Stilmittel

Stilmittel

Diese Liste der Stilmittel gibt nur einen kleinen Teil der in der griechischen und lateinischen Literatur tatsächlich verwendeten Stilmittel wieder.

Die hier aufgeführten Angaben dienen dazu, Schüler bei der Analyse lateinischer Texte zu unterstützen.

Zu jedem Stilmittel finden Sie folgende Angaben:

  • Hinweise zur Aussprache (wenn sich die Aussprache nicht von selbst ergibt)
  • wörtliche Übersetzung des griechischen oder lateinischen Namens des Begriffs

  • Erklärung

  • Beispiele aus der lateinischen Literatur, teilweise auch aus der deutschen Sprache und Literatur. Viele Beispiele wurden aus der Zornrede der Iuno im 7. Buch der Aeneis herangezogen (Vergil, Aeneis, 7, 293-322; die Göttin Iuno beklagt sich hier darüber, dass es ihr wegen des übermächtigen Fatums [Schicksals] nicht möglich ist, die Troianer ganz aufzuhalten und von einer Besiedlung Latiums abzuhalten, und sie beschließt, ihnen so viel Steine wie möglich in den Weg zu legen).
  • Alternativen: Hier ist gemeint, zu welchen anderen Stilmitteln der jeweilige Begriff im Kontrast steht, d.h. welche anderen Stilmittel (oder auch einfache, wörtliche Aussagen) der Schriftsteller an dieser Stelle hätte wählen können. Die Alternative wird nur bei den Stilmitteln genannt, die in deutlichem Kontrast zu anderen Stilmitteln stehen.

Alliteration

  • Aussprache: Betonung auf der letzten Silbe
  • Übersetzung des Begriffs: Anlautung
  • Erklärung: Derselbe Buchstabe bzw. Laut wird am Wortanfang wiederholt; oder: Mehrere Wörter, die mit dem gleichen Laut beginnen, stehen im gleichen Vers oder . Die Alliteration wird auch als Stabreim bezeichnet. Der Stabreim war ein wichtiges Merkmal der althochdeutschen Dichtung.

  • Beispiele:

    1. Num Sigeis occumbere campis / num capti potuere capi?
      (Vergil, Aeneis 7,294 f; aus der Zornrede der Iuno)
      Übersetzung: Hätten sie [die Trojaner, d.h. die Leute des Aeneas] nicht auf den Feldern Trojas sterben können, hätten sie nicht, als Gefangene, festgehalten werden können?
    2. In der deutschen Sprache gibt es viele Redewendungen, die durch Alliterationen zusammengehalten werden:
      mit Kind und Kegel
      mit Mann und Maus untergehen
      Tod und Teufel
      Sprichwort: 'Glück und Glas, wie leicht bricht das'
      Friede, Freude, Eierkuchen

  • Alternative / verwandtes Stilmittel: Assonanz. Dort findet sich ein Zitat (Clemens Brentano), das sowohl Alliterationen als auch Assonanzen enthält.

 

Anapher

  • Aussprache: Betonung auf der mittleren Silbe

  • Übersetzung des Begriffs: Beziehung

  • Erklärung: Ein Wort wird am Beginn mehrerer Sätze oder Satzteile wiederholt. Es muss dabei die gleiche Wortform verwendet werden.

  • Beispiele:

    1. Num Sigeis occumbere campis / num capti potuere capi? Num incensa cremavit / Troia viros?
      (Vergil, Aeneis 7,294-296; aus der Zornrede der Iuno)
      Übersetzung: Hätten sie [die Trojaner, d.h. die Leute des Aeneas] nicht auf den Feldern Trojas sterben können, hätten sie nicht, als Gefangene, festgehalten werden können? Hat das brennende Troia etwa die Männer verbrannt?

    2. Es schlägt mein Herz, es trübt sich meine Seele / ...
      (Johann Wolfgang v. Goethe: Iphigenie auf Tauris V. 1418)

Assonanz

  • Übersetzung des Begriffs: Anklang

  • Erklärung: Wiederholung eines Vokals oder Konsonanten (also eines Lautes) im selben Vers oder im selben Satz

  • Beispiele

    1. quin etiam patria excussos infesta per undas / ausa sequi et profugis toto me opponere ponto.
      (Vergil, Aeneis 7,299-300; aus der Zornrede der Iuno)
      Übersetzung: Nein, ich wagte sogar, die aus der Heimat Vertriebenen voller Feindschaft durch das Meer zu verfolgen und mich den Flüchtlingen auf dem ganzen Meer entgegenzustellen. (Anmerkung: Assonanzen gehen bei der Übersetzung notwendig verloren).

