Hintergrundinformationen

Methode

Lernorterkundung

Nahezu alle Schulklassen nehmen museumspädagogische Themen wahr. Dies macht auch sehr viel Sinn. Die Schüler sind während der gesamten Einheit mit dem Thema handelnd beschäftigt. Die Museumsführer sind für ihre Einheiten bestens vorbereitet und haben ein gutes Gefühl im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen. Es ist ideal, den themenorientierten Museumsbesuch als zentrale Einheit eines Curriculums einzusetzen.

Der Lernort "Freilichtmuseum" ermöglicht die Vermittlung einer Vielzahl von Unterrichtsinhalten. Denkt man zuerst nur an geschichtliche Themen, vornehmlich an Regionalgeschichte, so entdeckt man bei genauerem Hinsehen Verbindungen zur Ernährungslehre, zu Technik und Textilem Werken. Aber auch Sozialkunde, Religion/Ethik und sogar literarische Themen(z. B. "Krabat") können Gegenstand eines Museumsbesuchs sein.

"Vom Korn zum Brot"
Ein Projektbeispiel aus den 13 angebotenen Themen des Freilichtmuseums Neuhausen ob Eck.
Die Website des Museums bietet Informationen über die Inhalte der angebotenen Projektthemen. Folgend der Text für das Thema "Vom Korn zum Brot":
Nach dem Erklären der verschiedenen Getreidearten bestellen die Schüler im Museum "ihr" Feld. Auf dem Museumsacker ziehen sie gemeinsam den Pflug, säen Körner von Hand in die Furche und eggen abschließend die Saat wieder zu.
Anschließend lernen sie die Erntearbeiten (Mähen mit dem "Habergeschirr", Garben binden) kennen. Danach dreschen die Schüler mit Flegeln das Getreide und reinigen es mit Hilfe eines flachen Korbes.
In der mit Wasserkraft betriebenen Hausmühle aus Peterzell erleben die Schüler, wie eine alte Mühle funktioniert. Dieser eindrucksvolle Besuch veranschaulicht ihnen den Mahlvorgang.
Im letzten Projektteil formen die Schüler "Dünnele" (schwäbische Bezeichnung für "Fladenbrote"), die im Holzbackofen gebacken werden. Zum Abschluss dürfen die Schüler ihre ofenfrischen, knusprigen "Dünnele" essen.

Die Klasse 3a der Grundschule Emmingen-Liptingen hat das Thema gewählt und die erforderlichen Arbeitsschritte nachvollzogen, die auf dem Weg vom Korn zum Brot zu gehen sind.


Im Herbst wird der Acker gepflügt

Im Herbst wird der Acker gepflügt. Die Stoppeln und Wurzeln der alten Frucht werden untergepflügt und wieder zu Erde. Durch den winterlichen Frost wird die Erde gelockert.
© Erwin Ulmer


Beim Säen muss der Bauer darauf achten, dass der Getreidesamen gleichmäßig verteilt wird.

Beim Säen muss der Bauer darauf achten, dass der Getreidesamen gleichmäßig verteilt wird.
© Erwin Ulmer


Nach der Saat wird geeggt

Nach der Saat wird geeggt, damit das Korn in den Boden kommt und keimen kann. Außerdem ist es dadurch vor den Vögeln geschützt.
© Erwin Ulmer

Wenn die Saat aufgegangen und das Korn reif ist, wird es mit einem "Habergeschirr" geerntet. Das Habergeschirr ist eine Sense, an der noch eine Art Rechen montiert ist. Auf diese Art und Weise werden die Getreidehalme schön in Reih und Glied auf den Boden gelegt, so dass man sie ganz leicht auflesen kann. Mit einem Strohband (oft auch mit dem Garbenseil) wird das Getreide zu Garben gebunden, auf den Wagen geladen und nach Hause gefahren.


