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Wie leben die verschiedenen Kulturen und Religionen im mongolischen Reich miteinander?

M 1: Der christliche Gesandte Wilhelm von Rubruk berichtet über ein Streitgespräch zwischen Buddhisten, Muslimen und Christen am Hofe des Großkhans:
"Am nächsten Tag (25.5.1254) schickte der Khan seine Sekretäre zu mir und ließ mir ausrichten: "Unser Herr sendet uns zu euch und lässt sagen: Ihr seid hier Christen, Moslems und Buddhisten. Jeder von Euch behauptet, seine Religion sei die beste und seine Schriften, also seine heiligen Bücher, enthielten die reinste Wahrheit. Aus diesem Grund wünscht der Khan, dass ihr alle zusammenkommt und eure Lehren mit- und gegeneinander vergleicht. Auch sollt ihr sie niederschreiben, dass der Khan selbst die Wahrheit erkennen vermag. (.):
Wilhelm von Rubruk zu den Buddhisten: "Wir glauben festen Herzens und bekennen es auch mit dem Munde, dass Gott ist und dass es nur einen Gott gibt, und zwar nur einen in vollkommener Einheit. Woran glaubt ihr?"
Er antwortete: "Nur Dummköpfe sagen, dass es nur einen Gott gibt. Die Weisen hingegen sprechen von mehreren Göttern. Gibt es nicht in deinem Land große Herrscher, und ist hier nicht Mangu Khan der größte Herrscher? So verhält es sich auch mit den Göttern. In dem einen Land sind sie so, in dem anderen Land eben anders." (...)
Wilhelm: "Unser Gott, neben dem es keinen anderen gibt, ist allmächtig und bedarf deshalb keines Beistandes eines anderen. Vielmehr bedürfen wir alle seiner Hilfe. Nicht aber verhält es sich so mit den Menschen. Kein Mensch kann alles, und deshalb muss es mehrere Herrscher auf Erden geben."
Der Buddhist antwortete: "So ist es nicht. Vielmehr ist einer der Höchste im Himmel, dessen Ursprung uns bis jetzt noch unbekannt ist. Unter ihm sind zehn andere und darunter wieder ein nicht so Mächtiger. Auf der Erde gibt es Götter ohne Zahl."
Wilhelm: "Glaubst du denn, dass irgendein Gott allmächtig ist?""
Nach langem Schweigen antworte der Buddhist: "Kein Gott ist allmächtig." Da brachen die Muslime in schallendes Gelächter aus.
Diese verweigerten das Streitgespräch und sagten: "Wir geben zu, dass eure (christliche) Religion wahr ist, und dass auch alles wahr ist, was im Evangelium steht. Deshalb wollen wir auch in keinem Punkt mit euch streiten. Wir beten zu unsrem Gott wie ihr."
Der Großkhan belehrte am Ende Wilhelm von Rubruk: "Aber so wie Gott der Hand verschiedene Finger gab, so gab er auch den Menschen verschiedene Wege, die Seligkeit zur erlangen."

Wilhelm von Rubruk, Reise zu den Mongolen. Von Konstantinopel nach Karakorum. 1253-1255, hrsg. von Hans Dieter Leicht, Wiesbaden (edition erdmann): Verlagshaus Römerweg 2013, S. S. 182-187 (gekürzt und angepasst M. Hoffmann).

