Methodenvorschlag

Die Waldburg

Lernorterkundung

Für die Lernorterkundung stehen zwei Varianten zur Auswahl:
Variante A rückt den historischen Ort Burg in den Vordergrund; sie ist für die Sekundarstufe I aller Schularten konzipiert und dauert ca. 120 Minuten
Variante B widmet sich schwerpunktmäßig dem Burgmuseum; sie ist inhaltlich anspruchsvoller und zeitlich aufwendiger (ca. 180 Minuten)

Konzeption Variante A - Schwerpunkt historischer Ort

- Die Variante gliedert sich grob in die fünf Schritte: Einfinden - Kennenlernen der Burganlage - Revitalisierung des historischen Ortes - Führung durch das Burgmuseum - Abschluss
- Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten während des Lerngangs sukzessive einen (beidseitig kopierten) DIN-A3-Bogen

1. Willkommen auf der Waldburg: AB 2a Willkommen auf der Waldburg

Mögliche Impulse
Schilderung von ersten, auch auditiven Eindrücken, Erkundung auf eigene Faust, Aktivierung (bzw. Reflexion) des „Mythos Burg“, Etymologie des Namens „Waldburg“

Methodische Hinweise
- Zum gemeinsamen Einfinden und zur Konzentration: Phase im Klassenverband gestalten, d.h. einzelne Schülerinnen und Schüler schildern ihre Eindrücke, es wird gemeinsam eine mögliche Geräuschkulisse entworfen, Gebäude bzw. Ereignisse werden per Mehrheitsbeschluss ausgewählt, ebenso die wahrscheinlichste Etymologie
- Eine Auswahl der Impulse bzw. eine andere Reihenfolge derselben sind - klassenabhängig - möglich (keine „Abarbeitung“ notwendig)

Ziel
Durch gezielte Gesprächs-, Wahrnehmungs- und Denkanstöße: Einstimmung auf und Sensibilisierung für den Lernort

2. Im Burghof - Die Anlage der Waldburg: AB 3a Lerngang durch die Waldburg (1/2)

Aufgaben
- Erkundung der Anlage mittels der Vorderseite des Arbeitsbogens
- Konkrete Aufgaben: Bestimmung des Burgentyps, Abschätzen der (Aus)Maße, Beschriften eines Modells und Zuordnen von Fotoausschnitten, Vervollständigung eines Grundrisses, Zuordnung von Gegenständen zu Gebäuden, Zuordnung von Funktionen zu einzelnen Burg-Bestandteilen

Methodische Hinweise
- Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit sind denkbar; für Mess- und Schätz-Aufgaben ist ein Austausch sinnvoll
- Besprechung der Ergebnisse im LSG (vor Bearbeitung der Rückseite); durch Zusatzaufgabe am Ende: Ausgleich der verschiedenen Lerntempi möglich

Ziele
- Erkundung der Burganlage: Ort und Standort sollen in ihren wesentlichen Zügen (Topologie, Vorteile, Funktion usw.) erfasst und auch beurteilt werden
- Wecken von Entdeckerlust (Prinzip des Suchens und Herausfindens); durch Schätzaufgaben: Motivation (Wettbewerbscharakter)
- Grundsätzliche Überlegungen:
Beschränkung und Genauigkeit statt Masse und Geschwindigkeit, Berücksichtigung verschiedener Zugänge und Kompetenzbereiche, dauerhafte Lernprozesse durch Lernen mit mehreren Sinnen

3. Im Burghof - Leben auf der Burg: AB 3a Lerngang durch die Waldburg (3)

Hinweis
Der Schritt beinhaltet kleine Rollenspielszenen; er kann bei Zeitknappheit bzw. in Abhängigkeit von der Klasse entfallen

Aufgaben
- Bearbeitung des Abschnitts „Leben auf der Burg“ (Seite 3 von AB 3a ) - Aufgaben: Zuordnung von Burgbewohnern zu ihren jeweiligen Aufgaben; dadurch Erarbeitung eines Personeninventars als Grundlage für die folgenden Rollenspielszenen zum Alltag auf einer Burg

Methodische Hinweise
- Ungefähr fünf Personen pro Gruppe (Einteilung durch Lehrer nach pädagogischen Gesichtspunkten)
- Kurze Szenen entwickeln lassen (Zeitmanagement)
- Inhaltlich wenig lenken („Mythos Burg“ darf durchaus bedient werden, um im Museum bzw. am Schluss überprüft zu werden)
- Insbesondere bei großen Klassen Gruppen für die Präsentationen evtl. auslosen (Zeitmanagement)

