13.09.2021 Bildungspläne
13.09.2021 Immunbiologie

Informationen und Materialien zum Fach Biologie in allen Schulformen und für alle Schulstufen


Laufkäfer Carabidae

Laufkäfer der Gattung Abax
Laufkäfer der Gattung Abax

Achtung: Alle Laufkäfer der Gattungen Carabus und Calosoma sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt!

Einführung

In Deutschland gibt es ca. 540 Laufkäferarten, davon sind über 110 reine Waldarten. Die meisten (80%) sind nachtaktiv.

Die meisten Laufkäfer können nicht fliegen und bewegen sich v.a. laufend auf dem Boden. Ihr erstes Flügelpaar, die verdickten sog. Elytren, ist normal ausgebildet. Das zweite Flügelpaar ist aber häufig mehr oder weniger zurückgebildet. Laufkäfer haben eine längliche, nicht kugelig hochgewölbte Gestalt und lange Beine. An allen Beinen weisen die Tarsen 5 Glieder auf und ihre fadenförmigen Fühler sind immer 11-gliedrig. Auf der Unterseite sind die Sternite 1, 2 und 3 unbeweglich miteinander verwachsen.

Laufkäfer sind dämmerungs- und nachtaktiv. Bis 500m über NN kann man sie von April bis November nachts bei Lufttemperaturen über 10°C in Bodenfallen fangen. Im Wald findet man auf 0 bis 2 Jahre alten Kahlschlägen die höchsten Arten- und Individuenzahlen, außerdem sind liegende tote Baumstämme und verrottende Baumstubben Stellen größerer Konzentration. Die Larven leben im Boden.

Der goldglänzende Laufkäfer Carabus auronitens
Der goldglänzende Laufkäfer Carabus auronitens

Manche Arten überwintern als erwachsenes Insekt, manche als Larven. Es gibt auch Arten, in denen beides vorkommt. Man findet die überwinternden Tiere häufig unter Steinen oder toten Baumstämmen, die auf der Erde liegen.

Die Arten der Gattungen Calosoma, Carabus, Cicindela und Cychrus sind durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt.

Fortpflanzung

Die 20 - 60 Eier werden in kleinen Erdhöhlen gelegt. Käfer der Gattung Abax betreiben eine gewisse Brutpflege: sie vergraben ihre Eier und bewachen sie, bis die Larven schlüpfen.

Die Larven findet man im Sommer unter Steinen oder toten Baumstämmen. Sie leben räuberisch von Bodenorganismen und verdauen ebenfalls ihre Beute außerhalb des Körpers. Ihre Augen sind reduziert, sie orientieren sich mit Tast- und Geruchssinn. Es gibt 2 - 5 Larvenstadien in 7 - 11 Wochen.

Laufkäfer können mehrere Jahre alt werden.

Larve eines Laufkäfers
Larve eines Laufkäfers

Ernährung

Die meisten Laufkäfer und ihre Larven sind Räuber und fressen Schnecken, Würmer und Insektenlarven. Sie töten ihre Beute mit ihren großen Mandibeln und verdauen sie vor dem Mund, indem sie sie mit einem Verdauungssekret überziehen. Den so außerhalb des Körpers (extraintestinal) entstandenen Nahrungsbrei schlürfen sie dann ein. Laufkäfer fressen täglich etwa das 1,5 fache ihrer Körpermasse.

Evolutive Anpassungen

  • Laufkäfer haben kräftige, gezähnte Mandibeln, mit denen sie beim Jagen ihre Beute überwältigen.
  • Bei manchen Laufkäfern sind die Tarsen gezähnt. So können sie sich besser bspw. an Vegetation festhalten.
  • Auf dem letzten Glied der Maxillarpalpen sind Sensillen in Feldern angeordnet.
  • Am Rand des Pronotums zum Kopf sind propriorezeptive Härchen angeordnet, die dem Käfer die Stellung des Kopfes zur Brust anzeigen.
  • Alle Arten haben eine mehr oder weniger deutliche sog. Putzscharte an den Schienen, durch die sie die anderen Beine jeweils ziehen, um sie von Sand usw. zu befreien.
  • In Afternähe münden die Pygidialdrüsen (Wehrdrüsen, Stinkdrüsen) zur Verteidigung, bei Arten der Gattung Carabusist im Sekret bspw. die Methacrylsäure enthalten.

Der Bombardierkäfer

Der Bombardierkäfer ist ebenfalls ein Laufkäfer. Er hat die außergewöhnliche Fähigkeit, in einer Drüse eine Lösung von Hydrochinon, Toluhydrochinon und 23%ige Wasserstoffperoxidlösung her zu stellen. Diese Lösung kann er kontrolliert in eine sog. Reaktionskammer geben, in der die Enzyme Katalase und Peroxidase hergestellt werden. Wenn diese Lösung mit den Enzymen in Berührung kommt, zersetzt die Katalase das Wasserstoffperoxid zu Sauerstoff und Wasser und die Peroxidase oxidiert die Hydrochinone zu Benzo- und Toluchinonen. Die Lösung wird dabei bis auf über 100°C erwärmt. Das Reaktionsgemisch wird mit einem Knall hinausgeschleudert. Die Käfer können in drei Minuten 60-mal schießen!