Heinrich Schickhardt und die Gründung von Freudenstadt

Methode

Hinweise zu den Arbeitsmaterialien, Kompetenzen, Lernorterkundung:

A. Die Arbeitsmaterialien

Sie sind von größter Wichtigkeit. Zwar steht die Lernorterkundung der Kernstadt im Mittelpunkt des zu bearbeitenden Themas, doch kann sie allein auf den meisten Klassenstufen die Aufgabenstellung (siehe Thema) nicht ganz erfüllen. Es bedarf vor allem zusätzlicher Materialien und Informationen zur Persönlichkeit Schickhardts, damit auch in einer Unterrichtseinheit wie dieser, die vorrangig auf Plänen aufbaut, andere Quellengattungen und ergänzende Fragestellungen berücksichtigt werden. Wenigstens einige Passagen aus seinem einzigartigen autobiographischen Zeugnis, dem "Inventarium", sollen den Schülerinnen und Schülern - jeweils altersspezifisch - den mit seinem Werk innigst verbundenen Heinrich Schickhardt nahe bringen. Weitere Einzelheiten zur Biografie können der Kurzbiografie  (Wikipedia)entnommen werden;.

 

1. Die Kernstadt von Freudenstadt 1959 ( B 1)

Grundriss von Freudenstadt 1959 (Ausschnitt)
Grundriss von Freudenstadt 1959 (Ausschnitt) © Freudenstadt Tourismus

Je nach Alterstufe und Schulart gilt für die Arbeit mit dem Plan nach dem Wiederaufbau:
Die SchülerInnen lesen aus dem Plan den sich deutlich von der übrigen Stadt abhebenden Baubefund der Kernstadt ab:

  • Grundriss (Vierzeilenplan)
  • übergroßer Marktplatz
  • Größenverhältnisse (Maßstab)
  • Winkelhakenkirche
  • Marktplatzgestaltung (Grünflächen, Einzelgebäude)
  • Kreuzung von Durchfahrtstraßen


Die SchülerInnen fragen oder recherchieren nach den Ursachen (historische Dimension: Schickhardt).
Die SchülerInnen erkennen die Probleme, die sich für die Städteplanung bzw. die Bewohner daraus ergeben.

Anmerkung: Die nun folgenden historischen Pläne wurden stark verkleinert, um ausdruckbare Arbeitsblätter herstellen zu können. Die in den Plänen enthaltenen Eintragungen sind dadurch nicht mehr lesbar. Dies kann im Unterricht vernachlässigt werden, da es sich überwiegend um Maßangaben handelt. Allein im Leinwandplan (B4a) sind Namen und Berufe der ersten Ansiedler zusätzlich vermerkt. Auf sie wird bei B4a eingegangen.

 

2. Baublockplan, Heinrich Schickhardts erster Plan für Freudenstadt ( B 2)

Der erste Entwurf: Baublockplan von 1599
Der erste Entwurf: Baublockplan von 1599 © Landesarchiv BW (Hauptstaatsarchiv Stuttgart)

Nach Schickhardts eigener Aussage ( T 1 ) stand dieser Entwurf 1599 am Anfang der Planungen für Freudenstadt.
Die SchülerInnen lesen den Baubefund ab:

  • unterschiedlich große Baublöcke (Hof oder kleiner Garten, von den Anrainerhäusern umschlossen);
  • merklich kleinerer Marktplatz;
  • Befestigung mit Spitzbastionen;
  • Schloss in Randlage, in die Befestigung integriert.
  • Die SchülerInnen diskutieren, weshalb der Herzog die Lage des Schlosses (Herzog Friedrich als Frühabsolutist: zentrale Lage des Schlosses) und die Gestaltung der Wohnbebauung ablehnte (weites Spekulationsfeld: Handwerkerhäuser, Bergknappenhäuser, strafferen Stadtgrundriss). Erkannt könnte schließlich werden, dass Schickhardts Baublockplan bewohnerfreundlicher war als die späteren Zeilenpläne.