Ziele
- Revitalisierung des historischen Ortes, dessen „Zauber“ ausnutzen, neu verlebendigen
- Unterschied zum „klassischen“ Schulunterricht akzentuieren; Motivation
- Historisches Prinzip der (Multi)Perspektivität
- Kompetenzerwerb (insbesondere personale Kompetenz)

4. Im Burgmuseum - Die Waldburg im Mittelalter: AB 3a Lerngang durch die Waldburg (4)

Aufgaben
- Führung durch ausgewählte Räume des Burgmuseums; Schülerinnen und Schüler füllen letzte Seite des Arbeitsbogens AB 3a aus
- Konkrete Beobachtungsaufträge: Die Waldburg im Mittelalter - wann erhielt sie ihr heutiges Aussehen? Lebensumstände eines Ritters bzw. auf einer mittelalterlichen Burg allgemein; Lebensumstände eines Bauern bzw. der ländlichen Bevölkerung insgesamt; Notieren weiterer Auffälligkeiten nach individuellem Empfinden

Ziele
- (Zumindest implizite) Problematisierung, Reflexion und Korrektur mitgebrachter (evtl. auch im Rollenspiel bedienter) verschobener Vorstellungen (Stichwort „Mythos Burg“)
- Reduktion der Informationsfülle auf wenige „behaltenswerte“, auch individuelle Erkenntnisse; dadurch Vorbereitung eines tatsächlichen Kompetenzerwerbs
- Förderung der Kompetenz des „aktiven Zuhörens“

5. Abschied von der Waldburg: AB 4a Abschied von der Waldburg

Impulse (beispielsweise auf der Aussichtsplattform der Burg)
- Besprechung der Ergebnisse, Aussprache über Erkenntnisse und Erfahrungen, Rückbezug zu den im Unterricht entwickelten Fragen
- Reflexion des „Mythos Burg“
- Frage nach dem Wert bzw. der Erhaltungswürdigkeit eines historischen Ortes

Ziele
- Explizite Problematisierung, Reflexion und Korrektur mitgebrachter Vorstellungen
- Sensibilisierung für den Wert historischer Gebäude als Bestandteil von Geschichtskultur
- Übergeordnetes Ziel: Förderung einer historischen Orientierungskompetenz

 

Konzeption Variante B - Schwerpunkt Museum

Die Variante gliedert sich grob in die fünf Schritte: Einfinden - Kennenlernen der Burganlage - Gruppenarbeitsphase im Museum - Präsentationsphase - Abschluss

1. Willkommen auf der Waldburg: AB 2b Willkommen auf der Waldburg

Zu Mögliche Impulse - Methodische Hinweise - Ziel: siehe Variante A

2. Im Burghof - Die Anlage der Waldburg: AB 3b Anlage der Waldburg

- Hinweis: AB 3b entspricht den ersten beiden Seiten von AB 3a
- Zu Aufgaben - Methodische Hinweise - Ziele: siehe Variante A

3. Im Burgmuseum - Erarbeitungsphase

Aufgaben
- Beschäftigung in Gruppen mit einem thematischen Komplex zum Oberthema „Burg/Waldburg“
- Fünf Themenbögen stehen zur Verfügung:
AB 4b-a Baugeschichte der Waldburg
AB 4b-b Auf der und um die Burg
AB 4b-c Ritter und Ritterleben
AB 4b-d Recht, Richter und Gericht
AB 4b-e Reichskleinodien

Methodische Hinweise
- Einteilung in Gruppen durch den Lehrer nach pädagogischen Gesichtspunkten oder Zufallsprinzip (z.B. durchzählen …)
- Jeder Schüler / jede Schülerin erhält ein AB, das in der Gruppe gemeinsam bearbeitet wird, und holt sich am Museumseingang einen Audio-Guide ab

Ziele
- Intensive Beschäftigung mit einem überschaubaren Themenfeld, sodass verschiedene Zugänge zum Tragen kommen können (Text-, Bilderschließung, zeichnerische Elemente ...)
- Förderung unterschiedlicher Kompetenzbereiche (historische Sach-, Methoden-, Reflexions- oder Orientierungskompetenz)
- Schwerpunkte liegen auf der Rekonstruktion historischer Abläufe, der Kontextualisierung derselben und der Frage, wie historische Erkenntnisse gewonnen werden können (vgl. bspw. AB 4b-a ), aber auch der Dekonstruktion, indem Geschichtsbilder und -deutungen überprüft werden sollen (vgl. bspw. AB 4b-c )

