Buchempfehlung des Monats Mai 2026
Oliver Pötsch: Lara, Viktor und der Zauberbaum
(ab 6 Jahren) Verlag: Penguin Junior 2026
Michael Stavarič: Tierisch wilde Schlafmützen
(ab 10 Jahren) Verlag: Leykam 2026
Cover: © Penguin Junior Verlag, Leykam Verlag
Oliver Pötsch: Lara, Viktor und der Zauberbaum
Zu allen Zeiten Abenteuer
Verlag: Penguin Junior 2026
Illustratorin: Laura Catalán
ISBN-13: 978-3328304241
Gebunden: 160 Seiten
Altersempfehlung: ab 6 Jahren
Vorlesebuch, Kinderbuch, Roman
Die Geschwister Lara und Viktor sind wenig begeistert davon, vier Wochen bei ihrem merkwürdigen Großonkel Ludwig in der Villa Bernstein zu verbringen. Zunächst sieht es ganz nach fürchterlich langweiligen Sommerferien aus, doch dann entdeckt Lara im Garten einen sonderbaren Baum: eine alte Eiche, deren Äste mit kleinen Schildern versehen sind. Auf diesen stehen die Namen der ganzen Familie Bernstein und ehe sich die Geschwister versehen, sind sie zu ihrem Vorfahren in die Vergangenheit gereist. Dort erleben sie abenteuerliche Episoden aus der Familiengeschichte. Im Mittelalter lernen sie Bernhard kennen und unterstützen ihn dabei, Knappe von Barbarossa zu werden und mehr Selbstvertrauen zu erlangen. Abenteuerlich wird es für die Geschwister, als sie auf dem Schiff von James Cook landen und mit dem Urahn Thaddäus bei der Entdeckung Australiens dabei sind. Mit dem Zauberbaum geht es dann ganz weit zurück zu den Anfängen der Familie Bernstein zur Zeit der Völkerwanderung. Ein spannendes Kapitel ist der Besuch während des Dreißigjährigen Krieges, bei dem sie tatkräftig dabei helfen, die Familie Bernstein zu retten. Letztendlich sind sie noch beim ersten Passagierflug mit ihrer Urgroßmutter Wilhelmine dabei und bestehen ein weiteres Abenteuer, bevor es wieder zurück in die heutige Zeit geht. Durch die Reisen lernen die Kinder nicht nur ihre Familiengeschichte kennen. Sie erhalten darüber hinaus einen Einblick in verschiedene historische Epochen in Deutschland.
Dem Buch liegt ein ähnliches Schema wie der Baumhaus-Reihe zugrunde, jedoch finden sich in diesem Band gleich mehrere Abenteuer, die insgesamt kürzer gehalten sind. Die einzelnen Episoden sind in sich geschlossen, aber durch die Reise mit dem Zauberbaum und der zugrunde liegenden Familiengeschichte eng miteinander verknüpft. Anders als bei der Baumhaus-Reihe reisen die Kinder nicht auf der ganzen Welt herum, sondern bleiben am gleichen Ort, der zu unterschiedlichen historischen Zeiten in den Blickpunkt zurückgebracht wird. Dadurch werden Veränderungen, z.B. in der Landschaft, beim Wohnen, der Kleidung, durch die Jahrhunderte hindurch aufgezeigt. Hier bieten sich Anknüpfungspunkte für ein fächerübergreifendes Arbeiten z.B. mit dem Sachunterricht. Beim Besuch im Mittelalter werden der Weg vom Pagen zum Ritter, der Aufbau einer Burg und die verschiedenen Kampfformen bei einem Ritterturnier angesprochen. Als historische Person tritt Kaiser Barbarossa in Erscheinung. Die einzelnen historischen Informationen werden klar und auf wesentliche Aspekte begrenzt dargestellt. Eine Vertiefung und Weiterarbeit, z.B. in Form von Recherchen, ist bei allen im Buch genannten Epochen und Personen (z.B. Barbarossa, James Cook, General Wallenstein, Brüder Wright) möglich. Die farbigen Illustrationen von Laura Catalán visualisieren wichtige Stellen, unterstützen die Vorstellungskraft und helfen dabei, einen kleinen Eindruck der jeweiligen Zeit zu erhalten.
