Der Fall des Bruno Helmle

Methodenvorschlag

2 Behandlung des Themas in der Schule

Die Einheit von zwei bis drei Doppelstunden eignet sich besonders für projektorientiertes Arbeiten. Der Ablauf ist für SEK 1 und SEK 2 möglich.

Erste Doppelstunde
Der Einstieg erfolgt über AB 1 . Anhand einer SÜDKURIER-Meldung und eines Briefs von Helmle, in dem er der Stadt Konstanz den Judenfriedhof zum Verkauf anbietet, soll in das Thema eingeführt werden. Auch sollen sich die Schüler mit der Frage auseinandersetzen, inwiefern das Handeln eines Menschen im Nationalsozialismus zur posthumen Aberkennung der Ehrenbürgerschaft führen kann. Am Ende des Einstiegs sollte die Leitfrage und das Ziel für die Kurzeinheit formuliert werden: Inwiefern ist es gerechtfertigt, Bruno Helmle die Ehrenbürgerschaft der Stadt Konstanz abzuerkennen.

Im zweiten Teil der Doppelstunde kann AB 2 behandelt werden. Es enthält als zentrale Quelle die Entscheidung der Spruchkammer Freiburg im Rahmen des Entnazifizierungsverfahrens Helmles. Diese entlastete Helmle vollständig, und die Quelle eignet sich besonders zur Einübung von Quellenkritik (Welche Entscheidungsgrundlage hatte die Spruchkammer? Welche Umstände begünstigten möglicherweise Falschaussagen?); auch veranschaulicht es die Vorgehensweise der Entnazifizierung in den Westzonen.

Aus Gründen der Zeitersparnis kann AB2 auch weggelassen werden. Die wesentlichen Inhalte können auch in einem kurzen Lehrervortrag erläutert werden. Wird AB2 weggelassen, wird eine Einzelstunde gewonnen.

Zweite Doppelstunde
Sie dient zur Erarbeitung des für eine Bewertung Helmles nötigen Hintergrundwissens. Die AB 3 , 4 , 5 können in arbeitsteiliger Gruppenarbeit bearbeitet werden, wobei die Gruppen gemeinsam je ein Arbeitsblatt bearbeiten sollen. Hier kann binnendifferenziert gearbeitet werden: AB 4 ist sprachlich wie inhaltlich anspruchsvoll, AB 3 eher leicht, AB 5 mittelschwer.

In einem kurzen Lehrervortrag sollten die Arbeitsblätter kurz vorgestellt und dabei deutlich gemacht werden, dass sich die Quellen und Darstellungen mit Helmles beruflichen Tätigkeiten während der NS-Zeit beschäftigen. AB 3 (eher leicht) beschäftigt sich mit Helmles Einsatz für die katholische Kirche, was ihm nach seiner Aussage und der von Zeugen im Spruchkammerverfahren große berufliche Nachteile einbrachte. AB 4 (schwierig) beschreibt seine beruflichen Tätigkeiten beim Finanzamt Mannheim während der NS-Zeit, AB 5 (mittelschwer) thematisiert, inwiefern Helmle von der Judenverfolgung profitierte.
Zur Zeitersparnis kann auf AB4 (berufliche Tätigkeiten Helmles) verzichtet werden, wenn die wesentlichen Informationen in einem kurzen Lehrervortrag präsentiert werden.Wird AB4 weggelassen, kann eine Einzelstunde eingespart werden.

Wichtig ist, dass die Ergebnisse der Gruppenarbeit intensiv besprochen werden. Es bietet sich an, dass die Gruppen ihre Ergebnisse in einem Kurzvortrag (maximal 5 Minuten) mit Visualisierung (Folie) vorstellen. Als Hausaufgabe sollen die Schüler zu einer eigenständigen Bewertung Helmles kommen.

Dritte Doppelstunde
Hier soll Helmles Handeln während der NS-Zeit bewertet werden. Dabei wird zunächst die Hausaufgabe besprochen. Möglich ist, dass die Schüler ihre Hausaufgaben zunächst in Kleingruppen besprechen und der Lehrer dann eine Diskussion im Plenum anschließt.
Im zweiten Teil der Doppelstunde können sich die Schüler mit AB 7 und/ oder AB8 beschäftigen. AB 7 enthält Zeitungsmeldungen über die Gründe des Verlusts der Ehrenbürger- und Ehrensenatorwürde, AB 8 einen SÜDKURIER-Kommentar zum Entzug der Würden.
Hier geht es darum, dass die Schüler Ihre Einschätzungen mit denen des Konstanzer Gemeinderats, des Senats der Universität Konstanz und eines Journalisten vergleichen.

Projekt in SEK 2
Für die SEK 2 ist es vorstellbar, die ganze Einheit in Form eines Projekts durchzuführen. Dabei ist denkbar, dass sich nur ein Teil der Klasse mit diesem Modul beschäftigt. Die Arbeitsanweisungen finden sich auf dem AB `Projekt SEK 2´ .

Reduktionsmodell - Kurzversion für 2 Unterrichtsstunden

Als Einstieg kann der Lehrer die in AB 1 enthaltenen Informationen in einem Lehrervortrag darstellen. Im Anschluss sollen die Schüler Meinungen dazu äußern, unter welchen Umständen eine Aberkennung der Ehrenbürgerwürde gerechtfertigt sein könnte. (15 min.)
In der Erarbeitungsphase bearbeiten die Schüler in arbeitsteiliger Gruppenarbeit die Arbeitsblätter 3 und 5. Sie dient zur Erarbeitung des für eine Bewertung Helmles nötigen Hintergrundwissens. (30 min.)
In der Auswertungsphase tragen zwei Gruppen (je eine zu AB 3 und AB 5 ihre Ergebnisse vor, die anderen Gruppen ergänzen, der Lehrer vertieft und präzisiert gegebenefalls. (20 min.)
In der folgenden Reflexionsphase sollen die Schüler zu zweit oder in Vierergruppen diskutieren, ob Helmle aufgrund seines Handelns im Nationalsozialismus die Ehrenbürgerwürde der Stadt Konstanz aberkannt werden solle. Zum Abschluss kann Material 1 von AB 7 (Entzug der Würden) den Schülern vorgelegt werden. In dem SÜDKURIER-Artikel werden die gründe des gemeinderats für die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde erläutert. Material 1 kann mit dem entsprechenden Arbeitsauftrag auch als Hausaufgabe gegeben werden. (20 min.)

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- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Freiburg -