Afrika

Projektverlauf

 

Projektinitiative:

Ausgangspunkt des Projektes war eine Einladung der Nachbarschule zu einem Besuch des Kulturbotschafters Kobna Anan, der aus Ghana stammt. Im Unterricht wurde im Rahmen eines Planungsgesprächs gesammelt, welche Vorstellungen die Kinder bereits zu Afrika hatten. Da die Kinder über ausgesprochen wenig Vorwissen verfügten, sollte es im Unterricht bis zum Besuch von Herrn Anan darum gehen, die vorhandenen Vorstellungen zu erweitern.

Auseinandersetzung mit der Projektinitiative / Ideensammlung:

In den folgenden Tagen wurde eine kleine Afrika-Ausstellung aus Mitbringseln der Kinder aufgebaut, z.B. ein Stück Papyrus, das die Oma aus Ägypten mitgebracht hatte, oder eine afrikanische Trommel oder Bücher zu verschiedenen Aspekten des Themas. Die Ausstellung konnte in Freiarbeitsphasen und Pausen besichtigt werden. Auf diese Weise sollte für den nächsten Schritt die Vorstellung der Kinder angeregt werden.
Parallel wurde begonnen, das Bilderbuch "Aminatas Entdeckungen" vorzulesen, das die Grundlage für das Projekt bilden sollte. Diese Geschichte spielt zwar in Senegal, nicht in Ghana, schien aber aus verschiedenen Gründen so geeignet, dass die Erweiterung des Blickwinkels auf zwei afrikanische Länder lohnenswert erschien. Einerseits vermittelt das Buch sehr kindgemäß Hintergrundinformationen zu diesem afrikanischen Beispielland. Andererseits bietet die Geschichte, die von einem Kind im Alter der Schüler und Schülerinnen handelt, viele Anknüpfungspunkte für die Vorstellungswelt der Kinder. Zudem steht mit dem Materialband ein Fundus an weiterführenden Informationen, Musik- und Kochtipps und Arbeitsblättern zur Verfügung. Grundzüge der Kulturen erwiesen sich auch als ähnlich. Nachdem die Kinder sich auf das Projektthema einstimmen und einstellen konnten, wurde gesammelt, welche Fragen, Interessen und Handlungsvorschläge die Kinder zu diesem Thema hatten.

Einigung auf das Endprodukt:

Die Klasse einigte sich darauf, zu den verschiedenen Themengebieten, die sich aus ihren Interessen ableiteten, eine Ausstellung für die Schule zu entwickeln und aufzubauen. Es sollte ein Modell eines afrikanisches Dorf errichtet werden und Informationstexte dazu gelegt bzw. gehängt werden. Die Bearbeitung der Themengebiete Schule, Dorfleben, Dorfversammlung, Familie, Kleidung, Spiele, Wasser, Feste wurde beschlossen. Die Gruppen wurden eingeteilt. Die Themengebiete Baobab, Erdnuss, Ziege sollten als differenzierende Maßnahme von Gruppen übernommen werden, die ihren Themenbereich früher fertig bearbeitet hatten.

Projektdurchführung:

Pro Schulvormittag wurde 2-3 Schulstunden am Projekt gearbeitet. Der gemeinsamer Start war jeweils der Sitzkreis. Hier wurden Wörter in der Sprache "Wolof" gelernt*, z.B. nanga deff (Wie geht's?), mangi fi rek (wörtl.: ich bin hier, Antwort auf den Gruß). Da afrikanische Kultur viel mit Rhythmus und Musik zu tun hat und aus dem Bilderbuch "Aminatas Entdeckung" Hintergründe zu Festen in Afrika bekannt wurden, entwickelte sich daraus folgende Form. Die Wörter wurden gesprochen und dazu im Rhythmus mit verschiedenen afrikanischen Rhythmusinstrumenten oder klatschend der Sprachrhythmus unterstützt. Freiwillige Kinder tanzten auf afrikanische Art*. Wer keine Lust mehr hatte zu tanzen, tippte ein Kind im Sitzkreis an, die Rollen wurden getauscht. So fand eine minutenlange, zwar laute, aber doch auch meditative Einstimmung auf das Projekt statt.

