Hintergrundinformationen

1. Bedeutung

UNESCO-Biosphärenreservate
Seit 1970 wurden von der UNESCO gemäß den Leitlinien des internationalen Programms “Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) weltweit 580 Biosphärenreservate in 114 Staaten ausgewiesen (Stand: Juni 2011).
Im Vergleich zu den klassischen Naturschutzinstrumenten der Raumplanung wie Naturparks und Nationalparks verfolgt der Biosphärengedanke seit der Formulierung der sog. Sevilla-Strategie im Jahre 1995 neben der Erforschung und dem Schutz natürlicher Ökosysteme eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Entwicklung in den Modellregionen. Dies soll auch durch die Partizipation der betroffenen Bevölkerung an Planungs- und Entwicklungsprozessen gewährleistet werden.

Charakteristisch für Biosphärenreservate ist die Untergliederung in drei Zonen mit unterschiedlichen Funktionen:

  • Kernzone (mind. 3%):
    Erforschung und Schutz der natürlichen Ökosysteme und der dort lebenden Tiere und Pflanzen. Die Natur soll sich hier unter Ausschluss menschlicher Einflüsse entwickeln können.

  • Pflegezone (mind. 15%):
    Hier sind ökologisch verträgliche Aktivitäten zugelassen (sanfter Tourismus, ökologischer Landbau, extensive Weideviehhaltung)

  • Entwicklungszone (ca. 80%):
    Hier sind alle Nutzungsformen erlaubt. Modellprojekte werben für den Umstieg auf nachhaltige Wirtschaftsweisen.

Das UNESCO-Biosphärenreservat Schwäbische Alb

Das UNESCO-Biosphärenreservat Schwäbische Alb
mit den drei Nutzungszonen.
© Geschäftsstelle Biosphärengebiet

Insgesamt soll die Fläche von Biosphärenreservaten mindestens 30 000 ha betragen.


2. Geschichte

Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb
Nach der Aufgabe des Truppenübungsplatzes Münsingen (6700 ha) im Jahr 2005 entstand die Idee, hier das erste Biosphärengebiet Baden-Württembergs zu entwickeln. Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte und um das Miteinander von Mensch und Natur zu betonen, entschied man sich im Vorfeld für den Begriff „Gebiet“ statt „Reservat“. Mittlerweile erstreckt sich die Gebietskulisse auf 85 269 ha.
Der Entwurf zur Gebietsabgrenzung und Gesetzesverordnung wurde in einem beispielhaften Prozess unter intensiver Einbeziehung der beteiligten Städte, Gemeinden und Verbände erarbeitet.
Im April 2007 wurde vom baden-württembergischen Kabinett die gesetzliche Grundlage geschaffen und der Antrag auf Anerkennung durch die UNESCO beschlossen.
Im Mai 2009 wurde das Biosphärengebiet Schwäbische Alb von der UNESCO als erstes Biosphärenreservat Baden-Württembergs anerkannt.

Seither ist die Biosphärenverwaltung zusammen mit den Menschen aus der Region damit befasst, ein so genanntes „Rahmenkonzept“ zu erstellen. Hierin sollen Leitbilder und Ziele definiert werden und darüber hinaus konkret umzusetzende Projekte und Handlungsvorgaben für die weitere Ausgestaltung des Biosphärengebiets festgelegt werden.

Aufbauend auf bereits bestehenden Initiativen zur Vermarktung regionaler Produkte und zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus (PLENUM, REGIONEN AKTIV) soll die Wirtschaftsleistung der Region umweltverträglich gesteigert werden. Ausgehend vom Tourismus sollen sich so neue Vermarktungschancen etwa für land- oder forstwirtschaftliche Produkte (z.B. Alb-Dinkel, rotkerniges Buchenholz) ergeben. Durch staatliche Fördermittel sollen private Initiativen unterstützt werden.
Aus der Vielzahl weltweiter Biosphärenreservate sticht das Biosphärengebiet Schwäbische Alb durch seine relativ hohe Bevölkerungsdichte und die räumliche Nähe zu großen städtischen Agglomerationen hervor. Dadurch ergeben sich besonders gute Chancen der Vermarktung regionaler Produkte und Dienstleistungen bei denen beispielsweise Touristen über die ökologischen Zusammenhänge der schützenswerten Kulturlandschaften informiert werden können. Das große wirtschaftliche Potential der Schwäbischen Alb ist die Chance, Nachhaltigkeit in den Wirtschaftsweisen zu verankern, weil nicht nur ökologische und gesellschaftliche Belange berücksichtigt werden. Nur so kann Nachhaltigkeit gelingen.