 

3. Schickhardts Kompromissvorschlag ( B 3)

Die erste Überarbeitung: Der Kompromissvorschlag
Die erste Überarbeitung: Der Kompromissvorschlag
© Landesarchiv BW (Hauptstaatsarchiv Stuttgart)

Die SchülerInnen arbeiten vergleichend:
Der Plan zeigt Schickhardts erste Reaktion auf die Einwände des Herzogs. Befestigung und Lage des Schlosses bleiben jedoch vorerst unverändert; die Einbindung des Schlosses in die Befestigung war Bautradition. Die Wohnbebauung folgt bereits der Zeilenanordnung des Mühlebrettspiels, allerdings vor allem in der Marktplatzgestaltung noch nicht so konsequent wie später. In den schmalen Gassen geht der Blick jeweils von der Vorderseite des einen Hauses auf die Rückseite des gegenüberliegenden, was wegen der Schmalheit der Gassen wenig bewohnerfreundlich war. Der Herzog lehnte auch diesen Plan, allerdings wegen der Lage des Schlosses, ab.

 

4. Dreizeilenplan/Leinwandplan ( B 4a )

Leinwandplan zur Arbeit vor Ort
Leinwandplan zur Arbeit vor Ort © Landesarchiv BW (Hauptstaatsarchiv Stuttgart)

Der Leinwandplan war das Arbeitsexemplar des örtlichen Bauleiters Elias Gunzenhäuser, der an den entsprechenden Hofstätten Namen und Berufe der ersten Ansiedler eintrug.

Ausschnitt mit Eintragungen von Elias Gunzenhäuser
Ausschnitt mit Eintragungen von Elias Gunzenhäuser © Landesarchiv BW (Hauptstaatsarchiv Stuttgart)

Die SchülerInnen erkennen in einem ersten Schritt des Beobachtens den nochmals veränderten, nun als endgültig vorgesehenen Baubefund:

  • 3 nach dem Muster des Mühlebrettspiels angelegte Häuserzeilen;
  • Vergrößerung des Marktplatzes zur Aufnahme des Schlosses auf 780 Schuh Seitenlänge (223,2m);
  • zentrale Lage des Schlosses mit Spitzbastionen und Wassergraben;
  • Reduktion der Stadtbefestigung auf eine gerade Mauer mit runden Ecktürmen, eine damals bereits völlig veraltete Anlage;
  • 4 Ausfallstraßen.


Die SchülerInnen bewerten in einem zweiten Schritt den Plan je nach Schulart unter verschiedenen Aspekten wie z. B.

  • Lage des Schlosses: nach dem frühen Tod Herzog Friedrichs wurde es unter seinem Nachfolger nicht gebaut; der überdimensionale Marktplatz aber blieb als ein Problem für die Städteplaner bis heute bestehen;
  • Wohnbebauung: 3 Häuserzeilen; bevorzugte Bauplätze der ersten Ansiedler lagen an den Ausfallstraßen. Deren im Plan vermerkte Berufe weisen darauf hin, dass sie beim Bau der Stadt ihr Auskommen suchten: 1 Wirt, 3 Zimmerleute, 2 Maurer, 2 Bäcker, 1 Schneider, 1 Schmied, 2 Glaser, 1 Schuhmacher, 1 Bauverwalter. Hinzu kamen 3 wohl im Bergbau von Christophstal Tätige.
  • Zurücknahme der Befestigung: Zum Schluss blieb nur ein Plankenzaun mit Schlagbäumen an der Stelle der geplanten vier Tore (vgl. B 6 ). Das sinkende Interesse an einer aufwändigen Befestigung mag wohl damit zusammenhängen, dass Friedrich die Stadt und ihre Bewohner stärker in das vom Merkantilismus geprägte Wirtschaftsleben einbeziehen wollte und kaum mehr an einer Sperrfestung im Westen interessiert war; unter seinem Nachfolger war es dann eher eine Frage des Geldes.
  • Straßenführung: sie ging durch die vier vorgesehenen Tore über den zentralen Platz und ist die Voraussetzung für die heutige Kreuzung von Durchgangsstraßen auf dem Marktplatz.

