Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.


Bücher des Monats August 2011

In diesem Monat empfehlen wir folgende Bücher:

 

Burny Bos / Hans de Beer: Valentino Frosch - Kleiner Prinz sucht Prinzessin (ab 3 Jahren, als Vorlesebuch)

Günther Ohnemus: Siebzehn Tage im August (ab 16 Jahren)

Burny Bos / Hans de Beer: Valentino Frosch - Kleiner Prinz sucht Prinzessin

Nord-Süd-Verlag, Zürich
ISBN 978-3-314-01755-1
32 Seiten mit farbigen Abbildungen

Altersempfehlung: ab 3 Jahren (aufgrund der Komplexität gut bis Klasse 2 geeignet)

 

In der Neuauflage von 2010 erschien das Bilderbuch "Valentino Frosch und das himbeerrote Cabrio" unter dem Titel "Valentino Frosch - Kleiner Prinz sucht Prinzessin".
Burny Bos und Hans de Beer - das Autorenteam - sind keine Unbekannten im Bereich der Kinderliteratur und auch in diesem Buch erzählen sie eine Geschichte, die es schafft, die Zuhörer und Leser in ihren Bann zu ziehen.

Es geht um eine Freundschaft zwischen zwei ungleichen Partnern, die man so nicht für möglich halten würde und die alle Schwierigkeiten übersteht. Aber auch das Heranwachsen, der Wunsch nach Unerreichbarem und das Loslassen von Träumen werden thematisiert. Diese Themen lassen die Geschichte zu einer emotionsreichen Erzählung werden.

Hauptperson ist der kleine Valentino Frosch mit seinem himbeerroten Cabrio. Von seiner Mutter verwöhnt und immer als "mein kleiner Prinz" bezeichnet, glaubt Valentino irgendwann tatsächlich, ein Prinz zu sein und daran, dass eine Prinzessin auf ihn wartet. Dies verkündet er häufig seinen Freunden, die sich letztendlich von ihm abwenden und ihn als Angeber beschimpfen. Valentino fühlt sich einsam und beschließt, mit seinem Cabrio zu seiner Prinzessin zu fahren. Unterwegs trifft er ein kleines Vögelchen, das verwaist ist und nimmt es mit auf seine Reise. Die beiden verstehen sich blendend, erleben einiges auf ihrer Reise und werden richtig gute Freunde. Das Vögelchen Isabella wird während der Fahrt immer größer und irgendwann erkennt Valentino, dass er mit einem Storch, dem größten Feind der Frösche, unterwegs ist. Die tiefe Freundschaft überwindet jedoch alle Hindernisse und Isabella begleitet Valentino weiter. Ihre Wege trennen sich kurzzeitig, als Valentino am Schloss der Prinzessin angekommen ist. Dort wird er von allen als gewöhnlicher Frosch verspottet. Dieses Erlebnis hilft ihm zu erkennen, dass er doch kein Prinz ist, und er ergreift die Flucht nach Hause. Isabella lässt ihn nicht im Stich und hilft ihm, trotz Autopanne wieder zu seiner Familie zu kommen. Die Freundschaft zwischen Frosch und Storch bleibt bestehen und Isabella dreht jedes Jahr im Frühling einige Runden über Valentinos Teich.

Hervorzuheben ist die Gestaltung dieses Bilderbuches. Die Illustrationen sind großflächig in dezenten Farben gestaltet. Auf jeder Doppelseite befindet sich ein Din A4-Bild sowie eine weitere Illustration auf der Textseite. Der Text beschreibt nicht nur die Bilder, sondern gibt den Leserinnen und Lesern zusätzliche Informationen. Die Hauptakteure werden mit feinen Details und starken emotionalen Gesichtsausdrücken dargestellt, die immer wieder zum Antizipieren der Handlung und dem Aufbau von Empathie anregen können. Vielfältige Gesprächsanlässe zu den Themen Freundschaft und Umgang miteinander werden angeboten, Gefühle thematisiert und dargestellt.

Das Buch hat einen relativ großen Textanteil, der über das bloße Beschreiben der Bilder hinausgeht. Der Wortschatz ist variantenreich und kann dadurch einen Beitrag zur Entwicklung eines differenzierten Sprachschatzes leisten. Die eingesetzte wörtliche Rede erleichtert ein gestaltetes Vorlesen, zudem eignet sich das Bilderbuch auch zum selbst Lesen. Die Vorlesedauer beträgt aufgrund des Umfangs mindestens 15 - 20 Minuten.

