Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.


Bücher des Monats Juni 2009

In diesem Monat empfehlen wir folgende Bücher:

Luca Novelli: Marie Curie und das Rätsel der Atome (ab 11 Jahre)

Ulla Klopp, Dietmar Brück: Tom und der Zauberfußball (ab 10 Jahre)

Heljä Albersdörfer, Kerstin Schlieker: Rund um mein Haus / All Around My House (ab 2 Jahre)

Luca Novelli: Marie Curie und das Rätsel der Atome

Arena Bibliothek des Wissens 2008
ISBN 978-3-401-06214-3
111 Seiten (kartoniert)

Altersempfehlung: ab 11 Jahre

Aus dem Italienischen von Anna Braun. Das Buch enthält zahlreiche Illustrationen von Luca Novelli.

Das unterhaltsam und spannend geschriebene Buch erzählt aus der Perspektive Marie Curies von ihrem Leben und ihren Verdiensten für die Wissenschaft. Der Autor Luca Novelli lässt die polnische Physikerin mit französischer Staatsbürgerschaft von ihrer Kindheit in Polen berichten, ihrer Familie und ihrem Besuch der geheimen "Fliegenden Universität", in der sie sich ständig weiterbildet, da es Frauen in Polen damals verboten war zu studieren.

In Paris lernt sie ihre große Liebe Pierre Curie kennen, mit dem sie viele Gemeinsamkeiten teilt, darunter auch das Interesse an Physik und die Neugier, durch weitere Forschung zu neuen Einsichten zu gelangen. Während von ihren großen Entdeckungen auf dem Gebiet der Radioaktivität erzählt wird, erfahren die Leser Grundlagen zum Thema Atome und Radioaktivität; auch der radioaktive Zerfall wird anschaulich erklärt.

Curie wirft aber auch einen Blick auf die Schwierigkeiten, von denen sie begleitet war, als sie sich einen Platz in der Welt der Wissenschaft erarbeitete. Sie erzählt von Neid, Missgunst und übler Nachrede, mit der sie zu kämpfen hatte. Marie Curie lebte in einer Zeit, in der die meisten Frauen von höherer Bildung ausgeschlossen waren und Frauen in Frankreich kein Wahlrecht hatten.

Als erste Frau wird Marie Curie die Ehre zuteil, einen Nobelpreis zu bekommen: Zusammen mit ihrem Ehemann Pierre Curie und dem Physiker Antoine Henri Becquerel erhält sie für ihre Arbeiten über Radioaktivität 1903 den Nobelpreis in Physik "[…] in Anerkennung der außerordentlichen Leistungen, die sie sich durch ihre gemeinsame Forschung über die von Professor Henri Becquerel entdeckten Strahlungsphänomene erworben haben".[1]

Acht Jahre später wird sie vom Nobelpreiskomitee ein zweites Mal ausgezeichnet: Ihr wird der Nobelpreis für Chemie verliehen "[…] in Anerkennung ihrer Verdienste um den Fortschritt der Chemie durch die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium, durch Isolierung des Radiums und die Untersuchung der Natur und der Verbindungen dieses bemerkenswerten Elementes".[2]

Das Buch ist spannend und mit Sachverstand geschrieben. Neben der Biografie dieser außergewöhnlichen Frau erhalten die Leser Einblicke in wissenschaftliche und historische Hintergründe, die politische Situation und die Stellung der Frau zur damaligen Zeit. Außerdem sind zahlreiche zusätzliche Informationen enthalten, z.B. historische Fotos, zahlreiche Illustrationen zur Veranschaulichung und Texte über andere berühmte Persönlichkeiten, darunter Dimitrij Mendelejew, Wilhelm Conrad Röntgen, Ernest Rutherford und Alfred Bernard Nobel.

Im Anhang findet sich ein 25-seitiges "Radioaktives Wörterbuch", das ebenfalls reich bebildert ist und z.B. die Begriffe Atom, Geigerzähler, Halbwertszeit und Röntgenstrahlen erklärt. Durch die vielen Illustrationen ist das Buch kurzweilig und unterhaltsam geschrieben und für interessierte Leserinnen und Leser sehr empfehlenswert. Für die Reihe "Lebendige Biographien", der auch dieses Buch angehört, erhielt der Autor 2004 den italienischen Andersen-Preis als bester populärwissenschaftlicher Autor.

[1] Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1903 an Marie Curie (englisch), Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Curie => s. Fußnote 20 mit Verweis auf http://nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/1903/

[2] Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1911 an Marie Curie (englisch), Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Curie => s. Fußnote 44 mit Verweis auf http://nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/1911/

(w-m, Arbeitskreis Leseerziehung)


Ulla Klopp, Dietmar Brück: Tom und der Zauberfußball

Herder 2008
ISBN 978-3-451-70871-8
268 Seiten (gebunden)

Altersempfehlung: ab 10 Jahre

Tom ist ein begeisterter Fußballfan und kann selbst gut spielen - aber nur wenn ihm keiner zusieht. Sobald er mit anderen zusammen auf dem Platz steht, klappt gar nichts mehr. Deshalb wird Tom beim Wählen der Mannschaften auch immer erst zum Schluss aufgerufen. Doch eines Tages entdeckt Tom auf dem Dachboden einen alten, abgenutzten Lederball, der sein Leben verändern wird... Der Ball, der früher einmal seinem Großvater gehörte, poltert und hüpft auf dem Dachboden auf und ab, bis Tom ihn endlich gefunden hat. Es stellt sich heraus, dass er ein wahrer Zauberball ist, der magische Kräfte besitzt! Mit diesem Ball fühlt sich Tom wie ein brasilianischer Fußballstar, wie ein echter Ballakrobat. Und noch eine Entdeckung verblüfft Tom: Plötzlich beginnt der Ball von innen zu leuchten, und Tom liest in scharfer grün-gelber Schrift zwei Worte: "Tom, Deutschland".

