Das Schicksal der Helene Krötz

Lernorterkundung

Hauptschule/Werkrealschule, Realschule, Gymnasium (S I)

1. Stolperstein für Helene Krötz

Seit 1990 beschäftigt sich der Künstler Gunter Demnig mit dem Projekt „Stolperstein“. Mit diesen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertreiben oder in den Suizid getrieben wurden. In der Gemeinde Urbach erinnert seit 2010 ein Stolperstein an das Schicksal der Helene Krötz.

Die im Boden einbetonierte Gedenktafel bildet ein erster Impuls für eine vertiefte Beschäftigung mit dem Schicksal von Helene Krötz und dem Thema Euthanasie-Morde im Nationalsozialismus.

Methodische Impulse: Stilles Lesen, Schüsselworte, Fragen stellen, Vermutungen anstellen auf 10x10 cm große Kärtchen, die neben dem Gedenkstein gelegt werden. Kurze Lehrerschilderung über den auf dem Dachboden gefundenen Karton.
Die weitere Beschäftigung erfolgt im innerschulischen Unterricht.

2. Besuch der Diakonie Stetten
Auf den Spuren von Helene Krötz, die von 1926 bis zum 18. September 1940 in der „Heil- und Pflegeanstalt Stetten“ lebte, begaben sich 2010 die Schülerinnen und Schüler der Wittumschule Urbach. Neben dem Gedenkbuch und einem Gedenkstein mit dem Namen der Opfer befinden sich im Archiv der Diakonie zahlreiche u.a. Pflegeberichte von Helene Krötz.

3. Besuch der Gedenkstätte Grafeneck


Behandlung des Themas in der Schule

Ein konkreter Vorschlag für die Behandlung des Themas „Euthanasie im Nationalsozialismus – Gedenkstätte Grafeneck “ ist dem gleichnamigen Unterrichtsmodul zu entnehmen.
Zudem befinden sich in der Publikation der lpb „Wohin bringt ihr uns ?“ zahlreiche Materialien (Hintergrundinformationen, Quellen und Arbeitsblätter). Aufgrund dieser ausführlichen didaktisch-methodischen Angebote sind die folgenden Vorschläge lediglich als Unterrichtsimpulse zu verstehen.

Am Schicksal von Helene Krötz sollen die Schülerinnen und Schüler exemplarisch

  • das Unrecht und das Leid erkennen, das den Opfern des Nationalsozialismus zugefügt wurde (BP 2004, HS/WRS, WZG, S.134)
  • wesentliche Elemente nationalsozialistischer Ideologie aufführen und deren Unrechtscharakter aufzeigen (BP 2004, RS 10, S.108 )
  • darstellen, wer Verantwortung trug, wer zustimmte, wer verfolgt wurde und welche Menschen und Gruppen sich der totalitären Ideologie widersetzten (BP 2004, RS 10, S.108 )
  • persönliche Schicksale der weltanschaulichen und rassischen Verfolgung vor und im Zweiten Weltkrieg beschreiben und diese auf die nationalsozialistische Ideologie und Herrschaftspolitik zurückführen (BP 2004, GY 10, S.224)

Darüber hinaus sollen auch aktuelle Wertvorstellungen (GG Art. 1 –Art.3) sowie die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen) erörtert werden.

Das Schicksal der Helene Krötz wurde insbesondere durch die Auswertung von Briefen, Berichten, Formularen etc., die sich in einem Karton auf dem Dachboden der Urbacher Familie Krötz befanden ans Tageslicht befördert.
Diese Ausgangssituation bildet die Grundlage einer möglichst entdeckenden und erforschenden Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem Thema, die bei der Beschäftigung mit den „persönlichen“ und „amtlichen“ Unterlagen das damalige Geschehen rekonstruieren und es mit unseren heutigen Wertmaßstäben in Beziehung bringen sollen.

