Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.


Buch des Monats April 2014

Stichkopf und der Scheusalfinder (ab 8 Jahren)


Guy Bass:

Stichkopf und der Scheusalfinder

Fischer KJB, März 2014
ISBN 978-3-596-85565-0
Hardcover 192 Seiten

Altersempfehlung: ab 8 Jahre
Übersetzung: Salah Naoura
Illustrator: Pete Williamson

Auf Burg Grottenow, nahe dem kleinen Ort Rafferskaff, gehen merkwürdige Dinge vor: Professor Erasmus Erasmus sieht seine Lebensaufgabe darin, Monster zu erschaffen. Die erste Kreatur, die er erschafft, ist Stichkopf, eine zusammengeschusterte Flickenpuppe, der der Professor das Versprechen gibt, für immer sein Freund zu bleiben. Als jedoch der Vater des Meisters, wie Stichkopf den Professor nennt, bestimmt, dass die Zeit der Kindereien vorbei sei und der Professor von nun an die Familiengeschäfte führen soll, vergisst der Meister den kleinen Stichkopf, der nun schon seit Jahren in den dunklen Ecken der Burg ein trostloses Dasein fristet, das allein darin besteht, Schadenbegrenzung bei den neuen Schöpfungen des Meisters zu betreiben. Eines Tages kommt eine Freakshow nach Rafferskaff. Der gierige Schadalbert Scheusalfinder, Direktor der Freakshow, hört im Ort von den Monstern, die der Professor erschaffen hat und die die Burg Grottenow bevölkern. Schadalbert Scheusalfinder kann sich die Gelegenheit neue Attraktionen für seine Freakshow zu bekommen, nicht entgehen lassen und macht sich auf zur Burg. Dort trifft er auf Stichkopf, den er mit dem Versprechen ihn ganz groß herauszubringen ködern will. Im letzten Moment erkennt Stichkopf, dass Scheusalfinder ihn nur benutzen will, um über ihn an den Professor heranzukommen, der für ihn Monster für die Freakshow erschaffen soll. Stichkopf gelingt es mit Hilfe seines Freundes, dem Ungeheuer, und dem Menschenmädchen Arabella die Burg und seinen Meister vor dem wütenden Mob und Schadalbert Scheusalfinder zu retten und beschließt, sich fortan nicht mehr zu verkriechen, sondern sein „Fast-Leben“ zu genießen.

Guy Bass ist es mit dem Buch „Stichkopf und der Scheusalfinder“ gelungen, eine spannende Geschichte zu schreiben, die gruselig ist ohne bedrohlich zu sein. Der Autor hat seine Zielgruppe immer im Blick. Seine Geschichte über wahre Freundschaft hält die jungen Leserinnen und Leser in Atem. Die einzelnen Kapitel sind überschaubar und werden auf vielen Seiten durch witzige, den Text stützende, schwarz-weiß Illustrationen ergänzt. Die graphische Gestaltung des Buches durch Pete Williamson ist sehr gelungen und abwechslungsreich. Der Text wird nicht nur durch Illustrationen ergänzt, sondern der Druck wechselt immer wieder von schwarz auf weiß zu weiß auf schwarz. Darüber hinaus beginnt jedes Kapitel mit einer Einführungsseite, in der nicht nur die Kapitelüberschrift genannt wird, sondern auch ein erklärender Untertitel. Zwischen zwei kleinen Illustrationen, die auf jeder Einführungsseite zu den einzelnen Kapiteln gleich sind (Burg Grottenow, sowie ein Ornament), findet sich bei den meisten Kapiteln ein kleiner Reim, der neugierig auf das folgende Kapitel macht.
Der Verlag gibt bei der Altersempfehlung acht Jahre an. Während es durchaus Schülerinnen und Schüler gibt, die dieses Buch am Ende der zweiten Klasse bewältigen können, wird es für ungeübte Leserinnen und Leser sicher eine zu hohe Anforderung darstellen. Diese Kinder können das Buch aber durchaus zu einem späteren Zeitpunkt lesen, da es auch für Kinder am Ende der Grundschulzeit noch geeignet ist.
An dieser Stelle sollte auch die Erwähnung des Hörbuchs zum Buch nicht fehlen. Die Schauspielerin Katharina Thalbach interpretiert das Buch als Sprecherin und verleiht den Figuren im Hörbuch auf einzigartige Weise Leben. Katharina Thalbach wird 2014 den Deutschen Hörbuchpreis für ihr Lebenswerk erhalten.



(Kim-AK-Lesen)