    2. Aus der deutschen Literatur:
      Horch! Die Fackel lacht, horch! Schmerz-Schalmeien / der erwachten Nacht ins Herz all schreien.
      (Clemens Brentano, 'Wenn der lahme Weber träumt, er webe'; in Fettdruck stehen Assonanzen, in Kursivschrift Alliterationen)

  • Alternative: Eine mehr oder weniger zufällige Verteilung der Laute ist die Regel. Von einer Assonanz sollte man nur dort sprechen, wo ein großer Teil der Laute eines Verses oder Satzes den gleichen Laut aufweist. In dem aus Vergil entnommenen Beispiel sind dies sieben von fünfzehn Silben, die den Vokal o enthalten, also rund die Hälfte (die zweite Silbe von sequi und das e von me entfallen durch Elision bzw. Synaloephe und zählen daher nicht mit). Ein verwandtes Stilmittel ist die Alliteration.

Asyndeton

  • Aussprache: Betonung auf dem y

  • Übersetzung des Begriffs: Unverbundenes, unverbunden

  • Erklärung: Aufzählung ohne verbindende Konjunktion (z.B. 'und') zwischen den Aufzählungsgliedern. Das Asyndeton ist oft mit dem Tricolon verbunden.

  • Beispiele

    1. veni, vidi, vici
      C. Iulius Caesar; Beleg in diesem Artikel der Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Veni_vidi_vici

    2. aus der deutschen Literatur:
      Alles rennet, rettet, flüchtet
      (Friedrich Schiller, Lied von der Glocke)

  • Alternative: Polysyndeton

 

Bild, sprachliches

Oberbegriff zu Metapher und Vergleich.

 

Chiasmus

  • Aussprache: Betonung auf dem a.

  • Übersetzung des Begriffs: Chi-Stellung

  • Erklärung: Anordnung von Wörtern in Form eines X. Dieser Buchstabe heißt im Griechischen 'chi'.

  • Beispiel: tibi nomina mille,/ mille nocendi artes

     

     


  • (Vergil, Aeneis 7, 337 f.; aus der Aufforderung der Iuno an die Furie Allecto, Zwietracht zwischen den Trojanern und den Latinern zu säen)
    Übersetzung: Du hast der Namen tausend, / tausend Künste, zu schaden.

  • Alternative: Parallelismus

 

Anadiplose (Lat.: Geminatio)

  • Übersetzung: Verdoppelung, Wiederholung (lat. gemini: Zwillinge)

  • Erklärung: Genaue Wiederholung eines Wortes

  • Beispiele:

    1. "Ich will küssen! Küssen! sagt' ich."
      (Johann Wolfgang v. Goethe, Vollmondnacht)

    2. Atque hic Priamiden laniatum corpore toto / Deiphobum videt et lacerum crudeliter ora, / ora manusque ambas...
      (Vergil, Aeneis 6, 494-496; Erzählerbericht über die Begegnung des Aeneas mit Deiphobus in der Unterwelt)
      Übersetzung: Und hier sah er den Priamussohn Deiphobus, der am ganzen Körper zerfleischt war, furchtbar verstümmelt das Gesicht, das Gesicht und beide Hände)

 

Gleichnis

breit ausgeführter Vergleich. Weitere Erläuterungen siehe unter dem Stichwort Vergleich. Der Begriff 'Gleichnis' ist wie derjenige der Metapher sowohl ein Begriff der Sprachwissenschaft und Rhetorik als auch ein Begriff der Literaturwissenschaft.

 

Homoioteleuton

  • Aussprache: Betonung auf der drittletzten Silbe

  • Übersetzung: Gleich-Endendes

  • Erklärung: Zwei oder mehrere Wörter enden auf die gleichen Laute. Von einem H. sollte man nicht sprechen, wenn die Gleichartigkeit der Endung nur an der Morphologie liegt, d.h. wenn beide Wörter kongruent sind (z.B. Substantiv und Adjektiv) und nach der gleichen Deklination gehen.

  • Beispiel: talibus Aeneas ardentem et torva tuentem / lenibat dictis animum lacrimasque ciebat
    (Vergil, Aeneis 6, 467 f.)
    Übersetzung: Mit solchen Worten versuchte Aeneas, das brennende Gemüt der finster blickenden Dido zu besänftigen und ihr Tränen zu entlocken.