Methodische Anregungen:

Einstieg:
Impuls Bild „Stolperstein“ für Helene Krötz
Betrachten, vermuten, Hypothesen bilden, schriftlich Fragen formulieren (Stellwand), Strukturierung der Fragen zu Themenkomplexen. Kurze Lehrerschilderung über den auf dem Dachboden gefundenen Karton.

Zielformulierung:
Überprüfung der gestellten Fragen und Vermutungen – Grundlagen schaffen für das abschließende Unterrichtsgespräch.
Weiterführende Ziele (Besuch der Gedenkstätte Grafeneck, Ausstellung, Gestaltung einer Feier anlässlich des Gedenktags „27. Januar“, Besuch einer Behinderteneinrichtung etc.) können ein Ergebnis des Unterrichtsgesprächs sein.

Organisation (ca. 2 Doppelstunden):

„Akten“
- Persönliche „Akte“ mit der Aufschrift „Helene“
- Amtliche „Akte“ mit der Aufschrift „H.K. – Grafeneck 1940“
mit Textquellen und Abbildungen

Informationstisch mit
- darstellenden Texten
- Arbeitsblättern sowie dem Grundgesetz und Informationen über die
„UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“

Klasse wird in die Gruppe „Helene“ und „H.K. – Grafeneck 1940“ aufgeteilt.

Erarbeitung

  1. Schüler „stöbern“ zuerst in ihren jeweiligen Aktenordnern, schauen sich die Abbildungen an und schmökern in den Quellen.
  2. Anschließend lesen sie entsprechend ihrer Gruppenzuteilung den jeweiligen darstellenden Text und bearbeiten die Arbeitsblätter ( AB 1 , AB 2 - AB 3 , AB 4 ).
    (Hinweis AB: Einfacher Schwierigkeitsgrad, der durch das Weglassen der Beschriftungen bzw. durch eigene grafische Darstellungen erhöht werden kann.)
  3. Als Vorbereitung für eine „Konferenz“ mit Mitgliedern der anderen Gruppe formulieren die Schüler Fragen auf einem gesonderten Blatt ( AB 5 ).
  4. „Verzahnung“ Mikrogeschichte (Helene) – Makrogeschichte (H.K. – Grafeneck 1940)

    Im anschließenden Gespräch (PA oder GA) stellen die Schüler
    - ihre Erkundigungen vor.
    (Die grafisch gestalteten Arbeitsblätter mit den stichwortartigen Ausführungen unterstützen die „Kurzpräsentationen“)

    -komplettieren, „verzahnen“ ihr Wissen durch die Beantwortung ihrer vorbereiteten und spontanen Fragen.
    Ggfs. werden zur Beantwortung der Fragen weitere „Fachleute“ hinzugezogen. Offene Fragen können beim Schlussgespräch geklärt werden.
  5. Gegenüberstellungen (anhand aller Quellen)

    - Transfer Menschenbild Nationalsozialismus – Grundgesetz ( AB 6 )
    - NS-Sprache – Realität ( AB 7 )
  6. Gesprächsrunde (Abschluss)

    Beantwortung der in der Einstiegsphase aufgeworfenen Fragen. Wiederholung und Vertiefung: Gesprächsanlässe durch „Blitzlichtkärtchen“ ( AB 8 )
    Dabei sollen neben den fachlichen Kompetenzen insbesondere
    Transfer- und Orientierungskompetenzen gefördert und aktuelle
    Bezüge zur 2006 verabschiedeten UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und zum Thema „Inklusion“ hergestellt werden.

    Weiterführende Ziele (Besuch der Gedenkstätte Grafeneck, Ausstellung, Gestaltung einer Feier anlässlich des Gedenktags „27. Januar“, Besuch einer Behinderteneinrichtung etc.) können ein weiteres Ergebnis des Klassengesprächs sein.

 

- Arbeitskreis Landeskunde/Landesgeschichte RP Stuttgart -

 

letzte Änderung: 2014-12-10