Individuelles Fördern und individualisiertes / personalisiertes Lernen an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen

Selbstorganisiertes Lernen (SOL)

Was ist SOL?

Das Konzept des "Selbstorganisierten und kooperativen Lernens (SOL)", von den baden-württembergischen Kollegen Birgit Landherr und Martin Herold seit den 1990er Jahren entwickelt und vielfach praxiserprobt, ist ein ganzheitlicher didaktisch-methodischer Ansatz zur Verbesserung der Lern- und Kooperationsfähigkeit unserer Schülerinnen und Schüler aller Bildungsgänge, Fachrichtungen, Schularten und Qualifikationsstufen. Vor dem Hintergrund der Notwendigkeit von lebenslangem Lernen in Beruf und Gesellschaft besteht das Hauptanliegen darin, die Kompetenzen unserer Schülerinnen und Schüler mit dem Ziel einer umfassenden Handlungskompetenz ständig weiter zu entwickeln, dabei leistet der SOL-Ansatz einen wichtigen Beitrag zur Selbstständigkeits- und Verantwortungserziehung. SOL berührt alle Aspekte des Unterrichts von der Planung und Strukturierung des Lernstoffes über klare Arbeitsanweisungen und Klassenführung bis hin zur Bewertung des Lernerfolgs mit dem Ziel der kontinuierlichen Anpassung und Verbesserung des Lern- und Lehrprozesses.
Das Konzept schöpft aus vielen Quellen und vereint Erkenntnisse aus Hirnforschung und Lernpsychologie, aus konstruktivistischer Pädagogik und Systemtheorie mit den schüleraktiven Methoden amerikanischer und deutscher Reformpädagogik.
Diese Seiten verfolgen die Absicht, die Begründungszusammenhänge, Elemente und Methoden von SOL prägnant darzustellen und dabei vor allem das Potenzial für differenzierende und individualisierende Vorgehensweise im Unterricht hervorzuheben.

In den folgenden Abschnitten erfahren Sie, wie das aussehen kann und erfahren mehr über die Begründungszusammenhänge des Unterrichtsprinzips. Zudem finden Sie Informationen zum Abruf des SOL Fortbildungs- und Beratungsangebots.

Wie funktioniert eine SOL-Fortbildung?

 Flyer zum Fortbildungs- und Beratungsangebot des Kultusministeriums

Was will SOL?

Download der Handreichung "SOL - Individuelle Förderung als Unterrichtsprinzip" als PDF

Lernen als individueller Prozess
Bild Lernen als individueller Prozess

Im Lauf des Lebens konstruiert das Gehirn seine eigene Struktur. Sichtbare synaptische Vernetzungen spiegeln Erfahrungen, Gefühle und Kompetenzen wieder.
Deshalb ist die Integration neuen Wissens in diese gedankliche Gedächtnisstruktur ein absolut individueller Prozess. Er erfolgt im eigenen Lerntempo und durch persönliche Lernstrategien bei Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung.
Folglich sollte dem Lernenden immer wieder Zeit gegeben werden, die neuen Informationen in seiner subjektiven gedanklichen Struktur zu verankern.

 

Individuelle Förderung als Unterrichtsprinzip - kognitiv arbeiten und konstruktiv unterstützen

... sorry, der Text wird zur Zeit überarbeitet. 

 

Binnendifferenzierung     
Bild Binnendifferenzierung

Lehr- und Lernumgebungen, die eine Vielfalt von Lernaufgaben und Lernwegen anbieten, ermöglichen individualisiertes und differenziertes Lernen. Aus lernpsychologischer Sicht gibt es zwischen Unter- und Überforderung eine perfekt lernförderliche Zone, eine kognitive Herausforderung, die erreichbar ist. Darum sollte eine Lernumgebung so gestaltet sein, dass sie allen Lernenden ermöglicht, mit Engagement und Aussicht auf Lernerfolg an die Aufgaben zu gehen. Das erfordert von ihnen selbstverantwortliches Arbeiten. Demzufolge ist eine wichtige Voraussetzung für differenzierte Lernumgebungen, den Lernenden bewusst zu machen, dass sie unterschiedlich lernen und individuelle Lernwege finden dürfen und dass Lernende lernkompetent sein müssen, um selbstverantwortlich und selbstständig den eigenen Lernprozess gestalten zu können.