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Ein mongolischer Prinz studiert den Koran.
So wie hier auf diesem Bild haben die mongolischen Fürsten auch die Bibel gelesen und sich den buddhistischen Lehren zugewandt. Sie wollten damit aber keine Religion als einzig richtige anerkennen, sondern aus allen die wichtigsten Stellen erfahren.
© By unknown / (of the reproduction) Staatsbibliothek Berlin/Schacht [Public domain], via Wikimedia Commons
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M 2: Auch spätere christliche Missionare berichten Ähnliches aus dem Mongolenreich:

  • Jacobo d'Acqui:
    "Den Tartaren ist es völlig egal, welcher Gott von den unterworfenen Völkern verehrt wird, solange sie nur dem Großkhan Treue und Gehorsam leisten und den verlangten Tribut bezahlen. Und solange Ordnung herrscht, kannst Du tun mit Deiner Seele, was Du willst."
    Übersetzung M. Hoffmann nach Peter Jackson, The Mongols and the West, 1221-1410, S. 273.
  • Andreas von Perugia 1326:
    "Jedem und allen ist erlaubt, nach ihrer eigenen Sekte zu leben, da dies ihre (der Mongolen) Meinung ist, der - soll ich sagen - Irrtum, dass jeder in seiner eigenen Sekte selig wird."
    Übersetzung M. Hoffmann nach Peter Jackson, The Mongols and the West, 1221-1410, S. 273.

Europäer bringen das Christentum ins Mongolenreich

Die europäischen Geistlichen, insbesondere die Päpste und der Orden der Franziskaner, waren an einer schnellen Bekehrung der Mongolen zum Christentum interessiert, die ersten Gesandtschaften von Carpini und Rubruk erfolgten ja bereits in diesem Sinne.
1289 wurde Johannes von Montevorvino vom ersten Franziskaner auf dem Heiligen Stuhl, Papst Nikolaus IV. (1288-1292), als Missionar zum Großen Khan Kubilai nach Peking geschickt, mit dem Auftrag, die Mongolen zu bekehren und die nestorianischen Christen in Zentralasien und China zur Wiedervereinigung mit der katholischen Kirche aufzufordern. Bis 1306 gelang es ihm, 6400 Menschen zu taufen. 1299 erbaute er die erste Kirche in Peking nahe dem Palast und 1305 die zweite mit 200 Sitzen, wo mit päpstlicher Erlaubnis die Messe auf Mongolisch gelesen wurde.
Ebenfalls errichtete er eine Schule, in der Lesen, Schreiben und Gregorianischer Gesang gelehrt wurde. Außerdem übersetzte er das Neue Testament und die Psalmen. Von seiner Arbeit berichtete er 1305 und 1306 in zwei Briefen an Papst Clemens V.
In den 34 Jahren seines Wirkens konnte er etwa 30.000 Chinesen und Mongolen für das Christentum gewinnen. 1318 kam der Franziskaner Odorich von Pordenone nach Beijing, wo er bis 1321 blieb, 1342 Johann von Margnoli. Als sich die Chinesen allerdings 1368 der mongolischen Fremdherrschaft entledigten, wandelte sich auch die Stimmung gegenüber den Christen.


M 3: Die aus europäischer Sicht seltsam anmutende religiöse Toleranz wurde daher so gedeutet, dass die Mongolen leicht bekehrbar seien. Dazu schreibt der Franziskanerchronist Johannes Elemosina 1335:
"Und nachdem die Tartaren viele Reiche unterworfen hatten, wandelten sie sich, weil in ihnen durch Gottes Voraussicht eine natürliche Sanftmut lebte, so von ihrer rasenden Wildheit zur Güte, dass sie die Völker, die sie unterworfen hatten, in Liebe und Höflichkeit zu regieren und zu begünstigen begannen. Und sie erlaubten den Völkern, ihre Glaubensregeln zu bewahren und nach dem Ritus ihrer Ahnen zu pflegen, wenn sie nur dem Herrn der Tartaren gehorchten und ihm Abgaben entrichteten. Doch vor allem den Christen gestanden sie das zu, und behandelten sie mit großem Wohlwollen, indem sie ihnen gestatteten, den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus überall frei zu predigen, und indem jeder, der Christ werden wollte, das frei tun konnte."

Johannes Elemosina,Cronica, teiled. Golubvich II, S. 120, zit. nach Felicitas Schmieder, Europa und die Fremden, S. 132.


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