Buchempfehlung des Monats August 2026
Amelia Mellor: Magic Bookshop
(ab 11 Jahren) Verlag: Penguin 2026
Vitali Konstantinov: Wenn nicht die Menschen
(ab 8 Jahren) Verlag: Kunstanstifter GmbH & Co. KG 2026
Cover: © Penguin Verlag, Kunstanstifter GmbH & Co. KG
Amelia Mellor: Magic Bookshop
Im Bann des dunklen Magiers
Verlag: Penguin 2026
ISBN-13: 978-3328304579
Gebunden: 352 Seiten
Altersempfehlung: ab 11 Jahren
Roman
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Geschwister Pearl und Vally Cole, die in der größten Buchhandlung der Welt in Melbourne leben. Diese außergewöhnliche Buch-Arkade wurde von ihrem Vater mit Fantasie und Magie erschaffen und beherbergt nicht nur unzählige Bücher, sondern auch exotische Tiere und Pflanzen. Als der Vater einen gefährlichen Pakt mit einem dunklen Magier eingeht, gerät alles in große Gefahr. Um die Buchhandlung und ihren Vater zu retten, müssen Pearl und Vally sieben anspruchsvolle Aufgaben bewältigen, bei denen sie Magie, Geheimnissen und ihrer Vergangenheit in einem spannenden Wettlauf mit der Zeit begegnen. Die Aufgaben sind nur durch Mut, Einfallsreichtum und Zusammenhalt zu bestehen.
Besonders gelungen ist der Autorin Amelia Mellor die Verbindung von Fantasy, Abenteuer und historischen Elementen. Die Handlung basiert auf der tatsächlich existierenden „Cole's Book Arcade“ in Melbourne, einer berühmten Buchhandlung des späten 19. Jahrhunderts, die von der Autorin fantasievoll erweitert wird. Die historischen Bezüge finden sich für Interessierte im Anhang des Buches.
Nach den ersten Kapiteln, bei denen sich die Leser und Leserinnen zuerst einmal einlesen müssen, nimmt die Geschichte Fahrt auf und wird so spannend, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Amelia Mellor verwendet eine bildhafte und lebendige Sprache, die jungen Lesenden unmittelbar in die magische Welt der Buch-Arkade hineinzieht. Durch die vielen kurzweiligen Beschreibungen mit Adjektiven können die Kinder viele innere Bilder entwickeln. Besonders hervorzuheben ist die fantasievolle Beschreibung der Buchhandlung, die dadurch fast selbst zu einer Hauptfigur der Geschichte wird.
Die Schriftgröße ist lesefreundlich und die Kapitellänge übersichtlich. Die einzelnen Kapitel sind abwechslungsreich gestaltet und erzeugen durch zahlreiche Rätsel, Geheimnisse und überraschende Wendungen eine hohe Spannung. Die Figuren besitzen ganz individuelle Charakterzüge und bieten dadurch Identifikationsmöglichkeiten. Vor allem die Geschwister könnten unterschiedlicher nicht sein, und sie zeigen, dass sie trotz ihrer Verschiedenartigkeit als Familie zusammenhalten und füreinander einstehen. Geschickt hat die Autorin anspruchsvolle Themen wie Verlust, Trauer, Verantwortung und familiären Zusammenhalt in das spannende Setting eingeflochten.
Für den schulischen Einsatz eignet sich der Roman vor allem für Klasse 6 bis 8 und bietet verschiedene Möglichkeiten der Einbindung in den Unterricht. Durch die Einteilung in klare Kapitel bietet sich das Erstellen eines Lesetagebuchs an, bei dem die Schüler/-innen die eigenen Leseerfahrungen dokumentieren und das Gelesene verarbeiten können. Die Wahl aus vielfältigen Methoden (z.B. Comic zeichnen, besonders spannende Stelle abschreiben, Bild malen…) spricht dabei unterschiedliche Lerntypen an.
Da das Buch selbst auf Illustrationen verzichtet, können die Schüler und Schülerinnen die magische Buchhandlung anhand der Beschreibungen und ihrer eigenen Vorstellungen gestalten und so einen handlungsorientierten Zugang zur Lektüre gewinnen. Die Gestaltungsarbeit kann gut in Kooperation mit dem Fach Kunst und in Form einer Gruppenarbeit erfolgen.
Ein zentrales Element sind die Rätsel im Buch. Stellt man es in den Mittelpunkt des Unterrichts, können die Lernenden eigene Rätsel für die Mitschüler und Mitschülerinnen entwickeln. Die Möglichkeiten erstrecken sich von einfachen Rätselformen, die z.B. Geheimschriften einbinden, hin zu komplexeren Formen wie beispielsweise einem Escape-Room oder schwierigen Logikrätseln.
Bleibt man im Bereich Schreiben, eignen sich die Hauptpersonen des Buches für eine Figurenanalyse und die Erstellung von Steckbriefen. Die Charaktereigenschaften entwickeln sich im Verlauf der Handlung, sodass eine kontinuierliche Ergänzung im Lauf der Lektüre möglich ist. Eine kreativere Schreibform, welche die Handlung und die Figurenanalyse verknüpft, könnte das Schreiben eines Tagebucheintrages aus Sicht von Pearl bzw. Vally sein. Da ganz unterschiedliche Charaktere im Buch auftauchen, bietet sich eine Wahlmöglichkeit für die Schüler und Schülerinnen an. Die Übernahme anderer Perspektiven wird dadurch trainiert.
