11.04.2021 transkription
05.03.2021 Ökologie

Informationen und Materialien zum Fach Biologie in allen Schulformen und für alle Schulstufen


Vogelrufe und -gesänge

Einführung

"Es herrschte merkwürdige Stille. Die Vögel, wo waren sie geblieben? ... Es war ein Frühling ohne Vogelstimmen. In der Morgenfrühe, einst erfüllt von den Chören der Wacholderdrosseln, Katzenvögel, Tauben, Häher, Zaunkönige und anderer, hörte man keinen Ton mehr." So beschrieb Rachel Carson in ihrem 1962 erschienenen Buch "Der stumme Frühling", in dem sie die Öffentlichkeit auf die Bestandsrückgänge bei vielen Vogelarten aufmerksam machte, verursacht durch unkontrollierten Pestizideinsatz.

Vogelrufe und -gesänge sind meist wie andere körperliche Merkmale arttypisch und können somit zur Bestimmung der Tiere herangezogen werden. Einige Vögel heißen auch nach ihren Rufen bspw. Uhu, Kuckuck, Krähe und Zilpzalp. Manche Rufe dagegen werden auch zwischenartlich verstanden, so sind sich die obertonreichen, scharfen, sehr hohen Warnrufe von Buchfink, Kohl-, Blau- und Sumpfmeise, Rotkehlchen, Rohrammer und Amsel täuschend ähnlich und werden allgemein "verstanden".

In der Hochsaison im Frühjahr sind einige Vögel äußerst aktiv: so kann ein Buchfinkenmännchen bis über 4500 Strophen seines eingängigen Schlages am Tag singen. Die Töne werden nicht im Kehlkopf erzeugt (Vögel besitzen keine Stimmbänder), sondern in der sogenannten Syrynx am unteren Ende der Luftröhre. Die Luft wird durch sog. Luftsäcke, die sich vor und hinter den Lungen befinden, wie mit Blasebälgen zweimal durch die Lunge geleitet.

Mechanik der Lauterzeugung

Der Gesang von Vögeln wird in der Syrinx, dem Stimmkopf der Vögel, erzeugt und nicht im Kehlkopf wie bei Wirbeltieren. Die Syrinx umschließt die Verzweigung der Luftröhre in die Bronchien oberhalb der Lunge. In den Wänden der Bronchien sind innerhalb der Syrinx zwei Membranen aufgespannt, deren Vibration den Gesangston erzeugt. Manche Vögel können diese Membranen sogar unabhängig voneinander bewegen und so zweistimmig singen.

Die Muskeln, die in der Syrinx durch Kontraktionen den Gesang variieren, sind die schnellsten unter den Wirbeltieren. Sie kontrahieren sich innerhalb von 3 bis 4 Millisekunden. Die schnellste Muskelbewegung des Menschen, das Zwinkern, benötigt dagegen 300 bis 400 Millisekunden. Ähnlich schnelle Muskelbewegungen kennt man bisher nur von den Schwanzmuskeln der Klapperschlange und von den Schwimmblasen einiger Fische.

Angeboren oder erlernt

Eine zentrale Frage der Verhaltensbiologen ist die Frage, ob die Lautäußerungen von Vögeln angeboren oder erlernt sind. Diese Frage wird mit Hilfe sog. Kaspar-Hauser-Experimente beantwortet, bei denen die Vögel ohne (die richtigen) Eltern aufgezogen werden.