5. Fünfzeilenplan für eine geplante Stadterweiterung ( B 5)

Erweiterung der Stadt: Der Fünfzeilenplan
Erweiterung der Stadt: Der Fünfzeilenplan © Landesarchiv BW (Hauptstaatsarchiv Stuttgart)

Da sich die Stadt zunächst positiv entwickelte, dachte der Herzog an eine Stadterweiterung. Schickhardt zeichnete 1604 einen Plan, der den Bestand des Leinwandplanes fortführte und nur die Häuserzeilen um zwei erweiterte, darum "Fünfzeilenplan". Die Stadt hätte dann etwa 5.000 Einwohnern Platz bieten können. Die Aufwärtsentwicklung hielt aber nicht an, vor allem der Tod des Herzogs machte viele Erwartungen zunichte. Noch im gleichen Jahr 1608 baten darum die Bürger von Freudenstadt seinen Nachfolger, wenigstens die 5. Häuserzeile zurückzunehmen, da noch nicht einmal die übrigen voll ausgebaut waren. So wurde Freudenstadt zu einer Vierzeilen-Anlage (vgl. die Abbildung auf dem Geschenktaler B 6).

6. Bericht Schickhardts über die Gründung von Freudenstadt ( T 1 )

Heinrich Schickhardt verfasste in den Jahren 1630 bis 1632 sein "Inventarium" - auf den ersten Blick scheinen es Auflistungen seines Grundbesitzes, seiner Bibliothek, seines Silbergeschirrs und seiner gesamten fahrenden Habe zu sein. Einen sehr großen Teil des Inventariums nimmt außerdem sein Werkverzeichnis ein, in dem er seine gesamten Arbeiten im öffentlichen und privaten Auftrag nennt. Betrachtet man aber dieses Inventarium genauer, erkennt man, dass es um vieles mehr als nur eine Auflistung ist. Es enthält Berichte, spontane Bemerkungen, Stellungnahmen, Werturteile, die es zu einem einzigartigen Selbstzeugnis Heinrich Schickhardts machen und natürlich auch zu einer Quelle für viele Ereignisse, in die er involviert war.

An erster Stelle seines Werkkatalogs erwähnt Schickhardt zum Jahr 1599 seine Mitwirkung beim Bau von Freudenstadt. Die Phasen der Stadtentstehung, über die er berichtet, lassen sich an unterschiedlichen Plänen, von denen die wichtigsten unter B2 bis B5 in diesem Modul wiedergegeben sind, nachvollziehen; Pläne und Inventarium, zwei unterschiedliche Quellengattungen, ergänzen sich also gegenseitig. Außerdem können die SchülerInnen daraus das Verhältnis von Herzog und Baumeister bei der gemeinsamen Arbeit an einem Projekt ablesen.

Zum Umgang mit der Quelle:
Es empfiehlt sich, je nach Alter und Arbeitshaltung der Klasse entweder sowohl Transkription als auch Übertragung vorzulegen, oder eben nur die hochdeutsche Fassung. Wird beides eingesetzt, ist es ratsam, den frühneuhochdeutschen Text laut zu lesen, da so mit Hilfe der eigenen Mundart die SchülerInnen vieles selbst entschlüsseln können und die Übertragung nur zur Unterstützung heranzuziehen brauchen. Damit ergibt sich eine fächerverbindende Zusammenarbeit mit dem Fach Deutsch.

