Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.

Unsere Buchempfehlungen im Juli 2018

Poppy Bishop: Gemeinsam Lesen macht Spaß ( ab 4 - 7 Jahren)
360 Grad Verlag GmbH

Sven Gerhardt: Die Heuhaufenhalunken – Gülleduft und Großstadtmief (ab 8 Jahren)
cbj

Robin Stevenson: Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete (ab 12 Jahren)
Rowohlt Taschenbuch

Poppy Bishop: Gemeinsam Lesen macht Spaß

Verlag: 360 Grad Verlag GmbH; 2017
Illustratorin: Alison Edgson
Übersetzerin: Christina Pfeiffer
ISBN - 13: 978-3961855032
Gebunden : 26 Seiten
bBilderbuch/Vorlesebuch
Altersempfehlung: ab 4 - 7 Jahren

Die vier Freunde der Hase, der Igel, die Maus und der Fuchs lieben das Vorlesen vor dem Einschlafen und lesen sich aus einem ziemlich ramponierten Buch vor. Sie beschließen auf Bücherjagd zu gehen, um sich neuen Lesestoff zu besorgen. Dazu schmieren sie sich Marmeladenbrote und brechen auf. Kurz darauf finden sie ein rotes Buch über einen feuerspeienden Drachen. Das gerade gefundene Buch wird von ihnen kurzerhand zum neuen Lieblingsbuch erklärt. Im Einband dieses Buches entdecken die Freunde, dass der Besitzer dieses Buches der Bär ist. Sie wollen ihm das Fundstück zurückgeben, dringen unerlaubterweise in das Bärenhaus ein und entdecken eine beeindruckende Bibliothek voller Bücher. Hungrig und mit klebrigen Fingern beginnen sie sich den Lesestoff einzuverleiben, als der Bär nach Hause kommt und die ungebetenen Gäste entdeckt. Der Bär und die Vier freunden sich miteinander an und eröffnen eine eigene Bärenbücherei. Bücher kann man nämlich hervorragend teilen.

Didaktisch-methodische Hinweise
Das Bilderbuch ist allen zu empfehlen, die sich der Leseförderung verpflichtet fühlen und die das Bücherlesen stärken wollen. Nebenbei lernt das Kind den angemesse-nen Umgang mit einem Buch: Dass man ein Buch nicht mit klebrigen Marmeladen-fingern anfasst und das Wichtigste überhaupt: Gemeinsam Lesen macht viel mehr Spaß als allein.

Bücher lassen sich hervorragend teilen.
Die Bilder sind vergnüglich, der jeweilige Gesichtsausdruck der Figuren ausdrucks-stark, wenn der Bär beispielsweise ungehalten dargestellt wird, als er die uner-wünschten Marmeladenbrote in der Bibliothek entdeckt, wenig später aber zufrieden in seinem Lehnstuhl sitzt und den vier Freunden vorliest.
Die Methode des dialogischen Lesens bietet sich bei diesem Vorlesebuch an. Mögliche Ideen, das Buch als Gesprächsanlass zu nutzen, lassen sich in dem vorliegenden Material finden.

 

M.S.S. Ideenpool Lesen

Sven Gerhardt: Die Heuhaufenhalunken – Gülleduft und Großstadtmief

Verlag: cbj 2018
Illustratorin: Vera Schmidt
ISBN: 3570175057
ISBN-13: 978-3570175057
Gebunden : 151 Seiten
Altersempfehlung: ab 8 Jahren
Kinderroman

Lust auf Abenteuer und Freiheit? Die Heuhaufen – Halunken bieten auch im dritten Band “Gülleduft und Großstadtmief” vom cbj Verlag einen Riesenspaß für all jene, die gerne mal was anstellen möchten.

Es ist Frühlingsbeginn. Eigentlich eine tolle Jahreszeit, um endlich mal wieder draußen was zu erleben. So denkt Meggy, die Bandenanführerin der Heuhaufen - Halunken, als ihr und den Freunden die Scheunendecke des Bandenquartiers im ländlichen Dümpelwalde vor Langeweile auf den Kopf zu fallen droht. Da kommt ein willkommener Einladungsbrief, das Wochenende doch in der atemberaubenden Großstadt Berlins verbringen zu dürfen. Kurzerhand sind die Koffer gepackt.

Sven Gerhardt erzählt mit Augenzwinkern die Geschichte von sechs Kindern, die von Gangsterstreichen und Bandenatmosphäre träumen. Freundschaft und Streit zwischen Kin-dern gehört dazu. Dabei darf auch mal über die Stränge geschlagen werden, als die Sachbeschädigung an der Villa in Berlin von den Heuhaufen-Halunken mit einer Gegenattacke mit Gülle und Pferdeäpfeln beantwortet wird. Denn Meggy, die Gangsterbraut, zeigt, dass man für das eigene Handeln gerade stehen muss und sich auch mit dem Feind am Ende solidarisieren kann.

In Berlin treffen die Kinder von Dümpelwalde auf die Stadtganoven Kalle, Jamal und Miyu. Es knistert sofort in der Luft. Streit bahnt sich an. Am nächsten Morgen entdeckt der Vater von Marius, dass die Pool-Wand beschmiert wurde und sofort wissen die Halunken Be-scheid. Das können nur die drei Stadtganoven gewesen sein. Die Polizei wird nicht eingeschaltet, dafür hecken die Kinder einen ausgeklügelten Racheplan aus. Ein ferner Freund wird mobilisiert, um mit Gülle das Hauptquartier der Stadtganoven zu fluten. In der anschließenden „Pferdeäpfelschlacht“ der beiden Banden geht es richtig zur Sache.

