Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.


Bücher des Monats Dezember 2009

In diesem Monat empfehlen wir folgende Bücher:

Eveline Hasler: Engel im zweiten Lehrjahr (ab 12 Jahre)

Wolfram Hänel: Der große Weihnachtsklau. Ein Weihnachtskrimi in 24 Kapiteln. (ab 10 Jahre)

Willi Fährmann (Hg.): Ein Stern in dunkler Nacht. Die schönsten Weihnachtsgeschichten. (ab 6 Jahre)

Ute Krause: Das Weihnachtsmannkomplott (ab 5 Jahre)

Ursel Scheffler: Es duftet schon nach Weihnachtsmarkt (ab 4 Jahre)

Eveline Hasler: Engel im zweiten Lehrjahr

Nagel & Kimche 2009
ISBN 978-3-312-00449-2
95 Seiten (gebunden)

Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Keiner wird von heute auf morgen einfach zum Engel. Deshalb müssen die irdischen Neuankömmlinge unter dem strengen Regiment des himmlischen Managements zunächst eine zweijährige Lehre absolvieren, um Einkehr zu halten, zu reifen und zu wachsen. Da die Läuterung eine anstrengende Sache ist, genehmigt das Management seinen Lehrlingen jährlich an Heilig Abend einen Ausflug auf die Erde. So soll es auch in diesem Jahr sein. Also versammelt Chefausbilder Petrus die reiselustige Schar am Himmelstor, um Hyazinth, Dagobertus, Segafredo und Eleusius, salopp Eleusi genannt, mahnende Ratschläge und Anweisungen zu erteilen, die besonders Letzterer nötig zu haben scheint, ist er doch erst kürzlich beim unerlaubten Wolkenschieben und wilden Flügelschlagen erwischt worden.

Die Weihnachtserzählung der bekannten Schweizer Autorin Eveline Hasler schildert auf heitere und zugleich anrührende Weise, wie der übermütige, noch nicht ganz geläuterte Engelslehrling Eleusi auf seinem Erden-Urlaub seine Mission zu erfüllen sucht, hin und hergerissen zwischen der himmlischen Aufgabe, am Weihnachtswunder mitzuwirken, und dem Bedürfnis, letzte irdische Begierden und Sehnsüchte zu stillen.

Die Ermahnung des Petrus, ein Engel fröne "nie nur seinem Vergnügen", sondern habe die vom Konsum seelisch verwirrten Erdenbürger auf ihre innere Stimme aufmerksam zu machen, ist kaum verhallt, schon beschäftigt sich Eleusi in Manhatten in einem riesigen Wolkenkratzer mit nichts als Liftfahren, denn Geschwindigkeit gehört für einen Flügelträger zu den "prickelnden Sensationen". Berauscht stürzt er sich anschließend vom Rockefeller Center, was die verwöhnten Einwohner New Yorks als eigens für sie organisierte weihnachtliche Flugshow missverstehen, während die erschreckt aus dem Restaurantfenster blickende Rosy den Sturz fälschlicherweise als Selbstmordversuch deutet. So wie es überhaupt nur einen einzigen Menschen gibt, der Eleusi ganz selbstverständlich als den erkennt, wer er ist: Tom. "Pah, er ist halt ein Engel", kommentiert dieser ein ums andere Mal den Schabernack. Der Nachbarsjunge von Rosy wird dann auch von Eleusi in die Berge mitgenommen, wo die beiden im Lift über die verschneiten Hänge schweben und anschließend auf den Skipisten ins Tal hinab toben. Zur Freude seiner alleinerziehenden Mutter kommt der Junge endlich mal an die frische Luft.

