Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.


Bücher des Monats Oktober 2008


Die 68 Revolution - 40 Jahre ist das jetzt her. Viele verbinden mit dieser Zeit Gewalt, Aufstand gegen geltende Regeln und Eltern - Kind - Kontroversen. Beim Lesen von zwei ganz unterschiedlichen Büchern zum Thema Gewalt, eines über einen 68 er und eines mit Alltagserfahrungen zum Thema Gewalt heute - können die Unterschiede auch des historischen Umfeldes deutlich werden.

Reiner Engelmann (Hg.): Keiner hat was gesehen! Texte über Gewalt an der Schule (ab 12 Jahre)


Roland Lang: Ein Hai in der Suppe (ab 15 Jahre)

Reiner Engelmann (Hg.): Keiner hat was gesehen! Texte über Gewalt an der Schule

cbt Taschenbuch, April 2007
ISBN 978-3-570-30387-0

Altersempfehlung: ab 12 Jahre

"Memo, Mütze ab! … Alina, Kaugummi raus! Wie oft soll ich das noch sagen? … Kevin, schlafen kannst du zu Hause. Nimm den Kopf vom Tisch … Himmel noch mal, jetzt packt eure Handys weg. Und setzt euch richtig hin! Mir platzt gleich der Kragen!"

Jeden Morgen das Gleiche.

Und so geht es weiter an dem Morgen. Die Lehrerin will und kann nicht aufhören, die Kinder, die Jungen zu erziehen, und das heißt, ihnen zusagen, was und wie sie es richtig machen sollen.

Der Satz "Jetzt setzt dich doch endlich mal hin", wobei die Lehrerin an der Schulter zieht, ist letztendlich Auslöser für Gewalt von Seiten des Jungen Kevin gegenüber seiner Lehrerin. Aber als er die Reaktion der anderen sieht bekommt er Angst.

Solche und ähnliche Texte im Buch können Gespräche bei Lehrern, Eltern und Kindern auslösen, ein wichtiger Beitrag zur Gewaltprävention.

Was verursacht Gewalt? Spielen Medien eine Rolle? Wie äußert sich Gewalt an der Schule, wer sind die Täter, wer die Opfer? Wie reagiert die Schule? Namhafte Autoren wie Nina Schindler, Wolfram Hänel u. a. sowie Fachleute der Stiftung Civil-Courage und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung beleuchten für Schüler, Lehrer und Eltern das Thema Gewalt in Kurzgeschichten, Reportagen und Sachbeiträgen, die zum Nachdenken, Diskutieren und Handeln auffordern.

Es sind eindringliche Texte, die nah an Alltagserfahrungen sind. Speziell für die, die es am meisten betrifft: Kids ab 12. Der Reader eignet sich auch gut für den Unterricht.

(MW, Arbeitskreis Leseerziehung)


Roland Lang: Ein Hai in der Suppe

DRW-Verlag Weinbrenner, überarbeitete Neuauflage 2008
ISBN 978-3-7650-8380-8

Altersempfehlung: ab 15 Jahre

Karlsruhe im Jahr 1967, am Vorabend der Studenten-Revolte von1968: Der 20-jährige Grafiker Philipp Ronge verliert seinen einzigen Auftraggeber, die Firma Urban. Er verdingt sich als unterbezahlte Aushilfskraft im Kaufhaus Mühlen und erlebt nun die Ausbeutung der Arbeitnehmer am eigenen Leib. Nicht als Student sondern als ökonomisch Betroffener erfährt er, wie stark das Private politisch ist. Gemeinsam mit anderen gründet er den Republikanischen Club und mietet eine Wohnung, in der schließlich revolutionäre Pläne geschmiedet werden.

Seine Eltern sind konservative Spießbürger, mit denen er bei Familienfesten und ähnlichen Anlässen heftige Diskussionen führt. Für den Leser wird sichtbar, wie weit er sich ideologisch vom Elternhaus entfernt. Er zieht in eine Kommune, in der Sozialismus praktisch gelebt werden Schließlich gerät Philipp in das Umfeld der KPD. Noch gibt er die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft nicht auf.

Überarbeitete Neuauflage des Romans von 1975 von Roland Lang, der 1975 mit dem Stuttgarter Literaturpreis ausgezeichnet wurde.

Martin Walser hat in der "Frankfurter Rundschau" diesen Erstlingsroman bewundert, was die Schreibkunst des Autors betrifft; er hat allerdings den Schluss kritisiert. Dort wird beschrieben, wie der Held — der Hai in der Suppe — sich eingliedert in die DKP. In diesem Roman aber wirke das wie ein aufgesetzter, wie ein unvermittelter Märchenschluss. Mir ging es beim Lesen anders, für mich war dieser Schluss die einzig mögliche Konsequenz, die Philipp Ronge aus seinen Erfahrungen noch ziehen konnte.

40 Jahre 68er-Bewegung - ein Buch, das für Jugendliche die Beweggründe der Betroffenen anschaulich vor Augen führt.

(MW, Arbeitskreis Leseerziehung)