Stierkampf in Frankreich

Stierkampf in Frankreich verfassungskonform

Der Stierkampf ist in Frankreich heftig umstritten, die Franzosen sind in der Frage gespalten, wie Umfragen zeigen, aber eher im Sinne eines schisme culturel als parteipolitisch. Es gibt sogar gelegentlich handgreifliche Auseinandersetzungen (mit Video; parlamentarisches Nachspiel). 50 südfranzösische Städte hatten 2009 verlangt, dass die Corrida in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wird, Mitte 2011 wurde sie auf Betreiben des Observatoire National des Cultures Taurines vom damaligen Kulturminister Frédéric Mitterrand immerhin als französisches immaterielles Kulturerbe anerkannt - ein weltweit einmaliger Schritt (s. Inventaire du patrimoine culturel immatériel beim Kulturministerium). Zahlreiche Organisationen wie die Alliance Anticorrida oder die Fédération des Luttes pour l'Abolition des Corridas (FLAC) protestierten dagegen; s. Offenen Brief. In Katalonien ist die Corrida seit Anfang 2012 verboten (Video, 9:29), seit 2004 lagen dem französischen Parlament fünf Gesetzentwürfe vor, zuletzt ein entsprechender überparteilicher Gesetzentwurf zur Änderung des Strafgesetzbuchs. Denn bisher erlaubt der Code pénal im Tierquälerei-Paragrafen 521-1 Stier- und Hahnenkämpfe, wenn eine "ununterbrochene lokale Tradition" besteht. Gerichte haben allerdings den Terminus "local" auf die Region ausgeweitet, sodass über die Erhaltung einer Tradition hinaus diese "Tradition" in weiteren Städten etabliert werden konnte. Die Schriftstellerin Anne Galore stellt den Realitätsgehalt der "ununterbrochenen lokalen Tradition" sowie die ökonomischen Argumente in Frage.
Nun hatten die Verbände Comité radicalement anticorrida (Crac) Europe und Droit des animaux dem Verfassungsrat (Conseil constitutionnel) eine "question prioritaire de constitutionnalité (QPC)" zum Paragrafen 521-1 vorgelegt; s. Pro und Contra zu diesem Schritt. Das Recht auf Überprüfung der Verfassungskonformität von Gesetzen gibt es erst seit 2010. Im September 2012 entschieden nun die "Weisen" des Verfassungsrats: Die Ausnahmeregel im Tierquälerei-Paragrafen ist verfassungskonform, die Corrida bleibt in den Städten mit Stierkampftradition erlaubt; s. Wortlaut der Entscheidung.
Reaktionen von Befürwortern der Corrida wie der Union des Villes Taurines de France (U.V.T.F.) und dem damaligen Innenminister Manuel Valls, sowie von Gegnern, s. Bericht über DemonstrationenKarikatur zum Urteil und Pro/Contra-Argumente "Faut-il en finir avec les corridas?"

Stierkampf im Unterricht

Der Stierkampf - archaisch, schockierend, oder ein Fest, eine zu bewahrende Tradition? Das Thema kann in der Oberstufe zu Diskussionen Anlass geben. Sie könnten etwa in Form eines Streitgesprächs mit vorgeschalteter "Expertenrunde" stattfinden. Hier einige Anregungen, die sich z. T. überschneiden. Sie lassen sich, je nach Unterrichtsplanung, auch in Teilen verwenden. Unser Scénario "Tauromachie" enthält Vorschläge für die Verwendung von Internet-Materialien und für kreative Aufgaben.

Als Einstieg könnten die Schülerinnen und Schüler im Internet nach Bildern von Stierkämpfen und Toreros suchen (aus der Sicht von Befürwortern bzw. Gegnern; drastische Bilder der "Alliance Anticorrida" oder in einem Video von Renaud) und sie im Unterricht mit dem entsprechenden Vokabular und Grafiken präsentieren.
Die Schülerinnen und Schüler können auch individuell solche Bilder betrachten, still ihre Eindrücke, Gefühle und Gedanken formulieren, sie anschließend in Gruppen vergleichen und Fragestellungen für den weiteren Verlauf des Unterrichts entwickeln. In diesem Fall ist es wohl besser, den Schülerinnen und Schülern geeignete Links zur Verfügung zu stellen, statt sie eine freie Recherche machen zu lassen.

Ein weiterer möglicher Einstieg stellt Francis Cabrels Chanson "La corrida" dar: Text,  Unterrichtsentwurf.

 

La course landaise - la corrida "pacifique" à la française

Spezifisch französisch sind zwei Varianten der Corrida: Mit Kühen (und nicht Stieren) messen sich die "écarteurs" (die die Kuh im letzten Moment ausweichen) und "sauteurs" (die akrobatische Sprünge über die Kuh vollbringen) bei der Course landaise (Ausführliche Beschreibung, Geschichte, Glossar), ohne sie zu töten. Die offizielle Seite der F.F.C.L. (Fédération française de la course landaise) bringt viele Informationen und Bilder. Auch bei der Course camarguaise der FFCC (Fédération Française de la Course Camarguaise) werden die Stiere nicht getötet.

          
         

                Écarteur                                                                                                    Saut de l'ange                                                                                        Saut de l'ange


Compréhension und Sprachmittlung: Auf einem Bericht des Express über die Entscheidung des Conseil constitutionnel hinsichtlich der Verfassungsmäßigkeit des Stierkampfs basieren Aufgaben zur Compréhension mit Lösung. Sie finden ebenfalls hier auf dem Server zum selben Thema eine Aufgabe mit Erwartungshorizont zur Sprachmittlung Französisch nach Deutsch, ausgehend von einem Artikel von Le Monde.


Scénario: Einen Vorschlag für eine Unterrichtssequenz "Tauromachie" finden Sie hier auf dem LBS.

Fächerübergreifend könnten Darstellungen des Stierkampfs durch Picasso besprochen werden (z. B. La pose des banderilles, 1959, und weitere Bildersuche im Internet; s. einen Vortrag von Florence de MEREDIEU zum Minotaurus-Motiv).

Kreativ-Aufgaben:
Offene Briefe, Zeitungsartikel, Diskussionen u. ä. können die Unterrichtseinheit beschließen s. unser Scénario.


Der Text dieser Seite ist verfügbar unter der Lizenz CC BY 4.0 International
Herausgeber: Landesbildungsserver Baden-Württemberg
Quelle: https://www.schule-bw.de

Bitte beachten Sie eventuell abweichende Lizenzangaben bei den eingebundenen Bildern und anderen Dateien.