4. Im Burgmuseum - Präsentationsphase

Aufgaben
- Im Anschluss an die Erarbeitung: selbständige Kontrolle der Ergebnisse in den Gruppen, Vorbereitung einer Präsentation und anschließend Vorstellung der Ergebnisse vor der Klasse
- Auf Grundlage der Präsentationen: Silbenrätsel am Ende zur Sicherung wichtiger Begriffe bzw. Inhalte

Methodische Hinweise
- Zur Vorbereitung der Präsentationen erhalten die Gruppen am Ende der Erarbeitungsphase jeweils ein Lösungs- bzw. Hinweisblatt:
AB 5b-a Baugeschichte der Waldburg Präsentation
AB 5b-b Auf der und um die Burg Präsentation
AB 5b-c Ritter und Ritterleben Präsentation
AB 5b-d Recht, Richter und Gericht Präsentation
AB 5b-e Reichskleinodien Präsentation
- Die Lösungs- bzw. Hinweisblätter müssen rechtzeitig in die Gruppen gegeben werden
- Ein Teil der Ergebnispräsentationen erfolgt in Form kleinerer Rollenspielszenen
- Für die Präsentationen geht die Klasse von Raum zu Raum
- Nach den Präsentationen: Klasse löst Silbenrätsel auf der Rückseite; als bewusster Ruhepunkt in Einzelarbeit möglich, aber auch andere Sozialformen oder sukzessive Lösung nach den jeweiligen Präsentationen sind situationsabhängig denkbar

Ziele
Förderung der personalen, aber auch der Sachkompetenz in der Präsentationsphase

5. Abschied von der Waldburg: AB 6b Abschied von der Waldburg

Zu Impulse - Ziele: siehe Variante A


Behandlung des Themas in der Schule

Für eine sinnvolle und fruchtbare Vernetzung von Schule und Lernort bedürfen die Erkundung und damit der Einsatz des Lerngangmoduls sowohl der unterrichtlichen Vorbereitung als auch der Nachbereitung im Klassenverband.

1. Vorbereitung

Aufgabe
- Mit Hilfe von Bildimpulsen Entwicklung von Fragen, die als Leitfragen für die Erkundung dienen können
- Je nach gewählter Lerngangsvariante A oder B unterscheiden sich auch die Bildimpulse und damit die Arbeitsbögen:
AB 1a Vor der Exkursion - Bilder von der Waldburg (Unterricht)
AB 1b Vor der Exkursion - Bilder von der Waldburg (Unterricht)

Ziele
- Übergeordnet: Förderung der Fragekompetenz
- Konkret: Erarbeitung lernerfahrungs- und erkenntnisbezogener Fragestellungen

2. Nachbereitung

Zur Nachbereitung des Lerngangs im Unterricht stehen verschiedene Arbeitsbögen zur Verfügung, die sich ebenfalls an den unterschiedlichen Varianten A und B orientieren, die aber prinzipiell unabhängig vom Lerngang eingesetzt werden können. Dies gilt insbesondere für die Arbeitsbögen AB 7b-a ff., die einer thematischen Vertiefung dienen

Variante A: AB 5b-a Die Waldburg - nach der Exkursion (Unterricht)

Aufgaben
„Zusammenstreichen“ einer Skizze zur heutigen Waldburg auf mittelalterliche Verhältnisse; Formulierung eines Fazits zur Veränderbarkeit historischer Gebäude; Verschriftlichung der Erkenntnisse zur Burg im Mittelalter im Rahmen einer fiktiven Gesprächssituation

Ziel
Schriftliche Sicherung des Kompetenzerwerbs, insbesondere bezüglich der historischen Orientierungskompetenz

Variante B:
AB 7b-a Burganlage - Gab es DIE Burg (Unterricht)
AB 7b-b Ministerialen - Diener oder Aufsteiger (Unterricht)
AB 7b-c Grundherrschaft - ein Gemälde gibt Auskunft (Unterricht)
AB 7b-d Reichsinsignien - Mehr als Zeichen der Macht (Unterricht)

Themen und Einsatzmöglichkeiten
- In den Arbeitsbögen sind unterrichtsrelevante thematische Vertiefungspunkte (Burganlage, Ministerialen, Grundherrschaft, Reichsinsignien) methodisch-didaktisch aufbereitet
- Die Bögen können - an den Unterrichtsbedürfnissen orientiert - sukzessive eingesetzt werden, aber auch die Organisation einer Lerntheke ist denkbar

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- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Tübingen -