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Am Hof des Großkhans

Wilhelm von Rubruk berichtet über das Leben am Hofe der Khane und Großkhane
Der Franziskanermönch Wilhelm von Rubruk (ca. 1215-1270) wurde vom französischen König Ludwig IX. im Jahre 1252 mit drei Begleitern als Kundschafter zum Großkhan der Mongolen geschickt. Er sollte nicht nur deren militärische Schlagkraft erkunden, sondern auch das Christentum verbreiten und die Mongolen zu einem Angriff auf die Muslime im Nahen Osten bewegen, die die europäischen Kreuzfahrer im Heiligen Land bedrängten. Nach eineinhalb Jahren Reise erreichte er die Hauptstadt Karakorum und verweilte dort ein halbes Jahr. Seine Mission war aber kaum erfolgreich: Die Mongolen ließen sich nicht missionieren und wollten auch keinen Kriegszug gegen die Muslime unternehmen.

M 1a: Handel und Geschenke
"Der Khan Batu ist nämlich im Besitz der Durchgangsstraße für die Christen, nämlich die Russen, die Walachen und Bulgaren, nach Osten. Sie alle müssen, wenn sie zu seinem Vater, dem Großkhan Mangu, wollen, sein Gebiet durchqueren. Weil sie ihm dabei Geschenke überreichen, behandelt er sie sehr wohlwollend. Kommen jedoch Sarazenen und bringen ihm noch größere Geschenke, so ist man ihnen bei ihrer Weiterreise weit mehr behilflich."
Wilhelm von Rubruk, Reise zu den Mongolen. Von Konstantinopel nach Karakorum. 1253-1255, hrsg. von Hans D. Leicht, Wiesbaden (edition erdmann): Verlagshaus Römerweg 2013, S. S. 82.

M 1b: Handel und Geschenke beim Hoftag im Bericht des Johannes von Plano Carpini
Der Mönch Johannes von Plano Carpini war kurz vor Wilhelm von Rubruk bei der "Krönung" des Großkhans Güyük in einem Zelt aus weißem Purpurstoff für 200 Personen anwesend:
"Draußen vor dem Zelt mussten der Fürst von Russland, zahlreiche Fürsten der Nordchinesen, die beiden Söhne des georgischen Königs, ein Bote des Kalifen von Bagdad und zehn andere Sultane der Moslems warten (.). Mehr als viertausend Gesandte hielten sich nämlich damals bei den Tartaren auf, darunter solche, die Tribute ablieferten und Geschenke brachten, solche, die sich unterwarfen, und Statthalter der bereits unterworfenen Länder. (.) Dort brachten die Gesandten große Geschenke dar: Seide, Samt, Purpur, Stoffe aus Persien, seidene und golddurchwirkte Gürtel, edle Felle und andere Gaben, die wunderbar anzusehen waren. Dem Großkhan wurde auch ein Sonnenschirmchen dargeboten, das ganz mit Edelsteinchen besetzt war."
Johannes von Plano Carpini, Kunde von den Mongolen 1245-47, hrsg. von Felicitas Schmieder, (edition erdmann) Wiesbaden: Verlagshaus Römerweg 2015, S. 101 und 103.

Chinesische Botschafter bringen wertvolle Geschenke zum Großkhan, persische Malerei um 1430
Chinesische Botschafter bringen wertvolle Geschenke zum Großkhan
persische Malerei um 1430
Bild: By Sayf al-V�hid�. Hér�t. Afghanistan via wikipedia commons
Quelle 1356x1181 Pixel

M 2: Die Rolle der vornehmen Frauen
"Die Frauen, besonders die vornehmen, verfertigen sich sehr schöne Wagen, deren Aussehen ich euch eigentlich nur bildlich darstellen könnte. (.) Ein reicher Mongole besitzt wohl hundert bis zweihundert derartiger Vorratswagen. Der Großkhan Batu hat 26 Frauen, deren jede ein großes Zelt bewohnt. Die dahinter als Kammern dienenden kleinen Zelte, in denen die Mädchen wohnen, sind dabei gar nicht mitgerechnet. Zu einer jeden dieser Jurten gehören 200 Wagen. Wenn sie ihr Zeltlager einrichten, erhält die erste Frau ihren Platz für ihr Zelt an der Westseite. Bis zum Zelt der letzten Frau im Osten folgen dann weitere Frauenzelte (.). So sieht das Zeltlager eines reichen Mongolen wie eine große Stadt aus, obwohl sich darin nur sehr wenige Männer aufhalten."
Wilhelm von Rubruk, Reise zu den Mongolen. Von Konstantinopel nach Karakorum. 1253-1255, hrsg. von Hans D. Leicht, Wiesbaden (edition erdmann): Verlagshaus Römerweg 2013, S. S.38.