Mit viel Humor und Gelassenheit erzählt Sven Gerhardt diese Geschichte. Stark und mutig, frech und selbstbewusst zeigen sich seine Romanheldinnen und Helden, aber auch ängstlich dürfen sie sein und bieten somit den Leserinnen und Lesern eine wunderbare Möglichkeit, sich wiederzufinden. Freundschaft ist wichtig, denn man muss sich auf die anderen verlassen können. Und noch mehr! Meggy zeigt allen voran, dass der Feind auch zum Freund werden kann. Die Versöhnung findet schließlich mit einem tollen Ausblick auf die gemeinsa-men Sommerferien statt, die den kindlichen Leserinnen und Lesern am Ende des Buches auf den nächsten Band neugierig machen.
Das Buch ist für alle abenteuerlustige Jungen und Mädchen ab 8 Jahren geeignet. Das Lesebegleitheft findet sich hier zum Download.


S.B. Ideenpool Lesen

Robin Stevenson: Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete

Originaltitel: The Summer We Saved the Bees

Verlag: Rowohlt Taschenbuch, 2017
Übersetzerin: Bettina Münch
ISBN-13: 978-3499217821
Gebunden : 256 Seiten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Roman

Die überzeugte Umweltschützerin Jade lebt mit Partner Curtis, an der Kanadischen Westküste. Zur Familie gehören Violet, Wolf und die Zwillingsmädchen Saffron und Whisper.
Berichte über weiträumiges Bienensterben lassen Jade beschließen, in den Sommerferien von der West- zur Ostküste zu reisen. Unterwegs will sie öffentliche Informations-Veranstaltungen über das Bienensterben durchführen und Möglichkeiten darstellen, diese zu retten.
Ihren umweltbewussten Partner Curtis muss sie nicht überzeugen, aber eines der Zwillingsmädchen, Whisper, ist von der Dauerbeschäftigung der Mutter mit Weltuntergangs-Szenarien so belastet, dass sie nicht mehr spricht.
Wolf ist von der Reise alles andere als begeistert, da er seine Freunde aus der Schule zurücklassen muss. Und Violet lehnt sich entschieden gegen das Projekt auf, da sie bei ihrem Freund bleiben möchte. Darüber hinaus findet sie die öffentlichen Auftritte, bei denen die Kinder in Bienenkostümen herumlaufen müssen, über die Maßen peinlich.
Zwar setzen die Erwachsenen die Reise durch, aber aufgrund des Widerstands von Wolf und der aktiven Rebellion von Violet, steigern sich die Konflikte von Station zu Station. Violet hat trotz Verbot dafür gesorgt, dass ihr Freund Ty unterwegs zu ihnen stößt, der altersschwache Ford-Bus bleibt auf der Strecke liegen und der Streit zwischen Violet und den Erwachsenen steigert sich in einer Weise, die letztendlich zu einer Verzweiflungshandlung der Kinder führt.
Bewertung von Sprache, Inhalt, Botschaft und Unterrichtsrelevanz.
Die Autorin Robin Stevenson bedient sich einer niveauvollen, spannenden und für Jugendliche angemessenen Sprache. Die Thematik ist lebensnah und illustriert, in welche Schwierigkeiten eine Familie geraten kann, wenn ein Elternteil die eigenen Überzeugungen über die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder stellt.
Robin Stevenson gelingt eine realistische und nicht überzeichnete Darstellung der Figuren und die Geschichte verläuft nicht in Schwarz-Weiß-Manier. Vielmehr tauchen immer wieder andere Erwachsene auf, die mehr Sensibilität für die Kinder aufbringen.
Zur Überraschung der Leserin und des Lesers trägt bei, dass sich Personen, denen man eher eine negative Rolle zutraut, als verständnisvoll, hilfsbereit und freundschaftlich erweisen. Zugleich findet bei den portraitierten Figuren im Lauf der Erzählung auch eine interessante persönliche Entwicklung statt.
„Der Sommer, in dem ich die Bienen rettete“ ist eine sehr zu empfehlende Lektüre ab 12 Jahren, die sich sehr gut im Unterricht einsetzen lässt. Denkbar sind die Gestaltung innerer Monologe, Dialoge zwischen Jugendlichen und Erwachsenen oder Streitgespräche.
Man kann im Unterricht der Frage nachgehen, warum Whisper nicht mehr spricht. Interessant wäre die Frage an die Schülerinnen und Schüler, was sie über Umweltprobleme wissen und wie man sie lösen könnte. Was wären die Schülerinnen und Schüler bereit, selbst zu tun um die Umwelt zu schützen? Was würden die Jugendlichen tun, wenn ihre Eltern Pläne verfolgen, an denen sie sich nicht beteiligen wollen, die sie überfordern oder die sie peinlich finden?
Neben spannender und unterhaltsamer Lektüre bietet das Buch also eine vielfältige Anwendungsmöglichkeit im Unterricht, zumal die beschriebenen Figuren und deren Erlebnisse lebensnah dargestellt werden und sich die Jugendlichen gut damit identifizieren können.

N.T. Ideenpool Lesen