Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.


Bücher des Monats Mai 2005

In diesem Monat empfehlen wir folgende drei Bücher:


Evelyn Holst: Wie ich Papas Geliebte vergraulte - oder Sky sei Dank

C.Bertelsmann Jugendbuch Verlag
ISBN 3-570-12749-4

Bild"   Warum lässt ein "uralter" Studienrat um die Fünfzig sich das Doppelkinn absaugen? Klar – er geht fremd! Und, wie Tochter Mariele und ihre Freundin Sophie herausfinden, mit einer jungen Referendarin. Da gilt es, die Affäre zu torpedieren – nach allen Regeln der Kunst. Als dann alles nichts hilft, soll Mutters silberlockiges Idol, Sky du Mont, Star und Traummann den abtrünnigen Vater eifersüchtig machen um ihn so wieder an den heimatlichen Herd zurückzuholen. Das scheint zu klappen, doch da deuten sich neue Komplikationen an. Hier erwacht Mariele aus einem Alptraum , aber: Vater trägt einen Kinnverband.

Die Geschichte wird forsch und witzig mit jugendlich-ätzendem Blick auf die Erwachsenenwelt erzählt, mit skurrilen Nebenschauplätzen und dem üblichen Inventar der Teenie-Welt: Liebeskummer, Pickel, Zoff mit den Eltern. Doch durch die coole Attitüde der Ich-Erzählerin Mariele wird die Verletztheit und Verletzlichkeit des vierzehnjährigen Mädchens sichtbar.

Altersempfehlung: ab 13 Jahre

(Andreas Wiemann, Arbeitskreis Leseerziehung)



Annika Thor: Eine Insel im Meer / Eine Bank im Seerosenteich / In der Tiefe des Meeres / Offenes Meer

Carlsen Verlag, Hamburg 2001 (Erstauflage 1996)

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis

Bild"   Die beiden Schwestern Steffi und Nelli werden von ihren jüdischen Eltern nach Schweden geschickt, wo sie vorläufig in Sicherheit dein sollen, bis die Eltern gemeinsam mit ihnen nach Amerika ausreisen dürfen. Die Schwestern müssen in die schwedische Sprache und Lebensweise hineinfinden und auch mit Feindseeligkeiten zurechtkommen, wobei sie die Probleme verschieden meistern. Die Eltern jedoch werden zu Kriegszeiten die Ausreisegenehmigung nie erreichen. Die Mutter stirbt an Typhus im Lager Theresienstadt, der Briefkontakt mit dem Vater bricht ab. Nach dem bejubelten Kriegsende gelingt der Kontakt zum tot geglaubten Vater und die Übersiedlung nach Amerika steht in Aussicht.

Die vierbändige Geschichte der Geschwister zeigt die Kriegszeit und das Kriegsende aus kindlicher, in den Folgebänden aus jugendlicher Sicht.

Altersempfehlung: ab 13 Jahre

(Andreas Wiemann, Arbeitskreis Leseerziehung)



Reimmichl: Von Lausbuben und anderen Schelmen

Tyrolia-Verlag Innsbruck-Wien, Verlagsanstalt Athesia Bozen, 2003
ISBN 3-7022-2521-8 bzw. 88-8266-276-4

Ein Lesebuch zusammengestellt von Paul Muigg

Bild"   Der Tiroler Pfarrer Sebastian Rieger (1867-1953), besser bekannt unter seinem Pseudonym "Reimmichl", hat mit seinen lustigen Lausbuben- und Schelmengeschichten schon mehrere Generationen von Lesern erfreut und er ist auch heute noch lesenswert. Seine Geschichten darf man durchaus in einer langen Tradition sehen: Till Eulenspiegel, Freiherr von Münchhausen oder Johann Peter Hebel möchte ich stellvertretend für viele andere nennen. Obgleich diese Erzählungen vor etwa 100 Jahren geschrieben worden sind, haben sie noch kaum etwas von ihrer Frische und ihrem unwiderstehlichen Charme eingebüßt. Neben seinen zahlreichen Büchern ist Sebastian Rieger vor allem durch seinen Tiroler Kalender (ab 1920), der seit 1925 als "Reimmichels Volkskalender" erschienen ist, in ganz Tirol und darüber hinaus vielen Lesern zu einem Begriff geworden.

Ob der kleine Grundschüler Fritz seinem Vater einen Glückwunschbrief zum Namenstag schreibt, für den er sich den Liebesbrief seiner älteren Schwester Mali zur Vorlage nimmt, oder ob wir in eine kleine Tiroler Dorfschule geführt werden, wo der Schulmeister mitten im heißen Sommer bei der unangemeldeten Ankunft des Schulinspektors von diesem schlafend vorgefunden wird, ob der steinreiche, ledige Waldbauer Grillmoser drei Absagebriefe von Bräuten sammelt, um der neuen Junggesellensteuer zu entgehen, ob der frischgetraute Kufner-Martl, den seine Liebste in den April schicken will und nachher selber die Genarrte ist oder ob der alte Larchbauer seinen Söhnen Matthes und Thaddes seinen Hof laut Testament nur dann geben will, wenn sie innerhalb von sechs Monaten verheiratet sind - in all diesen Geschichten erweist sich "Reimmichl" als unterhaltender und humorvoller Erzähler, der sicher auch heute noch Leser begeistern und fesseln kann. Ein bisserl Vertrautheit mit dem alpenländischen Dialekt braucht man allerdings, um die hübschen Geschichten voll genießen zu können.

144 Seiten, geeignet ab Klasse 9

Altersempfehlung: ab 14 Jahre

(Dr. Klaus Füller, Arbeitskreis Leseerziehung)