende Grafik gibt einen Überblick über informatische Fächer im Bildungsplan 2016:

.

  • In der Klasse 5 wird an allen allgemein bildenden Schulen ein verpflichtender „Basiskurs Medienbildung" (oft hört man auch die Formulierung „Medienbasiskurs“) durchgeführt. Die dafür vorgesehenen 35 Wochenstunden werden nach Vorgabe der Schule in die einzelnen Unterrichtsfächer integriert.
    Bezüglich des Bildungswertes des Faches formulieren die Bildungspläne: „Das Lernen mit Medien und das Lernen über Medien müssen … in den Fokus der unterrichtlichen Tätigkeit rücken, um ein selbstbestimmtes und reflektiertes Medienwissen und Medienhandeln der Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen. Der Basiskurs Medienbildung leistet in Klasse 5 einen ersten Beitrag, um dieses Bildungsziel zu erreichen.“ (jeweils S. 3 der PDF-Version; Links zu den Bildungsplänen: s. o.)
  • In Klasse 7 setzt der an allen allgemein bildenden Schulen verbindliche „Aufbaukurs Informatik“ auf.
  • Sofern die Schule den Kurs anbietet, können die Schülerinnen und Schüler im Wahlpflichtbereich das Profilfach „Informatik, Mathematik und Physik (IMP)“ wählen.
    Für Gymnasien gilt: Das Profilfach wird in den Klassen 8 bis 10 jeweils vierstündig unterrichtet (Link zum Bildungsplan: www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/GYM/IMP).
    Für Gemeinschaftsschulen gilt: Das Profilfach wird in den Klassen 8 bis 11 im Durchschnitt dreistündig unterrichtet (Link zum Bildungsplan: www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/SEK1/IMP).
  • „Aufbauend wird an den Haupt-/Werkrealschulen und Realschulen ab dem Schuljahr 2019/20 schrittweise ein neues Wahlfach Informatik eingeführt, das die Schülerinnen und Schüler in den Klassen 8 bis 10 freiwillig zusätzlich belegen können.“ (Zitat aus einer Pressemitteilung des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport vom 21.11.2017 ) (Link zum Bildungsplan: www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/SEK1/INFWF).
  • Für die gymnasiale Oberstufe an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen werden zurzeit Bildungspläne erstellt. In der derzeit gültigen „Verordnung des Kultusministeriums über die Jahrgangsstufen sowie die Abiturprüfung an Gymnasien der Normalform und Gymnasien in Aufbauform* (Abiturverordnung Gymnasien der Normalform - AGVO)“ in der Fassung vom 19.10.2018 ist Informatik in der Kursstufe als Basis- oder Leistungsfach noch nicht vorgesehen. (Die jeweils aktuelle Fassung der AGVO können Sie im Portal „Landesrecht BW Bürgerservice“ abrufen.)
    Für Gymnasien ist Folgendes geplant: Informatik kann in den Klassen 11 bis 12 (J1 und J2) als dreistündiges Basisfach, als fünfstündiges Leistungsfach oder zweistündiges Wahlfach gewählt werden.
    Für Gemeinschaftsschulen ist Folgendes geplant: Informatik kann in der Oberstufe (Klassen 12 bis 13) als dreistündiges Basisfach, als fünfstündiges Leistungsfach oder zweistündiges Wahlfach gewählt werden.

Vergleiche insgesamt auch die tabellarische Übersicht in www.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/bilder/Sonstige_Quellen/171121_Uebersicht-Informatik-an-allgemein-bildenden-Schulen_KM_voll.jpg.

 

Wo werden weitere grundlegende Fragen zum „Aufbaukurs Informatik“ und den verwandten Fächern beantwortet?

Auf der Seite „Bildungsplanreform. Häufig gestellte Fragen und die Antworten hierauf" des Kultusministeriums  findet man insbesondere bei den Fragen 9, 10 und 17 Antworten zum Aufbaukurs Informatik und verwandten Fächern.

Darüber hinaus bietet www.km-bw.de/,Len/Startseite/Service/2018+08+14+Neues+Profilfach+IMP weitere Informationen.


Anmerkungen:

 

1. Schwill, Andreas: Fundamentale Ideen der Informatik, o. J. (Erstelldatum der PDF-Datei: 16.10.2011), S. 1 (online unter www.informatikdidaktik.de/Forschung/Schriften/ZDM.pdf, zuletzt aufgerufen: 28.11.2018) – nach oben


Der Text dieser Seite ist verfügbar unter der Lizenz CC BY 4.0 International
Herausgeber: Landesbildungsserver Baden-Württemberg
Quelle: https://www.schule-bw.de

Bitte beachten Sie eventuell abweichende Lizenzangaben bei den eingebundenen Bildern und anderen Dateien.