Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.


Bücher des Monats September 2008

In diesem Monat empfehlen wir folgende Bücher:

Hortense Ullrich/ Joachim Friedrich: PinkMuffin@BerryBlue Betreff: IrrLäufer (ab 12 Jahre)

Hortense Ullrich/ Joachim Friedrich: PinkMuffin@BerryBlue Betreff: LiebesWahn (ab 12 Jahre)

Regina Rusch: Nicht mit Timo! Eine Geschichte über Gewalt in der Schule (ab 9 Jahre)

Becky Bloom / Pascal Biet: Der kultivierte Wolf (ab 6 Jahre)

Hortense Ullrich/ Joachim Friedrich: PinkMuffin@BerryBlue Betreff: IrrLäufer

Thienemann 2007
ISBN 978-3-52217902-7
239 Seiten, kartoniert

Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Alles beginnt mit einer fehlgeleiteten E-Mail von BerryBlue an PinkMuffin, die dazu führt, dass zwei Jugendliche, die absolut nichts miteinander gemeinsam haben, aufeinandertreffen – zumindest per E-Mail. Er hilft im Café seiner Eltern aus und sie ist eine aufmüpfige Tochter aus wohlhabendem Hause. Lediglich über ihre Oma, die gelegentlich Torte und die berühmten Walkürebällchen im "Café Kränzchen" bestellt, kennt MAX (Mathilda Antonia Xenia) alias PinkMuffin das Geschäft von Berrys Eltern, nicht aber ihn selbst.

Nach anfänglicher Ablehnung entsteht dann doch eine gewisse Neugier am Leben des anderen und als MAX den Privatdetektiv Kuhlhardt mit seinem Kollegen Lipinski beauftragt, Berry zu helfen, rollt eine spannende, witzige und originelle Lawine von Ereignissen unaufhaltsam weiter.

Lipinski entpuppt sich als Kuhlhardts Hund, der zum Aufklären der Ereignisse auf seine Weise beiträgt: Auf Fragen antwortet er mit einem zustimmenden "Joff" oder ablehnenden "Nöff" und gibt so – wie sich erstaunlicherweise herausstellt – wesentliche Hinweise zur Aufklärung des Falls.

Doch worum geht es überhaupt? In seiner ersten Mail berichtet Berry von einem wilden Spektakel im Café Kränzchen, in dem nach seinen Angaben jeder, der dort hereinkommt und unter 50 ist, den Altersdurchschnitt der "Stammomis" erdrutschartig senkt: Zwei schrill auftretende Omas haben das ganze Geschäft in Aufruhr versetzt!

Die beiden behaupteten, in den Walkürebällchen sei entgegen der Angaben doch Alkohol gewesen, und das habe bei einer der beiden Omas nun einen verheerenden Anfall ausgelöst: Sie gackerte wie ein wildes Huhn durchs Café und wollte sogar ein Ei legen. Die andere Oma empörte sich daraufhin heftig und sehr lautstark, sie kündigte sogar an, einen Anwalt einzuschalten! Der ließ dann auch nicht lange auf sich warten…

MAX kann die unglaubliche Erzählung erst gar nicht glauben, aber schließlich beauftragt sie zu Berrys großer Überraschung die Privatdetektei "Kuhlhardt und Lipinski", sich um die "Oma-Vergiftungssache" zu kümmern. Doch die Ereignisse überstürzen sich:

Um MAX einen Gefallen zu tun, spioniert Berry in einem Schönheitslabor und wird schließlich verhaftet. MAX selbst muss mit einem Koffer voller Socken nach England flüchten und soll von ihren Eltern aus Sicherheitsgründen in ein Internat gebracht werden. Mehr aber soll hier nicht verraten werden…

Den Bestseller-Autoren Hortense Ullrich und Joachim Friedrich ist ein spritziger, unterhaltsamer und spannender E-Mail Roman gelungen, in dem sich die Ereignisse geradezu überschlagen und die Leser immer wieder überrascht werden, sei es von dem coolen Gespann Kuhlhardt und Lipinski, seiner ALDI-süchtigen Sekretärin oder pokernden Omis. Der pfiffige, temporeiche Roman voller Überzeichnungen und Komik ist komplett in E-Mails verfasst und wechselt die Schriftfarbe von blau zu pink, je nachdem ob BerryBlue oder PinkMuffin erzählt.

Die beiden Protagonisten zeigen zunehmend Sympathie füreinander, obwohl beide das natürlich nicht zugeben würden. Doch so neugierig und gespannt die beiden liebenswerten und komischen Helden (und natürlich die Leser) auf ihre erste Begegnung warten, immer kommt etwas dazwischen! Bis zum furiosen Schluss müssen alle warten, jetzt endlich scheint ein Treffen zu klappen – und genau an dieser Stelle endet das Buch…!

