Brexit!

"Divorce in haste, repent at leisure"
Am 23. Juni 2016 entschied die britische Wählerschaft mit einer Mehrheit von 52% zu 48%, dass das Vereinigte Königreich nicht mehr Mitglied der Europäischen Union sein soll. - Anlass war der "deal", den die britische Regierung mit dem Rest der EU ausgehandelt hatte. Damit haben sich die "Eurosceptics" durchgesetzt. Verloren haben die sog. "europhiles". Die Warnungen der "economists" fanden zu wenig Gehör. Die Wähler haben damit das Referendum 1975 über Mitgliedschaft in der "European Economic Community" rückgängig gemacht.

Aus Innen- wird Weltpolitik
Die Conservative Party ist seit den 90er Jahren in Europafreunde und -feinde gespalten. Um Letztere endlich zum Schweigen zu bringen, also aus parteiinternen Gründen, sicherte ihnen Cameron ein Referendum zu. Das schien nötig, weil die Unterhauswahlen 2010 nur eine Koalition mit den LibDems ermöglicht und die 2015 eine zwar absolute, aber knappe Mehrheit von 12 Sitzen erbracht hatten. So hätten wenige "eurosceptic" Tory MPs der Regierung jederzeit Zugeständnisse abpressen können wie dem PM John Major in den 90ern. Den geopolitisch und weltwirtschaftlich misslichen Ausgang des Referendums entschieden u. a. Globalisierungsverlierer unter den traditionellen Labour-Wählern, darin bestärkt von der Boulevardpresse.

British referendum on EU membership - interkulturelle kommunikative Kompetenz - Text- und Medienkompetenz - Landesbildungsserver Baden-Württemberg Englisch

"Assassin assassinated"
Im Bestreben, sein Land in der EU zu halten, hatte David Cameron fast zwei Drittel seiner "Conservative Party" gegen sich. Beim Kampf um das Amt des Prime Minister kamen allerdings weder Camerons Konkurrent Boris Johnson noch dessen Mitstreiter Michael Gove zum Zuge.
Der hauptberufliche EU-Gegner Nigel Farage hat seinen Zweck erfüllt und den Vorsitz von "UKIP" abgegeben, nicht jedoch seinen Sitz im Europaparlament.

Neustart mit Theresa May
"Prime Minister" Theresa Mays neue Regierung mit prominenten Brexiteers und Remain-Befürwortern war weniger elitär und sollte Gegner in Partei und Land miteinander versöhnen, was jedoch nicht gelang.

Überraschend kündigte deshalb Theresa May  am 18. April  "snap general elections" für den 8. Juni 2017 an, um für ihre weitere Politik ein Mandat zu haben. Dieser "gamble" ging ebenso schief wie Camerons Versuch, sich seine Tories mit dem Referendum gefügig zu machen. Nun soll eine, zusätzlich durch Terroranschläge und den verheerenden Brand des Grenfell Tower geschwächte Premierministerin die Verhandlungen mit der EU führen. Um überhaupt mehrheitsfähig zu sein, muss May sich auf die zweifelhafte Unterstützung durch die ultrakonservative DUP einlassen.

Schwierige Verhandlungen mit der EU

Strittig sind vor allem drei Punkte, die jedoch vor der Aufnahme von Handelsgesprächen mit der EU geklärt werden müssen:

1. die Höhe der so genannten "divorce bill",  hervorgegangen aus den Verpflichtungen, die das UK in den Jahrzehnten der EU-Mitgliedschaft, z.B. Pensionszahlungen, eingegangen ist,

2. die zukünftige Außengrenze der EU zwischen Nordirland und der Republik Irland, denn niemand will zur harten Grenze aus vergangenen Zeiten zurück und

3. die Stellung und die Rechte der EU-Bürger im UK und damit auch die Rolle des "European Court of Justice".

"No deal better than a bad deal"?

Was May als Motto zu Beginn  der Brexit-Verhandlungen herausgab, klingt heute nicht mehr ganz so sicher. Was genau wären die Konsequenzen, wenn bis zum Austrittstermin 2019 wirklich keine Lösungen in Sicht wären?

Michael Bloomberg, millionenschwerer ehemaliger Bürgermeister von New York City nennt den Brexit "the single stupidest thing any country has ever done" und vergleicht ihn mit einem, seiner Meinung nach, mindestens genau so dummen Vorgang in den USA: "but then we Trumped it".

Hörverstehen: Ernüchternde Tatsachen

Podcast zum Thema "EU-residents in the UK" after Brexit bei The Guardian mit zahlreichen Beispielen und Interviews mit betroffenen EU-Bürgern in UK.

Mit den Podcasts des Guardian "Brexit means..." bleibt man auf dem Laufenden.

Hörverstehen 2: Theresa May zum Brexit-Kurs ihrer Regierung
Hörverstehensaufgabe zu Theresa Mays Rede vom 2.10.16, in der sie ihre Brexit-Politik darlegt.

"Debunking myths"
Neutral: "The full facts at FullFact.org", "BBC Reality Check", Pro EU membership: "InFacts", Neutral: "The UK in a Changing Europe"
Die Unterrichtshilfe "mach's klar!" der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg (LpB) bietet kurze Texte, Karikaturen, Statistiken und einen Zeitstrahl zu Großbritannien und der EU, Vor- und Nachteile eines möglichen Brexit, "Nettozahler und Nettoempfänger" mit Arbeitsvorschlägen, Glossar und Links zu deutschsprachigen Publikationen, auch als Download verfügbar.