 

7. Architekt Ludwig Schweizer zu seiner Lösung des Wiederaufbaus von Freudenstadt ( T 2 )

Der Architekt Ludwig Schweizer hatte nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst erfolgreich am Wiederaufbau von Crailsheim gearbeitet und wurde deshalb als Stadtbaurat nach Freudenstadt geholt, wo die Diskussion für und wider den Schickhardt-Plan zu keinem Ergebnis kam. Im Juni 1949 übernahm er die Leitung des Stadtbauamtes; bereits im Jahre 1954 konnte er den Wiederaufbau von Freudenstadt abschließen. Über das Verhältnis seiner Wiederaufbau-Planungen zu denen Schickhardts äußerte er sich in der Schwarzwaldzeitung "Der Grenzer" am 25.11.1950.

Die SchülerInnen vor allem der S II können sich an Hand des aktuellen Stadtplans ( B 1), konkretisiert durch Fotos aus der Zeit nach dem Wiederaufbau ( B 7a und B 7b) mit dem Text auseinandersetzen. Ziel ihrer Arbeit ist es, die Grundsätze Schweizers - thesenhaft formuliert - zusammenzustellen und mit Beispielen aus den genannten Materialien zu konkretisieren.

 

8. Schickhardt erläutert im Inventarium seine Arbeitsweise ( T 3 )

Wenn man den gesamten Umfang von Schickhardts Werkkatalog betrachtet, stellt sich sofort die Frage, wie eine solche Fülle von Aufträgen von einem einzigen Menschen bewältigt werden konnte, umso mehr als die oft beachtlichen Entfernungen zu Pferd zurückgelegt werden mussten. Schickhardt kam dieser Frage gleichsam zuvor, indem er sich am Beginn des Werkkatalogs zu seiner Arbeitsweise äußerte.

Die SchülerInnen sollen sich bewusst machen, dass er seine Vorgehensweise nur durchhalten konnte, wenn er fast überall auf einen Stamm fähiger Handwerker traf, denen er - vermutlich schriftliche - Anweisungen gab, die so verfasst sein mussten, dass diese damit auch umgehen konnten. Außerdem fällt auf, dass er trotz seiner Fähigkeiten und seiner Stellung auch auf den Rat anderer hörte, ja ihn gelegentlich sogar ausdrücklich anforderte.

Zur Methodik im Umgang mit den Materialien siehe die Hinweise zu T 2 .

 

B. Kompetenzen

Folgende Kompetenzen können am historischen Lernort und im Klassenzimmer vermittelt und trainiert werden; sie treffen allerdings nicht für alle Altersgruppen und Schularten gleichermaßen zu bzw. müssen jeweils an sie angepasst werden:

Fachspezifische Kompetenzen:

  • Landesgeschichte um 1600, Stadtgeschichte im SW
  • Einsicht in Kontinuität und Wandel
  • Quellenarbeit: Umgang mit Textquellen sowie Umgang mit und Vergleich von Plänen

Methodische Kompetenzen:

  • Literaturrecherche: Bebauung und Besiedlung, historischer Kontext
  • Spurensuche
  • Erarbeitung einer Fotodokumentation (für Präsentation und/oder für Ausstellung)
  • Präsentationstechniken: vor Ort oder mediengestützt

 

C. Die Lernorterkundung

Sie erfolgt grundsätzlich in drei Schritten: Arbeit vor Ort, unterrichtliche Vor- und Nachbereitung; letztere erhalten aber mit zunehmendem Alter der Schüler über ihren hinführenden bzw. wiederholend vertiefenden Charakter hinaus ein besonderes Maß an Eigenständigkeit zur Erarbeitung von ergänzenden Sonderaspekten wie z. B. dem der Biografie Schickhardts.

1. Vorbereitungsphase:

Es empfiehlt sich, in der Grundschule die Lernorterschließung für die 4. Klasse zu planen, wenn die SchülerInnen bereits im Fächerverbund MeNuK in den Umgang mit Karten und Plänen eingeführt worden sind. Die unterrichtliche Vorbereitung kann sich auf die Orientierung am modernen Stadtplan ( B 1) von Freudenstadt beschränken, ergänzt durch die verbale Vermittlung einiger Informationen zur Biografie Schickhardts.
In der Hauptschule könnte man zum aktuellen Stadtplan der Kernstadt den historischen Dreizeilenplan ( B 4a bzw. B 4c) bereits zur Einarbeitung hinzufügen.

