Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.


Bücher des Monats Dezember 2010

In diesem Monat empfehlen wir folgende Bücher:

Anu Stohner: Das große Adventskalenderbuch (als Vorlesebuch ab 7 Jahre)

Sevgi Agcagül und Elisabetta Ragagnin: Türkische Volksmärchen (ab 8 Jahre)

Alexandra Fischer-Hunold: Lesetiger-Weihnachtsgeschichten (ab 6 Jahre)

Brigitte Weninger, Eve Tharlet: Fröhliche Weihnachten, Pauli! (Pappbilderbuch - ab 3 Jahre)

Günter Stolzenberger: Weihnachtswahn und Weihnachtswonnen (ab 16 Jahre)

Anu Stohner: Das große Adventskalenderbuch

dtv; 2010
ISBN 978-3-423-62472-5
104 Seiten

Altersempfehlung: ab 7 Jahre


Die Weihnachtsmäuse werden von einem richtigen König um Hilfe gebeten. Die Tochter des Königs ist nämlich eine verwöhnte Quengelliese, die eigentlich schon alles hat und das meistens in der Farbe rosa. Zu Weihnachten will die Prinzessin aber unbedingt etwas Neues und es muss immer etwas mehr sein. Dabei ist Prinzessin Priszilla kein Menschen-, sondern ein Mäusemädchen. Von der Bescheidenheit, die den Mäusen im Allgemeinen nachgesagt wird, hat Priszilla aber überhaupt nichts. Ihre Eltern wissen nicht mehr, wie sie die verwöhnte Mäuseprinzessin zufrieden stellen sollen. Da ist der Einsatz der Weihnachtsmäuse gefragt und die schlaue Wilma weiß auch schon, wie die unzufriedene Prinzessin in ihrem rosa Glitzerpalast kuriert werden kann.

Das Buch: Das große Adventskalenderbuch - Die Weihnachtsmäuse und die Prinzessin, die schon alles hatte - ist das vierte Buch in dieser Reihe. Viele junge Leserinnen und Leser, die die Bände der Vorjahre gelesen haben, werden schon sehnsüchtig auf die neuen Abenteuer der Weihnachtsmäuse warten.

Das Adventskalenderbuch ist wie die anderen Bände der Reihe in 24 überschaubare Kapitel von jeweils ca. drei Seiten gegliedert, es eignet sich daher sehr gut als Vorlesebuch für Grundschulklassen in der Adventszeit. Die Seiten des Buches werden nacheinander aufgeschnitten und vorgelesen, was die Spannung der Kinder beim Zuhören sicher noch erhöht. Zusätzlich ist der Buchumschlag als Adventskalender mit aufklappbaren Türchen gestaltet. Die jungen Zuhörer, die nach jedem gelesenen Kapitel ein Türchen öffnen dürfen, werden dadurch besonders interessiert sein, dass das Buch zu Ende gelesen wird.

(kim, Arbeitskreis Lesen)


Sevgi Agcagül und Elisabetta Ragagnin: Türkische Volksmärchen

Deutscher Taschenbuch Verlag; 2008
ISBN 978-3-423-13699-0
288 Seiten

Altersempfehlung: ab 8 Jahre

Schon wieder Märchen? Unbedingt! Denn diese Geschichten aus dem volkstümlichen Erzählschatz Anatoliens schenken Kindern und Erwachsenen eine unerwartet vergnügliche Lektüre von bezaubernder Frische und lassen sich wunderbar vorlesen. Neunundzwanzig Mal entführt uns die Eingangsformel "Es war einmal und doch war es keinmal" in eine Märchenwelt mit uns scheinbar wohlbekannten Gestalten und Motiven, deren hervorstechende Eigenschaften jedoch sind, sich zuweilen überraschend anders zu verhalten, als wir es von ihnen erwarten. So gehören in den Bereich der Palastmärchen natürlich die Padischas, die Könige, und ihr Hofstaat mit den Lalas (Ratgebern) und Wesiren (Ministern) sowie die Prinzen und Prinzessinnen - die allesamt in ihrer Schönheit und heldenhaften Statur "dem Mond am Vierzehnten", dem Vollmond des islamischen Monats, gleichen. Doch sind die Helden gemessen an ihrem Stand oft unerwartet gerissen und viele Heldinnen erstaunlich unerschrocken und wenig geneigt, sich mit einer Rolle als Prinzessinnen auf der Erbse zufrieden zu geben. So gibt es in der "Geschichte vom Kristallpalast und dem Diamantschiff" eine fünfzehnjährige Königstochter in einem wundersamen Glaspalast auf dem Meer vor Istanbul, zu der ein schöner Jüngling aus Jemen reist, da er von ihrem Palast und ihrer sagenhaften Schönheit gehört hat. Bei ihrem Anblick verliebt er sich umgehend in das Mädchen, das ihrerseits im Herzen berührt eine Träne verliert, als es auf den schlafenden Prinzen blickt. Die Geschichte könnte nun zu Ende sein, doch beginnt sie erst, denn um sich an dem Gefühl zu laben, die Schöne sei ihm verfallen, lichtet der eitle Prinz den Anker und macht sich in die Ferne davon. Nun könnte die Prinzessin leidend ausharren, doch diese lässt ein Diamantschiff bauen und reist dem Jüngling hinterher, um ihn in seinem Land gleichermaßen hinzuhalten und im Moment seiner tiefsten Erniedrigung ebenfalls die Rückkehr anzutreten. Natürlich finden die Königskinder nach Jahren des Hin- und Herreisens über die Meere zueinander, freilich nicht ohne die reuevolle Einsicht des Prinzen und die Großzügigkeit einer liebenswert souveränen Prinzessin, die bis zum Schluss das Ruder in der Hand hält.