In der Scheune schlägt man mit einem Dreschflegel auf die Ähren

In der Scheune schlägt man mit einem Dreschflegel auf die Ähren. Dabei lösen sich die Körner aus den Ähren.
© Erwin Ulmer


In einem flachen, großen Korb werden die ausgedroschenen Körner und die Spreu getrennt

In einem flachen, großen Korb werden die ausgedroschenen Körner und die Spreu getrennt: das Getreide wird gereinigt.
© Erwin Ulmer


Mühle

Mühle
© Erwin Ulmer


Jetzt kann das Korn erst gemahlen werden

Jetzt kann das Korn erst gemahlen werden. In der Mühle wird das Getreide in den Trichter geworfen und von den Mühlsteinen zermahlen. Das feine Mehl fällt durch das Mehlsieb in den Mehlkasten.
© Erwin Ulmer


Der Rest (Kleie) kommt wieder aus der Mühlanlage heraus an einer Öffnung, die einem Gesicht mit großem offenem Mund ähnelt. Man nennt diese Öffnung deswegen "Kleiekotzer".

Aus dem Mehl knetet man mit Hilfe von Wasser, Hefe und Salz den Brotteig und lässt ihn ziehen

Aus dem Mehl knetet man mit Hilfe von Wasser, Hefe und Salz den Brotteig und lässt ihn ziehen. Aus dem Teig kann man Brotlaibe, Wecken oder auch so genannte Dünnele formen. Mit Speck und Zwiebeln belegt sind sie recht nahrhaft.
© Erwin Ulmer


 Die geformten Teigstücke werden auf den Brotschieber (Backschaufel) gelegt

Die geformten Teigstücke werden auf den Brotschieber (Backschaufel) gelegt und in den vorgeheizten Backofen "eingeschossen".
© Erwin Ulmer


Nach etwa 20 Minuten sind die Dünnele fertig

Nach etwa 20 Minuten sind die Dünnele fertig und können aus dem Ofen geholt werden. Auf einem großen Tuch, das auf einem Holzbrett liegt, werden sie serviert.
© Erwin Ulmer


Weitere Projektthemen, die zur Auswahl stehen:

- Krabats Welt
- Leben auf dem Bauernhof
- Vom Flachs zum Leinen
- Wir bauen eine Fachwerkwand
- Feuer und Licht
- Schaf und Wolle
- Kindheit auf dem Lande
- Täglich fünfmal "rauhe Kost"
- Bienen, Wachs und Honig
- Feuer und Eisen
- Arm und Reich auf dem Land
- Struktur und Wandel der vorindustriellen Agrargesellschaft
- Spielend durchs Museum

Konkrete Informationen zu den einzelnen Aktionen finden Sie auf der Website des Freilichtmuseums.


Die Themen im Bildungsplan:

1. Vom Korn zum Brot

  • Grundschule: Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur, ab Kl. 2
  • Hauptschule/Werkrealschule: Fächerverbund Materie - Natur - Technik, Kl. 6
  • Realschule: Fächerverbund Naturwissenschaftliches Arbeiten (7)
  • Gymnasium: Biologie Kl. 6
  • auch für Förderschulen geeignet (nach vorheriger Absprache)

2. Leben auf dem Bauernhof

  • Grundschule: Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur, ab Kl. 2
  • auch für Förderschulen geeignet (nach vorheriger Absprache)

3. Vom Flachs zum Leinen

  • Grundschule: Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur, ab Kl. 2
  • Hauptschule/Werkrealschule: Fächerverbund Materie - Natur -
    Technik, Kl. 6
  • Realschule: Fächerverbund Naturwissenschaftliches Arbeiten, Kl. 5-7
  • Gymnasium: Biologie, Kl. 6
  • auch für Förderschulen geeignet (nach vorheriger Absprache)

Vom Flachs zum Leinen

Vom Flachs zum Leinen
© Erwin Ulmer

4. Wir bauen eine Fachwerkwand

  • Grundschule: Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur, ab Kl. 3
  • Hauptschule/Werkrealschule: Fächerverbund Materie - Natur - Technik, Kl. 6
  • Realschule: Geschichte, Kl. 6
  • auch für Förderschulen geeignet (nach vorheriger Absprache)

5. Feuer und Licht

  • Grundschule: Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur, Kl. 4
  • auch für Förderschulen geeignet (nach vorheriger Absprache