Doch der Ball hat auch eigene Pläne: Er will das Leben von elf Kindern rund um die Welt verändern und diese schließlich zu einer Fußballmannschaft zusammenführen. So leuchtet der Ball nach einer Weile wieder auf und Tom liest "Anna, Schweden". Wie durch einen "Zufall" lernt Tom kurz darauf einen Jungen kennen, der gerade auf dem Weg nach Schweden ist...

Und so reisen die Leser und Leserinnen zusammen mit dem Ball nach Schweden, Sizilien, Brasilien, USA, Malawi, England und Südkorea. In all diesen Ländern wird der Zauberball das Leben von Kindern verändern und sie ihren Lebensträumen ein Stückchen näher bringen. So gelingt es schließlich dem kleinen Bebeto, der in den Slumvierteln von Sao Paulo lebt, in einer Jugendmannschaft eines brasilianischen Topclubs aufgenommen zu werden. Der Ball hilft Winston in England, endlich seinen Vater öfter zu sehen. Anna aus Schweden findet wieder zu ihrer fußballerischen Topform zurück und versöhnt sich mit ihrem Bruder. Und auch Jenny aus Kalifornien, die zunächst nicht laufen kann, hilft der Ball auf zauberhafte Weise.

In der Schweiz treffen sich schließlich alle Kinder, denen der Ball auf seiner Weltreise geholfen hat, wieder. Daran ist nicht zuletzt Johann beteiligt, ein alter Freund von Toms Großvater, den Tom zusammen mit seinen Freunden Winston und Salvatore in Bern besucht hat. Johann ist es dann auch, der ein Spiel mit dem Juniorenweltmeisterteam aus Brasilien vereinbart und die Kinder dazu eine Woche lang trainiert. Das Spiel wird zu einer großen Herausforderung - besonders für Tom, der nun dem Publikum zeigen kann, was in ihm steckt...

Das Buch ist spannend und unterhaltsam geschrieben. Auch wenn es mit 268 Seiten ein recht umfangreiches Buch ist, lässt es sich gut von Kindern lesen, denn der Inhalt ist durch die einzelnen Episoden, in denen die Reise des Zauberballs durch verschiedene Länder beschrieben wird, klar strukturiert und inhaltlich überschaubar gegliedert. Auch die Sprache ist einfach und kindgerecht formuliert. Das Buch bleibt bis zum Schluss spannend, denn erst nach und nach wird das Geheimnis des Zauberfußballs gelüftet, der den elf Jungen und Mädchen rund um die Welt hilft, ihre eigenen Stärken zu entdecken!

(wm, Arbeitskreis Leseerziehung)


Heljä Albersdörfer, Kerstin Schlieker: Rund um mein Haus / All Around My House

Edition bi:libri 2008
ISBN 978-3-938735-23-7
16 Seiten (kartoniert)

Altersempfehlung: ab 2 Jahre

Das Buch ist mehrfarbig illustriert von Heljä Albersdörfer und in sieben Sprachausgaben erhältlich: Deutsch - Englisch, Deutsch - Französisch, Deutsch - Griechisch, Deutsch - Italienisch, Deutsch - Russisch, Deutsch - Spanisch, Deutsch - Türkisch.

Das zweisprachige Kinderbuch beschreibt die Lebenswelt eines Kleinkindes rund um dessen Wohnhaus. In kurzen, einfachen Sätzen erzählt das Kind aus seiner Perspektive, was z.B. auf der Straße zu sehen ist, wie sein Kinderzimmer aussieht, und was es auf dem Spielplatz erlebt. Dabei ist der Text in die farbenfrohen Bilder eingefügt. Teilweise werden Fragen gestellt, die über die Bilder beantwortet werden können.

Der zweisprachige, kurze Text ist in blauer (deutsch) und schwarzer Schrift (englisch) abgedruckt. Auf jeder Seite unterstützen zweisprachige Wort-Bild-Leisten das Benennen einzelner Gegenstände. Das Kinderbuch ist ansprechend gestaltet und eignet sich gut zum Vorlesen für Kinder ab zwei Jahren.

Weitere Vorschläge für mehrsprachige Bilderbücher finden Sie in der Ausgabe "Abenteuer Lesen", Mai 2009, zusammen mit einem Beitrag von Frau Wagener-Mühleck zum Thema "Integration fördern durch mehrsprachige Bilderbücher".

(wm, Arbeitskreis Leseerziehung)