Danach arbeiteten die Kinder in o.g. Themengruppen. Aufgabe der Gruppen war es, jeweils zu zweit ein Häuschen und eine kleine Pappfigur als Bewohner oder Bewohnerin für das afrikanische Dorf herzustellen. Für das Häuschen wurde das Gitternetz eines Würfels aufgezeichnet (Seitenlänge 15 cm), um Klebeflächen ergänzt, ausgeschnitten und zusammengeklebt. Wie das Gitternetz aussehen kann, wurde in der Großgruppe vorbesprochen. Mit beiger Plakafarbe wurde der Würfel lehmfarben bemalt, da er ja ein Lehmhäuschen darstellen sollte. Eingang und Fenster wurden schwarz gemalt. Bilder aus mitgebrachten Büchern und dem Bilderbuch "Aminatas Entdeckung" und dem dazugehörenden Materialband zeigten, wie solche Häuser aussehen können. Die Menschenfiguren wurden aus einer Pappvorlage hergestellt, auf der der Körper wie Zweidrittel-Kreis aufgezeichnet war, Arme und Kopf daran anschlossen, unter den Armen Klebelaschen aufgezeichnet waren. Nach dem Ausschneiden wurden die Gewänder in bunten Stoffen aufgeklebt, um den Kopf ein Turban gewickelt, das Gesicht, Haare und Haut bemalt. Zum Abschluss wurden die Klebelaschen auf der Rückseite an die jeweils gegenüberliegende Körperseite geklebt. So entstanden Figuren, die stehen konnten. Weiterhin hatte jede Gruppe die Aufgabe, für den Schutz des Dorfes aus Holzstäbchen ein Stück Zaun herzustellen. Zum gewählten Themengebiet überlegten sich die Kinder selbst eine Darstellung für das Modelldorf bzw. die Ausstellung. Daneben erhielten sie Textauszüge aus dem Bilderbuch und dem Materialband. Aus diesen Informationen musste eine Informationstext für die Ausstellung geschrieben und mit dem Textverarbeitungsprogramm in den Computer eingetippt und gelayoutet werden. Jede Gruppe erhielt zudem Gelegenheit, sich im Internet auf die Suche nach Informationen und Bildern zu ihrem Thema zu machen. Als Unterstützung, falls die Gruppe keine eigenen Handlungsideen entwickelte bzw. Schwierigkeiten hatte, sich an die Vorgaben zu erinnern, erhielten die Gruppen Handlungsvorschläge. ( Handlungsvorschläge (rtf zum Download))

Die Projektzeit wurde jeweils durch eine Besprechung abgeschlossen, in der folgende Bereiche angesprochen wurden:

  • Was hat die Gruppe an diesem Tag gearbeitet?
  • Was wird die Gruppe am nächsten Tag arbeiten?
  • Gibt es Material, das besorgt werden muss?
  • Wie hat die Zusammenarbeit in den Gruppen funktioniert? Müssen dazu Probleme besprochen werden?

Zum Abschluss der Besprechung erfolgten besondere gemeinsame Aktionen, z.B. das Vorlesen eines senegalesischen Märchens, das Singen eines Liedes oder auch das Essen und Trinken von Gerichten und Getränken, die Projektgruppen während der Projektzeit hergestellt hatten. Vor allem Essen und Trinken hat einen besonderen Reiz. Hier kann man Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Kulturen über den Gaumen erfahren, z.B. beim Ingwergetränk mit Ananassaft* oder bei der Hirsesuppe mit Gemüse*

Abschluss des Projekts:

Die Ausstellung wurde aufgebaut. Dabei wurde zunächst aus den Häuschen, Zäunen, Menschen, Tieren und dem Baobab nach den gewonnenen Informationen das Dorfmodell auf lehmfarbenen Karton gestellt. Die Menschen saßen in der Dorfversammlung unter dem Baobab. Die Häuschen waren nach den Informationen (vgl. Ergebnisse) gruppiert und umzäunt. Der Brunnen wurde an entsprechender Stelle aufgebaut. Nach der Methode des Gruppenpuzzles tauschten die Kinder sich über die in den Expertengruppen gewonnen Erkenntnisse aus. Als Ergebnissicherung wurde eine Stationenarbeit, in die die verschiedenen Gruppenthemen integriert waren, durchgeführt ( Stationenarbeit (rtf zum download)) . Der Aufbau und der Austausch im Gruppenpuzzle ermöglichte eine vertiefte Reflexion auf Grundlage der Fragestellung, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu unserem Leben hier aufgefallen waren und was wir von den afrikanischen Kindern lernen können. Auf Wunsch der Kinder wurden Führungen durch die Ausstellung für die Eltern organisiert, in denen die Kinder als Experten für ihren Arbeitsbereich auftraten.

Weiterführung:

Nach dem Besuch von Kobna Anan wurden die Länder Senegal und Ghana verglichen. Die durch Projekt und Begegnung mit Kobna Anan geweckte Bereitschaft der Kinder, afrikanische Kinder bei der Hilfe zur Selbsthilfe zu unterstützen, führte zum Einstieg eines Kontaktes mit einer Nonne, die eine Schule in Simbabwe betreut, in der Kinder versuchen, neben dem Schreiben-, Lesen- und Rechnenlernen berufliche Existenzen aufzubauen.

Was Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet und welche Rolle fairer Handel spielen kann, wurde in einem früheren Projekt zum Thema "Bananen" eingeführt.

* Die gekennzeichneten Tipps entstammen dem Materialband zu "Aminatas Entdeckung", (vgl. Medienhinweise)




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Herausgeber: Landesbildungsserver Baden-Württemberg
Quelle: https://www.schule-bw.de

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