Ganz nebenbei erfüllt Eleusi auf seiner Reise dann doch seine himmlische Mission, den in ihren Nöten gefangenen Menschen die Weihnachtsbotschaft zu überbringen. Die einsame Rosy, die sein noch ungeläutertes Herz mehr als berührt, wird auf einer Weihnachtsfeier mit dem an sich selbst zweifelnden Schriftsteller Paul Arthur zusammengeführt, ein junger Banker findet auf den Pfad der Menschlichkeit zurück, und manch ein Passant in der Einkaufsstraße muss im Glitzer und Trubel des Heiligen Abends irritiert innehalten, wenn Eleusi vor seinem Rückflug im Vorbeigehen die großen Menschheitsfragen stellt: "Woher kommen Sie? Wohin gehen Sie? Wozu sind Sie da?" Und wenn Eleusi am Ende doch noch seufzt, was Petrus strengstens verboten hat, denn dann "stürzen auf Erden die Computer ab", wird ihm von oberster Stelle letztlich verziehen, hat er doch damit unserer Welt für einen kurzen himmlischen Moment ihre Brüchigkeit vor Augen gehalten.

Eveline Hasler hat eine liebenswerte Weihnachtsgeschichte geschrieben, die mit ihren aktuellen Bezügen einem leicht zum Kitschigen neigenden Thema eine erfrischende Diktion verleiht. Das in Gold gebundene, schmale Buch ist ein schönes Geschenk für Kinder, Jungendliche und Erwachsene, die sich ihre Freude an kindlichen Vorstellungswelten bewahrt haben. Und so eignet es sich hervorragend für die ganze Familie, zum Lesen für sich allein sowie zum Vor- und Miteinanderlesen in der Vorweihnachtszeit.

(ubh, Arbeitskreis Leseerziehung)


Wolfram Hänel: Der große Weihnachtsklau. Ein Weihnachtskrimi in 24 Kapiteln.

cbj 2008
ISBN 978-3-570-21959-1
200 Seiten (kartoniert)

Altersempfehlung: ab 10 Jahre

Mit s/w Illustrationen von Silke Brix

Es ist Weihnachtszeit. Philipp schlendert mit seinen Brüdern über den Weihnachtsmarkt, auf dem sie merkwürdigen Weihnachtsmännern begegnen, die Geld für einen „armen Zirkus“ sammeln. Auf Nachfragen können diese jedoch keine genaue Auskunft über den Zirkus geben und sind sehr unfreundlich. Überall in der Stadt tauchen sie auf und klingeln sogar an Haustüren, um Geld zu sammeln.

Doch die Nachbarin Frau Krummbiegel hat einen ganz anderen Eindruck: Der Weihnachtsmann, der bei ihr schellte, war äußerst freundlich und zuvorkommend, so dass sie ihn sogar zu einer Tasse Kaffee einlud. Schließlich musste er auch seine niedliche Katze wieder einfangen, die gleich bis ins Wohnzimmer gelaufen war.

Seltsam nur, dass kurz darauf die Weihnachtsmannpuppe, die bei Krummbiegels an der Dachrinne zwischen Lichterketten und blinkenden Sternen befestigt war, verschwunden ist. Später taucht die Puppe wieder auf, doch dann wird bei Krummbiegels eingebrochen, während sie im Theater sind…

Philipp und seine Brüder beschließen, auf eigene Faust zu ermitteln und folgen heimlich dem Weihnachtsmann mit dem Pony bis in den Wald hinein. Dort machen sie eine unglaubliche Entdeckung…

Ein spannender, unterhaltsamer Weihnachtskrimi in 24 Kapiteln, der zugleich ein besonderer Adventskalender ist: Jeden Tag können Krimifans die perforierten Seiten vom 1. bis zum 24. Dezember zum Weiterlesen auftrennen. Dabei wird mithilfe von Leitfragen am Ende jeder Episode (z.B. "Wohin ist Moritz auf einmal verschwunden?", "Was hat Philipp durch das Fenster gesehen?") und der Aufforderung "Lies morgen weiter." die Neugier der jungen Leserinnen und Leser auf das nachfolgende Kapitel geweckt und so die Spannung zusätzlich gesteigert.

