Gernsbach - eine Stadt vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit

Methodenvorschlag - Lernorterkundung

Der Vorbereitung der Lernorterkundung dient das Arbeitsblatt AB 1 , das in Gruppenarbeit oder als arbeitsteilige Hausaufgabe bearbeitet werden kann. Die Hausaufgabe sollte noch vor der Exkursion im Unterricht besprochen werden. Das Arbeitsblatt AB 1 ist für die Sekundarstufe I zugeschnitten und müsste für andere Altersstufen entsprechend modifiziert werden.

Die Erkundung Gernsbachs (Stadtplan siehe Links im Serviceteil ) erfolgt mittels eines Stadtrundgangs, der in 12-14 Stationen unterteilt ist. Seiner Vorbereitung und Durchführung dient das bebilderte, 15-seitige Arbeitsblatt AB 2 . Empfohlen wird, dass an jeder Station nach der Devise "Schüler führen Schüler" zwei Schüler(innen) als Experten der Gesamtgruppe "ihr" Thema präsentieren.

Station 4 des Stadtrundgangs: Das Kastsche Haus (
Station 4 des Stadtrundgangs: Das Kastsche Haus ("Altes Rathaus")
© Rainer Hennl

Die Einteilung der Schülerinnen und Schüler in die Experten-Tandems, die Ausgabe der Informationen zu den einzelnen Stationen an die jeweiligen Experten und die Abklärung eventuell noch bestehender Verständnisprobleme auf Seiten der Schüler muss rechtzeitig vor der Exkursion erfolgen, da nur hierdurch gewährleistet ist, dass die Experten ihre Rolle tatsächlich ausfüllen können.
Andere Varianten bestünden darin, dass die Lehrkraft die Führung teilweise oder ganz übernimmt oder (bei Zeitproblemen) eine Stadtführung bucht (siehe Hinweis im Serviceteil ).

Station 7 des Stadtrundgangs: Der Wolkensteiner Keller
Station 7 des Stadtrundgangs: Der Wolkensteiner Keller
© Rainer Hennl

Die vorgeschlagene Selbsterkundung Gernsbach können Schülerinnen und Schülern aller Schularten durchführen. Umfang und Abstraktionsgrad der Vorinformationen (dies betrifft vor allem die Herrschaftsverhältnisse) bzw. der Grad der Unterstützung durch die Lehrkraft müssten freilich dem Alter und der jeweiligen Leistungsfähigkeit der Lerngruppe angepasst werden. Je nach Interesse können auch Schwerpunkte gebildet bzw. einzelne Stationen des Stadtrundgangs ausgelassen werden.

Station 10 des Stadtrundgangs: Der Storchenturm
Station 10 des Stadtrundgangs: Der Storchenturm
© Rainer Hennl

usätzlich zum Stadtrundgang angeboten werden zwei Arbeitsblätter ( AB 3 , AB 4 ) zu den in Gernsbach auf dem Hofstättebrunnen, dem Kastschen Haus und der Liebfrauenkirche befindlichen Wappen. Die auf dem Arbeitsblättern 3 und 4 thematisierten Wappen (Markgrafschaft Baden, Grafschaft Eberstein, Stadt Gernsbach) verdeutlichen die in Gernsbach bestehenden Herrschaftsverhältnisse, regen die Schüler zum zeichnerischen Aufnehmen der Wappen sowie zur Deutung von deren Symbolik an und vermitteln ihnen die Kompetenz, ein Wappen in der Fachsprache der Heraldik zu beschreiben. Das Arbeitsblatt AB 3 muss hierbei auf dem Stadtrundgang mitgeführt werden, das Arbeitsblatt AB 4 (Wappenrätsel, heraldisch korrekte Beschreibung von Wappen; mit Lösungen) findet dagegen nach der Exkursion im Unterricht oder als Hausaufgabe ihre Anwendung. Das Arbeitsblatt AB 5 ermöglicht Schülerinnen und Schülern zusätzlich die Anfertigung eines heraldisch stimmigen eigenen Wappens.

Methodenvorschlag - Das Thema innnerhalb der Schule

Verzichtet man auf den Lernortbesuch, können die Kennzeichen einer mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt und darüber hinaus die Unterschiede zwischen einer Reichsstadt und einer landesherrlichen Stadt anhand des Arbeitsblatts AB 6 erarbeitet werden. Ein Lösungsvorschlag für die umfangreichere erste Teilaufgabe ist angefügt. Das Arbeitsblatt AB 6 richtet sich in erster Linie an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I.

Der Alltag in einer frühneuzeitlichen landesherrlichen Stadt kann anhand zweier Originalquellen (T 1 Anstellung des Gernsbacher Schulmeisters Philipp Stöcklin, 1571; T 2 Auszug aus der Gernsbacher Feuerordnung, entstanden zwischen 1547 und 1551; jeweils mit Zusatzinformation für die Lehrkraft) veranschaulicht werden. Die erste, eher lange Quelle T 1 zeigt einmal mehr, dass landesherrliche Städte unter der stetigen Oberaufsicht der Landesherrschaft standen, und gibt einen interessanten Einblick in die Lebens- und Schulwirklichkeit des 16. Jahrhunderts (soziale Kontrolle des Einzelnen, Pflichten und Besoldung des Schulmeisters, Unterrichtsinhalte, Schulgeld und Begabtenförderung). Der Quellentext T 2 ist deutlich kürzer und daher auch für eine genauere sprachliche Analyse geeignet. Er macht zum einen deutlich, dass in früheren Jahrhunderten jeder Brand eine existentielle Bedrohung für die gesamte Stadt darstellte, und zum anderen, dass stadtbürgerliche Freiheit mit Pflichten korrelierte und die Bürgerschaft eine Verantwortungsgemeinschaft bildete.
Für Lerngruppen, die Gernsbach besucht haben, bieten sich die Textquellen T 1 und T 2 sowie die Arbeitsblätter AB 4 , AB 5 und AB 6 zur Nachbereitung der Exkursion an.

Im Übrigen sei darauf verwiesen, dass sich die sich mit Heraldik beschäftigenden Arbeitsblätter AB 3 , AB 4 und AB 5 in entsprechender Modifikation auch in anderen Unterrichtzusammenhängen (z. B. Burg, mittelalterliche adlige Lebenswelt) einsetzen lassen.

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- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Karlsruhe -