(wm, Arbeitskreis Leseerziehung)


Hortense Ullrich/ Joachim Friedrich: PinkMuffin@BerryBlue Betreff: LiebesWahn

Thienemann 2007
ISBN 978-3-52217903-4
234 Seiten, kartoniert

Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Dieses Buch ist die Fortsetzung von "PinkMuffin@BerryBlue Betreff: IrrLäufer". Zwei weitere Titel aus dieser Reihe sind für das Jahr 2008 angekündigt ("PinkMuffin@BerryBlue Betreff: FernWeh" sowie "PinkMuffin@BerryBlue Betreff: DiebesGut").

Und weiter geht’s im Sauseschritt…

Noch immer sind sich Pink Muffin und Berry Blue, die sich über eine fehlgeleitete E-Mail kennengelernt haben und völlig verschieden sind, nicht begegnet, obwohl sie schon einige Abenteuer gemeinsam gemeistert haben! Statt des lang ersehnten Treffens, das am Ende des 1. Bandes endlich zu klappen schien, taucht MAX (Pink Muffin, eigentlich Mathilda Antonia Xenia von Hardenberg) im Rokoko-Kostüm im Cafe von Berrys Eltern auf. Berry jedoch ist zu der Zeit auf dem Weg zu MAX, um die geretteten Schweine namens Gotthilf und Genoveva bei ihr unterzubringen.

Ähnlich wie im ersten Band überschlagen sich die Ereignisse. Der coole Privatdetektiv Kuhlhardt hat sich tatsächlich in das französische Hausmädchen der Familie von Hardenberg namens Colette verliebt. Doch Colette schwärmt auch für den neuen englischen Gärtner Cedric und tut alles, um in seiner Nähe zu sein ("Isch müss nür noch die Garteweg mit die Staubsauger saugen."). Kuhlhardt ist enttäuscht und taucht unter.

Im Cafe von Berrys Eltern unterhält die neue Serviererin Kassandra, deren Hobby Kampfsport ist, die "Stammomis" und als Berry von einem Widersacher bedroht wird, ist Kassandra sogleich zur Stelle, um ihn zu verteidigen. Berry stellt daraufhin fest, dass sie sogar gut fürs Geschäft ist! ("Kassandra wendet sich wieder an unsere Stammomas. ‚Habt ihr gut aufgepasst, Mädels?’ Die Omas nicken, dass die Gebisse klappern. ‚Gut. So geht man mit aufdringlichen Typen um. Wenn ihr wollt, kann ich euch bei Gelegenheit ein paar Tricks zeigen. Einverstanden?’ Das Gebissklappern wird lauter. ’Schön. Und wer möchte jetzt noch ein Tässchen Kaffee oder ein Stückchen Kuchen?’ Mit einem Schlag sind alle Hände oben.")

Kuhlhardts Hund Lipinski hat Liebeskummer, denn die Hundedame Rosalie, die vorübergehend bei Colette wohnt, hat plötzlich nur noch Augen für das Schwein Gotthilf. Um Lipinski über seinen Liebeskummer hinwegzutrösten, geht Berry mit ihm ins Kino, denn das soll laut Kuhlhardt helfen! Berry selbst gerät in immer neue Katastrophen. Bei der Polizei ist er inzwischen zum "Stammgast" geworden.

Die Schweine entpuppen sich schließlich als dressierte Kunstdiebe, die ein wertvolles Picasso-Gemälde verschwinden lassen; plötzlich aber sind – zum Entsetzen von Berry und MAX – die Schweine selbst unauffindbar! Dann wird auch noch MAX entführt und Berry mal wieder verhaftet…

Auch der 2. Teil des E-Mail-Romans ist witzig und originell geschrieben. Die temporeiche und spannende Handlung ist voller Komik und hält für die Leser bis zum Schluss einige Überraschungen bereit. Und wieder bleibt es am Ende offen, ob sich die beiden Protagonisten zum vereinbarten Termin am Flughafen endlich das erste Mal persönlich begegnen werden!

(wm, Arbeitskreis Leseerziehung)


Regina Rusch: Nicht mit Timo! Eine Geschichte über Gewalt in der Schule

Omnibus 2007
ISBN 978-3-570-21824-2
188 Seiten, kartoniert

Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Mit Vignetten von Iris Hardtt

Timo ist zwar kein Musterschüler, aber in der Schule kommt er eigentlich ganz gut zurecht. Im Unterricht sitzt er neben seinem Freund Basti und in den Pausen spielt Timo Fußball zusammen mit seinen Freunden Dominik, Selcuk und Basti.

Doch als Artur in die Klasse kommt, wird alles anders. Artur hat eine große, kräftige Statur und wirkt auf Timo sehr arrogant und selbstherrlich. Wenn ihm etwas nicht passt, schlägt er zu, auch wenn er nur versehentlich angerempelt wird. Als Timo ihm seine Matheaufgaben leiht, gibt Artur sie nicht zurück und täuscht stattdessen vor, sie gar nicht von Timo bekommen zu haben. Spätestens jetzt weiß Timo, dass Artur ihn ausgetrickst hat und die beiden keine Freunde werden können. Doch Timo lässt sich Arturs Verhalten nicht gefallen und klärt die ganze Angelegenheit auf.