  • Geschichte: Historisch gesehen ist das H. ein Vorläufer des Endreims. Dieser wurde erst nach dem Ende der antiken Literatur zu einem Mittel, mit dem Verse gegliedert werden können. Darum spricht man in der deutschen Literatur nicht vom Homoioteleuton, sondern vom Endreim, für den es allerdings Tausende von Beispielen gibt.

 

Metapher

  • Übersetzung des Begriffs: Übertragung (Diese Grundbedeutung kann man sich anhand der Sprachgeschichte klarmachen: Der zweite Teil des Wortes, 'pher', gehört zu einem indoeuropäischen Stamm, der 'tragen' bedeutet und der in folgenden Wörtern vorkommt: lat. ferre (tragen), engl. to bear (ertragen; vgl. z.B. 'unbearable'), deutsch die 'Bahre', der Zuber (Zwei-Träger: Tragegerät mit zwei Henkeln) und der Eimer (aus mittelhochdeutsch Eimber: Tragegerät mit einem Henkel)

  • Erklärung:
    Die Metapher ist mehr als ein Stilmittel, da sie eine der wesentlichen Formen darstellt, mit denen die Sprache Sachverhalte bezeichnet. Daher gibt es auch eine umfangreiche Metapherntheorie, die als ein wichtiges Bindeglied zwischen Sprach- und Literaturwissenschaft angesehen werden kann. Die folgenden Erläuterungen beschränken sich auf das Nötigste. Einen Einstieg in die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Metaphorik bietet die Website des Online-Magazins Metaphorik.de:
    http://www.metaphorik.de

    Eine Definition des Metaphernbegriffs sollte folgende Definitionen im Blick haben:

    1. Die Metapher ist die Übertragung der Bedeutung eines Bildes vom Bildfeld auf die gemeinte Sache, d.h. auf das Sachfeld, wobei die Verbindung von Sach- und Bildfeld die Ähnlichkeit ist. Beispiel: Der umgangssprachliche Satz "Du bist ein Engel" überträgt bestimmte Vorstellungen, die man mit Engeln verbindet, auf eine menschliche Person. Ein erster Versuch könnte folgende Merkmale benennen, die übertragen werden:

      1. Ein Engel hat Fähigkeiten, die das gewöhnliche Maß übersteigen.

      2. Ein Engel bringt göttliche Unterstützung.

      3. Ein Engel hilft in der Not.

      4. Ein Engel ist gut, und zwar unbedingt.

      5. ...

        Das Beispiel macht deutlich, dass es bei der Interpretation von Metaphern darauf ankommt, den Kontext (den Zusammenhang) zu beachten. Die Metapher "Du bist ein Engel" kann je nach Zusammenhang auch als bloße Redewendung angesehen werden.

    2. Die Metapher ist ein Vergleich ohne 'wie' oder ein anderes Wort, das auf einen Vergleich hinweist ('als ob' u.Ä.). Beispiel für diese Definition: Der Satz "Sie kommt mir immer wieder wie ein Engel vor." hat eine ähnliche Bedeutung wie der Satz: "Sie ist ein Engel."

    3. Die Metapher ist eine 'widersprüchliche Prädikation', d.h. ein Ausdruck, der auf der Oberflächenebene einen Widerspruch enthält (Den Begriff der Prädikation kann man mit 'Bedeutungszuschreibung' übersetzen). Die Metapher "Du bist ein Engel" enthält den Widerspruch, dass der Mensch, zu dem der Satz gesagt wird, nicht zugleich ein Mensch und ein übersinnliches, ewiges Wesen sein kann.

  • Beispiele:

    1. at, credo, mea numina tandem / fessa iacent.
      (Vergil, Aeneis 7,297 f.; aus der Zornrede der Iuno)
      Übersetzung: Aber ich glaube, dass meine göttliche Kraft ermüdet am Boden liegt.

    2. Oh weh der Lüge! Sie befreiet nicht, / Wie jedes andre wahrgesprochne Wort, / Die Brust; sie macht uns nicht getrost, sie ängstet / Ein losgedruckter Pfeil, von einem Gotte / Gewendet und versagend, sich zurück / Und trifft den Schützen.
      (Johann Wolfgang v. Goethe: Iphigenie auf Tauris, V. 1405 - 1410; aus dem Monolog der Iphigenie zu Beginn des 4. Aufzugs)

  • Alternative: Nicht immer gibt es eine wörtliche, nicht-metaphorische Ausdrucksweise. Manche Metaphern sind zu festen Verbindungen geworden (der 'Fuß' des Berges).

