2.1 Stauffenberg und der 20.7.

Staatsstreich 20. Juli – Für eine ‘Neue Ordnung‘

„Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern
des Staates macht …“
(Stauffenberg im Juli 1944)

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Briefmarke (1994) zum 50. Jahrestag des Attentats
© wikipedia commons

„Das Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 unter der Führung von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg ist ein zentrales Ereignis des deutschen Widerstands und ein zentraler Bezugspunkt der demokratischen Grundrechtsordnung der Bundesrepublik seit 1949, auch wenn er nicht mit dem breiten Spektrum des deutschen Widerstands gleichgesetzt werden kann.“
(Rolf-Ulrich Kunze, Entwicklungen der Widerstandsforschung seit 1994, in: Mitverschwörer – Mitgestalter: Der 20. Juli im deutschen Südwesten, Konstanz 2004, S. 7)

Die entscheidenden Akteure am 20. Juli 1944 waren Offiziere, aber im Hintergrund standen Politiker, Gewerkschafter und Verwaltungsbeamte aus allen Gruppierungen.
Attentat und Umsturz waren von einer Gruppe ziviler und militärischer Oppositioneller von langer Hand vorbereitet worden.

Der 1938 zurückgetretene Generaloberst Ludwig Beck sollte nach einem erfolgreichen Staatsstreich Staatsoberhaupt werden. Er hielt engen Kontakt zu Carl Friedrich Goerdeler, dem Kopf des zivilen Widerstands. Über das zukünftige Staatsmodell herrschten zwar unterschiedliche Auffassungen, aber die Grundsätze einer staatlichen Neuordnung und die Pläne für ein Schattenkabinett der potentiellen Regierung Beck/Goerdeler lagen vor.

 

Der Umsturzversuch am 20. Juli

„Es ist Zeit, daß jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muß sich bewußt sein, daß er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterläßt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem eigenen Gewissen. [...] Ich könnte den Frauen und Kindern der Gefallenen nicht in die Augen sehen, wenn ich nicht alles täte, dieses sinnlose Menschenopfer zu verhinden.“

Stauffenberg kurz vor dem 20. Juli 1944 ( Quellenangabe)

Stauffenberg mit Hitler und Keitel am 15. Juli 1944 in der Wolfschanze

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Stauffenberg mit Hitler und Keitel am 15. Juli 1944 in der Wolfschanze
© Bundesarchiv Bild 146-1984-079-02, Führerhauptquartier, Stauffenberg, Hitler, Keitel, CC BY-SA 3.0 DE

Treibende Kraft des Staatsstreichs war Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Die Gruppe um Stauffenberg, zu der auch sein Bruder Berthold gehörte, plante den Umsturz mit dem Ziel, Hitler auszuschalten, der NS-Herrschaft ein Ende zu setzen, den Krieg zu beenden und die Regierungsverantwortung zu übernehmen.

Nachdem am 6., 11. und 15. Juli die Attentatsversuche auf Hitler verschoben werden mussten, weil Himmler und Göring bei den Lagebesprechungen nicht anwesend waren, sollte das Attentat
unter allen Umständen am 20. Juli im „Führerhauptquartier Wolfschanze" erfolgen und die Operation „Walküre" (Plan zur Erlangung der militärischen Befehlsgewalt und der Übernahme der Regierungsverantwortung in Deutschland) in Gang zu setzen.

 

Verhaftungen, Hinrichtungen, Sippenhaft

„Dass dem Regime diese Dimension der Breite und Tiefe des Widerstands bewusst war, fand eine zynische Anerkennung in der mörderischen Verfolgungsweise nach dem 20. Juli mit etwa 1000 Verhaftungen und über 200 Hinrichtungen sowie mit der “Sippenhaft“ für die Familien des engsten Kreises der Hauptbeteiligten.“ (Rolf-Ulrich Kunze, s.o.,S.9)

Nach dem missglückten Staatsstreich wurden Claus von Stauffenberg, Werner von Haeften, Albrecht Ritter Merz von Quirnheim, Friedrich Olbricht und Ludwig Beck noch in der Nacht im Hof des Bendlerblocks erschossen.


Innenhof Bendlerblock

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Innenhof Bendlerblock
© Michael Klemm, Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Claus von Stauffenbergs schwangere Frau Nina wurde nach dem Attentatsversuch von der Gestapo verhaftet, von ihren Kindern getrennt, in verschiedene Gefängnisse sowie ins KZ Ravensbrück –
dort starb ihre ebenfalls in Sippenhaft genommene Mutter –
deportiert. Ihr fünftes Kind brachte sie im Januar 1945 in einem Frauenentbindungsheim in Frankfurt/Oder zur Welt. Ihre vier anderen Kinder wurden bis zum Kriegsende in ein Kinderheim bei Bad Sachsa verbracht.

Bei Alexander Graf von Stauffenberg, dem Zwillingsbruder von Berthold, konnte die Gestapo konnte kein Wissen am Putsch nachweisen. Trotzdem blieb er bis zum Kriegsende in der Hand der Gestapo und wurde von Konzentrationslager zu Konzentrationslager verlegt.

Berthold Graf von Stauffenberg war am Tag des Attentats im Bendlerblock und organisierte die Verbindung zum Oberkommando der Marine. Er wurde dort in der Nacht auf den 21. Juli 1944 verhaftet, am 10. August 1944 zum Tode verurteilt und noch am selben Tag in Berlin-Plötzensee ermordet.

Prozess zum 20. Juli 1944: Berthold Graf von Stauffenberg

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Prozess zum 20. Juli 1944: Berthold Graf von Stauffenberg
am 10.8.1944 als Angeklagter vor dem Volksgerichtshof in Berlin
© Haus der Geschichte Baden-Württemberg


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