Oliver Pötzsch verwendet einen klaren und kindgerechten Sprachstil. Die Sätze sind kurz und gut zu erfassen. Vielfältige Adjektive beschreiben das Geschehen für die Lesenden treffend. Die Wortart kann im Deutschunterricht fokussiert werden, indem ihre Bedeutung für den Text herausgearbeitet wird. Wie hört sich der Text an, wenn wir das Adjektiv einfach weglassen?
Wie oben bereits beschrieben, enthält das Buch mehrere kurze Episoden. Es regt sich förmlich dazu an, weiter mit Lara und Viktor durch die Zeit zu reisen. Die Kinder können kreativ werden und weitere Reisen durch die Zeit finden. Um nah am Buch zu bleiben, benötigen die Schüler/-innen Informationen zu Epochen, zu denen die Reise gehen könnte. Aber auch ein fiktiver Transfer auf die eigene Familiengeschichte wäre möglich. In welcher Zeit würdest du gerne reisen? Wen möchtest du aus deiner Familie treffen?
Gleich von Anfang an regt das Buch zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte an. Auf der ersten und letzten Doppelseite findet sich der gemalte Stammbaum der Familie Bernstein, bei dem die Stationen – sprich die besuchten Urahnen – eingetragen sind. Da Onkel Ludwig Ahnenforscher ist, zeigt er Lara in einem der ersten Kapitel einen großen selbst erstellten Stammbaum der Familie Bernstein. Die Kinder können einen solchen für die eigene Familie vorbereiten und im Gespräch mit Eltern und Großeltern Bemerkenswertes über die eigenen Vorfahren herausfinden.
Die einzelnen Kapitel sind nicht zu lang, sodass das Buch gut als Vorlesebuch verwendet werden kann. Durch den weiten Zeilenabstand, die große Schrift und die verwendete Fibel-Druckschrift kommt es beim Selberlesen schwächeren Lesern und Leserinnen entgegen und erleichtert allen die Orientierung. Zum Selberlesen ist es ab ca. Klasse 2/3 geeignet. Durch die hohe Spannung kann eine große Lesemotivation erzeugt werden. Sowohl Mädchen als auch Jungen werden in den Protagonisten Identifikationsfiguren finden. Als Klassenlektüre wäre es in Klasse 3 ebenfalls gut vorstellbar, liegt aber aktuell nur als gebundenes Buch vor.
„Lara, Viktor und der Zauberbaum – Zu allen Zeiten Abenteuer“ lässt Kinder in eine fantasievolle Abenteuergeschichte in die fiktive Familiengeschichte des Bernsteins eintauchen und verknüpft diese mit realen historischen Epochen und Personen. Durch die vielen offenen Stellen in dem im Buch abgebildeten Stammbaum könnte dieser spannende Band der Auftakt einer Reihe sein.
Leseprobe [www.bic-media.com] ©️: Das Copyright und alle Rechte liegen beim Verlag. © Penguin JUNIOR Verlag 2026 \ Laura Catalán
C.S. Ideenpool Lesen
Michael Stavarič: Tierisch wilde Schlafmützen
Verlag: Leykam 2026
Illustratorin: Nele Brönner
ISBN-13: 978-3-7011-8394-4
Gebunden: 112 Seiten
Altersempfehlung: ab 8 Jahren
Sachbilderbuch
Wenn wir an das Schlafen denken, haben wir meist ein gemütliches Bett und Ruhe im Kopf. Doch in der Natur sieht das oft ganz anders aus. Michael Stavarič und Nele Brönner entführen uns in ihrem Sachbilderbuch in eine Welt, in der Schlummerstunden alles andere als gewöhnlich sind. Entgegen der Vermutung ist es kein Einschlaf-Vorlesebuch, sondern ein interessantes Wissensbuch. Das Buch räumt gründlich mit der Vorstellung auf, dass jedes Lebenswesen acht Stunden am Stück die Augen abschließt. Stavarič präsentiert eine faszinierende Mischung aus skurrilen Fakten und biologischen Besonderheiten. Die Tiere erzählen im Plauderton aus der Ich-Perspektive, dabei kommt der Humor nicht zu kurz.
