Römermuseum Güglingen

Methodenvorschlag

Lernorterkundung

Schüler führen Schüler

Das außerordentlich anschaulich und spannend inszenierte Museum eignet sich besonders zu einer selbstständigen Erkundung durch die Schüler, weil die Exponate und Installationen einen starken Reiz ausüben. Im Vergleich mit einer klassischen Führung erwies sich die selbstständige Erkundung des Museums mit anschließender Präsentation durch Schüler bei zwei 6. Realschulklassen als wesentlich geeigneter als die klassische Führung, da die Schüler zunächst ihre Neugier befriedigen und Fragestellungen selber lösen können, bevor sie Unterstützung erhalten. Außerdem wird von den Interessen und dem Kenntnisstand der Schüler ausgegangen und die Schüler erhalten Verantwortung für die Erarbeitung der Ergebnisse.
Die Schüler sollen sich zunächst selbstständig in Gruppen mit Erkundungsaufgaben zu den Exponaten beschäftigen. Die Erkundungsbögen ( AB 1 ), die für eine 6. Realschulklasse erarbeitet wurden, können heruntergeladen und je nach Lerngruppe verändert werden.


Museumserkundung mit allen Sinnen

Museumserkundung mit allen Sinnen
© Martin Heigold


Die Aufgaben für die Museumserkundung können ganz unterschiedlich gestaltet sein, um unterschiedlichen Schülern unterschiedliche Zugänge zu ermöglichen: Szenen aus dem Alltagsleben der Römer nachspielen, von einem fiktiven Erlebnis im römischen Güglingen erzählen, beobachten, beschreiben, mit dem eigenen Alltag heute vergleichen, etwas skizzieren, überlegen, wie die Technik funktionierte, erklären, was einem gefällt und warum, in die Rolle eines Gottes schlüpfen oder Stille auf sich wirken lassen. ...
Nach der Erarbeitung in Kleingruppen stellen die Schülergruppen ihren Mitschülern ihre Ergebnisse vor. Die ausgebildeten Führer des Römermuseums ergänzen, vertiefen oder korrigieren den Vortrag der Schüler.

Vortrag der Ergebnisse

Vortrag der Ergebnisse
© Martin Heigold

So kann die Lernorterkundung aussehen:

  • 1. Vorbereitung in der Schule:
    Kurze Information der Schüler über das Museum und den vorgesehenen Ablauf der Museumserkundung
    Gruppenbildung mit maximal 4 Teilnehmern
    Zuteilung der Themen nach Interesse oder Zufall
    Hinweis auf benötigtes Arbeitsmaterial im Museum: Mäppchen, Schreibblock
  • 2. Im Römermuseum:
    Kurze Information über den Aufbau des Museums
    Gruppen erhalten ihre Aufgabenblätter
    Gruppenarbeitsphase, Zeitvorgabe ca. 30 Minuten; wer die Aufgaben erledigt hat, kann sich im Museum umschauen.
    Schüler präsentieren den anderen ihre Ergebnisse; Ergänzung, Vertiefung und Korrektur durch Museumsführer
    Zuhörer machen sich Notizen auf einem zusammenfassenden Arbeitsblatt.
    Schlussbesprechung im Plenum: Welche Gruppe hat ihre Aufgaben am besten gelöst und warum? Evtl. Preisverleihung
  • 3. Nachbereitung in der Schule
    Arbeitsergebnisse überarbeiten und als Plakat darstellen


Behandlung des Themas in der Schule

Die vorgestellten Materialien eignen sich ebenso zur Vorbereitung und Nachbereitung einer Exkursion ins Museum nach Güglingen wie zur exemplarischen Behandlung des Themas Romanisierung im Unterricht.