M 3: Multikulti in der Hauptstadt des Großkhans Mangu mit Namen Karakorum
"Der Palast hat wie eine Kirche ein Mittelschiff und zwei Seitenschiffe zwischen zwei Säulenreihen und an der Südseite drei Türen. Die Anlage ist von einer großen Backsteinmauer umschlossen, worin viele andere Baulichkeiten, lang wie Scheunen, sind, in denen ihre Lebensmittel und Schätze geborgen werden. (...) Was die Stadt Karakorum betrifft, so mögt ihr wissen, dass sie, vom Palast des Khans abgesehen, nicht einmal so stattlich wie der Markt?ecken St. Denis ist. Und das Kloster St. Denis ist wohl zehnmal bedeutender als dieser Palast. Es gibt zwei Stadtviertel, einmal das der Sarazenen, wo die Märkte statt?nden und viele Kau?eute der Nähe des Hofes wegen zusammenkommen, aber auch in Anbetracht der Gesandten, die sich hier aufhalten. Und dann gibt es das Viertel der Cathai , die in der Hauptsache Handwerker sind. Außerhalb dieser Viertel liegen die großen Häuser, die den bei Hof angestellten Sekretären gehören. Die verschiedenen Völkerschaften haben zwölf Götzentempel, zwei Moscheen, in denen die Lehre Mohammeds verkündet wird, und am äußersten Ende der Stadt eine christliche Kirche. Das gesamte Stadtgebiet ist von einem Lehmwall umgeben und besitzt vier Tore. Am Osttor werden Hirse und anderes Getreide, das allerdings nur recht selten hier eingeführt wird, verkauft. Am Westeingang werden Schafe und Ziegen angeboten, am Südeingang Ochsen und Wagen und am Nordeingang Pferde."
Wilhelm von Rubruk, Reise zu den Mongolen. Von Konstantinopel nach Karakorum. 1253-1255, hrsg. von Hans D. Leicht, Wiesbaden (edition erdmann): Verlagshaus Römerweg 2013, S. 169.


Steinschildkröte aus dem 13. Jahrhundert
Steinschildkröte aus dem 13. Jahrhundert
Im Palastbezirk von Karakorum wurde auch diese monumentale Schildkröte gefunden. Ihr gewölbter und kräftiger Panzer steht für das Himmelsgewölbe, der Unterpanzer für die Erde. Sie wird als das starke Tier gesehen, das Himmel und Erde zusammenhält und trägt. Außerdem gilt sie als langlebiges Tier, das bis zu 1000 Jahre alt werden konnte.
Foto: "Turtle-Karakorum" by Frithjof Spangenberg CC BY-SA 2.5 via Wikimedia Commons
Quelle

Zusatzinformation: Archäologische Ausgrabungen in der Stadt Karakorum
Die Überreste der Stadt Karakorum wurden in den letzten Jahren von einer deutsch-mongolischen Archäologengruppe ausgegraben. Für diese Gruppe war zunächst auffallend, dass die Stadt ganz und gar ungünstig für eine feste Siedlung gelegen war und eher dem Rastplatz eines Mongolenstammes entsprach. Es fehlte nämlich eine Wasserversorgung genauso wie ein zur Verteidigung geschütztes Gelände und auch fruchtbare Felder für die Landwirtschaft. Die Stadt musste daher von China aus täglich mit 500 Ochsenkarren an Lebensmitteln versorgt werden!
Trotzdem entwickelte sich Karakorum schnell zur Hauptstadt des mongolischen Weltreiches: Der Großkhan residierte in einem Palast mit zahlreichen Beamten, Getreidespeicher bezeugen die Versorgung der Bevölkerung, außerdem wurden die verschiedenen Tribute der unterworfenen Völker in der Stadt gestapelt und aufbewahrt. Man hat sogar einen Ziegelei- und Töpferbezirk mit großen Brennöfen ausgegraben, wo wohl chinesische Handwerker tätig waren. Die große Hauptstraße war sicherlich gepflastert und die Häuser hatten, ähnlich wie die römischen Häuser, Fußbodenheizungen.


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