 

Kompetenzen systematisch aufbauen - Kompetenztreppe    
Bild Kompetenztreppe

Die Kompetenztreppe symbolisiert den systematischen Aufbau von fachlichen, methodischen und sozialen Kompetenzen.
Die Lehrkräfte legen die jeweils erforderlichen fachlichen und überfachlichen Kompetenzen fest, um den Lernenden den nächsten Schritt und damit das Erreichen der nächsten Kompetenzstufe zu ermöglichen. So erleben diese durch Erfolg Selbstwirksamkeit.
Absolute Voraussetzung für einen gelingenden Kompetenzaufbau ist, dass das Lehrerteam das Vorwissen der Lernenden kennt, denn diese befinden sich aufgrund ihrer Individualität auf unterschiedlichen Kompetenzstufen.
Über Feedbackschleifen wird das Erreichen der jeweiligen Kompetenzstufe gesichert und der Lernerfolg mit entsprechenden methodischen Elementen sichtbar gemacht.

 

Pädagogische Diagnose

... sorry, der Text wird zur Zeit überarbeitet. 

 

Kooperative Lernformen

Bild Kooperative Lehr- und Lernformen
Kooperative Lehr- und Lernformen führen in Verbindung mit herausfordernden Aufgabenstellungen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der Sache. (Brüning 2015). Dabei lernen Lernende in einer wertvollen Ergänzung zur Einzelarbeit von- und miteinander. Systematisch aufgebaute überfachliche Kompetenzen wie Kooperationsbereitschaft und -fähigkeit, Sprach- und Kommunikationskompetenz, Empathie und Wertschätzung werden durch Austausch und Dialog erworben.
Lernende, die zusammen arbeiten, treffen Entscheidungen und engagieren sich in ihrem Lernprozess, anstatt passiv den Lehrerinformationen zu folgen. Lernende mit unterschiedlichen Lernniveaus und -kompetenzen können durch strukturierte Gruppenprozesse vom gemeinsamen Arbeiten profitieren.

 

Individuelle und kooperative Lernphasen im Wechsel - Sandwichprinzip
Bild Sandwich-Prinzip

Das Sandwichprinzip ist ein Unterrichtarrangement, das auf dem systematischen Wechsel von individuellen, kooperativen und kollektiven Lernphasen basiert.
Im Mittelpunkt des Sandwichprinzips stehen kooperative Lernformen, die sowohl die Aufnahme von Informationen als auch deren Verarbeitung beinhalten können. Jeder kooperativen Lernphase geht eine individuelle Lernphase voraus (individuelle Aneignung) und es schließt sich eine zur Verarbeitung des Neuen an. Hier kann das neu erworbene Wissen in der individuellen Gedächtnisstruktur eines Lernenden durch individualisierte Lernprozesse verankert werden.
Kollektive Lernphasen dienen der Einführung (z. B. mittels AO), der thematischen Orientierung oder der Ergebnissicherung. Sie werden mit zunehmender Selbstorganisationsfähigkeit der Lernenden kürzer.

 

Gut strukturiert ist halb gelernt

Bild Strukturieren
Die Kapazität der menschlichen Informationsaufnahme ist begrenzt. Deshalb wählt das Gehirn aus vorhandenen Informationen die aus, die sich zu schlüssigen Einheiten verbinden lassen.
Strukturierte Lerninhalte mit ordnenden Überschriften erleichtern dem Gedächtnis das Zurückgreifen auf diese Informationen und unterstützen konstruktiv das Verarbeiten. Eine vom Lehrenden erstellte Übersicht über ein Thema (z. B. Advance Organizer), kann diese Funktion erfüllen.
Lernende sollen demzufolge für sich Inhalte strukturieren und darstellen, z. B. als Strukturbild, Netzwerk, Mind- oder Concept Map.
Jedes Individuum muss Neues in die eigene gedankliche Struktur integrieren, also Wissen konstruieren (konstruktivistische Lerntheorie).

