"Hexenschwaben und Schermaus-Italiener": Ein- und Auswanderung im Gebiet des heutigen Landkreises Sigmaringen seit der Frühen Neuzeit

Methodenvorschlag

2 Behandlung des Themas in der Schule

Impuls (Plenum)

- Vor Beginn der Unterrichtseinheit: Die Lehrkraft fragt nach, welche Schülerinnen / Schüler der Lerngruppe bzw. deren Eltern / Vorfahren im weitesten Sinne einen „Migrationshintergrund“ haben (also nicht aus der Region Sigmaringen stammen). Die Anzahl der Meldungen wird festgehalten. Die Lernenden erhalten die Aufgabe, nach der Herkunft der eigenen Familie zu recherchieren.

- Zu Beginn der Unterrichtseinheit: Die Ergebnisse der Recherche werden mit der ersten, unvorbereiteten Erhebung verglichen. In der Regel wird sich zeigen, dass deutlich mehr Schüler als zunächst angenommen aus einer Familie mit „Migrationshintergrund“ stammen. Der möglicherweise überraschende Befund wird in der Lerngruppe thematisiert.
Die Lehrkraft informiert darüber, dass
a) der Südwesten seit vielen Jahrhunderten Ein-, aber auch Auswandererregion ist.
b) Baden-Württemberg den höchsten Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund aller Flächenländer der Bundesrepublik aufweist (Mikrozensus 2011).
c) mit Verweis auf diese Tatsache erstmals von der rot-grünen Landesregierung unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Jahre 2011 ein „Ministerium für Integration“ eingerichtet wurde, das Maßnahmen für eine „aktive Integrationspolitik“ vorantreiben soll.

Anhand der Reflexion über die Umfrageergebnisse werden die Lernenden dafür sensibilisiert, dass

a) der Themenkreis Migration nicht nur Phasen der Einwanderung, sondern auch Phasen massenhafter Auswanderung aus der Region umfasst.
b) sich das Thema Einwanderung keineswegs auf die Themenbereiche „Gastarbeiter“ und Asylbewerber beschränkt.
c) das Bild einer über Jahrhunderte hinweg statischen Gesellschaft in der Region völlig falsch ist.
d) der „Migrationshintergrund“ vieler Mitbürger in der Öffentlichkeit oft gar nicht wahrgenommen wird, erfolgreiche Integration in der Region also offensichtlich eher den Regel- als den Ausnahmefall darstellen dürfte.

Davon ausgehend verdeutlicht die Lehrkraft die Zielsetzung des Moduls: Analyse unterschiedlicher Migrations-Phasen der Neuzeit in der Region, Vergleich der verschiedenen Phänomene, Untersuchung im Hinblick auf Integration fördernde bzw. „hemmende“ Faktoren, Diskussion möglicher Konsequenzen für eine moderne, erfolgreiche Integrationspolitik.

- Mögliche Erweiterung des Impulses: Suche nach „Migrationsspuren“ in der Region. Die Lehrkraft sensibilisiert die Lernenden dafür, dass auch heute die bewegte Migrationsgeschichte der Region Sigmaringen für jeden ersichtlich ist. In einem „Gallery Walk“ (alle Bilder außer B 14 jpg-Datei) präsentiert die Lehrkraft den Schülern Personen, Gegenstände und Orte, die mit der Migrationsgeschichte der Region Sigmaringen zusammenhängen. Jedes Schülerteam entscheidet sich für ein Bild, das es (zeitlich / geographisch / inhaltlich) identifizieren kann und stellt dieses vor. Dabei versuchen die Lernenden – evtl. spekulativ - einen Zusammenhang mit dem Oberthema herzustellen. Die Lehrkraft informiert über den Zusammenhang.

Erste Erarbeitungsphase: Veranschaulichung der Migrationsgeschichte durch einen Zeitstrahl (Gruppenarbeit)

- Die Lernenden veranschaulichen die einzelnen Migrationsphasen in der Region Sigmaringen mittels eines von der gesamten Lerngruppe arbeitsteilig zu entwickelnden Zeitstrahls (Arbeitsauftrag: AB 10 AB 1 bis AB 9) und wertet dieses nach demselben Kriterienkatalog aus ( AB 10
1. Push-Faktoren: Ursachen, die Migranten bewegen, ihre „alte“ Heimat zu verlassen.
2. Pull-Faktoren: Ursachen, die Migranten bewegen, in ein bestimmtes Land / eine bestimmte Region einzuwandern.
3. Faktoren, die die Integration „in der Fremde“ erleichtern.
4. Faktoren, die die Integration „in der Fremde“ erschweren.

An einer Wand des Klassenzimmers entsteht ein Zeitstrahl (ca. 3 m lang und 1,20m hoch), der einen Vergleich der Migrationsphasen anhand der erarbeiteten Kriterien ermöglicht.

