Der Konjunktiv im Hauptsatz

Die Einzelheiten sind aus der jeweils verwendeten Grammatik zu entnehmen; hier werden nicht alle Fälle aufgelistet, sondern nur diejenigen, die erfahrungsgemäß beim Übersetzen die häufigsten Fehlerquellen bilden.

In Grundzügen ist bei der Übersetzung des lateinischen Konjunktivs Folgendes zu beachten:

Die Grundfrage ist immer, ob man einen Konjunktiv im Hauptsatz oder im Nebensatz vor sich hat. Der Konjunktiv im Hauptsatz ist in der Übersetzung immer wiederzugeben, der Konjunktiv im Nebensatz hingegen nur in einige Fällen.

Der Konjunktiv im Hauptsatz tritt relativ selten auf. Dies sind die Übersetzungsmöglichkeiten:

  1. Der Konjunktiv Präsens und Perfekt im Hauptsatz

    1. In den meisten Fällen bezeichnet der Konjunktiv Präsens eine Aufforderung oder einen Wunsch oder Befehl (Konjunktiv Präsens: Optativ, Iussiv, Hortativ), sehr selten eine Möglichkeit (Konjunktiv Präsens oder Perfekt: Potentialis).
      Beispiel:  sed ad rem redeamus. Aber lasst uns zur Hauptsache zurückkehren (Cicero, De finibus 1, 65)
    2. Ferner gibt es selten den sogenannten Dubitativ der Gegenwart im Konjunktiv Präsens: Quid faciam? Was soll ich tun?

    3. Selten steht auch der Konjunktiv Perfekt als Potentialis im Hauptsatz.
      Beispiel: : Dixerit hoc idem Epicurus, semper beatum esse sapientem. Das Gleiche mag auch Epikur gesagt haben (oder: würde auch Epikur sagen), dass nämlich der Weise immer glücklich ist. (Cicero, De finibus 5, 80)
  2. Der Konjunktiv Imperfekt und Plusquamperfekt im Hauptsatz

    1. Im Imperfekt und Plusquamperfekt bezeichnet der Konjunktiv wie im Deutschen die Irrealität, oft im Nachsatz zu einem Konditionalsatz im Irrealis. Siehe hierzu die Hinweise zur Übersetzung des Konjunktivs im Nebensatz.
      Beispiel: Si ille hoc diceret, nos dissentiremus. Wenn er das sagen würde, würden wir widersprechen.
      Hierzu gehört auch der irreale Wunsch: Utinam venires! Kämst du doch! Utinam venisses! Wärst du doch gekommen! (Verneinung: ne)
    2. Ferner gibt es selten den sogenannten Dubitativ der Vergangenheit im Konjunktiv Imperfekt: Quid facerem? Was hätte ich tun sollen?