Weitere Informationen bietet die Broschüre „Leben und wirtschaften mit der Natur“



3. Anlage

Das “Biosphärenzentrum“ – Hauptbesucherzentrum des
UNESCO-Biosphärenreservates Schwäbische Alb

Schwerpunkte der Dauerausstellung

Schwerpunkte der Dauerausstellung
© Geschäftsstelle Biosphärengebiet

Seit 2010 gibt es neben 12 weiteren Informations- und Bildungseinrichtungen das „Biosphärenzentrum Schwäbische Alb“ als Hauptbesucherzentrum. In zwei architektonisch ansprechend renovierten und denkmalgeschützten Gebäuden des Alten Lagers in Auingen bei Münsingen kann man mehr über die Biosphärenreservate weltweit, den angrenzenden Truppenübungsplatz Münsingen, die heimischen Wälder, Imkerei, Beweidung der Wacholderheiden und die Stadt-Land-Beziehungen in der Region erfahren.

Beispielhaft nachhaltig leben ? !

Beispielhaft nachhaltig leben ? !
© Michael Hägele

Nicht nur über die Natur, auch über Menschen, die versuchen nachhaltig zu leben wird im Biosphärenzentrum informiert.

Im Biosphärenzentrum gibt es unterschiedliche Informationsangebote, die inhaltlich und didaktisch stark variieren was den Besuch sehr kurzweilig macht.
Neben verschiedenen Film- und Hörbeiträgen gibt es Bereiche, in denen ausprobiert, beobachtet und untersucht werden kann. Geographisch anschaulich und interessant sind eine interaktive Karte und das überdimensionale Satellitenbild. Um sich einen ersten Eindruck von den Ausmaßen des UNESCO-Biosphärenreservates verschaffen zu können, werden bei der interaktiven Karte verschiedene Kartenlayer übereinander auf ein dreidimensionales Relief projiziert.
Ebenfalls im Eingangsbereich befinden sich auf Tafeln die
Beschreibungen der 15 Informationszentren. Zusätzlich stellen überdimensionale “Stecknadeln“, die im genannten Satellitenbild „stecken“ die Schwerpunkte des jeweiligen Zentrums dar.

“Pins“ mit den Besonderheiten der kleineren Besucherzentren

“Pins“ mit den Besonderheiten der kleineren Besucherzentren
© Michael Hägele

Ein weiteres Thema in der Dauerausstellung ist der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen. Indem die Besucher mit einem Zielfernrohr mit integriertem Laser verschieden Motive eines Landschaftspanoramas anvisieren, werden die jeweils zugehörigen Informationen vermittelt.


Das Thema Wald ist im Zusammenhang mit dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb besonders wichtig, stellen doch die Schlucht- und Hangwälder ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal dar.
Als Besucher durchschreitet man einen Wald mit künstlichen Baumstämmen mit integrierten Monitoren, Entdeckungsschubladen, einer
Laub-Kuschelecke und mit einem begehbaren Kohlenmeiler.

Mit allen Sinnen das Ökosystem und die Kulturlandschaft Wald

Mit allen Sinnen das Ökosystem und die Kulturlandschaft Wald
erschließen
© Michael Hägele

Den Bewohnern der Alb und ihren Besuchern aus dem “Unterland“ ist ein weiterer Ausstellungsabschnitt gewidmet, in dem auch etwas über die zahlreichen Initiativen zur Vermarktung traditioneller und regionaler Produkte in Erfahrung gebracht werden kann.

Da die gesamte Schwäbische Alb auch UNESCO-GeoPark ist, wird in einem weiteren Teil des Gebäudes über die geologischen und archäologischen Besonderheiten des Gebietes informiert.

Zeitbudget
Für einen Besuch im Biosphärenzentrum mit Einstiegsfilm, kurzer Führung, Arbeitsauftrag und Zeit zum selbstständigen Entdecken sollten mindestens zweieinhalb Stunden eingeplant werden. Je nachdem, welche museumspädagogischen Zusatzangebote wahrgenommen werden, lässt sich der Besuch ausdehnen.

 

- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Tübingen -

letzte Änderung: 2013-08-09