Binnendifferenzierung:

a) Nach Möglichkeit sollen Lernende mit Migrationshintergrund das ihrer Biographie entsprechende Thema wählen können.
b) Mit Ausnahme von AB 1 und AB 5 stehen jedem Team mehrere Arbeitsblätter zur Verfügung (a, b, c). Zur Lösung der Aufgabe genügt das erste Arbeitsblatt. Leistungsstärkere Gruppen bearbeiten die weiteren Arbeitsblätter in der vorgegebenen Reihenfolge.

Erste Zusammenführung der Ergebnisse, Problematisierung (Plenum)

- Die einzelnen Teams stellen ihre Ergebnisse anhand des Zeitstrahls vor.

- Vergleich der einzelnen Migrationsphasen anhand der vorgegeben Kriterien ( AB 10
- Sekundarstufe II: Die Lehrkraft führt die Begriffe „Integration“, „Akkulturation“ und „Assimilation“ ein. Gemeinsam werden die einzelnen Phänomene den Begriffen zugeordnet.

- Zur Heranführung an die zweite Erarbeitungsphase stellt die Lehrkraft die Impulsfrage, inwiefern die Erkenntnisse aus der Geschichte für uns heute wichtig sein können.

Zweite Erarbeitungsphase: Anwendung historischer Erkenntnisse (Gruppenarbeit)

Die Lehrkraft führt in das Szenario der zweiten Plenumsphase ein: Das „Ministerium für Integration“ des Landes Baden-Württemberg sucht nach gelingenden Strategien zur Integration von Migranten. Auch Historiker sind eingeladen, ihre Erkenntnisse einzubringen.
Damit in den einzelnen Lerngruppen ein möglichst breiter Überblick über die verschiedenen historischen Migrationsphasen gewährleistet ist, werden neue Arbeitsgruppen gebildet (jeweils vier Schüler). Während der Erarbeitungsphase sollen die Lernenden die Informationen des Zeitstrahls nutzen.

Sekundarstufe I / II:

1. Formulierung historischer Gegenargumente gegen vorgegebene rechtsgerichtete „Stammtischparolen“
2. Entwicklung von kurzen, prägnanten Slogans für eine Plakataktion gegen Fremdenfeindlichkeit

AB 11a  AB 11b
Sekundarstufe II:

Entwicklung einer Rede eines Historikers auf einem „Integrationskongress“ des Ministeriums für Integration

AB 12a  AB 12b
Abschluss / Reflexion (Plenum)

Präsentation der Ergebnisse:
AB 11a AB 11b  AB 12a AB 12b
Abschluss:

Sekundarstufe I:
Die Lernenden formulieren drei wichtige historische Erkenntnisse, die das Ministerium für Integration für eine erfolgreiche Integrationspolitik beachten muss.

Sekundarstufe II:
Diskussion über Chancen und Grenzen des Vergleichs historischer Migrationsphänomene mit aktuellen Migrations- und Integrationsproblemen


Reduktionsmodell - „Das Thema in 2 Unterrichtsstunden“

Impuls und Organisation der ersten Erarbeitungsphase (Plenum, 10´)

Wie oben, aber Beschränkung auf sieben Migrationsphänomene:
AB 1 AB 2a AB 3a AB 6a AB 7a AB 8a AB 9a 
Erste Erarbeitungsphase (Gruppenarbeit, 30´):
Veranschaulichung der Migrationsphänomene durch einen Zeitstrahl

Wie oben. Die Gruppen arbeiten ausschließlich mit dem ersten Arbeitsblatt (a)

Zusammenführung der Ergebnisse (Plenum, 25´)

Die einzelnen Teams stellen ihre Ergebnisse in jeweils drei Minuten anhand des Zeitstrahls vor.

Zweite Erarbeitungsphase: Anwendung historischer Erkenntnisse (Gruppenarbeit, 15´)

Damit in den einzelnen Lerngruppen ein möglichst breiter Überblick über die verschiedenen historischen Migrationsphasen gewährleistet ist, werden neue Arbeitsgruppen gebildet (jeweils vier Schüler).

Die Lehrkraft informiert darüber, dass die verstärkte Einwanderung von „Spätaussiedlern“ und Asylbewerbern in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu einer deutlichen Zunahme fremdenfeindlicher Tendenzen (bis zu gewalttätigen Ausschreitungen) geführt hat, die die Politik bis heute „in Atem halten“.
Die Gruppen erhalten je ein Arbeitsblatt mit einer rechtsgerichteten „Stammtischparole“, der sie aufgrund der Informationen des Zeitstrahls Gegenargumente gegenüberstellen.
Sekundarstufe I: AB 13a Sekundarstufe II: AB 13b
Abschluss und Reflexion (Plenum, 10´)

Präsentation der Ergebnisse.

Sekundarstufe I:
Die Lernenden formulieren drei wichtige historische Erkenntnisse, die das Ministerium für Integration für eine erfolgreiche Integrationspolitik beachten muss.

Sekundarstufe II:
Kurze Diskussion über Chancen und Grenzen des Vergleichs historischer Migrationsphänomene mit aktuellen Migrations- und Integrationsproblemen

 

- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Tübingen -