 

Metonymie

  • Übersetzung des Begriffs: Namensvertauschung, Umbenennung (von einem Verb, das 'den Namen ändern' bedeutet)

  • Erklärung: Ersetzung eines Wortes durch ein anderes, das mit dem ersetzten in einer Beziehung der Nähe oder der Verwandtschaft steht, z.B. der räumlichen Nähe.

    1. Beispiel: Berlin erhöht die Steuern (Nicht die Stadt Berlin, sondern die in ihr angesiedelte Bundesregierung erhöht die Steuern)

    2. Sine Cerere et Baccho friget Venus
      Übersetzung: Ohne Ceres und Bacchus friert die Venus (d.h. ohne Wein und Essen 'friert' die Liebe)
      (lat. Sprichwort; Einzelheiten siehe in diesem Artikel der Wikipedia:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Sine_Cerere_et_Baccho_friget_Venus)

  • Alternative: Die Metonymie ist der Metapher verwandt, aber hier ist die Beziehung zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten nicht Ähnlichkeit, sondern thematischer, logischer, räumlicher, mythologischer etc. Zusammenhang

Parallelismus

  • Übersetzung des Begriffs: v. griech. parallelos (παράλληλος) = gleichlaufend

  • Erklärung: Mehrere Sätze sind syntaktisch, d.h. vom Satzbau her gleich gestaltet, so dass an einer vergleichbaren Stelle die gleichen Satzglieder stehen

  • Beispiel:
    Etenim quid aliud hoc iudicio temptatur nisi, ut id fieri liceat?
    Accusant ei,
    qui in fortunas huius invaserunt,
    causam dicit is,
    cui praeter calamitatem nihil reliquerunt;
    accusant ei,
    quibus occidi patrem Sex. Rosci bono fuit, ...
    (Cicero, Pro Sexto Roscio, � 13)
    Übersetzung: Was wird denn in diesem Gerichtsprozess anderes versucht, als dies durchzusetzen?
    Diejenigen klagen an,
    die in dessen Besitz eingefallen sind,
    es verteidigt sich derjenige,
    dem sie außer Unglück nichts übrigließen,
    es klagen diejenigen an,
    denen es nützte, dass der Vater des Sex.Roscius angeklagt wird.

 

Polyptoton

  • Aussprache: Betonung auf dem y

  • Übersetzung des Begriffs: griechisch polys = viel, ptosis (πτῶσις) = der grammatische Fall, Kasus, also: 'Vielfall'

  • Erklärung: Dasselbe Wort kommt in verschiedenen Formen vor

  • Beispiele:

    1. Heu stirpem invisam et fatis contraria nostris / fata Phrygum!
      (Vergil, Aeneis 7,293 f; aus der Zornrede der Iuno)
      Übersetzung: weh dir, du verhasstes Geschlecht der Phryger, und wehe über ihr Fatum, das unserem Fatum entgegensteht!

    2. Num Sigeis occumbere campis / num capti potuere capi?
      (Vergil, Aeneis 7,294 f; aus der Zornrede der Iuno)
      Übersetzung: Hätten sie [die Trojaner, d.h. die Leute des Aeneas] nicht auf den Feldern Trojas sterben können, hätten sie nicht, als Gefangene, festgehalten werden können?

    3. Medias acies mediosque per ignis / invenere viam.
      (Vergil, Aeneis 7,296 f.; aus der Zornrede der Iuno)
      Mitten durch die Schlachtreihen und mitten durch das Feuer fanden sie einen Weg.

  • Alternative: Statt verschiedener Formen des gleichen Wortes kann der Autor Synonyme wählen.

Polysyndeton

  • Aussprache: Betonung auf syn

  • Übersetzung des Begriffs: Vielverbundenes

  • Erklärung: Aufzählung, bei der zwischen allen Aufzählungsgliedern eine Konjunktion steht (z.B. 'und')

  • Beispiele:

    1. proximus ille Procas, Troianae gloria gentis,/ et Capys et Numitor et qui te nomine reddet/ Silvius Aeneas
      (Vergil, Aeneis 6, 767-69; aus der Heldenschau in der Unterwelt)
      Übersetzung: Der nächste ist Procas, der Ruhm des trojanischen Stammes, und Capys und Numitor und Silvius Aeneas, der wieder deinen Namen tragen wird.