Ob in den Märchen von der höfischen Welt oder den Märchen vom einfachen Volk der Bauern und Händler, häufig sind die Frauenfiguren ungewöhnlich selbstständig, pfiffig und selbstbewusst. Gleichwohl erzählen einige Märchen auch von den bekannten Ränkespielen zwischen den Söhnen um die Vorherrschaft und den Besitz der schönsten Frau, die mit bösen Tricks und mit Hilfe allerhand fremder Zauberwesen ihre Ziele erreichen wollen, was ihnen nicht selten, ganz entgegen unserer Moralvorstellung, dann auch noch straflos gelingt. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Kelo?lan, ein kahlköpfiger Jüngling, der anstatt mit heldenhafter Schönheit mit Schlauheit, List und Tücke die Gunst des Lesepublikums und der auserwählten Schönen gewinnt. Oder der dünnbärtige Köse, ein gemeiner, gerissener Kerl, der aber nie wirklich böse ist und einen letztlich schmunzeln lässt. Zwischen ihnen allen tummeln sich bekannte und unbekannte Zauberwesen: Peris genannte Zauberfeen, die sich in Tiere und Pflanzen verwandeln können, bösartige Dews, die den Menschen feindlich gesinnt sind, siebenköpfige Drachen, böse Hexen, magische Tiere wie der Smaragdphönix und Kamertaj, das Mondross. Sie allesamt vermögen die Vorhaben der Menschen kräftig zu unterstützen oder ordentlich zu durchkreuzen. Und dass selbst die Tiere einander nicht immer wohlgesonnen sind, verdeutlichen die sechs Tiermärchen, die unseren Fabeln zwar ähneln, aber durch ihr verblüffend unmoralisches Ende statt einer Belehrung unerwartete Heiterkeit auslösen. Die manchmal hinreißend satirischen Wendungen vieler Geschichten sind auch einem unserer Märchentradition unbekannten Erzähler zu verdanken, der sich immer wieder augenzwinkernd kommentierend einmischt, wenn er formuliert "Lassen wir den Prinzen in seinem Grab liegen und sehen, wie es inzwischen unserer Prinzessin ergangen ist" oder die letzte Geschichte wie folgt enden lässt: "Die Katze hat das Ziel ihrer Wünsche erreicht, und wir können uns jetzt gemütlich zurücklehnen."

(ubh, Arbeitskreis Lesen)


Alexandra Fischer-Hunold: Lesetiger-Weihnachtsgeschichten,

Loewe; 2010
ISBN 978-3-7855-6492-9
48 Seiten

Altersempfehlung: ab 6 Jahre

Vier Geschichten für die Weihnachtszeit sind in diesem Buch zusammengestellt. Mit diesen kann das Warten auf den Heiligen Abend, die Vorfreude oder die Erinnerung an vergangene Weihnachten mit den Kindern gemeinsam erlebt werden. Erzählt werden Eindrücke und Erfahrungen, die zum Beispiel mit dem Besuch beim Weihnachtsmarkt oder beim Vorabend zum 6. Dezember verknüpft sind. So geht die kleine Lulu auf dem Weihnachtsmarkt verloren, weil sie dem kleinen Jesuskind in der Krippe ihren warmen Schal bringt. Mia hat ihre Stiefel glänzend geputzt, um sie für den Nikolaus vor die Tür zu stellen. Mit Senta, ihrem Bernhardiner, will sie die Nacht über Wache halten, um endlich herauszufinden, wie der Nikolaus wohl in echt aussieht. Dann kommt aber alles anders.

