Einführung

Einige Hinweise zur pädagogischen Herausforderung der Extremismusprävention

Die Bedrohung durch islamistisch motivierten Terror stellt eine der Herausforderungen dar, denen sich die Bundesrepublik stellen muss. Der Schule kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu, weil sie auf diejenigen jungen Menschen einwirken kann, die in der Versuchung stehen, sich der Ideologie des Salafismus anzuschließen, die sukzessive zum gewaltbereiten Dschihadismus führen kann, und weil sie einige Möglichkeiten hat, ein positives Bild der Demokratie und der freien, pluralistischen Gesellschaft zu vermitteln.

Es ist schwer, einen realistischen Eindruck von der tatsächlichen Wirkmacht der schulischen Erziehung zu gewinnen. Wichtiger als diese Frage ist die Entschlossenheit aller am Schulleben Beteiligten, alles tun, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Diesem Ziel soll dieses Portal zur Radikalisierungsprävention dienen.

Die Ausgangslage im Sommer 2017 ist von diesen Punkten bestimmt:

  • Der Bundesinnenminister Thomas de Mazière warnt bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes vor einem weiteren Zulauf zu salafistischen Gruppen (Beleg).
  • Der so genannte Islamische Staat ist in der Defensive, da die Terrorgruppe in Syrien und im Irak eine militärische Niederlage nach der anderen hinnimmt. Dennoch ist nicht von einer Abschwächung der Anziehungskraft der dschihadistischen Ideologie auszugehen.
  • Nach Schätzungen der Sicherheitsbehörden haben ca. 930 Menschen Deutschland in Richtung der syrischen und irakischen Kriegsgebiete verlassen, um sich dort militanten Dschihadisten anzuschließen.
  • Eine Gefahr geht auch von terroristischen Einzeltätern aus, die sich vom IS haben inspirieren lassen.
  • Ein erhebliches Sicherheitsrisiko geht von Rückkehrenden aus dem Konfliktgebiet Syrien/Irak aus, die möglicherweise auch gezielt eingeschleust werden mit dem Ziel, Anschläge zu verüben.

Verantwortung zu übernehmen kann für die Schule nur heißen, alles zu tun, was im eigenen Wirkbereich getan werden kann. Dieses Portal soll dabei helfen, indem es...

  • Anlaufstellen für Beratung und Hilfe nennt,
  • Informationen und v. a. Informationsquellen vermittelt,
  • einige Hinweise für eine pädagogische Antwort auf die Herausforderung des Salafismus gibt.

Prävention ist nicht Intervention

Beim Thema Extremismus und Schule ist eine Unterscheidung zentral, und zwar für jede Spielart des Extremismus: Intervention muss genau von Prävention unterschieden werden. Intervention nennt man das Eingreifen in eine kritische Situation, die dann entsteht, wenn eine Schülerin oder ein Schüler bereits vom Extremismus überzeugt ist oder extremistischen Gedanken zuneigt. Verschärfend kann hinzukommen, dass eine Ausreise in Kriegsgebiete oder eine Teilnahme an Gewaltakten angekündigt wird oder bevorstehen kann. In solchen Situationen ist es unerlässlich, dass Lehrkräfte die Schulleitung informieren, die dann über weitere Maßnahmen ggf. auch mit den Sicherheitsbehörden beraten wird.

Die Beratungsstellen, die in solchen Verdachtsfällen auch niederschwellige Hilfen geben, sind in einem eigenen Verzeichnis aufgeführt (siehe Navigationsmenu links); zusätzlich ist die zentrale Beratungsstelle KPEBW am rechten Rand so verlinkt, dass sie auf jeder Seite dieses Portals sichtbar ist. Im Falle einer konkreten Sorge oder eines Verdachts, ein junger Mensch könnte sich in Richtung des gewaltbereiten Salafismus radikalisieren, ist ein Anruf bei der KPEBW die erste Option. Als Grundregel kann aber gelten, dass bei jeder Initiative zuerst die Schulleitung der betroffenen Schule angesprochen werden muss.

Eine andere Aufgabe erfüllt die Prävention. Der Prävention ist eine vom Landesinstitut für Schulentwicklung zusammen mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg erstellte und gemeinsam mit Expertinnen und Experten verfasste Handreichung mit dem Titel "Jugendliche im Fokus salafistischer Propaganda - Was kann schulische Prävention leisten?" gewidmet. Diese wird auf einer eigenen Seite auf diesem Portal kurz vorgestellt (Vorstellung der Handreichung). Diese Handreichung wurde an alle Schulen verschickt, und sie kann jederzeit sowohl in einer Papierfassung bestellt als auch als PDF-Datei für die Lektüre auf PC, Tablet oder E-Book-Reader heruntergeladen werden.

