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Reaktionen in Europa

Zum ersten Mal seit dem Ungarneinfall im 10. Jahrhundert wurde das Heilige Römische Reich von einer Invasion durch Reiterkrieger bedroht. Ungarn wurde schlimm verwüstet und auch ein deutsch-polnisches Ritterheer wurde unter Herzog Heinrich II. von Schlesien 1241 bei Liegnitz geschlagen. Die Kölner Königschronik berichtet:

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"In diesem Jahr drang zu uns die Kunde von einem verderbenschwangeren Unheil, das über das christliche Volk kam, dem Einbruch der Tataren, von deren Grausamkeit uns die Ohren klingen und die Herzen erbeben. Wie es heißt, kommen sie vom äußersten Scythien her, haben noch weit draußen über dem Asowschen Meer viele Völker jenseits des Meeres und am Meere überwältigt, das Russenreich unterworfen und sind dann in diesem Jahre um die Fastenzeit in Polen eingefallen, das sie größtenteils verheerten und ausplünderten; die Polen selbst vertrieben oder erschlugen sie. Die Tataren wüten gegen alle, sie schonen keinen Stand und keinen Mönchsorden. Herzog Heinrich von Schlesien, der sich mit noch einem Herzoge in tapferem Kampfe stellte, wurde bei Liegnitz besiegt; beide Herzoge und viele tapfere Ritter fielen, die Tataren schnitten Herzog Heinrich den Kopf ab und nahmen ihn mit. Dann wandten sie sich gegen Mähren und - man kann es kaum glauben - legten in einer Nacht und einem Tage den Weg von vier Tagereisen über reißende Flüsse zurück; mit Ausnahme der Burgen und Festungen verwüsteten sie ganz Mähren. Bei ihrem Weitermarsch streiften sie auch das Gebiet der Diözese Meißen und erschlugen dort viele Menschen. Dann kamen sie nach Ungarn, vereinigten sich mit den grausamen Kumanen und wüteten mörderisch.
Der Ungarnkönig Bela eilte ihnen entgegen und schlug mit einem äußerst starken Heere am Saja sein Lager auf. Die Tataren aber setzten mit den Kumanen bei Tagesanbruch überraschend oberhalb und unterhalb des Lagers geschickt über den Fluss und überraschten das Heer der Ungarn. Auf dem Schlachtfeld sollen sechzigtausend Ungarn geblieben sein, darunter zwei Bischöfe, viele Deutsche, Franzosen, Edelherren und gemeines Kriegsvolk. Der Ungarnkönig entrann, von wenigen verfolgt, mit knapper Not dem Tode. Von der Herkunft, den Gebräuchen und der Lebensweise dieser Barbaren wurde uns viel Unglaubliches und völlig Unmenschliches erzählt, worüber wir aber hier nicht schreiben wollen, als bis wir die reine Wahrheit erfahren haben."

Chronica regia Coloniensis. Hrsg. von Georg Waitz. Hannover/Leipzig 1880 (MGH SS rer. Germ. 18), S. 280f., zitiert nach: Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Band 1, Frühes und hohes Mittelalter 750-1250, hrsg. von Wilfried Hartmann, Stuttgart 1995, S. 428-9.


M 2 Die Reaktionen auf die Auslöschung der Stadt Kiew und den Einfall der Mongolen in Osteuropa sah folgendermaßen aus:

  1. "1240 tauchte ein unbekanntes barbarisches Volk auf, das man Tartaren nennt, die eine riesige Metzelei unter den Menschen anrichteten, vor allem unter den Christen, die zu verfolgen und deren Namen auszulöschen sie losgezogen waren."
  2. "Das war eine Strafe Gottes für die Ungarn und Russen, die nicht den rechten römischen Glauben pflegten!"
  3. "Die fremden Horden kommen direkt aus dem Tartaros, der Hölle, und bringen das Ende der Welt. In ihren Reihen wurde der Antichrist gesehen!"
  4. "Die Juden haben die Mongolen sogar ausgerüstet mit Waffen und bringen nun das Verderben über die Christen."

(Die Zitate sind zusammengestellt und vereinfacht nach: Felicitas Schmieder, Europa und die Fremden. Die Mongolen im Urteil des Abendlandes, S. 29f.)

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Mongolische Reitertruppen im Angriff, aus der persischen Chronik des Raschid-al-Din um 1330
(Staatsbibliothek Berlin, Orientabteilung, Diez A fol. 70, p. 58.)
© wikipedia gemeinfrei
Quelle 1658x1359 Pixel

M 3 Noch bevor die Mongolen unter ihrem Anführer Batu Osteuropa erreicht hatten, waren über Kundschafter Briefe nach Westen gelangt, die allen Völkern, die den mongolischen Weltherrschaftsanspruch nicht anerkannten, Bestrafung androhten:
"Ich, der Khan, Bote des Himmelskönigs, der mir die Macht gab, auf Erden alle zu erheben, die sich mir unterwerfen, meine Gegner aber zu unterdrücken, wundere mich über Dich, Königlein von Ungarn, weil Du, obgleich ich 30 Mal Gesandte an Dich geschickt habe, mir dennoch keinen davon zurückgeschickt hast. Ich weiß, dass Du ein reicher und mächtiger König bist, viele Krieger unter dir hast und allein ein großes Reich beherrschst. Deshalb fällt es Dir schwer, Dich mir freiwillig zu unterwerfen, doch es wäre besser für Dich und heilsamer!"

(zit. nach Felicitas Schmieder, Europa und die Fremden, S. 74)


Hintergrundinformation zur Vertiefung
Gleichzeitig mit dem Brief des Batu verbreitete sich auch die Kunde der russischen Hauptstadt Kiew, die 1240 eingeäschert und deren Bevölkerung in großen Teilen niedergemetzelt wurde. Im April 1241 erreichten schließlich die beiden Heeressäulen des Batu Schlesien bzw. Ungarn. Am 9. April wurde ein polnisch� schlesisches Ritterheer unter Herzog Heinrich von Schlesien bei Liegnitz vernichtet; die Mongolen trugen den auf einer Lanze aufgespießten Kopf des Herzogs bis vor die Tore der Stadt. Am 11. April wurde das Heer des Ungarnkönigs Bela vernichtet, der König konnte mit Mühe entkommen. Die Mongolen verwüsteten das Land östlich der Donau und schlachteten große Teile der Bevölkerung ab, Kundschafter der Mongolen gelangten bis nach Wien. Nun war der Schrecken in Europa groß!
Obwohl Kaiser Friedrich II. zum Widerstand und der Papst sogar zum Kreuzzug gegen die Mongolen aufriefen, gelang es den Europäern nicht, ein gemeinsames Heer aufzustellen. Da zogen im Frühjahr 1242 die Mongolen plötzlich nach Osten ab – wie durch ein Wunder. Hintergrund war, dass der Großkhan Ögödei in China gestorben war und Heerführer Batu, selbst mit Thronansprüchen, die Truppen aus dem Westen abzog und ins mongolische Stammland eilte.


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