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Urteilsbildung: Ausgewählte Thesen von Prof. Achim Thomas Hack zu Karls Spanienfeldzug

(1) Im Falle des Krieges von 778 führen die lateinischen Quellen eine ganze Reihe von Gründen an. Sie unterscheiden sich nicht nur im Detail, sondern ordnen das militärische Unternehmen ganz unterschiedlichen Kriegstypen zu: Eroberungskrieg, Verteidigungskrieg, Religionskrieg und (kreuzzugsähnlichen) Befreiungskrieg. Es ist kaum vorzustellen, wie unser Geschichtsbild aussähe, wenn nur eine dieser Quellen überliefert wäre.

(2) Die Deutung des Krieges setzt bereits ein, bevor dieser überhaupt begonnen hat.

(3) Den Motiven der handelnden Personen dürfte die Charakterisierung als Eroberungskrieg in den so genannten Einhardsannalen am nächsten kommen.

(4) Papst Hadrian I. gewährt nicht nur die gewünschte geistlich-militärische Unterstützung, sondern liefert zugleich eine religiöse Deutung des Krieges, indem er eine direkte typologische Beziehung zwischen den Ägyptern des Alten Testaments und den Sarazenen der Gegenwart konstruiert.

(5) Eine religiöse Deutung findet sich in den fränkischen Quellen erst in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts, zunächst in den Älteren Metzer Annalen und später in der Ludwigsvita des so genannten Astronomus. Hier wird als Kriegsmotiv die Befreiung der unter muslimischer Herrschaft leidenden Christen genannt.

(6) Der Prozess der Umdeutungen ist nicht auf die Frage der Motivation für den Kriegszug beschränkt; er betrifft ebenso dessen Ergebnis. Karls militärische Blamage in Spanien wird in den Reichsannalen durch selektive Berichterstattung als Erfolg stilisiert, die Annales Mettenses Priores sprechen sogar geradewegs von einem Sieg.


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