Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.


Buch des Monats November 2005


Anne C. Voorhoeve: Lilly unter den Linden

Ravensburger, Ravensburg 2004
ISBN 3-473-35251-9

Bild"   Am Sommerfest des Deutschen Museums nimmt die Voluntärin Lilly nur sehr widerwillig teil. Als sich ein Kollege zu ihr setzt, erfährt dieser von ihrer unglaublichen Geschichte: Lilly ist dreizehn als 1988 ihre Mutter stirbt. Auf der Beerdigung lernt sie ihre Tante aus Jena kennen. Sie beschließt, von Hamburg zu ihrer Tante nach Jena zu ziehen. Erst als sie dort angekommen ist, erfährt sie am eigenen Leib, was die Mauer ist und dass das Leben in der DDR sich grundsätzlich vom Leben in Westdeutschland unterscheidet.

Das in der Ich-Form und Vergangenheit geschriebene Buch räumt auf mit den Vorurteilen zwischen Ost und West. Was gut für den Einen ist kann nicht immer gut für den Anderen sein. Genau das muss Lilly in der DDR erfahren. Durch die Republikflucht ihrer Mutter muss ihre Tante für drei Jahre ins Gefängnis und kann erst bei der Beerdigung ihrer Schwester aus der DDR zu Besuch in den Westen ausreisen. Aber als Lilly dann in die DDR flüchtet, muss sie erleben, dass alles viel komplizierter ist als ein dreizehnjähriges Mädchen sich das vorstellen kann. Ohne Visum muss sie innerhalb einer Woche aus der DDR wieder ausreisen. Sie erlebt dort den starren politischen Apparat und die fehlende Freiheit am eigenen Leib. Auch ihr Cousin und ihre Cousine können sich nur langsam mit ihr anfreunden.

Trotz der zeitlichen Nähe ist auch für uns erwachsene Leser diese Zeit schon wieder so weit weg. Das Buch aber schildert das Leben von vor 20 Jahren sehr realitätsnah. Es ist lebendiger Geschichtsunterricht. Man erfährt, wie der Mauerbau das Leben der Menschen verändert hat. Sobald das Buch als Taschenbuch vorliegt wird es fast schon eine Pflichtlektüre für den Deutsch bzw. Geschichteunterricht in allen weiterführenden Schularten.

Sehr interessant ist auch der Vergleich zur gleichnamigen Verfilmung von Erwin Keusch.

256 Seiten, geeignet ab Klasse 8

Altersempfehlung: ab 13 Jahre

(Alexander Beer, Arbeitskreis Leseerziehung)