(wm, Arbeitskreis Leseerziehung)


Willi Fährmann (Hg.): Ein Stern in dunkler Nacht. Die schönsten Weihnachtsgeschichten.

cbj 2008
ISBN 978-3-570-13551-8
192 Seiten (gebunden)

Altersempfehlung: ab 6 Jahre

mit Illustrationen von Dieter Wiesmüller und farbigen Vignetten

Der bekannte Kinder- und Jugendbuchautor Willi Fährmann hat in seinem Weihnachtsbuch verschiedene Erzählungen und Gedichte rund um das Thema Weihnachten zusammengestellt. Die 38 besinnlichen und heiteren Erzählungen, Legenden und Gedichte stammen von vielen bekannten Schriftstellern und Schriftstellerinnen, darunter z. B. Astrid Lindgren, Selma Lagerlöf, Wolfgang Borchert, Peter Härtling und Truman Capote, Matthias Claudius, Rainer Maria Rilke, Joachim Ringelnatz, Karla Schneider und Heinrich Heine, um nur einige zu nennen. Willi Fährmann selbst ist mit sechs Erzählungen und Gedichten vertreten.

In den stimmungsvollen Geschichten werden die Leserinnen und Leser u.a. Zeuge, wie in einer frostigen Winternacht ein alter Einbrecher von einem kleinen Kind bekehrt wird, das ihn für einen Engel hält, so dass er sich schließlich entschließt, das Stehlen aufzugeben und das Kind bei nächster Gelegenheit noch einmal tagsüber zu besuchen.

In einer weiteren Erzählung erweist sich ein vermeintliches Schneegespenst als die verlorene Katze des kleinen Moritz, dem die Straßenbahnschaffnerin Roberta nachts hilft, seine Katze namens Marzipan wieder zu finden.

An anderer Stelle faszinieren ein Paar Kastagnetten ein zu Unrecht gescholtenes "kleines Ungeheuer" derart, dass die eigentliche Besitzerin sie großherzig diesem kleinen Jungen überlässt und erzählt, warum aus ihr "dann doch keine spanische Tänzerin geworden ist".

Die Leserinnen und Leser können miterleben, wie der Weihnachtsschatz eines kleinen Wichtels Lieschen und Johann zu ihrem großen Glück verhilft, wie ein alter Landstreicher Kinder mit allerlei Kunststücken und Zaubereien unterhält oder wie Hanna ein Kissen für einen Obdachlosen näht, damit er nicht mehr auf seiner kalten Zeitung sitzen und frieren muss und plötzlich selbst von dem alten, grauen Mann mit einem besonderen Weihnachtsgeschenk überrascht wird.

Verschiedene Geschichten ranken um die Geschehnisse der Heiligen Nacht, in der einem alten verhärteten Hirten Augen und Herz geöffnet werden und ein Mann lernt, mit einem Jungen seine Wärme zu teilen.

Die Flucht nach Ägypten wird erzählt aus der Perspektive einer Palme in der Wüste und an anderer Stelle aus der Sicht des Esels, auf dem Maria mit dem Jesuskind reitet. In den aufgeführten Gedichten werden u. a. der Advent, die Heilige Nacht, der Weihnachtsbaum und die heiligen drei Könige thematisiert.

Die stimmungsvollen, anrührenden und heiteren Geschichten und Gedichte, die in grüner (Text) und roter Schrift (Titel) abgedruckt sind, können für das Lesen und Vorlesen in der Adventszeit wärmstens empfohlen werden und eignen sich bestens als Einstimmung auf Weihnachten.

(wm, Arbeitskreis Leseerziehung)


Ute Krause: Das Weihnachtsmannkomplott

Berlin Verlag (Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher) 2008
ISBN 978-3-8270-5328-2
32 Seiten (gebunden)

Altersempfehlung: ab 5 Jahre

Mit zahlreichen bunten Bildern

"Der Hering hatte die Schuld…" – mit diesem Satz beginnt das amüsante und originelle Buch „Das Weihnachtsmannkomplott“ von Ute Krause:

Nichts ahnend packt der Weihnachtsmannkoch den frisch gekauften, in Zeitungspapier eingewickelten Hering zu Hause aus und muss dort bestürzt lesen, dass ein Journalist die empörende Behauptung verkündet "Weihnachtsmänner gibt es nicht!".