Der See-Elefant berichtet über seine Zehn-Minuten-Schlafphasen, in denen er in kontrollierter spiralförmiger Richtung auf den Meeresboden sinkt und rechtzeitig vor dem Aufprall wach wird und andere Meeresbewohner suggeriert werden, er sei hellwach. An Land döst der See-Elefant jedoch durchaus zehn Stunden am Stück in der Sonne liegend. Der Pottwal schläft tatsächlich mit dem Kopf nach oben und der Fluke, der hinteren Flosse, nach unten, lässt beide Gehirnhälften schlafen, im Gegensatz zu anderen Meeresbewohnern, die nur eine Gehirnhälfte schlafen lassen. Durch die Vermenschlichung der Tiere und die witzigen und informativen Texte nähert sich der Leser / die Leserin ihnen empathisch und es entsteht der Wunsch, sie zu schützen. Wenn die Arbeiter-Ameise zum Beispiel nebenbei berichtet, wie es ist, wenn sie ca. 250 Mal am Tag etwa eine Minute schläft und die Königin „nur“ 92 Mal, während ein Stock in den Bau geschoben wird, ist es, als erzähle ein Mensch aus seinem Leben und von der Gefahr. Die lesenden lernen viel über Tiere, die im Flug oder unter Wasser ruhen, monatelang tief schlummern, nur winzige Nickerchen machen oder wie die Fledermaus fast den ganzen Tag verschlafen. Sie berichtet schnell literarisch von ihrem Schlafverhalten und dem Vorteil, ihre Blutdrucke erhöhen zu können, um kopfüber „abzuhängen“. Der Tonfall ist nie belehrend, der Autor nutzt eine spielerische, fast schon poetische Sprache, die komplexe biologische Vorgänge greifbar macht. Dabei können Kinder leicht den Inhalten folgen und Erwachsene in dem Sachbuch unterhalten, das sich wie eine Einladung zu einer Entdeckungsreise liest.
Ein besonderes Highlight sind die Illustrationen Nele Brönners. Sie verzichteten auf klinisch-realistische Darstellungen und setzt stattdessen auf kräftige Farben und einen modernen, schnell schon künstlerischen Stil im Tuschestil. Die Bilder fangen die Atmosphäre der Nacht und der verschiedenen Lebensräume perfekt ein, bieten auch für das Auge eine enorme Dynamik und laden zum Entdecken ein. Die Gestaltung unterstützt den humorvollen Unterton des Textes und macht das Blatt zu einem Erlebnis für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Der erhobene Zeigefinger, Tiere zu schützen, bleibt gesenkt. „Tierisch wilde Schlafmützen“ ist kein „Gute-Nacht-Buch“, sondern eine Hommage an die Vielfalt des Lebens und die cleveren Strategien der Natur. Es kombiniert fundiertes Wissen mit außergewöhnlicher Ästhetik, regt zum Staunen an und zeigt, dass die Welt der Tiere oft viel fantastischer ist, als wir es uns in unseren kühnsten Träumen vorstellen können.
Neugierige EntdeckerInnen und Tierfreunde ab etwa acht Jahren werden die Lektüre lieben und sich schnell begeistern. Auch zum Vorlesen oder gemeinsamen Entdecken lohnt sich das Sachbuch. Die Anschaffung für die Klassen- oder Schulbibliothek lohnt sich definitiv.
Blick ins Buch [leykamverlag.at] ©️: Das Copyright und alle Rechte liegen beim Verlag. ©: Leykam Verlag
MS. Ideenpool Lesen
Herausgeber: Landesbildungsserver Baden-Württemberg
Quelle: https://www.schule-bw.de
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