6. Vom Schaf zur Wolle

  • Grundschule: Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur, ab Kl. 1
  • Hauptschule/Werkrealschule: Fächerverbund Materie - Natur - Technik, Kl. 6
  • auch für Förderschulen geeignet (nach vorheriger Absprache)

7. Kindheit auf dem Lande

  • Grundschule: Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur, ab Kl. 1
  • auch für Förderschulen geeignet (nach vorheriger Absprache)

8. Täglich fünfmal "rauhe Kost"

  • Grundschule: Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur, Kl. 2 und 4
  • Hauptschule/Werkrealschule: Fächerverbund Wirtschaft - Arbeit - Gesundheit, Kl. 6
  • Realschule: Mensch und Umwelt, Kl. 8

9. Bienen, Wachs und Honig

  • Grundschule: Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur, ab Kl. 2
  • Hauptschule/Werkrealschule: Fächerverbund Materie - Natur - Technik, Kl. 6
  • Realschule: Fächerverbund Naturwissenschaftliches Arbeiten, Kl. 7
  • Gymnasium: Biologie, Kl. 6

10. Feuer und Eisen

  • Grundschule: Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur, Kl. 4
  • Hauptschule/Werkrealschule: Fächerverbund Materie - Natur - Technik, Kl. 6,
  • Realschule: Technik, Kl. 8; Geschichte, Kl. 6
  • für Förderschulen geeignet (nach vorheriger Absprache)

11. Arm und Reich auf dem Land

  • Hauptschule/Werkrealschule: Fächerverbund Welt - Zeit - Gesellschaft, Kl. 6
  • Realschule: Geschichte, Kl. 6
  • Gymnasium: Geschichte Kl. 10

12. Struktur und Wandel der vorindustriellen Agrargesellschaft

  • Gymnasium: Geschichte, Kl. 10

13. Spielend durchs Museum

  • Grundschule: Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur, Kl. 2

14. Krabats Welt
Besonders geeignet als fächerübergreifendes Projekt in den Fächern Geschichte , Deutsch (Literatur), Religion/Ethik

  • Realschule ab Klasse 8
  • Gymnasium ab Klasse 6


Behandlung des Themas in der Schule

Grundschule
Das Thema "Vom Korn zum Brot" ist auf die Bedürfnisse der Grundschule zugeschnitten.

Als Vorbereitung des Museumsbesuchs können die Schüler die Getreidesorten kennenlernen. Dazu können die Arbeitsblätter 1 bis 8 herangezogen werden, welche durch Bilder und kurze Texte die Schüler über die Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Dinkel, Reis und Hirse informieren. Die eingefügten Bilder können auch separat zum Beispiel mit Hilfe einer Powerpoint präsentiert werden, da sie bis auf eine Ausnahme selbst hergestellt sind und über die nötige Auflösung verfügen.
Auch die Texte können zu Arbeitsblättern gesondert zusammengesetzt werden
Wichtig ist für die Vorbereitung auch, die Regeln für das Verhalten im Freilichtmuseum schon im Klassenzimmer bekanntzumachen.

Als Nachbereitung bietet sich eine Ausstellung und ein Lernzirkel an.

Auf einer Informationswand kann Wissenswertes über die verschiedenen Getreidesorten dargestellt werden. An einer anderen Wand können Arbeitsschritte anhand von Fotos vom Tag im Freilichtmuseum gezeigt und der passende Text (vgl. Arbeitsblatt) daneben fixiert werden.

Informationswand zu Getreidesorten

Informationswand zu Getreidesorten
© Erwin Ulmer


Informationswand zu den Arbeitsschritten

Informationswand zu den Arbeitsschritten "Vom Korn zum Brot"
© Erwin Ulmer

Auf einem Tisch können selbst gesammeltes Getreide oder auch Getreideprodukte präsentiert werden. Das Thema "Brot backen" drängt sich im Anschluss an die Einheit natürlich auf.
Hier ein einfaches Brotrezept:


Lernzirkel: Vorschläge für einzelne Stationen

Getreideprodukte sortieren

  • In einem Korb bzw. einer Kiste befinden sich verschiedenste Getreideprodukte. Durch das Lesen der Inhaltsstoffe auf der Verpackung können sie die Waren in kleinere Kisten verteilen, die mit dem Namen der Getreidesorte versehen sind.
  • Stecktafel: Bezeichnen von Teilen der Frucht und Getreidesorten
    Auf eine Holzplatte wird das folierte AB 9 geklebt. An den markierten Punkten wird mit einem sehr dünnen Bohrer ein Löchlein gebohrt (es kann auch ein Nagel eingeschlagen und anschließend wieder herausgezogen werden). AB 10 ebenfalls folieren, die Fähnchen mit den Bezeichnungen ausschneiden und an einem Nägelchen befestigen. Die Arbeitsanweisung auf dem Arbeitsblatt dazulegen, ebenso das Kontrollblatt AB 11 .
  • Erkennst Du die Getreidekörner?
    In möglichst gleichartige Marmeladegläser werden die verschiedenen Getreidesorten gefüllt, der Deckel wird mit der Getreidesorte beschriftet. Nun werden die Gläser mit dem Deckel nach unten abgelegt. Auf dem Tisch liegen Namenskärtchen der Getreidesorten. Die Schüler müssen die Kärtchen auf die Gläser legen. Durch Umdrehen der Gläser erfolgt die Lernzielkontrolle. Arbeitsanweisung: siehe AB 12 .

Nach etwa 20 Minuten sind die Dünnele fertig

Nach etwa 20 Minuten sind die Dünnele fertig und können aus dem Ofen geholt werden. Auf einem großen Tuch, das auf einem Holzbrett liegt, werden sie serviert.
© Erwin Ulmer

  • Getreide-Fühl-Memory
    Auf Sperrholzplättchen werden jeweils zwei gleiche Ähren oder Körner (bei Mais und Hirse) mit Hilfe von Heißkleber befestigt. Die Kinder müssen mit verbundenen Augen die zusammengehörigen Plättchen ertasten. Diese Station ist etwas 'verschleißanfällig', macht den Schülern aber großen Spaß. Arbeitsanweisung: siehe AB 13 .


Getreide-Fühl-Memory

Getreide-Fühl-Memory
© Erwin Ulmer

  • Getreide und Mehl wiegen
    Dazu benötigt man eine Briefwaage, ein leichtes Schälchen, ca. 50 Gramm Mehl, ca. 50 Gramm Weizen (es geht auch Roggen), ca. 50 Gramm Mais und die Bedienungsanleitung auf AB 14 .

    Als eine Form von Lernzielkontrolle können AB 15a und AB 15b verwendet werden. Die Bilder auf dem einen und die Texte auf dem anderen Blatt werden ausgeschnitten und richtig zugeordnet.

    Weitere Stationen können Sie dem Heft "Lernen an Stationen" - Themenheft "Getreide" erschienen im Cornelsen Verlag Scriptor, Berlin entnehmen.

    Eigenes Brot backen: Siehe D 1
  • Religion:
    Es bieten sich folgende Gleichnisse Jesu an:
    Markus 4, 28: Vom Aufwachsen der Saat
    Matthäus 13: Vom Weizenkorn (Auch Gleichnis vom Sämann)
    Johannes 14,1-6: Das Weizenkorn muss sterben

    Lieder für den Religionsunterricht:
    "Das Weizenkorn muss sterben, sonst bleibt es ja allein"
    "Brot in meiner Hand, ich brech ein Stückchen ab"
  • Musik:
    Lieder zum Thema:
    "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach"
    "Im Märzen der Bauer"
    "Das Wandern ist des Müllers Lust"
    "Das Reislied. Auf der großen weiten Welt ..." Aus: Die Zugabe Band 3, erschienen im Fidula Verlag
  • Deutsch:
    In vielen Märchen ist das Thema "Müller" und "Brot" Gegenstand der Geschichte: zum Beispiel: "Rumpelstilzchen", "Frau Holle", "Hans im Glück", "Hänsel und Gretel" usw.

- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Freiburg -


letzte Änderung: 2013-08-05