In der Realschule und der Sekundarstufe I des Gymnasiums bietet es sich an, da in beiden Schulen Geschichte als eigenständiges Fach unterrichtet wird, den vom Herzog verworfenen Baublockplan ( B 2 ) in die Einarbeitung mit einzubeziehen; denn durch den Vergleich dieses verworfenen mit dem realisierten Plan ( B 4a) kann der Blick auf den Frühabsolutismus des Herzogs gelenkt werden (Lage des Schlosses).
Als Zusatzinformationen sollten einige Hinweise auf Grundsätze der baulichen Umsetzung gegeben werden, um später den historischen Plan von dem des Wiederaufbaus ( B 1) abgrenzen zu können.

Auf der Sekundarstufe II des Gymnasiums wird die Einarbeitung in die unterschiedlichen Pläne Freudenstadts (B1-5) der unterrichtsbegleitenden Eigentätigkeit der SchülerInnen überlassen. Die unterrichtliche Vorbereitung konzentriert sich (überwiegend Gruppenarbeit) auf den Bericht Schickhardts im "Inventarium" über die Planung und Errichtung Freudenstadts ( T 1 ) und die Frage von Kontinuität und Wandel im Verhältnis des Wiederaufbau-Architekten Ludwig Schweizer zu Schickhardts Entwurf ( T 2 ). Weiteres vertiefendes Material zur Person Schickhardts kann in der Nachbereitung eingesetzt werden ( T 3 ).

2. Lernorterkundung:

In der Grundschule wird sich die Arbeit vor Ort vorrangig im Deskriptiven bewegen. Vielleicht ist es technisch möglich, dass die SchülerInnen die Länge wenigstens einer Seite des quadratischen Marktplatzes durch eigenes Messen feststellen können.

Da in der Hauptschule in der Vorbereitung der Dreizeilenplan zum aktuellen Plan hinzugezogen wurde, empfiehlt es sich, die Klasse für die Erkundung zu teilen. Die eine Hälfte (inwieweit Untergruppen gebildet werden, hängt von Größe und Gewohnheiten der Klasse ab) sucht in der heutigen Kernstadt die Reste der Planungen Schickhardts ( B 4a bzw. B 4c), die andere prüft die modernen Abweichungen ( B 1). Anschließend präsentieren beide das Gefundene. Als methodische Variante bietet sich das Ausgliedern einer dritten Gruppe, die eine überblickartige Fotodokumentation der Kernstadt erstellt und daraus eine Präsentation zur Nachbereitung der Erkundung anfertigt.

Wenn die von den Lernenden sehr geschätzte Methode einer Fotodokumentation auch für die Lernorterkundung auf der Sekundarstufe I von Realschule und Gymnasium eingesetzt wird, umfasst sie entsprechend der vielschichtigeren Vorbereitung keine überblickartigen, sondern ganz gezielte Fotoaufträge, die mit Hilfe von B 1 und B 4a realisiert werden. Damit sind mehrere Gruppen befasst; ihr Gesamtergebnis sollte problemorientiert sein (z. B. das Nebeneinander von Alt und Neu im Erscheinungsbild der Kernstadt). Es empfiehlt sich, eine solche Dokumentation anschließend auf Schautafeln in der Schule zu zeigen.

Die SchülerInnen der Sekundarstufe II des Gymnasiums werden für eine Spurensuche in der Kernstadt in Gruppen je nach dem von ihnen in der Vorbereitung schon bearbeiteten Textmaterial eingeteilt. Sie erhalten den Auftrag, das in den Texten Ausgesagte am Befund des Lernorts - gestützt auf B1-B5 - zu messen. Die Lernorterkundung endet mit den jeweils themenspezifischen kurzen Präsentationen vor den Objekten. Eine kritische Stellungnahme zum Verhältnis von Befund zu Arbeitsmaterial wird erwartet.

