Interkulturelle Schulhausgestaltung

Sichtbares Bekenntnis zur Vielfalt

Die Schulhausgestaltung ist ein Fenster zur Seele der Schulgemeinschaft. Findet die kulturelle Vielfalt in der Schulgemeinschaft viele Formen des Ausdrucks, spiegelt sich das auch im Schulhaus. Jede und jeder wird angesprochen und repräsentiert und kann sich somit auch dem Ort zugehörig und sich darin aufgenommen fühlen.

Schulhausgestaltung kann interkulturelles Lernen sichtbar machen, aber nicht ersetzen. Sie ist Folge davon und nicht Zweck. Dieser besteht vielmehr darin, dass eine Identifikation mit der Schule entsteht. Deshalb ist der Ausgangspunkt für die Schulhausgestaltung immer eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen. Sie ist erst in zweiter Linie als Spiegel für „bunte“ Vielfalt auch Schmuck.

Ausstellungen mit Beispiel

Orte der Schulhausgestaltung mit Beispielen

Links und Literatur zur Vertiefung

Bibliographische Nachweise

 

 

Ausstellungen

Daher bieten Ausstellungen, die aus interkulturellen Projekten hervorgehen, sowohl die gewünschte Tiefe der Beschäftigung als auch bei entsprechender Gestaltung ein ästhetisches Vergnügen.

Beispiel: „Damit hast du nicht gerechnet!“

könnte eine Ausstellung über verschiedene Rechenmethoden heißen, die auf der Welt angewendet werden und die zum Teil vielleicht auch von Lernenden bzw. ihren Eltern aus ihren Herkunftsländern mitgebracht werden: Fotos, gezeichnete und beschriftete Anleitungen und Erklärungen z.B. zum japanischen Multiplizieren, zum Fingerrechnen, zum Rechnen mit dem Abakus, zur russischen Bauernmultiplikation füllen ein Wandplakat, das zum Nachmachen animiert. Bei einer Vernissage könnten die Rechenmethoden live vorgeführt werden und ein kleiner Wettbewerb dazu veranstaltet werden.


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Orte der Schulhausgestaltung

Weitere Orte, die für einen Fokus auf die Vielfältigkeit ihrer Nutzenden besonders geeignet sind, sind Begegnungsräume wie z.B. Schulhof, Schulgarten, Foyer, Mensa, Aufenthaltsraum, Schulbibliothek und auch Krankenzimmer. Dort spielen jenseits der Funktionalität von Unterrichtsräumen unterschiedliche kulturelle Bedürfnisse und Traditionen eine größere Rolle. Sitz-, Fenster- und Wandgestaltung, Angebot von Heißgetränken und Speisen, mehrsprachige Literatur, Bepflanzung, Spieleausstattung, etc. können kulturell unterschiedliche Perspektiven, Gewohnheiten und Traditionen sichtbar werden lassen. Eine Liste mit Anregungen findet sich bei Seitz (2014, S. 33f.).

Beispiel: Mehrsprachige Begrüßungen

Mehrsprachige Begrüßungen, die die Besucherinnen und Besucher im Schulhaus empfangen, sind ein toller Blickfang. Sie bedeuten alleine aber noch nicht, dass hier interkulturelles Lernen stattfindet. Es ist vielmehr die innere Beteiligung des Individuums am gesamten interkulturellen Identitätsprozess in der Schule, die dazu motiviert, diesem Prozess kreativ Ausdruck zu verleihen. Daraus können auch mehrsprachige Begrüßungen entstehen, weil dies der Wunsch einer Gruppe ist, die sich etwa mit interkultureller Kommunikation befasst hat. In der Folge lässt sich die Schulgemeinschaft idealerweise auch darauf ein, dass diese Begrüßungen in der alltäglichen Begegnung eine Rolle spielen, einen weiteren Kontext bekommen, woanders aufgegriffen werden (z.B. in der Kommunikation mit den Eltern) und nicht nur Schmuck sind.

 

Beispiel: Flagge zeigen?

Immer wieder werden nationale Symbole bzw. Flaggen als Symbole für verschiedene Herkünfte und Sprachen bei der Schulhausgestaltung oder auch im Unterricht verwendet. Was auf der einen Seite ein farbenfrohes Gesamtbild ergibt, ist u.U. aber in mehrfacher Hinsicht problematisch. Der Verwendungszweck von Flaggen im Zusammenhang mit interkulturellem Lernen sollte im Einzelfall reflektiert werden. Eine mögliche Umsetzung wäre die Gestaltung von individualisierten oder gänzlich neu gestalteten Flaggen durch die teilnehmenden Personen.

Kulturalisierungen: Die Zuordnung Mensch = Sprache = Land/Herkunft/Heimat spiegelt eine Festlegung vor, die nicht zutreffen muss und es häufig auch nicht tut. Selda, die auch sehr gut Albanisch spricht, nennt nicht unbedingt Albanien ihr Heimatland, nur weil sie dort manchmal ihre Großeltern besucht. Sie sieht sich als Karlsruherin. Yumiko aus Chile ist zweisprachig Japanisch und Spanisch aufgewachsen. Nach den inzwischen vier Jahren in Deutschland kann sie prima Deutsch und fühlt sich hier zunehmend zuhause. Welche Flagge wird Yumiko zugeordnet und was bildet diese Flagge dann ab? Yumiko hat in einem Projekt übrigens ihre eigene Flagge entworfen:

Yumiko_Flagge.jpg

Zuschreibungen durch staatliche Symbole haben auch eine problematische politische Komponente. Flaggen werden einerseits oft von Nationalisten missbraucht, die damit den Primat ihres Staates postulieren. Sie werden andererseits von Minderheiten u.U. als Symbol der Unterdrückung gesehen. Den Flaggen unreflektiert und unkommentiert einen prominenten Raum in der Schule einzuräumen, kann dazu führen, dass nationale und ethnische Feindseligkeiten, die in der Schule nichts zu suchen haben, importiert und dort ausgetragen werden. Welche Flagge soll ein Kurdisch sprechendes Kind auswählen, wenn es „seine“ Herkunft bzw. seine Sprache in ein Rechteck malen soll?


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Links und Literatur zur Vertiefung

Rademacher, H./Wilhelm, M. (2005): Interkulturelle Spiele für die Klassen 5 bis 10. Cornelsen Scriptor. Berlin, S. 12-19

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Bibliographische Nachweise

Seitz, S. (2014): Interkulturalität und Wertebildung. In: Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München (Hrsg.)(2014): Divers – kontrovers? Ideen für den interkulturellen Schulalltag. München, S. 25-47
Online abrufbar hier

Media Partisans GmbH: Geniale Tricks. Japanisches Multiplizieren

Brünner, A.: Russische Bauernmultiplikation

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