Unteruhldingen - Pfahlbauten

Geokoordinaten: 47°43'31.17"N; 9°13'40.29"E

Im Ort Unteruhldingen selbst ist die Parkplatzsituation äußerst schwierig. Tipp: Ein Bus könnte an der Bushaltestelle an der Bundesstraße die Schüler kurz hinauslassen und später wieder aufsammeln. Ansonsten besteht eine Parkmöglichkeit auf dem großen Touristenparkplatz am Ortseingang. Falls das Pfahlbaumuseum aus Kosten- oder Zeitgründen nicht besucht wird, können die Pfahlbauten problemlos vom „Strandbad“ aus (Eintritt frei) angeschaut werden.

Besiedlungsgeschichte

An allen größeren Voralpenseen der Schweiz, Italiens, Frankreichs und Deutschlands gab es Pfahlbauten sowie an manchen Seen Italiens, Österreichs, Lettlands, Litauens, Spaniens, im Laibacher Moor oder im Federseemoor in Oberschwaben. Nach den neuesten Daten ist diese Wohnform der Jungsteinzeit und Bronzezeit zwischen ca. 4300 v. Chr. und 800 v. Chr. belegt. Allein am Bodensee sind inzwischen über 100 Siedlungsstandorte mit etwa 400 ehemaligen Siedlungen bekannt.

Pfahlbauten
Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Bevorzugt wurden Standorte mit guten Ackerböden, ausreichender Frischwasserversorgung an geografischen Kreuzungspunkten von Handelswegen. Nicht ohne Grund finden sich bei Konstanz, Bodman-Ludwigshafen und Unteruhldingen die größten Siedlungskonzentrationen in prähistorischer Zeit. Zwischen Unteruhldingen und der Insel Mainau ist mit 2,3 km Distanz die kürzeste Überfahrtsmöglichkeit vom Nord- zum Südufer als Bestandteil einer historischen Route von der Donau nach Oberschwaben über den Bodensee in die Schweiz bis nach Italien gegeben.
Die Rekonstruktionen im Freilichtmuseum Unteruhldingen (1922-2007) haben Ausgrabungsergebnisse von Riedschachen bei Bad Schussenried (Häuser von 1922), Bad Buchau, Unteruhldingen und Konstanz (Bronzezeitdorf von 1931) sowie Sipplingen, Riedschachen und Aichbühl bei Bad Schussenried (Steinzeitdorf von 1939/40) als wissenschaftliche Grundlage.

 

Warum wurde auf Pfähle gebaut?

An den Seen des Alpenvorlandes sind Wasserstandsschwankungen in Abhängigkeit vom jährlichen Wasserzufluss vorhanden. Der Bodensee kann im Jahresmittel heute 2-3 Meter schwanken. Besonders kräftig wirken sich die Zuflüsse der Schmelzwässer im Frühjahr aus, die ab März einsetzen. Sie können den Seespiegel in nur drei Monaten um drei Meter wachsen lassen. Eine Abhängigkeit des Bodenseewasserspiegels von den Schmelzwässern ist nach den Hausverteilungen auch für die Stein- und Bronzezeit anzunehmen. Die Uferlinie und der Untergrund verändern sich unter natürlichen Bedingungen im Wechselspiel zwischen Sedimentation und Erosion ständig. Für einen Uferbewohner empfiehlt es sich daher stets, auf Pfähle zu bauen oder andere Vorsichtsmaßnahmen für einen trockenen und sicheren Standort seines Hauses zu treffen. Wenn als Vorteile einer Uferwohnung die guten Bedingungen für Hausbau, einfache Abfallentsorgung, Kommunikation, Transport, Handel, Verkehr und Fischfang bedacht werden, dann lässt sich diese Art zu wohnen trotz der ständig feuchten Umgebung auch für einen Menschen der heutigen Zeit verstehen. Die Schutzfunktion vor Feinden, die in der Vergangenheit in Anlehnung an die alte Geschichtsschreibung immer wieder angeführt wurde, kann keine alleinige Begründung für das Wohnen auf Pfahlbauten liefern. Dass es Pfahlbauten gegeben hat, ist inzwischen nach einer Vielzahl neuer Ausgrabungen zumindest an den großen Seen sicher. Auch ist sicher, dass sie in idealer Position an den europäischen Fernhandelswegen günstig angelegt wurden.

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