Les rectifications de l'orthographe

Orthographe ou… orthogaffe ?

L'orthographe, un casse-tête

« Ouais l'orthographe c'est ma bete noir... Je m'excuse auprés de tout les membres et visiteurs penseurs qui sont agressé violamment par des fautes d'accords de mon cru », entschuldigte sich (scheinheilig...) ein Betreiber einer inzwischen geschlossenen Webseite. Die Beschäftigten der französischen Unternehmen beherrschen nur die Hälfte der orthografischen Regeln. Das passt gut zum Ergebnis einer Studie französischer Lehrer aus dem Jahre 2005, die über Jahre ein einfaches Diktat schreiben ließen: « Un élève de Seconde sur deux ne maîtrise pas l'orthographe de base ». Eine Seite mit Links zu dem Diktat, den Ergebnissen und Stellungnahmen liefert der Nouvel Observateur. Ein guter Grund, auch über den Stellenwert der Orthografie im deutschen Französischunterricht nachzudenken!

Reformversuch

Trägt vielleicht die Kompliziertheit der französischen Rechtschreibung eine Mitschuld an diesen Ergebnissen? 1990 gab der Conseil supérieur de la langue française mit der einmütigen Zustimmung der Académie française sehr zurückhaltende Empfehlungen heraus, die einige orthografische Anomlien beseitigen sollten, u.a. beim Plural der Fremdwörter und der zusammengesetzten Wörter, bei den Akzenten und dem Bindestrich. Das französische Erziehungsministerium legte 2008 fest: "L'orthographe révisée est la référence". Ähnliches gilt für andere frankophone Länder und Kanada. Es handelt sich damit nicht um obligatorische Änderungen. Die alten Schreibungen können auf unbestimmte Zeit weiter verwendet werden, ohne als falsch zu gelten. Testen Sie doch einmal selbst, wie weit Ihre Kenntnisse gehen!

Gute Startseiten sind La nouvelle orthographe, L'orthographe recommandée und Langue française. Sie stellen die neuen "rectifications" samt Begründungen, Listen mit einleuchtenden Beispielen und praktischen Übungen vor, verweisen auf offizielle Positionen der frankophonen Kultusministerien, auf Wörterbücher, die die neue Rechtschreibung berücksichtigen, auf Literatur und aktualisierte Rechtschreibkorrekturen für Textverarbeitungen wie OpenOffice, LibreOffice oder Word.

Eine Einführung in die Regeln selbst gibt Orthographe recommandée, wo Sie auch einen "Miniguide" zum Ausdrucken finden; vergleichbar ist die Liste Sept règles pour vous simplifier l'orthographe der Französischen Gemeinschaft Belgiens. Dort findet man auch eine Liste der 800 häufigsten betroffenen Wörter; eine vollständige Liste bietet Le Réseau pour la nouvelle orthographe du français (Renouvo), die man auch über eine Suchfunktion durchsuchen und herunterladen kann. Renouvo hat auch eine gute Linkliste. Auf der belgischen Website "Servir la nouvelle orthographe" kann man sogar mit Hilfe des kostenlosen Programms Recto-Verso ganze Textpassagen in herkömmlicher Rechtschreibung eingeben, um sie sich korrigieren zu lassen.
Zahlreiche PDF-Dateien mit Aufgaben zum Ausdrucken finden Sie beim o.g. CCDMD.
Ein Poème en orthographe actuelle von Pierre Jeudy widmet sich dem Trema.
Nun können Sie noch einmal den Test machen...

Pro und Contra

Ein Chanson von Pierre Perret, La réforme de l'orthographe, bezieht deutlich Stellung:

La réforme de l'orthographe
Contrarie les paléographes
Depuis qu'un l vient d'être ôté
A imbécillité.

Anschaulich zeigt sich der Wandel der französischen Rechtschreibung am Beispiel einen Corneille-Texts. Die Geschichte der französischen Orthografie, ihre Folgen für Unterricht und Schülerinnen / Schüler stellt Orthographe : qui a peur de la réforme ? der Französischen Gemeinschaft Belgiens zusammen und geht auf Bedenken gegen die "Rectifications" ein. Die témoignages der Zeitschrift "L'École libératrice" über die Reform stellen viele prägnante Pro- und Contra-Argumente zusammen. Ein Text mit Aufgaben zu Roland Barthes setzt sich grundsätzlich mit Rechtschreibreformen auseinander; Barthes forderte un certain "laxisme" de l'institution und wünscht sich qu'on arrête d'exclure pour motif d'orthographe.

Erfolg der Reform?

Laut einer Umfrage 2016 sind die Franzosen schwach im Rechtschreiben, aber gegen die Reform. Den nach den Reformen fortbestehenden "écart entre l'oral et l'écrit en français" beschreibt N. Sökmen. "La réforme de l'orthographe est-elle restée lettre morte ?", fragt sich die Wörterbuchautorin M.-E. de Villers. Eine kritische Einschätzung gibt Orthonet.
Die reformierte Rechtschreibung scheint in den frankofonen Ländern Kanada, Schweiz und Belgien stärker akzeptiert zu sein als in Frankreich. Lexika und Wörterbücher geben größtenteils die neuen Schreibungen an. Ab der "Rentrée" 2016 gibt es, nach einer Übereinkunft der französischen Schulbuchverlage, nur noch Schulbücher mit der reformierten Rechtschreibung; sie müssen eine entsprechende Plakette « Nouvelle orthographe » haben. Dennoch darf auch künftig die alte Rechtschreibung in Prüfungen nicht als falsch gewertet werden. Die Reform ist weiterhin umstritten - gerne werden auch unzutreffende Argumente angeführt.

Rechtschreibreform im Unterricht

Der Autor von "Bâtons, chiffres et lettres" befürwortete eine radikale Angleichung des geschriebenen Französisch ("une langue morte, comme le latin") an die Umgangssprache. Mit Sätzen wie "Doukipudonktan ?" und "La goçamilébou" berücksichtigt er neben der Rechtschreibung auch gleich das mot phonétique und den langage familier - hauptsächlich zeigt er natürlich seine Freude am Spiel mit der Sprache.
Ein Text wie "Pour une réforme radicale de "l'ortografe" : démonstrasion ! der Ocséna, association militante pour la réforme de l'orthographe kann in Standard-Orthografie retransformiert werden; s. Aufgaben dazu (gezippt).
Wenn die hier genannten Reformen im Unterricht zusammenfassend behandelt werden, können die SchülerInnen auch den o.g. Test und Auszüge aus den sprachlichen Aufgaben sowie das Gedicht, das Chanson und die Aufgaben zu Roland Barthes machen.
Nach so viel trockener Materie kann ein wenig Poesie nicht schaden: Mit Carla Bruni kann man den Namen "Raphaël" durchbuchstabieren und sich der Magie (nicht nur...) der Laute hingeben: « C'est le tréma qui m'ensorcelle dans le prénom de Raphaël » (neu: "ensorcèle"...!). Text des Chansons; Clip und Arbeitsblatt.

Die baden-württembergischen Bildungspläne für Französisch machen zur französischen Rechtschreibreform keine Aussage. Angesichts der kriteriengestützten Korrektur sowie der kommunikativen Ausrichtung des Unterrichts und der Lernerfolgskontrollen spielen die Beibehaltung der traditionnellen Rechtschreibung bzw. die Reform für den Französischunterricht eine eher untergeordnete Rolle.

Internetseiten zur Rechtschreibung allgemein


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Quelle: https://www.schule-bw.de

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