Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.

Bücher des Monats April 2016

Annette Pehnt: Der Bärbeiß - Herrlich miese Tage ( ab 8 - 10 Jahren)

Birgit Weyhe: Im Himmel ist Jahrmarkt (ab 11 - 16 Jahren)

Quick Matthew: Goodbye Bellmont (ab 12 Jahren)

A. J. Betts Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe (ab 14 Jahren)


Annette Pehnt: Der Bärbeiß - Herrlich miese Tage

Verlag: Carl Hanser Verlag, 2015
llustratorin: Jutta Bauer
ISBN - 13: 978-3446247505
ISBN - 10: 3446247505
Gebundene Ausgabe: 96 Seiten
Kinderbuch - Vorlesebuch
Altersempfehlung: 8 - 10 Jahren

Der Bärbeiß macht´s den anderen nicht leicht: Alles, was die Bewohner von Timbuktu mögen, ist dem Bärbeiß ein Graus. „Ich hasse putzen“, fährt er die Nachbarn an, als diese fröhlich mit dem Frühjahrsputz beginnen. Entsprechend mag der Bärbeiß natürlich auch den Frühling nicht – die Vögel lärmen und bereiten ihm Kopfschmerzen. Während Familie Graureiher lustig umherwedelt, „knurrt“,“ stöhnt“ oder „blafft“ der Bärbeiß, weil ihn eben immer genau das stört, was anderen gefällt.
Kein Wunder, dass den Bärbeiß auch der Sommer, der Urlaub oder das Drachenfliegen im Herbst nervt. Er ist eben der Typ, der es leicht schafft, anderen den Tag zu verderben - und sich selbst natürlich auch. Somit ist er auch die Person, mit der andere bald nichts mehr zu tun haben wollen.
Diesen Aspekt thematisiert die Autorin Annette Pehnt sehr gelungen im Kapitel „Einsamkeit“. Bärbeiß begibt sich hier auf die Suche nach „Bärbeiß-Freunden“. Als er ohne Erfolg bleibt, wird er zunächst wütend in seiner Neigung, anderen die Schuld für seine Misere zu geben. Doch dann gelangt er zu der erstaunlichen Erkenntnis: „Welcher Bärbeiß will schon mit einem so übellaunigen Bärbeiß wie mir zusammen sein?“
Kontrastiert wird unser Miesepeter durch das lebensfrohe Tingeli. Das jubelt, hüpft, singt und freut sich am Leben. Diese Lebensbejahung drückt sich in bunten Kleidern aus und in der Energie, mit welcher Tingeli dem Bärbeiß nicht nur positive Einstellungen entgegensetzt. Vielmehr lässt Tingeli nie einen Zweifel daran, dass der Bärbeiß dazugehört. Er ist ein Nachbar, wenn auch ein schräger, und somit gehört er mit zur Gemeinschaft. Auf rührende Weise ignoriert das Tingeli ein ums andere Mal die schroffe Ablehnung durch den Bärbeiß und erweist sich so als echte Freundin.
Dass der Bärbeiß im Grunde Zuwendung braucht, wird am Ende durch die rührende Freundschaft mit dem Schaf deutlich.
Mit ihrem Buch hat die Autorin menschliche Charaktere direkt aus dem Leben gegriffen. Ihr Portrait eines Miesepeters wirkt realitätsnah und gelungen. Zugleich schildert sie ihn ohne erhobenen Zeigefinger. Vielmehr überwindet sie den Pessimismus des Bärbeiß, indem sie ihm Figuren voller Fantasie und Lebensfreude entgegensetzt. Auf diese Weise macht sie deutlich: Miesepeter gibt es überall, sie müssen aber nie die Oberhand gewinnen. Dafür ist das Leben einfach zu schön.
Nicht nur die Botschaft, sondern auch die Sprache von Annette Pehnt ist ausgesprochen überzeugend. Ein breites Vokabular an originellen und immer passenden Verben oder Adjektiven macht das Buch zu einem bunten und sehr lesenswerten Stück Kinder- und Jugendliteratur.
Nimmt man noch die lebendigen, ausdrucksstarken und witzigen Zeichnungen von Jutta Bauer dazu, kann man nur zu dem Schluss kommen: Dieses Buch gehört in jedes Klassen- und Kinderzimmer.