Wie ein Lauffeuer eilt die Nachricht um die Welt – die Kinder sind entsetzt, vor allem Rupert, der sich ganz besonders auf Weihnachten gefreut hatte. Auch den Weihnachtsmännern rauchen die Köpfe, denn kein einziger Wunschzettel trifft ein. So beschließen sie spontan, Urlaub in der Südsee zu machen.

Durch einen glücklichen Zufall fällt dem betrübten Rupert eine Postkarte in die Hand, auf der zu lesen ist: "Lieber Kollege, die Südsee ist toll! Hier bleiben wir für immer! Komm bald nach, Deine Weihnachtsmänner.". Natürlich entschließt sich Rupert sofort, ihnen nachzureisen und bricht zu einer abenteuerlichen Schifffahrt in Richtung Südsee auf. Dort entdeckt er tatsächlich die Weihnachtsmänner ("Mit Badehosen und Gummienten lümmelten sie am Strand herum.") und kann sie schließlich zur Rückkehr überreden…

Das gelungene Buch ist sehr kurzweilig und unterhaltsam geschrieben. Es besticht auch durch die amüsanten bunten Illustrationen der Autorin, die in die kurzen Textpassagen eingefügt und sehr ansprechend und originell gestaltet sind.

(wm, Arbeitskreis Leseerziehung)


Ursel Scheffler: Es duftet schon nach Weihnachtsmarkt

cbj
ISBN 3-570-22136-9
64 Seiten

Altersempfehlung: ab 4 Jahre

Mit vielen fröhlichen Illustrationen von Jutta Timm

"Es duftet schon nach Weihnachtsmarkt" ist ein Buch mit 24 einzelnen Geschichten und damit besonders geeignet für die Tage bis Weihnachten. Jeden Tag kann man sich mit einer neuen Erzählung befassen und diese wie eine Art Adventskalender behandeln. Aber auch ohne die Verankerung in die Adventszeit ist dieses Buch ein spannendes Lese- bzw. Vorlesebuch. Gemeinsamer Aufhänger der Geschichten und zentraler Mittelpunkt des Bu-ches ist die bunte Doppelseite zu Beginn. Dieses Wimmelbild stellt viele einzelne Szenen dar, die den Kindern aus der eigenen Erfahrenswelt vertraut sind. Die kindgerechten The-men rund um die Weihnachtszeit wirken motivierend, um sich intensiver mit den dargestell-ten Figuren und Handlungen zu beschäftigen.

Da wird von Kindern erzählt, die Laternen basteln oder Schokokekse backen, von der Ar-beit der Maronifrau oder dem Schicksal eines Zirkusclowns, von einem frechen Dackel und dem Spatz vom Rathausplatz. Die Geschichten sind stimmungsvoll erzählt und anspre-chend illustriert. Dabei lohnt es sich, auf die verschiedenen Gerüche, welche die vorweih-nachtliche Zeit besonders prägen und schon im Titel des Buches aufgegriffen werden, ein-zugehen. Welchen Düften begegnet man wohl auf so einem Weihnachtsmarkt? Nach wel-chen Gewürzen duften die selbst gebackenen Plätzchen? Kann man den Schnee riechen? Die Tannenbäume?

Noch spannender werden die Geschichten durch die Fragen am Schluss jeder Erzählung. Dazu ist es erforderlich, immer wieder auf das Wimmelbild mit seinen Überraschungen zu-rück zu kommen und einen entsprechenden Ausschnitt zu entdecken. Da ist der blonde Junge, der den Dackel mit der Bratwurst jagt. Da liegt ein verlorener Handschuh oder eine leere Brieftasche. Die Geschichten sind nicht nur anschaulich erzählt, sie regen zum Teil auch zum Nachdenken und Diskutieren an. Auch neue Geschichten können hier erfunden werden.

Die Kinderbuchautorin Ursel Scheffler hat fast 200 Bücher veröffentlicht, die in viele ver-schiedene Sprachen übersetzt wurden. Geboren wurde sie in Nürnberg, der Stadt, in der auch der Weihnachtsmarkt schon eine lange Tradition hat.

(up, Arbeitskreis Leseerziehung)