 

Klassenführung
Bild Klassenführung

Eine gute Klassenführung erfolgt im Team. Sie ist Voraussetzung für guten Unterricht und basiert auf vertrauensvollen Beziehungen zwischen allen Beteiligten sowie geschickten Klassenmanagement-Techniken der Lehrkraft: „Je besser es Lehrpersonen gelingt, die zur Verfügung stehende Zeit für Unterricht zu nutzen, desto (…) günstiger ist die Leistungsentwicklung.“ (Junge-Lampart et al. 2013)
Klassenführung propagiert u. a. den Einsatz von Regeln, Routinen und Ritualen zur Vorbeugung von Störungen um somit die Unterrichtszeit maximal zu nutzen. Aber auch Klarheit, Struktur und Transparenz auf der unterrichtlichen Ebene gehören mit zu einer effizienten Klassenführung. Sie erleichtern das Lernen, geben Orientierung und fördern Verhaltenssicherheit.

 

Pädagogisches Team

Bild Pädagogisches Team
Hierbei handelt es sich um eine professionelle Lerngemeinschaft, in der Lehrpersonen durch Erfahrungsaustausch, gemeinsamem Planen und Evaluieren selbst zu Lernenden werden, somit die Schulqualität verbessern und sichern.
Entscheidend sind Handlungsfähigkeit und Kontinuität. Das Team trägt die Verantwortung für die Förderung und Betreuung einer definierten Gruppe von Lernenden. Ein im Stundenplan ausgewiesenes Zeitfenster schafft die Voraussetzung für eine zielorientierte effiziente Zusammenarbeit im Hinblick auf spezifische und alltägliche pädagogische Fragestellungen. Integrative Unterrichtsformen sollen gefunden, vereinbart und erprobt werden. Ziel ist, alle Lernende möglichst gut zu fördern und so die Unterrichtsqualität und Schulqualität zu steigern.

 

Wertschätzende Lernkultur
Bild Lernkultur

SOL als systemischer Ansatz ist unabdingbar mit einer neuen Lernkultur verbunden. Dazu ist ein verändertes Aufgaben- und Rollenbewusstsein bei allen am Bildungsprozess Beteiligten erforderlich. Lernende sollen nicht Objekt von Vermittlungsprozessen
sein, sondern sie sollen sich selbst als Verantwortliche ihres Lernens verstehen lernen.
Lehrende tragen die Verantwortung dafür, dass Lernende Kompetenzen und Wissen erwerben können. Sie gestalten Lernsituationen, die selbstorganisiertes und eigenverantwortliches Lernen ermöglichen.
Lernende sollten wissen, wofür sie verantwortlich sind und was von ihnen erwartet wird. Die Lehrenden stehen ihnen beratend und fördernd zur Seite.

 

Reflexion und Feedback - Lernberatung

Bild Lernberatung
Unter Lernberatung wird ein situationsadäquater Mix aus Lerncoaching und Feedback zur Optimierung des Lernens des einzelnen Lernenden verstanden. Lernberatung unterstützt die Lernenden bei der systematischen Reflexion sowie der selbständigen und aktiven Gestaltung ihres individuellen Lernprozesses und bei der Auseinandersetzung mit den gegebenen Lernanforderungen. Lernberatung
setzt an den individuellen Ausgangsbedingungen der Lernenden an. Sie zielt darauf ab und befähigt zur Entwicklung von Lernstrategien und zur Auswahl geeigneter Lernmethoden.
Lernberatungsgespräche beinhalten daher auch gegenseitiges Feedback. Ein wichtiger Faktor ist dabei die wertschätzende Grundhaltung des Lernberaters.