"Der Bärbeiß. Herrlich miese Tage" ist auch als Hörbuch, meisterlich gelesen von Katharina Thalbach, zu haben. Eine Hörprobe gibt es unter:

http://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuecher/pehnt-der-baerbeiss-herrlich-miese-tage-3027/



N.T. Ideenpool Lesen

Coverabdruck: Urhebernachweis: ©S.Fischer Verlage, Frankfurt

 


Birgit Weyhe: Im Himmel ist Jahrmarkt

llustrator: Birgit Weyhe
Avant Verlag, 2013
ISBN 978-3-939080-81-7
Gebundene Ausgabe: 280 Seiten
Altersempfehlung: 11 - 16 Jahren
Graphic Novel


Birgit Weyhe veröffentlichte ihre erste Graphic Novel 2008, andere folgten, 2015 bekam sie den Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung.
„Im Himmel ist Jahrmarkt“ ist ein biographisches Werk. Als ihre Tochter für den Unterricht einen Stammbaum entwerfen sollte, wurde der Autorin bewusst, dass sie fast nichts über ihre eigene Familiengeschichte wusste. Sie begab sich auf Spurensuche und daraus entstand das Buch. Die Zeichnungen sind ansprechend, die Geschichte verständlich, kapitelweise wird auf die Biographien ihrer Vorfahren eingegangen. Dabei werden immer wieder Erlebnisse und Erinnerungen Weyhes eingebunden. Für Schülerinnen und Schüler wird Geschichte erlebbar, weil sowohl auf Persönliches als auch auf die historischen Geschehnisse eingegangen wird. Die Leser können das Agieren der Personen sehr gut nachvollziehen und tauchen durch die Bilder schnell in die Vergangenheit ab.

Geeignet ist das Buch ab Klasse 6, eine vollständige Lektüre ist spannend, aber sicher nicht im Klassenverband zu empfehlen. Im Unterricht könnte man die Graphic Novel als Ausgangspunkt für das Thema „biographisches Erzählen“ nehmen:

Auf welche Weise kann man biographisch erzählen? und
Welche unterschiedlichen literarischen oder kreativen Möglichkeiten gibt es?

Anschließend könnten die Kinder die Geschichte ihrer eigenen Familie erforschen. Dabei bietet sich die Zusammenarbeit mit dem Fach Geschichte an.

Unterrichtsmaterial findet sich auf den Seiten des Landesbildungsservers

M.S. Ideenpool Lesen

Coverabdruck: Urhebernachweis: © Birgit Weyhe & avant-verlag, 2013


Quick Matthew: Goodbye Bellmont

Verlag:dtv 2015
ISBN-13: 978-3-423-76122-2
Gebundene Ausgabe: 255 Seiten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Roman

Matthew Quicks Roman „Goodbye Bellmont“ ist ein vielschichtiges Jugendbuch, das sich über das Thema Basketball dem Erwachsenwerden widmet. Der Junge Finley gibt alles dafür, Basketball im Team seiner Schule zu spielen. Er ist in seinem letzten Highschooljahr und es ist für ihn die letzte Chance, noch einmal auf der großen Sportbühne zu agieren, um eventuell ein Stipendium zu ergattern. Auch wenn er nicht der begabteste Spieler ist, so konnte er bisher mit harter Arbeit seinen Platz im Team erkämpfen. Gemeinsam mit seiner Freundin Erin arbeitet er weiterhin auch für die anstehende Saison.

Finley ist ein Schweiger, der mit seinem Vater und seinem beinamputierten Opa unter einem Dach lebt. Die Familie kämpft in der harten Umgebung in Bellmont täglich ums Überleben. Hier herrschen klare Regeln, die von der irischen Mafia kontrolliert werden.

Mit dem Eintreffen von „Boy-21“ verändert sich für Finley noch einmal alles. Sein Coach bittet ihn, dem durch eine familiäre Tragödie verwirrten „Boy-21“ zur Seite zu stehen. „Boy-21“ lebt in einer Fantasiewelt, um den Verlust seiner Eltern zu verarbeiten. Nur ganz wenige Personen wissen, dass „Boy-21“ eines der größten Basketballtalente Amerikas ist und nun soll Finley ihm helfen, zurück zu sich zu finden, wohlwissend, dass dies das Ende seiner Basketballkarriere bedeuten kann. Die Beziehung zu Erin wird dabei auf eine harte Probe gestellt und als Erin dann auch noch einen Unfall erleidet, bricht vieles auf Finley ein.