    2. Beispiel aus der deutschen Werbesprache:
      Er läuft und läuft und läuft (Werbeslogan für den VW Käfer)

  • Alternative: Asyndeton

 

Rhetorische Frage

  • Übersetzung des Begriffs: Frage eines Redners oder in einer Rede gestellte Frage (d.h. keine Frage, die in einem Gespräch gestellt würde und auf die daher eine Antwort erwartet werden kann)

  • Erklärung: Bei einer rhetorischen Frage ist die Antwort auf die Frage eindeutig gegeben, d.h. das Merkmal der echten Frage, dass verschiedene Antworten möglich sind, ist hier nicht gegeben.

  • Beispiel:
    Num Sigeis occumbere campis / num capti potuere capi?
    (Vergil, Aeneis 7,294 f; aus der Zornrede der Iuno)
    Übersetzung: Hätten sie [die Trojaner, d.h. die Leute des Aeneas] nicht auf den Feldern Trojas sterben können, hätten sie nicht, als Gefangene, festgehalten werden können?
    Erläuterung zum Beispiel: Dass die Trojaner fliehen konnten, steht fest. Es ist ja gerade der Grund dafür, dass Aeneas nach Italien ziehen kann. Iuno klagt hier demnach darüber, dass Aeneas diese Flucht ermöglicht wurde.

  • Alternative: Statt einer rhetorischen Frage kann die direkte Aussage gewählt werden, oft aber auch ein Ausruf, wie im vorangehenden Beispiel.

 

Vergleich

  • Erklärung: Der Vergleich ist ein sprachliches Bild, bei dem der Bildcharakter des Ausdrucks sprachlich gekennzeichnet ist, und zwar durch Wörter wie 'wie', 'es war, als ob...' u.Ä.
    Lateinische Ausdrücke, die einen Vergleich kennzeichnen: velut, quasi, qualis u.Ä.). Der Vergleich ist ein wesentliches Merkmal des dichterischen Ausdrucks.

  • Beispiele (hervorgehoben sind die Wörter, die den Vergleich kennzeichnen):

    1. quam Toius heros / ut primum iuxta stetit agnovitque per umbras / obscuram, qualem primo qui surgere mense / aut videt aut vidisse putat per nubila lunam, / demisit lacrimas...
      (Vergil, Aeneis 6, 451-455; Erzählerbericht über die Begegnung zwischen Aeneas und Dido in der Unterwelt)
      Übersetzung: sobald der Held aus Troja [=Aeneas] neben ihr [=Dido] stand und sie undeutlich erkannte, wie jemand den Mond am Monatsanfang entweder aufgehen sieht oder glaubt, er habe ihn aufgehen sehen, vergoss er Tränen...

    2. (Thoas:) Unwillig, wie sich Feuer gegen Wasser / Im Kampfe wehrt und gischend gegen seinen Feind / Zu tilgen sucht, so wehret sich der Zorn / In meinem Busen gegen deine Worte.
      (Johann Wolfgang v. Goethe, Iphigenie auf Tauris, V. 1979-82; aus einem Dialog zwischen Thoas und Iphigenie)

  • Alternative: Die wichtigste Alternative zum sprachlichen Verfahren des Vergleichs, und zugleich die Redeweise, die dem Vergleich am meisten ähnelt, ist die Metapher.

Trikolon

  • Aussprache: Betonung auf dem i.

  • Übersetzung des Begriffs: tria = drei; kolon = Glied, also dreigliedrige Einheit

  • Erklärung: Reihung aus drei Gliedern. Das Tricolon ist oft mit dem Asyndeton verbunden. Unter diesem Eintrag gibt es ein weiteres Beispiel für ein Tricolon (veni, vidi, vici)

  • Beispiele

    1. per sidera iuro, / per superos et si qua fides tellure sub ima est /...
      (Vergil, Aeneis 6, 458-459; Ansprache des Aeneas an Dido in der Unterwelt)
      Übersetzung: Ich schwöre bei den Sternen, bei den Göttern und so wahr es irgend Treue gibt tief unter der Erde...

    2. aus der deutschen Sprache
      "Delikat ist, dass die Zeugen oft selbst dem kriminellen Milieu angehören - Prostituierte, Drogenhändler, Helfer." (Süddeutsche Online, "Zeugenschutz in Deutschland: Wer reden will, bekommt ein neues Leben", 22.12.2010). Dieses Beispiel ist zugleich ein Asyndeton.