Die Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte, Schloss Rastatt

2.1 Lernorterkundung

Seit 1974 ist im Rastatter Schloss die Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte zu Hause

Bild 13: Schloss Rastatt, © Rainer Schulz, Rastatt

Sie ist eine Außenstelle des Bundesarchivs und geht zurück auf eine Initiative des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav W. Heinemann. In einer programmatischen Rede hatte er 1970 dazu aufgefordert, "in der Geschichte unseres Volkes nach jenen Kräften zu spüren und ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die dafür gelebt und gekämpft haben, damit das deutsche Volk politisch mündig und moralisch verantwortlich sein Leben und seine Ordnung selbst gestalten kann".


Der kulturpolitische Auftrag der Erinnerungsstätte besteht darin, die freiheitlichen, parlamentarischen und demokratischen Traditionen in der deutschen Geschichte anschaulich in Erinnerung zu rufen und zum Nachdenken darüber zu ermuntern. Sie versteht sich daher nicht als Museum im klassischen Sinne, sondern als Forum historisch-politischer Bildung. Ein differenziertes Bildungsangebot für Lerngruppen entspricht diesem Selbstverständnis.

Zur Dauerausstellung:

Der thematische Bogen der 1999 neu gestalteten Dauerausstellung spannt sich von den Freiheitsbewegungen der Frühen Neuzeit bis in das 20. Jahrhundert. Inhaltliche Schwerpunkte sind der Vormärz und die Revolution von 1848/49. Darüber hinaus werden Opposition und Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und gegen die Parteidiktatur der SED in der DDR dargestellt. Die Ausstellung zeichnet auf diese Weise die Geschichte der Demokratisierung Deutschlands nach. Die Art ihrer Inszenierung im Raum lässt deutlich werden, dass diese Geschichte keineswegs gradlinig verlaufen, sondern von widersprüchlichen Einschnitten und Optionen gekennzeichnet ist.

Der Begriff der Freiheit steht im Mittelpunkt. Der Ausstellungsbereich zum 19. Jahrhundert berichtet von historisch-politischen Wünschen, von der Idee der Freiheit, ihrer Wahrnehmung und Verwirklichung. Verschiedene Aktionsformen und Verhaltensmuster veranschaulichen die Vielseitigkeit gedachter und verwirklichter Freiheit. Bedingungen und Formen politischer Teilhabe - Kommunikation und Partizipation - bilden den roten Faden durch die Ausstellung zur Demokratiebewegung: Menschen nehmen teil am politischen Geschehen, erobern den politischen Raum, bilden dort eine politische Öffentlichkeit und erfüllen das, was als politische Kultur bezeichnet wird, mit Leben.

Dies geschieht vor dem Hintergrund der vielfältig erfahrenen Unfreiheit in einem gewaltbereiten Obrigkeitsstaat, dessen Legitimation durch die Freiheitsbewegungen infragegestellt wird. Das Ringen um Verfassungsstaat und Staatsbürgergesellschaft wird wiederum insgesamt eingebettet in den durch Industrialisierung und Modernisierung beschleunigten Wandel der Lebenswelten des Einzelnen.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet der Ausstellungskomplex zur deutschen Widerstandsgeschichte im 20. Jahrhundert. Vor dem Hintergrund politisch missbrauchter Freiheitswerte wird ein breites Spektrum an widerständigen Verhaltensformen dargestellt. Am Beispiel ausgewählter biographischer Schicksale werden die unterschiedlichen Widerstandsbewegungen im Nationalsozialismus und in der DDR in ihren Motiven, Anlässen, Methoden und Zielen vorgestellt.

- Arbeitskreis Landesgeschichte/ Landeskunde RP Freiburg -