In Matthew Quicks vielschichtigem Jugendbuch wird ausgehend vom Sport von Identitätsbildung und Erwachsenwerden berichtet. Durch die komplexe Handlung ist es kein reines Sportbuch, sondern eher eine Milieustudie. Neben der direkten Sprache die darin verwendet wird, gefallen besonders die Ausarbeitungen der verschiedenen Charaktere und das Klima von Angst, Resignation, aber auch Hoffnung. Vor allem Jungen dürften an diesem Buch ihre Freude haben.

Matthey Quick ist 1973 in Oaklyn geboren und arbeitete als Englischlehrer bevor er sich voll und ganz dem Schreiben widmete. Die Verfilmung seines Debüts „Silver Linings“ gewann einen Golden Globe, einen Oscar und war für sieben weitere nominiert.



A.B. Arbeitskreis Leseerziehung


A. J. Betts: Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe

Fischer KJB 2015
ISBN-13: 978-3596812547
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Roman

Liest man den Klappentext des Romans von A.J. Betts „Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe“ ist man unsicher, ob man das Buch lesen möchte. Es geht um Krebs. Zac befindet sich nach einer Knochenmarkstransplantation, die aufgrund seiner Leukämie notwendig geworden war, in Quarantäne im Krankenhaus. Wochenlang sind seine Mutter und das Krankenhauspersonal die einzigen Kontakte. Die Außenwelt bleibt ihm verschlossen. Einige Tage nach der Transplantation zieht ein gleichaltriges Mädchen, Mia, ins Nebenzimmer. Die beiden beginnen eine Kommunikation durch Klopfen und Pochen an der Wand. Es ist der Anfang einer ungewöhnlichen Freundschaft und Liebe. Die Leser sind schnell von der Geschichte gefesselt, wollen wissen, wie es weitergeht. Die Spannung bleibt immer erhalten, der Fortgang der Geschichte bleibt eine Überraschung.

Es lohnt sich jedoch, das Buch zu lesen. Es hat Tiefgang, rührt zu Tränen und gleichzeitig kann man immer wieder lachen. Mit Zac begegnet den Lesern ein Teenager, der es nicht leicht hat. Er hat eine schwere Form der Leukämie, beschäftigt sich mit Überlebens- und Heilungschancen und rechnet sich alles, was mit der Krankheit zu tun hat, aus. Durch die Ich-Perspektive kann man sich sehr gut in die Figur hineindenken und mit ihm fühlen. Humor und Sarkasmus schaffen eine Stimmung, die weniger bedrückend ist. Trotz allem ist er ein Kämpfer, der für seine Familie und auch sich selbst überleben will. Mia, seine neue Zimmernachbarin ist anders, sie hört auf der Station laut Musik, streitet lauthals mit ihrer Mutter, ver-schweigt ihren Freunden ihre Erkrankung und rebelliert gegen alles und jeden.

Für den Unterricht ist der Roman nur bedingt einsetzbar. Als Klassenlektüre ist er weniger zu empfehlen, da es kein Buch für Jungen ist. Sehr sensibel muss man mit dem Einsatz des Buches umgehen, wenn von Krebs Betroffene in der Klasse oder Angehörige oder Freunde erkrankt sind. Als Leseempfehlung ab Klasse 8 ist es sehr geeignet, auch als Gruppen-Lektüre ist das Buch sehr gut einsetzbar. Die Geschichte besteht aus unterschiedlichen Erzählsträngen. Zunächst erzählt Zac, im Mittelteil wechseln sich Mia und Zac ab, am Ende wird nur noch aus der Sicht Mias erzählt. Da die Geschichte zeigt, dass Hoffnung und Freude, Verzweiflung und Trauer oft ganz nah beieinander liegen, bietet es viele Gesprächsanlässe.

Leseprobe

 

M.S. Ideenpool Lesen