C. Schnaible

Günther Ohnemus: Siebzehn Tage im August

Verlag Fischer Schatzinsel 2011
ISBN 978-3-596-85365-6
276 Seiten

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

 

Sommer - Krimi - Freundschaft - Abenteuer - Liebe
Am Anfang steht ein Mord: Eine Kriminalgeschichte trifft auf eine Geschichte, in der es ums Erwachsenwerden geht. Eine Geschichte von Freundschaft und Vertrauen, die auch noch spannend ist. Eine Geschichte, die zwei Jungen als Helden hat und vom Verlieben erzählt.

Nicks bester Freund Finn wird verdächtigt, einen Mitschüler umgebracht zu haben. Die Polizei, die Finn für den Hauptverdächtigen hält, und auch Nick suchen ihn, doch Finn ist spurlos verschwunden.
Nick kann nicht daran glauben, dass Finn tatsächlich einen Mord vollbracht und Sven getötet hat, obwohl sein Freund den Mitschüler am Tag zuvor noch im Schulhof mit dem Messer bedroht hat. Als Nick Finn findet, versucht er seinem Freund zu helfen. Gemeinsam fliehen sie vor der Polizei in den Bayerischen Wald, denn dort sollte Nick eigentlich bei einem Zeltlager der Pfadfinder sein. Seine Eltern lässt er im Glauben, dass er dorthin fährt. Auf der Zugfahrt von München in den Bayerischen Wald lernen sie Laura kennen, eine Studentin aus Passau. Zusammen verbringen die drei die nächsten Tage in Passau in der Wohnung von Lauras bester Freundin. Für alle eine schwierige und gleichzeitig eine unbeschwerte Zeit: "elektrisch", "magnetisch", "magisch".
Auf der Suche nach den eigentlichen Mördern geraten sie in Lebensgefahr. Dabei helfen ihnen ihr unendlicher Vorrat an spontanen Ideen und die sympathische Hauptkommissarin Karl von der Münchener Kriminalpolizei. Eine Wendung, mit der weder die Leserinnen und Leser noch die Akteure selbst gerechnet hätten, führt schließlich dazu, dass der Sommer doch noch zu Ende geht.

Im Überblick
Die Geschichte beginnt mit einem Mord und trotzdem ist dieses Buch kein typischer Kriminalroman. Die Handlung wird vorangetrieben durch die Flucht der beiden Freunde vor der Polizei und weiteren unbekannten Verfolgern, die sich schnell als die unbekannten Verdächtigen herausstellen. Erzählmuster für diesen Teil der Handlung ist der Film "Bonnie und Clyde", mit dessen Hauptfiguren sich Nick, Laura und Finn identifizieren. Trotzdem ist dieses Buch kein Road-Roman und folgt nicht allein der Frage "Whodunnit?". Es ist vielmehr die Geschichte von zwei Jungen, die erwachsen werden.
Die Handlung wird aus der Sicht Nicks in der Ich-Form erzählt. Das Buch tastet sich aus der Perspektive Jugendlicher an Themen wie die erste Liebe, den Umgang mit dem ersten Mal, Treue und Vertrauen heran. Dass es Günter Ohnemus dabei gelingt, neben der Stimmung eines lange dauernden Sommertags auch das Gefühlsleben seiner männlichen Protagonisten überzeugend zu vermitteln, dürfte dabei das besondere Verdienst dieses Romans sein.
Obwohl das Buch leicht, charmant-witzig und spannend zu lesen ist, tauchen an zentralen Stellen des Buchs Themen auf, die weit über "Siebzehn Tage im August" hinausgehen: Der Umgang mit Gewalt, aber auch Fragen nach Recht und Gerechtigkeit werden wiederholt von allen an der Handlung beteiligten Personen problematisiert. Eine Behandlung des Romans im Unterricht könnte neben der Auseinandersetzung mit den Figuren, ihrem Verhalten und den Erzählmustern an diesen Themen ansetzen. Das Alter der drei Hauptfiguren liegt mit 16 (Nick), 17 (Finn) und 21 Jahren (Laura) deutlich über der Altersempfehlung des Verlags (12 Jahre). Bei der Vorstellung des Buches im Internet findet man so auch verschiedene Altersempfehlungen, die von 12 bis 16 Jahren variieren. Die Umbruchssituation der Jugendlichen und die vorherrschenden Themen des Buchs dürften die Lektüre des Buchs erst ab 16 Jahren als sinnvoll erscheinen lassen.

mw (Arbeitskreis Lesen)