Kai dagegen lernt tatsächlich einen kleinen Weihnachtsengel kennen, der sich beim Einsammeln der Wunschzettel mit dem Rückflug verspätet hat. Er bäckt mit Kai zusammen Kekse und erzählt von der Weihnachtswerkstatt. Auch die letzte Geschichte enthält eine gewisse Spannung, indem sie von einem Weihnachtstag erzählt, an dem alles schief geht.

Doch auch diesmal wird am Ende alles gut und endlich kann Weihnachten gefeiert werden.
Mit diesen kleinen Geschichten aus der kindlichen Erfahrungswelt und den zahlreichen liebevoll gezeichneten Bildern wird das Lesen zur Freude. Auch die Kinder, die sich am Beginn der "Leseleiter" befinden, werden zum Lesen motiviert.

Die Geschichten bestehen bei dem "Lesetiger-Buch" aus höchsten zehn bis maximal elf Druckseiten. Auf jeder Seite sind zwei querformatige, farbenfrohe Zeichnungen platziert, auf die sich die wenigen darunter stehenden Sätze beziehen. Dank der großen Schrift und über die einzelnen Illustrationen wird den Kindern dabei geholfen, den Text besser zu verstehen und den Sinn der Geschichte zu erschließen.
Am Ende des Buches regt ein kleines Kreuzworträtsel die Leserinnen und Leser dazu an, sich den Text nochmals genau anzusehen. Werden die Fragen zu den Geschichten richtig beantwortet, erhalten die Kinder das Lösungswort.
Das hier vorgestellte Buch "Weihnachtsgeschichten" gehört der Reihe Lesetiger an, die für Leserinnen und Leser ab etwa sechs Jahren geeignet ist. Die Kinder haben in dieser Stufe schon erste eigene Leseerfahrungen gesammelt. Mit dem Lesetiger nun können sie ihre Lesekenntnisse weiter anwenden und vertiefen.
Die Loewe Leseleiter besteht aus insgesamt vier Stufen, die sich auf die Lesefähigkeit von Kindern im Alter von fünf bis acht Jahren beziehen. Nicht auf das Alter allein, sondern auf die verschiedenen Entwicklungsstufen ist der Leselernprozesses in diesem Gesamtkonzept zurechtgeschnitten. Vor allem Eltern, aber auch die kleinen Leserinnen und Leser selbst erhalten so eine Orientierungsmöglichkeit. Über die Einstufung in die entsprechende Lesestufe gelingt es, das richtige Buch zu finden. Von der Bildermaus über Lesetiger und Lesepiraten kommen die Kinder stufenweise bis zum Leselöwen-Champion. Die Themen sind kindgerecht und vielfältig. Für die Weihnachtszeit gibt es nicht nur für die Lesetiger "Lese-Futter" - 24 Geschichten zum Advent gibt es zum Beispiel auch als Bildermaus-Geschichten oder als Leselöwen-Geschichten zum Advent.

Weitere Informationen zum Konzept der Loewe-Leseleiter sind zu finden unter www.leseleiter.de

(ph, Arbeitskreis Lesen)


Brigitte Weninger, Eve Tharlet: Fröhliche Weihnachten, Pauli!

NordSüdVerlag; 2010
ISBN 978-3-314-01779-7
24 Seiten (Pappbilderbuch)

Altersempfehlung: ab 3 Jahre

Bald ist Weihnachten und der Weihnachtsmann freut sich darüber, wenn wir anderen helfen. Das hat Papa Kaninchen seinen Kindern erzählt. Und so ist es für Pauli selbstverständlich, dass er am nächsten Tag dem kleinen Vogel hilft, der im tief verschneiten Wald vergeblich nach Futter sucht. Die Getreidekörner aus der Vorratskammer sind ein leckerer Schmaus - auch für die vielen anderen Vögel, die nun herbeigeflogen sind.

Aber auch weitere Tiere im Wald sind hungrig. Und so holt Pauli noch mehr Vorräte aus der Speisekammer, um den Rehen, Wildschweinen und Eichhörnchen zu helfen. Pauli ist überzeugt, dass sich der Weihnachtsmann sehr freuen wird, denn er hat nun allen Tieren geholfen! Als aber Familie Kaninchen nach Hause kommt, sind Paulis Eltern und Geschwister sehr erschrocken über die geleerte Vorratskammer. Schließlich hat Mama eine gute Idee: Wenn alle zusammenhalten und miteinander teilen, reicht es für jeden.