Die Radikalisierungsprävention sollte als Querschnittaufgabe der Schule verstanden werden, die nicht nur die kritische und fächerübergreifende Auseinandersetzung mit der menschenfeindlichen Ideologie des gewaltbereiten Salafismus umfasst, sondern auch die konstruktive Einführung in die Vorzüge und die Einrichtungen der freiheitlichen Demokratie. Es ist Sache der einzelnen Lehrerin und des einzelnen Lehrers und auch der Klassenkonferenzen, welcher dieser beiden Wege der Prävention in einer bestimmten Klasse und Unterrichtssituation angemessener ist und mehr Erfolg verspricht.

Für die Behandlung des Themas Demokratie steht ein eigenständiges Demokratie-Portal beim Landesbildungsserver bereit, das auf jeder Seite in der rechten Navigation verlinkt ist.

Der Zugang über das Thema Demokratie erlaubt auch, die anderen beiden Formen des Extremismus in den Blick zu nehmen, nämlich den Rechts- und Linksextremismus. Allen diesen Richtungen ist gemeinsam, dass sie die wesentlichen Grundlagen der Demokratie ablehnen. Vier Pfeiler der Demokratie werden im Demokratieportal herausgestellt:

  • Partizipation und Engagement,
  • Recht und Menschenrechte,
  • Gewaltenteilung,
  • Freie Wahlen.

Je nachdem, an welchem dieser Pfeiler der Demokratie der Unterricht ansetzen soll, es lässt sich leicht zeigen, dass Extremistinnen und Extremisten aller Couleur jedes einzelne dieser Prinzipien einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft ablehnen und teils mit Gewalt bekämpfen.

Die Arbeit mit Internetquellen: keine eigenständige Schülerrecherche!

Die empfohlenen Quellen sind in die Verzeichnisse Internetquellen und Literatur aufgeteilt; die Links hierzu sind am linken Bildschirmrand zu finden. Bei der Arbeit mit Internetquellen ist beim Thema Dschihadismus und Islamischer Staat eine medienpädagogische Besonderheit zu beachten, die andere Themen in dieser strengen Form nicht aufweisen: Ein allgemein gehaltener Rechercheauftrag an die Schülerinnen und Schüler, etwa in dem Sinne: „Informiert euch jetzt im Internet über die Entwicklung des Islamischen Staats“ ist unter dem Gesichtspunkt der pädagogischen Verantwortung nicht akzeptabel. Zu groß ist die Gefahr, dass die Schülerinnen und Schüler bei dieser Recherche auf Material stoßen, das in der Schule nichts zu suchen hat. Drei Formen inakzeptablen Materials sind hier zu unterscheiden:

  • Auch auf dem Weg einer regulären Google-Recherche stößt man leicht auf verstörendes Bildmaterial, etwa von geköpften Menschen.
  • Statt auf sachliche und objektive Information können die Jugendlichen auf salafistische Propagandaseiten gelangen.
  • Auf der Gegenseite gibt es auch viele rechtsextreme oder rechtspopulistische, anti-islamische Seiten, die ebenfalls der von der Schule geforderten unparteiischen Behandlung gerade strittiger Themen zuwiderlaufen.

Prävention ist auch Aufgabe der Schulentwicklung

Das letztgenannte Beispiel sollte klargemacht haben, dass auch das Mediencurriculum der Schule an die Präventionsarbeit angepasst werden sollte. Das lässt sich verallgemeinern: Wenn die Extremismusprävention als Aufgabe der ganzen Schule ernst genommen werden soll, dann empfiehlt sich auch ein Blick auf das Schulprogramm bzw. Leitbild und das Schulcurriculum. Besonderer Augenmerk kann hierbei darauf gelegt werden, dass die Akzeptanz von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen, gerade auch von muslimisch sozialisierten Jugendlichen, durchweg zu spüren ist, damit die jungen Menschen in der Schule keine Erfahrungen von Ausgrenzung und Diskriminierung machen müssen. Es sind nämlich solche Erfahrungen, an denen die Anwerber des Terrors am leichtesten ansetzen können. Hat die Schule alles getan, um solche Erfahrungen der Diskriminierung und Herabsetzung zu vermeiden, dann ist zumindest in dieser Hinsicht der Propaganda des Terrors ein wenig der Boden entzogen.

Ein Portal im steten Wandel

Dieses Portal wird laufend ergänzt und aktualisiert. Wenn Sie Anregungen oder Anmerkungen haben, verwenden Sie bitte die am Fuß jeder Seite genannte E-Mail-Adresse.

Letzte Aktualisierung: 2.8.2017