Odenwald - Brandrodungsfeldbau und Hackwaldwirtschaft

Hintergrundinformationen

Bedeutung

Im Geographieunterricht der 7. Klasse begegnen die Schüler dem Phänomen des tropischen Wanderfeldbaus in der Betriebsform des mit der Brandrodung verbundenen Hackbaus. Neben der Betonung der Urtümlichkeit, Einfachheit und relativen Anpassungsfähigkeit sowie der gerne unterstrichenen Unschädlichkeit dieser tropischen Feld-Wald-Wechselwirtschaft für den Naturhaushalt wird in seiner unterrichtlichen Darstellung besonderer Wert auf Verfahren, Sinn und Effektivität der dabei angewendeten Brandrodung gelegt.

Diese wird auch bei der tropischen Landwechselwirtschaft eingesetzt, bei der die Siedlungen wegen des Bevölkerungsdrucks allerdings nicht mehr wie beim Wanderfeldbau nach Ablauf des Nutzungszyklus verlegt werden können. Stattdessen werden nur noch turnusmäßig Acker- und Waldflächen auf festgelegten Parzellen im Wechsel genutzt, wobei sich auf Grund der örtlich unterschiedlichen natur- und kulturgeographischen Rahmenbedingungen verschieden lange Nutzungs- und Brachezeiten ergeben. Diese bestimmen wiederum Alter, Dichte und Artenreichtum der zur Brandrodung vorgesehenen Sekundärvegetation (Wald, Buschland, Gras).

Hingegen dürfte nicht nur Schülern weitgehend unbekannt sein, dass es bis in die jüngste Vergangenheit auch in unseren gemäßigten Breiten zahlreiche, regional unterschiedliche Formen der Brandrodung mit Hackbau gegeben hat. Im heutigen Baden-Württemberg traten bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts solche Feld-Wald-Wechselsysteme vor allem im Odenwald und Schwarzwald als Hackwald- bzw. Reutbergwirtschaft in Erscheinung.

Vor allem für Schüler aus jenen Kulturlandschaften dürfte es reizvoll sein, diese inzwischen aufgegebenen Landnutzungsformen mit der vor allem in Afrika noch immer anzutreffenden Wirtschaftsform des Wanderhackbaus mit Brandrodung zu vergleichen. Ein solcher regionaler Vergleich der Feld-Wald-Wechselsysteme zwischen Tropen und gemäßigten Breiten vermag dabei den Blick auf zahlreiche ökologische, edaphische, ökonomische und demographische Unterschiede und auch auf Gemeinsamkeiten zu lenken. Eine vergleichende Gegenüberstellung kann das Bewusstsein dafür schärfen, welche naturräumlichen, historisch-kulturellen und wirtschaftlichen Kenngrößen vermeintlich ähnliche Formen dieser regional gebundenen tropischen und außertropischen Wirtschaftsweise beeinflusst haben oder noch immer beeinflussen.

Ziel eines solchen unterrichtlichen Vergleiches sollte es sein, nach Analyse der gebotenen Materialien und ihrer Abgleichung mit leicht greifbaren Schulbuchinhalten altersgemäß und kenntnisabhängig tropische und außertropische Formen der Brandrodungswirtschaft gegenüberzustellen sowie Beharrungskräfte, Anpassungsfähigkeit, Innovationsbereitschaft etc. in Wirtschaft und Gesellschaft in ihrer räumlichen Gebundenheit zu erfassen und zu bewerten. Gleichzeitig werden die Komplexität und der Verbundcharakter einer vermeintlich "primitiven" landwirtschaftlichen Wirtschaftsform in Mitteleuropa deutlich, bezieht man die gewerblichen Neben- und Folgenutzungen der Hackwaldwirtschaft in die Betrachtung mit ein.
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Das hier präsentierte Material beschränkt sich auf die Darstellung der Hackwaldwirtschaft im Odenwald, worüber Quellenmaterial für Schüler nicht ohne weiteres greifbar sein dürfte. Hingegen lassen sich aus Schulbüchern und im Internet mit Leichtigkeit zahlreiche Beispiele zu tropischen Varianten des Brandrodungsfeldbaus und Wanderhackbaus finden und zum Vergleich heranziehen. Vgl. Serviceteil.

- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Karlsruhe -