Dadurch ist Arturs Zorn geweckt und Timo erwartet täglich dessen Rache. Doch erst in der Sportstunde ist es soweit: Bei einer Turnübung am Kasten zieht Artur im letzten Moment Timo die Matte weg, so dass dieser mit voller Wucht auf dem Boden aufprallt. Zum Glück ist Mona sofort da, Timos Mitschülerin, die er sehr gern mag. Mona kümmert sich gleich um Timo, da der Sportlehrer zum Entsetzen der Freunde die Angelegenheit als Nichtigkeit abtut.

Immer wieder treten Situationen auf, in denen Artur versucht, Timo bloß zu stellen oder ihn körperlich anzugreifen. Timo wird von Artur gemobbt. Er hat Angst und fühlt sich allein gelassen. Doch als die Klasse einen neuen Sportlehrer bekommt, begreift Timo – gestärkt durch Mona und Basti an seiner Seite –, dass er selbst Artur Grenzen setzen muss…

Ein Roman über Freundschaft, aber auch Mobbing in der Schule. Der Leser wird Zeuge, wie sich der Protagonist mit dem Thema Mobbing immer intensiver auseinandersetzt und schließlich den Mut fasst, selbst Grenzen zu setzen.

(wm, Arbeitskreis Leseerziehung)


Becky Bloom / Pascal Biet: Der kultivierte Wolf

Lappan Verlag GmbH, 2008
ISBN 978-3-8303-1139-3
32 Seiten

Altersempfehlung: ab 6 Jahre, als Vorlesebucg bereits ab 4 Jahre
Zuordnung zu den Bildungsstandards: BS 2

Wölfe haben bekanntlich nur eins im Sinn: Fressen! Wie wir aus Märchen und vielen anderen Geschichten wissen, machen sich Wölfe bevorzugt über kleine Schweinchen (Three little pigs), Großmütter (Rotkäppchen) und Geißlein (Der Wolf und die sieben Geißlein) her. So auch der Wolf in dieser Geschichte. Als er wieder einmal Hunger verspürt, zieht es ihn zu einem Bauernhof ihn der Nähe. Dort trifft er zu seiner Verwunderung auf lesende Tiere. Da er jedoch sehr hungrig ist, denkt er nicht weiter darüber nach und legt sein gewohntes Imponiergehabe an den Tag: Er springt mit lautem Gebrüll auf die lesenden Tiere zu und muss verblüfft feststellen, dass sich die Kuh, das Schwein und die Ente von ihm nicht beeindruckt zeigen – ganz im Gegenteil – sie weisen den Wolf nachdrücklich an zu verschwinden, damit sie in Ruhe weiterlesen können.

Der Wolf, der noch nie so behandelt worden war, beschließt auch kultiviert zu werden und geht in die Schule, um lesen zu lernen. Nachdem die Kinder es zunächst sonderbar finden, einen Wolf als Mitschüler zu haben, gewöhnen sie sich schnell an ihn. Als er die ersten Lesekenntnisse erworben hat, rennt er sofort zum Bauernhof, um seine neuen Fähigkeiten zu präsentieren. Leider lassen sich die lesenden Tiere auf dem Bauernhof von seinen Lesekünsten überhaupt nicht beeindrucken und machen ihm deutlich, dass er bis zum kompetenten Leser noch einen weiten Weg vor sich hat.

Der Wolf gibt nicht auf und begibt sich geradewegs in die Leihbücherei, wo er so lange übt, bis er fließend kann. Nun ist er sich sicher, dass die Tiere seine Lesekünste bestaunen werden. Immerhin bemerkt das Schwein, dass sich der Wolf gebessert hat, meint aber, dass er noch an seinem Stil arbeiten muss. Trotz dieser Enttäuschung gibt der Wolf nicht auf und kauft sich in einer Buchhandlung sein erstes eigenes Buch. Tag und Nacht liest er darin, denn er will doch von den Tieren auf dem Bauernhof bewundert werden. Endlich ist er soweit, dass er wieder zum Bauernhof geht und diesmal am Gartentor klingelt. Nachdem er den Tieren ein Märchen vorgelesen hat, bitten diese um eine weitere Geschichte und so liest er Geschichte um Geschichte. Der Wolf denkt nicht mehr daran, die anderen Tiere zu fressen und ist gern gesehener Gast bei deren Picknick. Am Ende der Geschichte beschließen die Bauernhoftiere und der Wolf gemeinsam als Geschichtenerzähler um die Welt zu fahren.

Der kultivierte Wolf ist eine wunderbare Geschichte über die Magie des Lesens, die bei jungen Lesern Lust auf Lesen macht und die Erwachsenen mit seinem sprachlichen Witz zum Schmunzeln bringt. Die ausdrucksstarken Zeichnungen stellen den Wandel vom grimmigen Wolf zum Geschichtenerzähler und Freund der Bauernhoftiere anschaulich dar. Die lesenden Tiere bilden einen kultivierten, elitären Kreis, zu dem nicht jeder Zutritt hat. Lesen wird damit total "Hipp" - auf jeden Fall für dem Wolf und hoffentlich auch für die jungen Leser.

(Kim, Arbeitskreis Leseerziehung)