Am Heiligen Abend klopft es dann an der Tür und Familie Kaninchen erlebt eine freudige Überraschung: Alle Waldtiere sind gekommen und haben Pauli viele verschiedene Dinge zum Essen mitgebracht. Pauli freut sich sehr über die Geschenke seiner Freunde und möchte diese nun mit seiner Familie teilen. Und so feiern alle zusammen ein fröhliches Weihnachtsfest! Die warmherzige Geschichte über die Freude des Schenkens und Teilens ist zum Vorlesen für Kinder ab drei Jahren bestens geeignet. Der Text ist ansprechend geschrieben und durch viele kurze Sätze leicht verständlich. Das Pappbilderbuch ist wunderschön farbig illustriert: Jeweils auf einer Doppelseite erscheint ein neues Bild, in das ein kurzer Text eingefügt ist, der die Bilder erläutert. Die mit vielen warmen Farbtönen gestalteten Bilder laden die Kinder zusätzlich zum Erzählen und Entdecken ein. Ein sehr empfehlenswertes Vorlesebuch für die Weihnachtszeit!

Im Nord-Süd-Verlag sind weitere Bücher aus der Pauli-Reihe erschienen, darunter beispielsweise "Großer Pauli, kleiner Pauli", "Ein Geschwisterchen für Pauli" und "Herzlichen Glückwunsch, Pauli."

(wm, Arbeitskreis Lesen)



Günter Stolzenberger: Weihnachtswahn und Weihnachtswonnen

Deutscher Taschenbuch Verlag; 2010
ISBN 978-3-423-13925-0
176 Seiten

Altersempfehlung: ab 16 Jahre

Die vorliegende Sammlung deutet schon im Titel augenzwinkernd an, in welchem Spannungsfeld sich die darin befindlichen Texte thematisch bewegen: Alle Jahre wieder sehnen wir uns, wenn es auf Weihnachten zugeht, nach Stille, Freude und Harmonie und doch gelingt es uns alle Jahre wieder nicht, dem Glitzer allerorten, dem Kaufrausch und Lärm zu entkommen. "Seit tausend Jahren hofft die Menschheit darauf, aber das wahre, das richtige Weihnachten kommt nicht." So endet eine der Geschichten, die uns in dieser vielseitigen Mischung kurzer literarischer Texte auf satirische, zum Teil spöttische, aber auch nachdenklich machende Weise dazu auffordern, die Weihnachtsbotschaft nicht ganz dem Irdischen anheim zu geben und das Fest der Liebe zu retten. Die Anthologie präsentiert in sieben Kapiteln, die jeweils die Kehrseiten eines Themas ausloten, die Widersprüchlichkeiten der Advents- und Weihnachtszeit, die jeder von uns kennt und die beispielsweise wie folgt überschrieben sind: "Weihnachtswünsche oder Schenken will gelernt sein", "Weihnachtswahn und Weihnachtswut", "Weihnachtswege oder Es gibt kein Entkommen".
Die bunte Vielzahl der Geschichten, Gedanken, Gedichte und Verse namhafter Autorinnen und Autoren reichen von satirisch-kabarettistischen Einfällen und nachdenklich-kritischen Einwänden bis zu melancholischen Reflektionen philosophischer Natur. Sie geben uns ebenso Anlass zum Schmunzeln wie zum Nachdenken über das alljährliche Drama und Spektakel, in dem wir scheinbar gefangen sind. Sie halten den Leserinnen und Lesern einen Spiegel vor und überlassen es doch dem Einzelnen, seine eigene Gedankenreise zu unternehmen, dabei einmal schallend zu lachen, ein andermal betroffen innezuhalten.
Das ausführliche Nachwort des Herausgebers gibt am Ende des Buches Aufschluss über die getroffene Auswahl und schenkt uns zum Geleit einige ermutigende Gedanken zur Gestaltung der Advents- und Weihnachtszeit. Diese Sammlung ist in jedem Fall eine abwechslungs- und kontrastreiche, aber keine nur leichte Lektüre. Eingängige, heitere Texte stehen im Wechsel mit anspruchsvollen, essayistischen Gedanken und Auszügen aus Werken, die nicht unmittelbar zugänglich sind. Deshalb sei diese gewinnbringende Lektüre vor allem den neugierigen und geübten Leserinnen und Lesern ab 16 Jahren empfohlen.

(ubh - Arbeitskreis Lesen)