Pferdefleischskandal in Frankreich
Direkt zur Cyberenqu�te; s.u. Hinweise.
Lasagnes surprises
"Trot bon": Mit diesem Wortspiel (Trott und Jugendsprache trop = très) will Jacky Durand die Ehre des Pferdefleisches retten. Denn die "lasagnes surprises" (M. Lindon) mit undeklariertem Pferdefleisch haben auch Frankreich aufgerüttelt. Eine Zusammenfassung des Skandals in 5 Punkten liefert der Figaro, Libération zeigt die Reise des Pferdefleischs durch Europa ( Grafik), der Nouvel Observateur die betroffenen Kreisläufe; s. eine kurze Analyse des Skandals bei Libération. Worin der Betrug eigentlich besteht, erklärt Le Monde. Dossiers finden sich u.a. bei Le Figaro, Libération oder L'Express.Zahlreiche parodistische Bilder finden sich im Internet (s. Libération, Economie Politique Finances, L'Internaute, wie La vache qui rit und Le cheval qui rit. Sie können gut als Einstieg im Unterricht verwendet werden.
Die Franzosen entdecken aufgrund des Skandals (wieder) den Unterschied zwischen Pferd und Rind (s. das nicht ganz ernst gemeinte Video), die Namen der Fleischstücke des Pferdes und die Existenz von "minerai" ("produit haché issu du désossage d’une carcasse, composé des bas morceaux (attaches de muscles, gras, quartiers les moins nobles)", mit dem sich offenbar Geld verdienen lässt; Definition bei Wikipédia; lebhafte Schilderung bei Rue 89).
Direkte Folgen
Infolge des Skandals ging der Kauf von Fertiggerichten stark zurück, die Metzger hingegen gehen gestärkt daraus hervor. Eine der wenigen verbliebenen "boucheries chevalines" vermeldet steigende Nachfrage nach Pferdefleisch.Wer ist Schuld?
"Au royaume de la malbouffe, tout le monde est irresponsable", so François Sergent: Die EU, die Einzelstaaten und die Komplizenschaft der Akteure dieser Branche, auch der Verbraucher. Die Fehler in Frankreich zählen L. Noualhat und S. Delesalle-Stolper auf. Den Weg des Fleisches "Du cheval à l'assiette" beschreibt die Tierschutzorganisation GAIA. Die Rückverfolgbarkeit in der EU ( traçabilité) betrifft nur die Firmen, nicht die Produkte selbst.
Maßnahmen
Präsident Hollande verlangt Sanktionen und eine obligatorische Etikettierung der Fertigmahlzeiten. Verbraucherminister Beno�t Hamon verlangt mehr Selbstkontrolle der Fleisch-Profis und erlaubte die Verteilung an karitative Organisationen; richtig so, findet Verbandsfunktionär Philippe Bapt, auch angesichts der Senkung der EU-Ausgaben für die Ärmsten von 500 auf 300 Millionen Euro im Jahr. Unwohl bei diesem Gedanken ist z.B. einigen Lesern des Express.
Hintergrundanalyse
Tiefer gehende Analysen beschäftigen sich u.a. mit der Geschichte des Fleisches: Laut Madeleine Ferrières machte gehacktes Fleisch schon im Mittelalter Angst. Chefkoch Arnaud Daguin findet, dass heute nicht mehr gute Nahrungsmittel produziert werden, sondern das, was die "Überproduktionsmaschine" aus finanziellen Motiven erzwingt. Deshalb nennt er 10 gute Gründe für vegetarische Ernährung und schlägt auch gleich ein Rezept für Lasagne mit Pastinaken vor ("au panais, pas au poney"). Doch Verbrauchergewohnheiten ändern sich kaum nur aufgrund von Skandalen. Auch die "schizophrenen" Verbraucher sind nach J. Durand an den Zuständen mitverantwortlich.Pferdefleisch ist nicht gesundheitsschädlich - die Aufregung kommt laut Jocelyn Raude eher daher, dass die Verbraucher sich an den BSE-Skandal mit der Verfütterung von Fleisch- und Knochenmehl an Pflanzenfresser erinnern; außerdem sei das Pferd, wie das Kaninchen, von einem "animal de bétail" zu einem "animal de compagnie" geworden und komme damit für den Verzehr nicht mehr in Frage. Dabei gibt es eine Pferdefleischtradition in Nordfrankreich und anderswo.
Für L. Noualhat und E. Patriarca ist die französische Landwirtschaft energieverschwenderisch, ungerecht und umweltschädlich. Der Ernährungswissenschaftler Christian Rémésy verlangt eine nachhaltige Ernährungspolitik. "En France, on mange de la bonne viande", widersprechen die Produzenten auf der Landwirtschaftmesse, und laut Umfrage vertrauen die Franzosen den Bauern.
Die Cyberenqu�te
In unserer Cyberenqu�te für die Kursstufe werden viele der oben angesprochenen Aspekte behandelt. Es enthält Recherche-, Meinungs-, Mediations- und kreative Aufgaben und fördert entsprechende Kompetenzen sowie Bildbeschreibung und Textproduktion. Inhaltlich lässt es sich im Rahmen von Unterrichtseinheiten zur Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Frankreichs und zum Vergleich Frankreichs mit Deutschland verwenden. Es lässt sich je nach Interesse der Lehrkraft und der Schülerinnen und Schüler kürzen. Bei der Auswertung der Internetquellen und bei der Texterstellung können ein- und zweisprachige Online-Wörterbücher eingesetzt werden.In einem einleitenden Teil werden vorhandenes Wissen und Voreinstellungen der Schülerinnen und Schüler durch Brainstorming und Diskussion aktiviert.
Die Beschreibung und Analyse der Werbung für »La vache qui rit� und ihrer parodistischen Umgestaltung können einen motivierenden und frankreichkundlichen Einstieg bilden.
Der Abschnitt Le scandale en France beschäftigt sich mit wesentlichen Aspekten des Skandals und seinen Folgen. Frage 2 zu "minerai de viande" kann auch entfallen, die Aufgaben 4 und 5 beziehen sich auf kurze Texte; die Teilaufgaben der Aufgabe 4 sollen in je einem einzigen Satz zusammengefasst werden.
In der Analyse approfondie bilden sich Gruppen, die je eines der Themen erarbeiten; eine Besprechung im Plenum kann in Form einer Vorstellung von Thesen mit einer Erläuterung und ggf. Diskussion durchgeführt werden. Bei Zeitmangel können auch nur einer oder zwei der Artikel erarbeitet werden. Die Kreativaufgaben bieten neben inhaltlicher Argumentation auch Raum für nichtsprachliche Aktivitäten (Zeichnung, Collage, Sketch).