3. Unterrichtliche Nachbereitung:

Die Nachbereitung hat die Aufgabe, das am Lernort Erarbeitete inhaltlich und/oder methodisch zu wiederholen und zu vertiefen, wobei auf bloßes, in seiner Wirkung eher demotivierendes Abfragen verzichtet werden sollte.

In der Grundschule könnte versucht werden, die SchülerInnen mit dem Dreizeilenplan ( B 4a) zu konfrontieren, um auf diese Weise sowohl den Grundriss der Kernstadt zu vertiefen als auch den Umgang mit Plänen zu trainieren.

Sollte in der Hauptschule während der Lernorterkundung eine Fotodokumentation, wie vorgeschlagen, erstellt worden sein, eignet sich ihre gemeinsame Betrachtung und Bewertung für die vertiefende Wiederholung.

Auf der Sekundarstufe I von Realschule und Gymnasium würde die Ausstellungsgestaltung der gemeinsam erstellten themengebundenen Fotodokumentation (z. B. Alt neben Neu in der Kernstadt) die Anforderungen erfüllen, die an die vertiefende Wirkung einer Nachbereitung gestellt werden.

Für die Sekundarstufe II des Gymnasiums bieten sich vor allem eine vertiefende Beschäftigung mit der Person Schickhardts und seinen Aufgaben an ( T 3 und selbständige Literaturrecherche), um die Persönlichkeit und die Bedeutung seines Werkes und Nachlasses hervorzuheben - ein oberstufenspezifisches Zusatzangebot zur Lernorterkundung.

 

Behandlung des Themas in der Schule:

D. Behandlung des Themas in der Schule - Abgrenzung von der Lernorterkundung:

Wird das Thema "Heinrich Schickhardt und die Gründung von Freudenstadt" im traditionellen Unterricht im Klassenzimmer bearbeitet, so tritt an die Stelle der Lernortfunktion von Freudenstadt die eines Lieferanten von Informationen. Sie werden über die Schickhardtpläne und den heutigen Stadtplan vermittelt. Manches zu deren Ausgestaltung allerdings, das sich bei der Arbeit vor Ort durch den Augenschein gleichsam von selbst ergeben hatte, muss jetzt zusätzlich recherchiert werden. Die Textquellen hatten schon zuvor ihren Platz im vor- und nachbereitenden Umfeld zur Lernorterkundung, so dass sich an ihrer Stellung wenig ändert. Erschwert werden könnte allerdings die gesamte Arbeit durch den Wegfall der motivierenden Wirkung des außerschulischen Lernortes.

Durchführung:
Da auf der Sekundarstufe II bereits im Umfeld der Lernorterkundung der Anteil der selbständigen, nicht lernortgebundenen Arbeit (Literaturrecherche, Quellenarbeit) deutlich höher anzusetzen ist als auf den übrigen Stufen, werden sich diese SchülerInnen mit der Bearbeitung des Themas im Klassenzimmer nicht schwer tun. Anders dagegen die übrigen.

An der Grundschule sollte man von einer Begrenzung auf das Klassenzimmer möglichst Abstand nehmen. Die SchülerInnen sind für ein so außerhalb ihrer Erfahrungen liegendes Stadtbild, wie es das von Freudenstadt für sie ist, auf die Konkretisierung durch die Arbeit vor Ort angewiesen.

Für die Sekundarstufe I kann man generell von folgendem Grundmuster ausgehen: Planung einer neuen Stadt (Inventarium) - wer war Heinrich Schickhardt? - wer war Herzog Friedrich I.?  - Gründe für die Neuanlage - historische Pläne der Neuanlage - Diskussion der Pläne - Zerstörung 1945 - Wiederaufbau ( T 2 ).

Dieses Grundmuster wird durch Reduktion oder volle Übernahme der jeweiligen Schulart angepasst.