Fantasiereise ins römische Güglingen
Als Einstieg bietet sich eine Fantasiereise ins römische Güglingen an. So haben die Schüler die Möglichkeit, einen Besuch in der antiken Siedlung aus Sicht eines Reisenden zu erleben und zunächst eigene Ideen zum Aussehen des Ortes zu entwickeln, bevor sie ihre Vorstellungen mit dem Arbeitsmaterial vergleichen können. Sprachlich begabte und interessierte Schüler können, auch in Zusammenarbeit mit dem Fach Deutsch, eigene Fantasiereisen entwickeln.
Anschließend an die Fantasiereise können die Schüler ihre Ideen zum Aussehen des Ortes skizzieren und mit denen der Mitschüler vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszufinden. So kam ein Sechstklässler mit seiner Skizze der Anordnung der Streifenhäuser schon recht nahe:

Schülerskizze

Schülerskizze
© Martin Heigold

Vergleich mit dem Grundriss eines Streifenhauses
Nun können die Ideen der Schüler mit dem Plan eines Streifenhauses aus Bad Wimpfen verglichen werden, das den Streifenhäusern aus Güglingen vom Aufbau her sehr ähnlich ist. Bei der Beschäftigung mit dem Grundriss werden einige Schüler Ähnlichkeiten mit modernen Reihenhäusern erkennen, womit sich die Frage nach den jeweiligen Gründen für die Bauweise stellt. Ebenso möglich ist ein Vergleich des typischen Streifenhauses aus Bad Wimpfen, das dem in Güglingen entspricht, mit einem Streifenhaus aus Walheim.

Güglingen als Handelsort
Screenshots aus der Videoanimation zum römischen Güglingen liefern eine recht genaue Vorstellung davon, wie der Ort zur Zeit der Römer ausgesehen haben muss. Die Schüler können anhand der rekonstruierten Bilder erkennen, warum die Lage Güglingens als Handelsort sehr geschickt war. Ergänzend zur Darstellung des Handels im gesamten Römischen Reich kann so ein Bezug zur Umgebung hergestellt werden.

Spiele
Das Arbeitsblatt zum Thema Spiel macht die Veränderung zu heute deutlich. Hier kann sich die Frage anschließen, welche Folgen diese Veränderungen für den Einzelnen und die Gesellschaft haben.

Mithräum
Das Arbeitsblatt zum Mithräum gibt Informationen über den Mithraskult und gibt Anlass, sich mit dem Bedürfnis der Menschen nach Religion auseinanderzusetzen.

Spaßbad und Römerbad
Bei der folgenden Aufgabe dürfen sich die Schüler als Planer eines Spaßbades betätigen. Grundlage für ihre Entwürfe ist der Grundriss des Bades aus Güglingen, allerdings ohne Beschriftung.

Grundriss eines Römerbades im Römermuseum Güglingen

Grundriss eines Römerbades im Römermuseum Güglingen
© Martin Heigold


Die Schüler entwerfen auf dem Plan ihr eigenes Spaßbad, bezeichnen die Räume und zeichnen eigene Elemente wie eine Rutsche o. ä. in den Plan ein (auch gut als vorbereitende Hausaufgabe möglich). Anschließend stellen einige Schüler ihre Entwürfe der Klasse vor. Im Unterrichtsgespräch können Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet werden.
Nun betrachten die Schüler in Partnerarbeit die Skizze des Römerbads in Güglingen. Im anschließenden Unterrichtsgespräch können Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Römerbads mit den modernen Spaßbädern der Schüler herausgefunden und festgehalten werden.
Mit Hilfe der Beschreibung des Badevorgangs können die Schüler entweder die Reihenfolge eines Badevorgangs in den Grundriss einzeichnen oder in der Ich-Perspektive von einem Besuch im Bad erzählen.
Der Text über den Lärm aus dem Bad vermittelt einen anschaulichen Eindruck vom Bad als Treffpunkt und Freizeitvergnügen.
Im Anschluss bietet sich die Besprechung der Hypokaust-Anlage und der Wasserversorgung der Römer an.


Modell einer Badeanlage

Modell einer Badeanlage
© Römermuseum Güglingen/Martin Heigold

 

- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Stuttgart -