Die Gesprächsanlässe des Buches gehen über die spannende Handlung und literarische Gespräche hinaus. Ausgehend vom Roman können die Themen „Familienzusammenhalt“, „Übernahme von Verantwortung“, „Mut/Selbstvertrauen“ ins Zentrum von Gesprächen bzw. Diskussionen gestellt werden. Das Thema „Trauer und Verlust“ wird durch den Tod einer der Schwestern der Protagonisten in der Geschichte aufgegriffen und ist keine Randnotiz. Jedes Familienmitglied geht anders damit um. Bezüge zum Fach Religion können geschlagen werden.
Durch die spannende und fantasievolle Handlung kann man davon ausgehen, dass die Lesemotivation bei einem großen Teil der Schüler und Schülerinnen gefördert werden kann und auch jugendliche Leser und Leserinnen in die Geschichte hineingezogen werden und wissen wollen, wie sie weitergeht.
C.S. Ideenpool Lesen
Vitali Konstantinov: Wenn nicht die Menschen
Verlag: Kunstanstifter GmbH & Co. KG 2026
ISBN-13: 978-3-948743-22-2
Gebunden : 54 Seiten
Altersempfehlung: ab 8 Jahren
Sachbilderbuch
Wir Menschen neigen zum „menschlichen Exzeptionalismus“: Wie selbstverständlich betrachten wir uns als Krone der Schöpfung und billigen anderen Lebewesen einen geringeren Wert zu. Schließlich verdanken wir unserem Verstand Errungenschaften wie Werkzeuge, das Feuer, feste Behausungen, Sprache und die Fähigkeit zur Empathie, es ist die sogenannte Theory of Mind. Doch wie würde unsere Erde heute aussehen, wenn nicht wir Nachkommen einer afrikanischen Schmalnasenaffenart das Rennen gemacht hätten, sondern eine ganz andere Spezies? Dieser faszinierenden Frage geht der ukrainische Künstler und Illustrator Vitali Konstantinov, bekannt für seine Tiersammlungen wie „Geniale Nasen“, in seinem Sachbilderbuch „Wenn nicht die Menschen“ nach. Auf gut 50 reich bebilderten Seiten lädt er Kinder ab acht Jahren sowie erwachsene Mitleser und Mitleserinnen zu einem ebenso unterhaltsamen wie klugen Gedankenspiel ein.
Zu Beginn veranschaulicht Konstantinov die Pfeiler unserer eigenen Zivilisation anhand von fünf prägenden Meilensteinen. Daran anknüpfend öffnet er den Blick für alternative Evolutionsverläufe: Wäre vor 66 Millionen Jahren kein Asteroid eingeschlagen, könnten heute intelligente Reptilien die Erde regieren. Konstantinov greift hier auf wissenschaftliche Überlegungen wie die des Paläontologen Dale Russell zurück, der schon 1982 über den menschenähnlichen Stenonychosaurus spekulierte. Oktopoden nutzen Werkzeuge, lösen komplexe Probleme und bauen Behausungen. Da erst ein winziger Bruchteil der Tiefsee erforscht ist, fragt das Buch charmant: Könnten die Kraken in ihrer langen Geschichte nicht längst eine Zivilisation aufgebaut und wieder verloren haben? Auch Delfine und Orcas überraschen mit Kulturansätzen, inklusive skurrilen „Modetrends“ wie dem Tragen von toten Lachsen auf dem Kopf. Waschbären werden als potenzielle heimliche Herrscher dargestellt. Sie beweisen in Städten wie Kassel oder Toronto längst eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit, fahren schwarz auf Lastwagen und kommunizieren in einer komplexen Zirpsprache.
Visuell besticht das Buch durch eine gelungene Mischung aus filigranen Umrisszeichnungen und farbenfrohen Klappseiten. Saurier-Eltern schieben ihren Nachwuchs im Kinderwagen oder Delfine gehen mit Harpunen auf Jagd. Das Werk ist ein gelungenes Hybrid aus wissenschaftlicher Empirie und spielerischem Als-ob-Denken. Es nimmt die Leserinnen und Leser ernst, bringt sie zum Staunen und schärft den Blick für die Mitwelt. Wir sind keineswegs alternativlos auf diesem Planeten. Hätten sich die Waschbären durchgesetzt, säßen heute vielleicht sie in den beheizten Wohnungen und blätterten in Bilderbüchern, während wir Menschen durch die Städte streiften und vom Abfall anderer lebten.
Ein Lese-Tipp für Kleine und Große gleichermaßen. Ein wunderbares, bezaubernd illustriertes Buch, das den menschlichen Größenwahn sanft hinterfragt, den Möglichkeitssinn trainiert und großen Spaß am Spekulieren macht. Absolute Empfehlung für neugierige Köpfe ab 8 Jahren!
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M.S. Ideenpool Lesen
Herausgeber: Landesbildungsserver Baden-Württemberg
Quelle: https://www.schule-bw.de
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