Heinrich Schickhardt und die Gründung von Freudenstadt

Geschichte

Freudenstadt ist die älteste auf landesherrlichen Wunsch entstandene, geplante, regelmäßige Stadtanlage im Südwesten. Die Gründung fällt in eine Zeit beachtlicher Aktivitäten von Herzog und Baumeister in einem wirtschaftlich und politisch sehr bewegten Umfeld. Daraus wird immer wieder versucht, die Ziele Friedrichs abzuleiten, die er mit der Planung Freudenstadts möglicherweise anstrebte.

Als Gründungstag gilt der 22. März 1599 (nach dem Gregorianischen Kalender der 1.April), als Schickhardt im Beisein des Herzogs den Platz für die ersten Häuser und Gassen absteckte. Er hatte gerade ein anderes bedeutsames städtebauliches Projekt, den Bau der "Neuen Stadt" (Stadterweiterung) von Mömpelgard (Baubeginn 28.10.1598), weitgehend abgeschlossen. Seine zweite Italienreise (15.11.1599 bis 17.5.1600) als Begleiter des Herzogs stand unmittelbar bevor und sollte möglicherweise auch weitere städteplanerische Anregungen bringen.

Zur gleichen Zeit setzte sich Herzog Friedrich im Rahmen seiner merkantilistischen Bestrebungen intensiv für den Bergbau ein. 1598 erließ er eine Bergordnung. Die Silbergewinnung in Christophstal (Forbachtal) nahe dem Platz, wo Freudenstadt entstehen sollte, erlebte eine Blüte. Die kleine Bergleute-Siedlung im Tal reichte nicht aus; der Basler Bergrichter Melchior Höher empfahl den Bau einer eigenen Stadt.

Muster des Mühlebrettspiels
Muster des Mühlebrettspiels, dem der Grundriss von Freudenstadt entspricht. Es ist Ausdruck für die Vorliebe, die Städteplaner der Renaissance für geometrische Muster hatten. (Zeichnung von Heinrich Schickhardt; der Text enthält Maßangaben für die Gesamtanlage und die Bauplätze.)
© Landesarchiv BW (Hauptstaatsarchiv Stuttgart)

Zur selben Zeit schien es vorübergehend so, als könnte der Herzog das Bistum Straßburg in seine Hand bekommen und damit eine Landbrücke in Richtung Mömpelgard realisieren, so dass auf halbem Weg dorthin eine Stadtgründung nahegelegen hätte. Sollte sich der Plan zerschlagen, wäre auch die Anlage Freudenstadts mit dem Ziel einer Grenzfestung denkbar gewesen.

Da Schickhardt gleichzeitig Aufgaben für den Herzog in der Herrschaft Mömpelgard erfüllen musste und zu dieser Zeit dort sogar seinen Hauptwohnsitz hatte, übernahm Elias Gunzenhäuser die örtliche Bauleitung. Ihm verdanken wir die Überlieferung der Namen und Berufe der ersten Ansiedler, die er in den sog. Leinwandplan, eine Fassung des Dreizeilenplans (Abbildung siehe unten), eintrug. Dieser ging dann als Arbeitsgrundlage an die erste Obrigkeit der Stadt, den Forstmeister Wilhelm Gebelin (Gebel), denn er hatte auch die Aufgabe, die Baumaßnahmen zu überwachen sowie Name und Beruf von Neuankömmlingen statistisch zu erfassen und weiter zu melden. In dieser vom 1. Mai 1601 datierten Dienstanweisung ist sowohl der ursprüngliche Name der Stadt als auch der neue, von da an übliche enthalten: Bis 1601 wurde sie als "die neue Stadt bei oder ob[erhalb] St. Christofstal" bezeichnet, von nun an hieß sie Freudenstadt.

Am 2.Mai 1601 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung zur Stadtkirche.
Schließlich erließ der Herzog am 3. November 1601 eine Ausschreibung, in der für die Ansiedlung in Freudenstadt geworben wurde. Jedem Ansiedlungswilligen wurden die Hofstatt (Bauplatz), das notwendige Bauholz und etliche Morgen Felder, die er allerdings selbst urbar machen musste, zugesagt. Die Gründungsphase der Stadt kann mit den Ereignissen des Jahres 1601 als abgeschlossen gelten.

Während die ersten Ansiedler überwiegend aus Württemberg gekommen waren, setzte gegen Ende 1602 der Zustrom von protestantischen Exulanten aus der Steiermark, Kärnten und Krain ein, von wo sie im Rahmen der Gegenreformation auswandern mussten. Die anfängliche Blüte führte zu einem Vergrößerungsplan (Fünfzeilenplan) für die Stadt.

Eine Bergarbeiter-Siedlung wurde Freudenstadt jedoch nicht, denn mit dem Tod Friedrichs I. 1608 verfiel der Bergbau in Christophstal.

Außerdem versiegten weitgehend die Gelder für den weiteren Ausbau. Die im Stadtplan vorgesehenen Hofstätten waren trotz des anfänglichen Wachstums bei weitem noch nicht besetzt, so dass die Bürger beim Nachfolger Herzog Friedrichs um eine Verkleinerung des vorgesehenen Stadtgrundrisses auf vier Häuserzeilen baten, was ihnen auch zugestanden wurde.

Dreizeilenplan
Dreizeilenplan (1599/1600) - 3 gleichartige Häuserzeilen sind nach Art des Mühlebretts um den Marktplatz geführt. Am unteren Rand hat Schickhardt festgehalten, wie er sich die Häuser, das herzogliche Schloss und die Befestigungsanlagen dachte. © Landesarchiv BW (Hauptstaatsarchiv Stuttgart)